nm oem KreisbLatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: ..Nach Feierabend". ..Fürs Saus" und Landwirtschaftliche Bella«".
Der „antifofleftiütflhche BanernMdel*.
Der Parteitag der preußischen Sozialdemokratie, der in diesen Tagen in Berlin abgehalten wurde, hat sich auch in sehr eingehender Weise mit der Frage beschäftigt, wie der bäuerlichen Bevölkerung und den Landarbeitern am besten der Glaube an die Segnungen der Sozialdemokratie beizubringen sei. Man hat eine lange Resolution beschlossen, in der eine ganze Reihe von Forderungen für die Landarbeiter aufgestellt wurde, die sich auf das Koalitionsrecht, die Löhne, die Arbeitszeit, die Wohnungsfrage usw. beziehen und die ländliche Bevölkerung mit allerlei „Freiheiten" beglücken sollen. Rur schade, daß dieselbe gar nicht gesonnen ist, von diesen „Freiheiten" Gebrauch zu machen, da sie von den Verlockungen des Sozialismus nichts wissen will. Das ist den „Genossen" auch recht gut bekannt, so daß trotz der stolzen Resolution, mit der der „rote Preußentag" den „Bauernfang" zu betreiben gedenkt, in den Verhandlungen der Haß, der die Sozialdemokratie gegen die Landwirtschaft beseelt, sehr deutlich zum Ausdruck kam. Dabei spielte der „antikollektivistische Bauernschädel" wieder eine große Rolle. Die Redner der „Genossen" gaben unumwunden zu, daß nur eine höchst geringe Aussicht dafür bestehe, die Bauern für die Grundidee des sozialistischen Agrarprogramms, die kollektivistische Gestaltung des Eigentums an Grund und Boden, zu gewinnen. Von einem der „Genossen" wurde erklärt, man würde eher hundert Großgrundbesitzer für diese Idee begeistern können, als einen einzigen Bauern. Da es bisher unseres Wissens nur einen einzigen Großgrundbesitzer — in Bayern — gibt, der zur sozialdemokratischen Fahne schwört, so kann man ungefähr die Aussichten ermesien, die die Sozialdemokratie selbst der Verbreitung ihrer Sache bei unseren Landwirten zuschreibt. Der „Eenosie" Peus wiederholte seine frühere Forderung, daß die Sozialdemo, kratie so viel Agitatoren auf das Land schicken müße, als „Pfaffen" dort seien. Mit seinem Pbantasiegcmälde, von einem Heere sozialdemokratischer Streiter, das ans der ländlichen Bevölkerung zu bilden wäre, erregte er aber selbst bei seinen Parteigenossen lediglich Heiterkeit. Die ganzen Verhandlungen, die auf dem „roten Preußentag" über diese Angelegenheit geführt wurden, verrieten deutlich,, daß die Sozialdemokratie nach wie vor den „antikollektivistischen Bauernschädel" für das größte Hindernis der Ausbreitung des Sozialismus auf dem Lande betrachtet. Hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so. Das Wort, das die Sozialdemokraten als in einem beschimpfenden Sinne meinen, sollten unsere Landwirte als eine Ehrung empfinden, denn cs bezeichnet kurz und klar das Walten des gesunden Menschenverstandes gegenüber den sozialistischen Utopien. Solange das Wort in Geltung bleibt, mögen die „Genosien" und ihre Helfershelfer die schönsten Programme zur Erregung der Unzufriedenheit bei unserer ländlichen Bevölkerung entwerfen, sie werden damit kein Glück haben.
Zur Lage
P a r i s, 9. Jan. Der Schritt der Mächte bei der Türkei wird wahrscheinlich nicht vor Ende der Woche vor sich gehen. Die Verständigung scheint betreffs Adrianopels vollständig zu sein; aber es bestehen noch Meinungsverschiedenheiten über die ägäischen Inseln. Die Tripleentente ist geneigt, die Abtretung der Inseln an Griechenland zu unterstützen, der Dreibund scheint der Türkei die der Küste benachbarten Inseln belasten zu wollen, besonders die Inseln in der Nähe der Dardanellen, wie Chios und Mytilene. Es scheint also zweifelhast, ob der in Konstantinopel ausgeübte Druck ebenso energisch betreffs der Inseln sein kann, wie betreffs Adrianopels. — Die Frage der Abgrenzung Albaniens wird später in Angriff genommen, sie scheint schwer zu regeln zu sein, da Oesterreich-Ungarn noch immer beabsichtigt, Skutari Albanien einzuverleiben.
Softe, 9. Ian. Da der türkische Kriegsminister Nazim Pascha um eine Unterredung mit dem General Sawoff gebeten hatte, begab sich dieser nach Bagtschekoij. Nazim Pascha wurde von dem Minister des Aeußern Noradunghian begleitet. Die türkischen Minister verlangten die Bewilligung zur Verproviantierung von Adrianopel. General Sawoff antwortete, diese Frage werde durch das Waffenstillstandsprotokoll geregelt. Auch die Frage des Besitzes von Adrianopel wurde von den Türken aufgeworfen. Sawoff erklärte, diese Angelegenheit falle in die Kompetenz der Friedensdelegierten in London.
Bukarest, 9. Jan. Die rumänisch-bulgarischen Verhandlungen in London stocken. Dr. Danew wünscht, in dieser Angelegenheit durch einen anderen bulgarischen Politiker abgelöst zu werden. Die hierdurch unvermeidliche neuerliche Verzögerung erhöht die ohnehin vorhandene Spannung des rumänischen Volkes.
London, 9. Jan. Die Botschafterr^union ist heute nachmittag um 3.30 Uhr im Auswärtigen Amt wieder zusammengetreten.
Paris, 9. Jan. Dem „Temps" wird aus London gemeldet, daß der französische Botschafter Paul Cambon in der Dorschafter. Versammlung von neuem entschieden dafür eintreten werde, daß die Inseln des Aegäischen Meeres Griechenland belasten werden und »war aus drei Gründen: 1. weil es der einmütige Wunsch der Bevölkerung sei, 2. weil es den nationalen Privilegien entspreche, 3. weil hierdurch die Verteilung der türkischen Gebiete unter die Bal- kanverbündeten erleichtert werde. Demselben Blatte wird aus Athen telegraphiert, man sei daselbst über die Haltung Italiens der Jnselfrage sehr befremdet, weil die italienische Regierung »m Gegensatz zu der Mehrheit der Mächte der Ansicht sei, daß die wichtigsten Aegäischen Inseln der Türkei bleiben sollen. Man
1913
Erstes Blatt
zücht geweckt und lebendig erhalten werden soll. Es ist zu erwarten, daß viele Eisenbahner sich dadurch zu Versuchen ermuntern lasten wer- den. Auch wird der Beitritt zu Vereinen für die Zucht von Kaninchen oder anderem Kleinvieh angeregt, in denen die Anfänger Rat und Unterstützung, die bereits Fortgeschrittenen neue Anregungen und Ansporn zur Verbeflerung ihrer Zucht erhalten können. Ferner wird den Eisenbahnvereinen nahegelegt, zur Unterstützung dieser Bestrebungen ihren Mitgliedern bei der Kleinviehzucht an die Hand zu gehen. Eleich-
glaube zwar nicht, daß Italien daran denke, gegenwärtig eine dieser Inseln zu beanspruchen; denn Veniselos habe in dieser Hinsicht im Dezember in Rom von Eiolitti und Marchese di San Giuliano kategorische Versicherungen erhalten; aber immerhin frage man sich, ob Italien nicht irgendwelche Hintergedanken für sich hege.
P a r i s, 9. Jan. Bezüglich der Reutermeldung, daß Serbien beschlosten habe, sofort nach Unterzeichnung des Friedens die Trup-
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Marburg
Freitag, 10. Januar
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pen von der adriatischen Küste zurückzuziehen, erklärte der serbische Delegierte Nowakowitsch dem Londoner Sonderberichterstatter de- „Matin" u. a.: Wir haben dieses Gebiet unter großen Opfern an Gut und Blut besetzt. Da aber die Mächte erklärt haben, daß sie ein autonomes Albanien wünschen und nicht wollen, daß Serbien in den territorialen Besitz eines adriatischen Hafens gelangt, haben wir uns loyal gefügt. Indem wir uns der Entscheidung der Mächte unterwerfen, haben wir gleichzeitig beweisen wollen, daß wir in guten Beziehungen zu unserem mächtigen Nachbar Oesterreich- Ungarn leben wollen. Wir werden demnach nicht bloß die adria- tische Küste, sondern alle westlich der Seen und des Drin gelegenen Gebiete räumen, weil diese dem künftigen Albanien angehören werden. Aber gleichzeitig erklären wir laut, daß die von unseren Truppen östlich Drin besetzten Punkte,'wie z. B. Dibra, Prizrend usw. Serbien verbleiben sollen. Wir zweifeln nicht daran, daß die Mächte unsere Gesichtspunkte und unsere gerechten und loyalen Wünsche unterstützen werden. Serbien hat einen neuen Beweis dafür erbracht, daß es, soweit es in seiner Kraft steht, zu einer raschen Regelung der schwebenden heiklen Fragen beitragen will
zeitig hat der Minister zu erkennen gegeben, daß er bereit ist, die Kleinviehzucht der Eisenbahner auch selbst tätig zu fördern. Aus diesem Grunde wurden die Königlichen Eisenbahndirektionen angewiesen, denjenigen Bediensteten, die ein besonderes Interest« für dir Kleinviehzucht an den Tag legen, durch Gewährung von Urlaub und freier Fahtt den Besuch von Vorträgen und Fachausstellungen zu erleichtern, natür, lich soweit das dienstliche Interest« darunter nicht leidet. In solchen Fällen sollen den im Arbeitsverhältnis stehenden Bediensteten die Löhn« weiter gezahlt werden. In einzelnen besonderen Fällen ist auch di« Gewährung von Unterstützungen in barem Geld« vorgesehen, z. B. wenn es sich um größere Aufwendungen, wie die Herstellung von Stallungen, die Anschaffung guter Zuchttiere usw. handelt.
— Steuerprivileg der Beamten in Preußen. Wie die „R. p. <L* mitteilt, sind alle auf Erweiterung des Beamtenprivilegs bei der Ee- meinde-E nkommen-Besteuerung gerichteten Wünsche völlig aussichtslos, da die Kgl. Staatsregierung grundsätzliche Bedenken gegen eine solch« Erweiterung hat. Bei der bevorstehenden Revision des Kommunal- Abgabengesetzes werden im Uebrigen auch di« aus Beamtenkreisen zul Eemeindebesterung hervorgetretenen Klagen über etwaige Ungleichheiten und Unbilligkeiten, die durch die geltenden gesetzlichen Bestimmungen sich ergeben haben, einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.
und wir hoffen, daß man dies berücksichtigen wird.
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Wien, 9. Jan. Die „Neue Freie Preste" meldet: Die Konsuln Prohaska und Tahy erhielten die amtliche Weisung, sich wieder auf ihre Posten in Prizrend und Mitrowitza zu begeben. Dort sollen ihnen die von Serbien verlangten und zugestandenen Ehrenbezeugungen erwiesen werden.
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t Deutsches Reich.
— Aus dem Bundesrat. Berlin, 9. Jan. Der Bundesrat überwies den Entwurf des Gesetzes über die Verlegung der deutsch- österreichischen Grenze bei Hammer-llnterwiesenthal-Weipert den zuständigen Ausschüssen. Zugestimmt wurde dem Ergänzungsan- trag des Königreichs Sachsen betr. die Erhöhung des Betrags anläßlich der bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig zu prägenden Denkmünzen, der Vorlage betr. Aenderung der Tarasätzen, der Vorlage betr. llebergangsbestimmungen zur Reichsversicherungsordnung, ferner der Vorlage betr. den Vollzug des Vcrsicherungsgesetzes für Angestellte. Zur Annahme gelangten der Antrag zur Genehmigung der Aenderung der Satzung der Pensionskaste gemäß § 1360 R.-V. und die Vorlage betr. Bestimmungen zur Ausführung des § 392 des Versicherungsgesetzes für Angestellte.
— Die Eröffnung des württembergische« Landtags. Stuttgart, 9. Jan. Der Landtag ist heute vom König mit einer Thronrede eröffnet worden, welche zunächst den wohlgeordneten Zustand der Finanzen feststellt und hervorhebt, daß die Ausdehnung des Kreises der Staatsaufgaben auch in Württemberg höhere Anforderungen als je zuvor bedingt. Sie kündigt weiter an die Anpassung des Körperschafts-Beamten-Pensionsgesetzes an das staatliche Beamtenrecht, verbunden mit der Unfallfürsorge für die im Dienste verunglückten Körperschaftsbeamten, ferner eine Erweiterung des Besteuerungsrechtes der Gemeinden, eine neue Wegeordnung, eine Neuordnung der Eebäude-Brandversicherung und die Einführung eines Rechnungshofes. Schließlich spricht die Thronrede den Wunsch aus, daß unter den Segnungen des Friedens, der allein die Stärke der Nation erhalten könne, auch die Zukunft dem Volke in allen seinen Teilen Glück und Gedeihen bringen möge.
— Ungültige Wahl. Berlin, 9. Jan. Die Wahlprüfungskom- misfion des Reichstags hat in der heutigen Sitzung die Wahl des Abgeordneten Becker, Bingen-Alzey (bei keiner Partei) mit 8 gegen 5 Stimmen für ungiltig erklärt.
— Die Fleischeinfuhr. Berlin, 9. Jan. Die neunte Kommission des Reichstages betreffend vorübergehende Zollerleichterung bei der Fleischeinsuhr setzte heute die am 6. Dezember unterbrochene Beratung fort. Ein Regierungsvertreter erklärte, die Verlängerung des Termins über den 1. April 1914 hinaus fei für die Zu- lastung des ausländischen Fleisches vorerst nicht beabsichtigt.
— Eine „kleine Anfrage" über die Hanauer Typhusepidemie. Berlin, 9. Jan. Der Abgeordnete Hoch richtete an den Reichskanzler folgende kurze Anfrage: Ist es zutreffend, daß die Typhusepidemie im ersten Bataillon des Eisenbahnregiments Hanau durch Unsauberkeit in der Vataillonsküche entstanden ist und daß es 2^ Wochen dauerte, bis die Militärärzte die Art der Erkrankungen festgestellt hatten? Kann der Reichskanzler bestätigen, daß alles geschehen ist, um eine Uebertragung der Epidemie auf weitere Kreise zu verhindern?
— Diskontermäßigung. Dresden, 9. Jan. Die Sächsische Bank hat den Wechseldiskont von 6% auf 6 Prozent und den Lombardzinsfuß von iy2. auf 7 Prozent ermäßigt.
— Weitere Förderung der Kleinviehzucht der Eisenbahner. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat neuerdings Maßnahmen getroffen, durch die die Kleinviehzucht der Eisenbahnbediensteten wesentlich gefördert wird. Der Minister hatte bereits früher mehrfach durch Anordnungen fördernd auf di« wirtschaftliche Lage der Eisenbahnbediensteten eingewirkt, z. B. durch Maßnahmen zur Ausbreitung und Hebung der Bienenzucht, zur Versorgung mit billigem Garten- ober Ackerland und zur Förderung der Obftbaumzucht. Nunmehr hat der Minister auch sein Augenmerk auf den Wert der Kleinviehhaltung geteuft und auch in dieser Richtung fördernde Maßregeln ergriffen. Zu diesen Maßregeln gehört die Auslegung von Fachzeitschriften in den Aufenthaltslokalen, durch deren Lektüre das Interesse der Bediensteten für die Kleinvieh-
Ausland.
“ Vermählung im österreichischen Kaiserhaus. Saybusch (Galizien), 9. Jan. Heute vormittag fand in engstem Familienkreise die Vermählung der Erzherzogin Eleonore, der Tochter des Erzherzogs Karl Stefan, mit dem Linienschiffsleutnant v. Kloß statt-
** Rußland. Petersburg, 9. Jan. Im Gegensatz zu anderslautenden Nachrichten findet der Neujahrsempfang beim Kaiser unter Teilnahme des dtpkmnvtifchen Korps in Zarskoje Selo statt. Die Damen nehmen am Empfang nicht teil, da die Kaiserinmutter durch Hüftweh verhindert ist und die Kaiserin Alexandra sich den Anstrengungen des offiziellen Empfangs nicht unterziehen darf. Die Gerüchte über einen Schlaganfall der Kaiserinmutter und einem ernsten Krankheitsrückfall des Eroßfürsten-Thronfolgers sind unwahr. — Zarskoje Selo, 9. Jan. Anläßlich der Hundertjahrfeier des Eardepionierbataillons empfing die Kaiserin Alexandra Feodorowna im Alexanderpalais eine Abordnung des Bataillons.
** Ein Verbot für russische Flieger. Petersburg, 9. Jan. Ein Beschluß des Ministerrats, der heute veröffentlicht worden ist, verbietet den fremden Fliegern, die westliche Grenze Rußlands vom 14. Januar bis 14. Juli 1913 zu überfliegen. Falls sie auf ein Signal nicht landen, werden ernstere Maßnahmen ergriffen werden.
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Stadtverordneten-Sitzung
vom 9. Januar 1913.
In -bet heutigen ersten diesjährigen Sitzung harrten 19 Punkte ihrer Erledigung. Der stellvertretende Vorsitzende, Justizrat Rohde, machte zunächst einige Mitteilungen. Es hat kürzlich eine unvermutete Revision der städtischen Kasten stattgefunden. Es wurde alles in guter Ordnung befunden. Obersekretär Kämmer hat sein Dr.-Examen bestanden; seine Distertation führt den Titel „Die Entwicklung der Finanzwirtschaft der Stadt Marburg". Ferner lag eine Anerbietung einer Draht-Aktien- Gesellschaft für Lieferungen bei der projektierten Ueberlandzentrale vor.
Es wurde dann die bereits früher erwähnte Eingabe wegen des Betriebes der elektrischen Straßenbahn auf der Strecke Heumarkt—Wil- Helmsplatz zur Verlesung gebracht. Nachdem darauf hingewiesen worden war, daß die Eingabe jetzt gegenstandslos sei, weil sichs nicht eher, wi« beschlossen, machen läßt, wurde zugleich erwähnt, daß man die Bahn bis zum Markt weiterzuführen beabsichtige. Es entstand eine Aussprache darüber, ob sichs rentiere, ob sich der Verkehr durch die neu« Strecke hebe und ob eine Beschleunigung des Baues bei dem jetzigen Wetter ratsam sei. Als wünschenswert wurde es bezeichnet, daß vorher der Fuhr- und Fußgänger-Verkehr in der inneren Stadt geregelt werden müsse, z. B. das Rechtsgehen, das event. Verbot des Stehenbleibens aus den Straßen usw. Es wurde auch erwähnt, daß die jetzt vorhanden« elektrische Kraft für den vergrößerten Bedarf vielleicht nicht ganz aus- reich«. Die Stadtv. Engel und Schollmeyer beantragten schließlich, daß die Oberstadtltnie sobald wie möglich im Interesse der Oberstadtbewohner läuft. Die Anttäge wurden schließlich gegenstandslos, nachdem der Oberbürgermeister erklärte, daß alles, auch die Regelung des Verkehrs, bereits im Gange fei.
Es folgte der bereits in den Zeitungen veröffentlichte Bericht der Kommission über Maßnahmen gegen die Fleischteuerung. Stadt». Schollmeyer führt aus, daß der Verkauf von Fleisch auf öffentlichen Plätzen im Interesse der Hygiene doch lieber unterbleiben solle. Stadtv. Sanitätsrat Dr. Schirmer meinte, dann müsse man den Verkauf aller Lebensmittel auf öffentlichen Plätzen verbieten. Das fei dasselbe. Auch der Stadtv. Stroinsky äußerte sich in ähnlicher Weise, heute hätten wir Eewerbefreiheit, was dem einen recht fei, sei dem anderen billig. Man solle der ärmeren Bevölkerung Gelegenheit geben, Fleisch auf dem Markt zu kaufen. Stadtv. Keppler erklärte sich gegen die Maßnahmen de« Magistrats. In der Kommission säßen z. B. lauter Laten und leine Sachverständige. Den Metzgern habe man das Aushängen von Fleisch verboten, den Händlern erlaube mans. Das Fleisch auf dem altehrwürdigen Kiliansplatze fei teurer, wie bet den Metzgern. Der Ober» bürgcrmeifter meinte hierzu, daß die Kommission und der Magistrat di« Sache eifrig geprüft habe. Billiger, wie die hiesigen Metzger ließe sich das Fleisch nicht liefern, das hab« man gesehen. Im übrigen nahm er die Maßregeln des Magisttats in Schutz, eine Benachteiligung der Metzger sei weder beabsichtigt und auch wohl nicht eingetreten. Der AMkag des Stadtv. Schollmeyer erhielt nut 10 Stimmen,