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und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Sau»* undLandwirtschaftliche Beilage"

Jfs. 2

DieOberhesfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei «uferen Zeitungsstellen 2, M frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 3. Januar

Erstes Blatt.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Beliellungen

für das erste Quartal 1913

auf dieOberhef fische Zeitung" nebst ihren Beilagen «erden von unserer Expedition (Marit 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.

Die Beisetzung v. Kiderlen-Wächlers.

Reichskanzler v. Bethmann-Hottweg ist gestern mittag 11 Uhr 50 Min. zu den Beisetzungsfeierlichkeiten für den Staatssekretär 0. Kiderlen-Wächter in Begleitung seines Adjutanten des Ober-' keutnants Frhrn. v. Sell und des Geh. Hofrats Pinkow in Stutt­gart eingetroffen. Er begab sich sofort in das Sterbehaus und girach im Auftrage des Kaisers und der Kaiserin der Schwester >es Verstorbenen, Freifrau v. Gemmingen-Guttenberg, und den änderen Mitgliedern der Familie herzliches Beileid aus. Bald nach 2 Uhr fanden sich die hohen Trauergäfte mit dem abermals erscheinenden Reichskanzler an der Spitze im Trauerhause ein. Der Reichskanzler legte im Auftrage der Majestäten ein kostbares Blumenarrangement am Sarge nieder. Der Oberhofprediger Dr. v. Kolb hielt eine kurze Andacht. Darauf wurde der Sarg auf die Straße getragen und im Leichenwagen geborgen. Alsbald fetzte sich der Zug von der Friedrichstraße durch die Bahnhofstraße zum Pragfriedhofe in Bewegung. Die Sonne war allmählich der Nebelwolken Herr geworden und aus dem trüben hatte sich ein freundlicher, mäßig kalter Wintertag entwickelt, der dem feier­lichen Kondukt einen ziemlich hellen Rahmen gab. Die untere Friedrichstraße und der fernere Weg zum Bahnhof war von dichten Menschenmassen umlagert, die gekommen waren, den schwäbischen Landsmann, der im Reichsdienst zu so hoher Stufe ge^ri-gen war und dessen Name in Württemberg mit besonderem Stolze genannt wurde, zu grüßen. Mit ernstem Schweigen ließ das Publikum den imposanten Zug passieren. Das Musikkorps des 7. rvürttem- bergischen Infanterie-Regiments Kaiser Friedrich, König von Preußen, Nr. 125, in dem der Verstorbene den Feldzug von 1870/71 mitgemacht und dem er jahrzehntelang als Reserveoffizier angehört hatte, spielte auf dem Wege Trauermärsche. Die Stu­dentenschaft der Stuttgarter Technischen Hochschule und Vertreter der Tübinger akademischen Verbindung Normannia, bei der Herr v. Kiderlen in seiner Studentenzeit aktiv war, schritten dem Lei­chenwagen voraus, der mit kostbaren Blumengewinden und Pal­men und prächtigen Schleifen mit Widmungen fast bedeckt war. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt der Reichskanzler als Ver­treter des Kaisers und der Kaiserin, begleitet von Frbrn. v. Palm, einem Verwandten des Verstorbenen. Darauf folgten die Ver­treter der anderen Fürstlichkeiten. Dann kamen die Vertreter der fremden Regierungen, die Staatssekretäre Kräfte und Dr. Solf, das Stuttgarter diplomatische Korps und die württembergischen Minister. Ihnen schloßen sich an die Beamten des Auswärtigen Amtes in Berlin. Des weiteren folgten als Vertreter der Stadt Stuttgart Oberbürgermeister Lautenschläger und der Bürgeraus- schußobmann, dann die übrigen Verwandten des Verewigten, De- pi tationen der württembergischen Beamten und Offiziere, sowie £ sie fast endlose Reihe von Personen, die in privater Eigenschaft l, Sarge folgten. Den Schluß bildete eine Anzahl Blumen- w. gen. Auf dem Pragfriedhofe war König Wilhelm von Würt­temberg persönlich erschienen, um dem verdienten Staatsmanns die letzte Ehre zu erweisen. Zn seiner Begleitung befanden sich die hier weilenden Herzöge des königlichen Hauses. Als Vertreter der Königin war deren Oberhofmeister Graf Reischach, im Namen des in Berlin weilenden Herzogs Albrecht besten persönlicher Adju­ta it erschienen. An der Seite des Königs und seiner Umgebung erwartete der dem Wagen vorausgeeilte Oberhofprediger Dr. von Kolb den Sarg, der inmitten der von einer großen Gemeinde er­füllten Kapelle ausgestellt wurde.

Gegen 3 Uhr traf der Leichenkondukt unter den Klängen des Beethovenschen Trauermarsches vor der Kapelle des Pragfried­hofes ein, wo sich kurz zuvor der König, die Herzöge Philipp Al­brechts llllricht und Robert von Württemberg sowie der Herzog von Urach eingefunden hatten. Der Sarg wurde in die Kapelle ge­tragen. Unmittelbar hinter ihm folgten der König, der auf die Schwester des Verstorbenen, Freifrau v. Gemmingen-Guttenberg, zuschritt und ihr in herzlichen Worten sein Beileid aussprach. Dem König folgten die Herzöge, sodann der Reichskanzler mit seinem Adjutanten, beide Kränze des Kaisers und der Kaiserin tragend, die sie am Sarge niederlegten. Nachdem sich die Leidtragenden um den Sarg gesammelt hatten, hielt Oberhofprediger Prälat Dr. v. Kolb eine Ansprache, in der er auf die Verdienste, die der Ver­storbene um die Erhaltung des Friedens gehabt hat, besonders hinwies. Der Geistliche richtete sodann Worte des Trostes an die Angehörigen und schloß mit einem Gebet. Hierauf wurde der Sarg zu Grabe getragen, gefolgt von der Trauerveramsmlung, wie bei dem Einzug in die Kapelle. Oberhofprediger Prälat Dr. v- Kalb sprach am Grabe nochmals ein Gebet. Hierauf trat der König als erster an das Grab und warf einen Tanenzweig hinein. Hierauf folgten die Herzöge, die Vertreter der fremden Fürstlich­keiten und die übrigen Herren des Trauergefolges. Die Trauer­feier, die mit einem Choral schloß, war um %4 Uhr beendet. Nachmittags 5 Uhr stattete der Reichskanzler dem Ministerpräsi- I Renten Dr. b. Weizsäcker einen Bekuch ab. Ihm zu Ehren fand am |

Aocnd ein Abendesten bei dem König statt, zu dem außer dem Reichskanzler die Staatssekretäre Kräfte und Dr. Solf, llnter- staatssekretär Zimmermann, der preußische Gesandte v. Below- Rutzau, b<t würt.emoergische Gesandte in Berlin Frhr. v. Varn- bühler und der italienische Botschafter Pansa geladen waren.

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Die Laqe

Die Friedensoerhandlung

am Neujahrstage scheint einen kleinen Erfolg zu verzeichnen zu haben; denn wie aus den vorliegenden Meldungen ersichtlich ist, ist über verschiedene strittige Punkte so etwas wie eine Einigung zustande gekommen. Die Sitzung tagte unter dem Vorsitze des griechischen Ministerpräsidenten Venizelos. Die Verhandlungen wurden dadurch eingeleitet, daß Reschid Pascha die türkischen Gegenvorschläge verlas und sie darauf schriftlich unterbreitete. Sie lauten:

1. Die Türkei tritt alles Gebiet westlich des Wilajets Adria- nopel ab.

2. Albanien wird autonom. Die Bestimmung seiner Grenzen und seiner politischen Verfastung wird den Großmächten überlasten.

3. Wegen des Wilajets Adrianopel schlägt die Türkei vor, mit Bulgarien wegen der Festlegung der türkisch-bulgarischen Grenze allein zu verhandeln. (Die Verbündeten stimmten den türkischen Vorschlägen betreffs Albanien zu. Auf den dritten Punkt der tür­kischen Vorschläge erwiderten die Verbündeten, daß alle Verhand­lungen mit den Verbündeten zusammen geführt werden müßten. Die Türken erklärten sich dann damit einverstanden, daß die Ver­handlungen so geführt würden.)

4. Hinsichtlich Kretas wiesen die türkischen Vorschläge darauf hin, daß es sich empfehlen würde, bevor man eine Entscheidung treffen würde, die Mächte um ihre Entscheidung zu fragen, da die Inseln den Mächten ins Depot gegeben worden seien. (Die Ver­bündeten antworteten, daß sie sich selbst an die Macht« wenden würden. Jetzt verlangten sie, daß die Türkei alle Rechte aufgebe, die sie in Kreta besitze.) . .

5. Bezüglich der Aegäischen Inseln erklärten die Türken, daß diese zu Kleinasien gehörten, folglich könnten sie keine einzige von ihnen abtrelen. (Die Verbündeten erwiderten, daß sie aus der Ab­tretung der Inseln bestehen müßten. Im Verlaufe der Debatte über Adrianopel sagten die Vertreter der Balkanstaaten, daß die türkischen Mitteilungen über die Festlegung der Grenze zu un­bestimmt seien und ersuchten die Türkei, in der nächsten Sitzung eine Landkarte vorzulegen, welche die vorgeschlagene Grenzlinie zeigen st.üe Reschid Pascha erklärte dann, er würde weitere In­struktionen von Konstantinopel erhalten.)

Heber die Sitzung selbst meldet das Reuter-Büro noch, daß sie im allgemeinen dadurch gekennzeichnet war, daß die Sprache der ottomanischen Delegierten viel versöhnlicher war. Zu den For­derungen betreffend die Aegäischen Inseln sagten die Türken, dir Türkei sei bereit, mit den Großmächten über jene Fragen zu ver­handeln, die auf sie Bezug hätten. Als die Valkandelegierten fragten, was die Türken mit diesen Fragen meinten, antworteten die Türken, sie bezögen sich auf die Reformen, die dort eingeführt werden sollten. In den Kreisen der Balkandelegierten hat dies den Eindruck erweckt, daß diese sogenannten Reformen eine Art Autonomie für jene Inseln bedeuten dürfte, obgleich ein Kom­promiß nicht unwahrscheinlich ist und zwar in dem Sinne, daß einige Inseln an Griechenland abgetreten werden könnten, wäh­rend der Rest türkisch bleiben soll. In den Kreisen der Balkan­vertreter gab man der Zufriedenheit mit den Ergebnisten der heutigen Sitzung Ausdruck. Die Sitzung wurde auf Freitag nach­mittag vertagt.

Ein Dementi.

W i e n , 2. Ian. Eine Nachricht, daß über die Frage der Ab­grenzung Albaniens zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien Verhandlungen schweben und erst nach ihrer Beendigung die Bot­schafter daran gehen, sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen, entbehrt, wie an informierter Stelle versichert wird, der Begrün­dung. Oesterrsich-Ungarn und Italien sind von Anfang an über alle Albanien betreffenden Fragen einig gewesen. Wobl findet ein intimer Meinungsaustausch über alle Fragen zwischen den Dreibundmächten, also auch zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien, unausgesetzt statt, allein alle daran geknüpften speziellen Kombinationen werden als hinfällig bezeichnet und sind nur in die Reihe jener Versuche zu rangieren, Meinungsverschiedenheiten zwischen den Dreibundmächten als bestehend zu fingieren. Ebenso unzutreffend ist die Nachricht von Verhandlungen zwischen Oester­reich-Ungarn und Rußland, die sich auf militärische Vorkehrungen der beiden Staaten beziehen sollen.

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L 0 nd 0 n, 2. Ian. Die Räunlon der Botschafter nahm heute nachmittag im Auswärtigen Amt unter dem Vorsitz Sir Edward Greys ihre Sitzungen wieder auf.

Konstantinopel, 2. Ian. Die Blätter melden einen nerrsn Erfolg der Türken vor Skutari. Die Montenegriner wur­den danach mit großen Verlusten zuriickgeworfen: 300 Montene­griner wurden zu Gefangenen gemacht. Auf türkischer Seite sind drei Soldaten getötet und 45 verwundet worden.

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Politische Umschau.

Vorarbeiten für die kommende Steafprozetzreform.

Bekanntlich wird, nachdem der Entwurf einer neuen Sfrafprozeß- ordnung gescheitert ist, ein neuer Entwurf erst nach dem Abschluß der >eutschep Strafrechtsreform zur Vorlage kommen. Da bi» zu diesem |

I Zeitpunkt noch beträchtliche Zeit vergeht, ist es natürlich im Interesse I der spätsten schnelleren Erledigung wünschenswert, wenn der Zeitraum bis dahin nicht nutzlos verstreicht, sondern wenn inzwischen so viel Bor­arbeit wie möglich geleistet wird. Aus diesem Grunde Haber, sich 17 Gelehrte auf dem Gebiete des Strafprozeßrechtes zufammengefchlosten, um in einem großzügigen Werk im Anschluß an die bereits vorhandene vergleichende Darstellung des deuifchen und ausländischen Strafrechte» in einer vergleichenden Darstellung des deuifchen und ausländischen Strafprozeßrechts die bisher noch fehlende wissenschaftliche Vorarbeit für die Strafprozeßreform zu bieten. Mitarbeiter des Werkes find die Pro- festoren: Allfeld, Finger, Goldschmidt, Hegler, Heimberger, Kahl, Kitzin- ger, Kohler, Kohlrausch, Kriegsmann, v. Lilienihal, v. Liszt, Mendels­sohn-Bartholdy, Mittermaier, Oetker, Rosenfeld und Wach. Das Werk soll zwei Bände umfasten und folgende 16 Abschnitte enthalten: 1. Auf­bau der Strafgerichte, Gerichtsstand, Ausschließung und Ablehnung von Gerichtspersonen. -S. Die Beteiligung der Laien an der Strafrechts­pflege. 3. Der AMagegrundsatz und die verschiedenen Arten seiner Aus­gestaltung. 4. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei. 5. Stellung des Beschuldigten und Verteidigung. 6. Zeugen. 7. Verhaftung, Durch­suchung, Beschlagnahme. 8. Vor- und Zwischenverfahren. 9. Hauptver­handlung. 10. Fragestellung, Rechtsbelehrung und Wahrspruch im schwurgerichilichen Verfahren. 11. Rechtsmittel und Wiederaufnahme, 12. Privat- und Rebenklage. 13. Verfahren gegen Jugendliche. 14. Schleuniges Verfahren, Strafbefehl, Strafverfügung. Strafbescheid. 15. Vollstreckung, Kosten. 16. Die durch die Strafrechtsreform bedingten Ergänzungen des Strafprozesses. Die Arbeit soll möglichst bereit» im Jahre 1915 der Öffentlichkeit übergeben werden.

Die Fleischeinkäufe der Stadt Berlin.

Bekanntlich hat die Stadt Berlin für ihre Einkäufe und Schlachtun­gen in Rußland sich in Warschau einen Vertreter in der Person eines Herrn Aron hingefeht. Was besten Geschäft einbringt, darüber ver­öffentlicht dieAllgemeine Fleifcherzeitung" in ihrer Nummer vorn 10. Dezember folgendes:Eine Million Mark Verdienst. In dem Ver­trag, welchen die Stadt Berlin mit dem Vermittler Aron am 12. Okto­ber d. Js. wegen Import rustifchen Fleisches abgefchlosten hat und roel. cher bis zum 1. Oktober 1913 läuft, also nahezu ein Jahr in Kraft bleibt, verpflichtet sich die Stadt Berlin, wie gestern «Lend im Verein bei FleischermeisterSüdwest" mitgeteilt wurde, wöchentlich mindestens 3000 Zentner abzunehmen. Die Stadt zahlt an Aron 3 4 pro Psunt über den Einkaufspreis. Einbegriffen sind alle Spesen. Aron würde mithin bei einet Einfuhr von 3000 Zentner pro Woche 9000 tief­bienen. Tatsächlich ist aber z. B. im November ein doppelt fo großer Quantum eingeführt worden. Mithin würde sich auf die Dauer des Ver träges ein Gewinn von annähernd einer Million Mark ergeben."

Dazu bemerkt dieAgrarpolitifche Korrespondenz":Wir gönnen jedem seinen Verienst, und wenn der Herr sich von der Stadt Berlin so hoch bezahlen läßt, wie et es irgend erreichen kann, so ist das ja schließlich Sache der freisinnigen und sozialdemokratischen Größen, dir in bet Berliner Stadtvertretung das große Wart führen und die diesen Vertrag in der Hauptsache kennen werden. Wir sind neugierig, ob dir Preste bet Linken in Berlin nach dieser Eröffnung der Fleischerzeitung sich mit der Berliner Stadtverwaltung irgendwie auseinandersetzen wird. Bezeichnend ist es aber, daß Berlin, das soviel Spesen für russisches Fleisch ausaibt, hartnäckig die Angebote unserer Landwirte auf Vieh- lieferung verweigert, und zwar unter den fadenscheinigsten Gründen. Wir können hier nur wiederholen, was wir schon früher gesagt haben, daß es eben nicht sachliche Gründe sind, die Berlin zur Zurückweisung des pommerfchen Angebotes veranlaßten, sondern lediglich Gegnerschaft gegen die deutsche Landwirtschaft."

Ein Vergleich zwischen dem deutschen und französischen Maschinengewehr.

Bei der ungewöhnlichen Bedeutung, welche die Maschinengewehr« in einem künftigen Kriege haben werden, und die auch in der verstärkten Rüstung des deutschen Heeres zum Ausdruck kommt, wird ein Vergleich zwischen den beiden bedeutendsten Maschinengewehrsystemen, dem deut­schen Maxim-Maschinengewehr und dem französischen Hotchkiß-Maschi- nengewehr, zweckmäßig erscheinen. Das deutsche System ist dem fran­zösischen in mehrfacher Beziehung bedeutend überlegen. Besonders im Felde hat das deutsche Maxim-Maschinengewehr vor dem französischen ganz ungewöhnliche Vorteile aufzuweisen. Beide Maschinengewehre können 550 bis 600 Schuß in der Minute abgeben, aber Maxim hat be­deutend größere Treffsicherheit. Beim Transport auf schwierigen Wegen, wohin Fahrzeuge nicht kommen, können sie von Pferden auf eigens dazu eingerichteten Satteln getragen werden. Hier hat Maxim den Vorteil voraus, baß die Lost nur 100 Kilogramm bis 110 Kilogramm beträgt, während bei Hotchkiß das Gewicht 128 Kilogramm groß ist. Das deutsche System gestattet darum noch die Mitnahme von Munitionskasten, Hand­werkszeug und Wasierkasten. Außerdem können hier 4500 Schuß mit­genommen werden, während bei Hotchkiß der Munitionsvorrat nut 2400 Schuß beträgt. Das deutsche Maschinengewehr wird mit allem Zubehör von drei Pferden transportiert, das französische von zwei. Die deutschen Maschinengewehre scheinen nur unter dem Fehlet zu leiden, daß sie die Verwendung von Wasiet nötig haben. Aber bei 5000 Schüßen sind nur 10 Liter Wasiet nötig, die bequem in dem Wasierkasten unter- gebracht werden können. Durch Benutzung des Kondensators läßt sich ^och andererseits Wasiet sparen, sodaß 10 000 bis 12 000 Schöffe leicht abgegeben werden können. Dafür kann aber mit dem deutschen Maschi­nengewehr mit einem einzigen Laus eine Anzahl von 7500 Schüßen ge­liefert werden, ohne daß der Lauf erneuert werden muß. Bei dem fran­zösischen Maschinengewehr wird die Abkühlung nicht durch Wasiet, son­dern durch einen Radiator bewirkt, was zur Folge hat, daß das Maschi­nengewehr schon nach 500 bis 1000 Schüssen feinen Lau? erneuern muß. Bei dem deufchen Maschinengewehr können also mit demselben Lauf lömal mehr Schüsie abgegeben werden als beim französischen. Es kommt noch dazu, daß das Auswechseln des Laufes bei dem französischen Maschi­nengewehr seht schwierig und umständlich ist, und daß durch die Wirkung des Radiators die Bedienungsmannschaften stark belästigt werden. End­lich ist noch bet Verschlußwechsek zu erwähnen, der bei dem deutschen Maschinengewehr in wenigen Sekunden hetgestellt wird, während bei Hotchkiß die größte Umständlichkeit erfordert wird. Die Vetschlüsie müsien Teil für Teil hetausgenommen werden, was ebenso schwierig wie zeit­raubend ist. Von anderen Systemen ist noch das Schwarzlose Maschinen­gewehr zu erwähnen, bas in der österreichischen Armee u. a. eingefühtt worden ist. Sämtliche anderen Heere sind auch bereits mit Maschinen­gewehren ausgestattet, am hervorragendsten die russische Armee, bann die Engländer, vor allen Dingen die Schweiz, Spanien und Dänemark. Hier sind nur die Kavallerieschwadronen mit drei Maschinengewehr« versehen.