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Erstes Matt.

Hanauer K Anzeiger

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«Mtisnsdruck «d Vertag bet Buchdrucker«! 6* «â e». Waksenhaufe« bi Hamm.

General-Anzeiger

Awllilher Gym für SteM- mL FanLkrris Hmm.

Erscheint tSgttch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Leüag«.

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Nr. 304 Mernsprechanschltts; Nr. 230. Samstag den 30. Dezemver F-ernsprechanschlttb Nr. 230 1911

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20 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Ban au» Bekanntmachung

Arbeisucheuder 1 Bäcker, 1 Bureaudiener, 8 Hausburschen, 1 Kernmacher, 1 Lehrmädchen für kaufmänn. Bureau, 7 Taglöhner.

Offene Stellen: Gesucht werden: 3 Dienstmädchen, 1 Kern­macher, 1 Köchin für das Carnisonlazarett, 1 Monats­frau, 1 landw. Taglöhner, 1 Silberformer und 1 Lehr­mädchen für Laden und Buchhaltung.

Hanau den 30. Dezember 1911.

Städtische Arbeitsoermittelungsstelle.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Unter dem Viehbestände der Witwe Elisabeth Bergwein in Praunheim ist die Maul- und Klauen­seuche festgestellt worden.

Hanau den 29. Dezember 1911. V 8781

In Frankfurt a. M., Rödelheim, Berkersheim, Bonames sowie in Klein-Auheim, Hainstadt. Klein-Krotzenbura, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche fest­gestellt' worden. In Himbach, Kreis Büdingen, und in Seligenstadt, Kreis Offenbach a. M. ist dieselbe erloschen. Hanau den 29. Dezember 1911. V 8798

Handelsregister.

Firma:

„August Ohl" in Hanau.

Die Firma ist erloschen.

Eintrag des Königlichen Amtsgerichts, Abteilung 5, in Hanau vom 20. Dezember 1911. 31075

In das hiesige Handelsregister ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Firma „Kinematographengesell» schaft mit beschränkter Haftung Hanau" mit dem Sitze in Hanau eingetragen worden.

Der Eesellschaftsvertrag ist am 16. November 1911 festgestellt worden. Gegenstand des Unternehmens ist die Einrichtung und der Betrieb von kinematographischen Borführungen und Aufnahmen, Einrichtung von Kine- matographentheatsrn, Kauf und Verleihung der Films und sonstigen Kinematographen-Gegènständen und der Abschluß von allen Rechtsgeschäften, welche mit dem Be­trieb und der Einrichtung von Kinematographen zu­sammenhängen.

Das Stammkapital beträgt 20 000 Mark. Zu Ge­schäftsführern find der Kaufmann August Hoff­mann und der Musiker Heinrich Schlüter beide zu Hanau bestellt worden. Die beiden, bestellten Ge­schäftsführer find nur gemeinsam zur Vertretung der Gesellschaft befugt. Zu Rechtsgeschäften, die einen Gegen­stand von mehr als 1000 Mark betreffen, haben sie vor­her die Genehmigung der Gesellschaft einzuholen, jedoch wird die Wirksamkeit dieser Rechtsgeschäfte nach außen durch die Unterlassung der Einholung der vorherigen Genehmigung nicht berührt.

Die Gesellschafter Musiker Heinrich Schlüter, Edelsteinschleifer Ferdinand Centner und Dia­mantschleifer Wilhelm Maisch sämtlich zu Hanau haben das ihnen gemeinschaftlich gehörige vollständige Inventar eines Kinematographentheaters, wie es im einzelnen in § 4 des Gesellschaftsvertrags vom 16. November 1911' genau bezeichnet ist, im Werte von 5400 Mark in die Gesellschaft eingebracht. Von diesen 5400 Mark ist jedem von ihnen 's», also 1800 Mark aus seine Stammeinlage angerechnet worden. Der Gesell­schafter Kaufmann August Hoffmann zu Hanau hat in die Gesellschaft seine Rechte aus dem mit dem Sensal Karl Petri in Hanau abgeschlossenen nota­riellen Tauschvertrage vom 3. November 1911, insbe­sondere das Recht auf Uebereignung des Hauses Parade­platz 12 a zu Hanau zu einem Anschlagspreis von 72 600 Mark, eingebracht. Der Wert dieser Rechte ist 4000 Mark, dieser Betrag ist Herrn Hoffmann auf seine Stammeinlaae angere chnet worden. Oeffentliche Be­

kanntmachungen der Gesellschaft erfolgen nur im Deutschen Reichsanzeiger.

Eintrag des Königlichen Amtsgerichts, Abteilung 5, in Hanau vom 28. Dezember 1911. 31077

Hus Ban au Stadt und Eand.

Hasrati, 30. Dezember.

Stadttheater m Hanau.

Gastspiel des bayerische« Bauerntheaters Jos. Meth.

„Aus der Art geschlagen".

Volksschauspiel von Joh. Weinold.

Am Donnerstag waren bayerische Gäste im hiesigen Stadttheater eingekehrt. Das auf einer Durchreise befind­liche bayerische Bauerntheater Josef Meth aus Schliersee wartete auf mit dem Volksschauspiel von Johannes Weinold, „Aus der Art geschlagen", der Geschichte eines jungen Pfarrers im Kampfe mit der Kirchensatzung, die in vielen Punkten dem bekannteren „Pfarrer von Kirchfeld" ähnelt, jedoch tragischer endet, also mit stärkeren Mitteln arbeitet. Da es hier vor allem auf die Darstellung ankommt, so möge konstatiert werden, daß die bayerischen Bauernschauspieler recht befriedigen konnten. Josef Meth, der Leiter der Truppe, ist ein fähiger Künstler, der in der Verkörperung des „Lumpentoni" packend zu charakterisieren verstand. Auch die Mitglieder seiner Truppe, die wir nicht sämtlich aufzählen wollen, leisteten recht beachtenswertes. Schuh­plattler und Zithervsrträge dürfen 6^ einem bayerischen Bauerntheater nicht fehlen. Sie boten auch hier eine wert­volle und gern entgegengenommene Ergänzung und Um­rahmung der gelungenen Vorstellung, die ja allerdings, was zu bedauern war, einen großen materiellen Ertrag kaum erbracht haben dürste, andererseits aber in künstlerischer Hinsicht von Erfolg begleitet war.

• Redaktionell. Des Neujahrsfestes wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Dienstag den 2. Januar zur gewohnten Stunde.

* Liturgischer Gottesdienst — Hauptprobe. Am Silvesterabend findet in der I o h a n n e s k i r ch e ein liNrrgi- scher Gottesdienst statt. Anfang um 7 Uhr. Die Haupt­probe für die zum Vortrag gelangenden Chöre seitens des Kirchenchors ist heute abend um 8 Uhr. Die Mitglieder werden hierzu iteundlichst eingeladen.

• Die hiesigen Nahrungsmittelgeschäfte bleiben am nächsten Sonntag (31. Dezember) von 1 Uhr ab geschlossen.

Zur Reichstagswahlbewegung.

Wählerversammlung zu Gunsten der nationalliberalen Kandidatur Wohlfarth.

Die gestrige Wählerversammlung der vereinigten liberalen Parteien gestaltete sich durch ihren zahlreichen Besuch aus allen Kreisen der Bevölkerung zu einer außerordentlich wirkungsvollen Kundgebung für den bürgerlichen Kandidaten Herrn Baurat Wohlfarth. Herr Dr. Heraeus eröffnete die Versammlung mit nachstehenden Ausführungen:

Nur noch knapp zwei Wochen trennen uns von dem Tag, an welchem das deutsche Volk über die Zusammensetzung der künf- ! tigen Reichstages entscheiden, an dem auch wir hier die erste Ent- ■ scheidung zu treffen haben, welcher von den aufgestellten Kandi- daten der Vertreter des Wahlkreises im Reichstag sein soll. Der Aufmarsch der Parteien hat sich bei uns diesmal anders als bet : den früheren Wahlen vollzogen. In den Zeiten, da bei den Wahlen Fragen der Verstärkung unserer Wehrmacht oder die Frage eines höheren oder niederen Zollschutzes für die Produkte unserer Landwirtschaft und Industrie die Parole nir den Wahlkampf bildeten oder wenigstens im Mittelpunkt des In­teresses standen, waren die Nationalliberalen im ganzen Reich meist gemeinsam mit den Konservativen in den Wahlkampf ge­zogen, da in diesen Fragen damals eine weitgebende Divergenz zwischen den Anschauungen der Nationallibcralcn und denen der linksliberalen Parteien bestand. Diesmal sehen wir erfreulicher­weise wieder einmal den gesamten Liberalismus geeinigt in den Kampf ziehen, während die Konservativen vereint mit dem Bund der Landwirte im scharfen Gegensatz zu den Liberalen in Schlacht­ordnung stehen, wie fast im ganzen Reich, so auch bet uns hier int Wahlkreis, obgleich ich gleich hier mit großer Genugtuung feststellen kann, daß der Kampf zwischen den verschiedenen burger- • lichen Parteien bis jetzt im allgemeinen sachlich und in ange-

meffenen Formen geführt worden ist. M. H. Ich habe gesagt, dieses Zusammengehen der verschiedenen liberalen Parteien sei erfreulich und gern will ich dieses Wort nochmals unterstreichen, denn wir Nationalliberalen würden ja den Ausdruck „liberal" in unserem Namen nicht verdienen, wenn wir uns nicht herzlich darüber freuen wollten, daß jetzt vieles von dem, was die beiden Parteigruppen früher voneinander getrennt hat, jetzt beseitigt ist und dadurch eine wesentliche Annäherung zwischen ihnen statt- gefunden hat, die es nun bei uns im größten Teil unseres Vater- landes ermöglicht hat, ohne allzu große Schwierigkeiten zu einer Einigung in Bezug auf gemeinsames Vorgehen beim diesmaligen Wahlkampf zu gelangen. Wenn man es angesichts der unerfteu- lichen Verfassung, in der sich unser ganzes politisches Leben in Deutschland infolge der religiösen Zersplitterung und infolge des mächtigen Anschwellens der sozialdemokratischen Stimmen be­findet, bedauern kann, daß es nun zu einem solchen Riß zwischen zwei bürgerlichen Parteien, die früher vieles Gute für das Reich zu des Vaterlairdes Wohlfahrt zusammen geleistet haben, so kann man andererseits doch auch den Konservativen dankbar dafür sein, daß sie durch ihr Verhalten die schon längst als wünschens­wert erkannte Annäherung der beiden liberalen Gruppen nun um ein bedeutendes Stuck vorwärts gebracht haben. M. H. Der diesmalige Wahlkampf wird, so sehr sich unser Reich-kanzler auch bemüht hat, dieses zu verhüten, unter der Parole gehen: hie Liberalismus, hie Konservatismus und Zentrum. Das deutsche Volk wird zu entscheiden haben, ob es die Politik, die die Konservativen bei der Reichsfinanzreform befolgt haben, billigt oder nicht. Ich bin wett davon entfernt, all den Unmut, den die Reichsfinanzreform in unserem Volke ausgelost hat, mit der von den Konservativen und dem Zentrum zu Fall gebrachten Erbschaftssteuer in Verbindung zu bringen. Daß 500 Millionen neue Steuern, die das Volk jährlich aufbringen soll, unter allen Umständen viel böses Blut machen, liegt in der Natur der Sache, aber hier handelt es sich noch, um etwas wesentlich anderes: Das Typische bei dieser Reichsfinanzreform, das muß immer wieder hervorgehoben werden, das was auch in den Kreisen, die die neuen Steuern als etwas Notwendiges ohne Murren auf sich zu nehmen gewillt waren, das war, daß die Konservativen diese Gelegenheit benutzen wollten und benutzt haben, um den ihnen unbequemen oder gar verhaßt gewordenen Reichskanzler, den Fürsten Bülow, zu stürzen, den Reichskanzler, der gleich seinem großen Vorgänger Bismarck es für unklug und unstatthaft ansah, den Liberalismus zugunsten der konservativen Partei bei wich­tigen Gesetzesvorlagen ganz auszuschalten, der ihnen vielmehr gewisse Konzessionen zu machen bereit war. Im Landtag hatten sich kurz zuvor dieselben Konservativen mit demselben Zentrum verbündet, um die vom Kaiser feierlich zugesagte und von der Regierung in den bescheidensten Grenzen eingebrachte Wahlre­form-Vorlage für das Preußffche Mgeordneteichaus zu Fall zu bringen, und nun dieser zweite Schlag, der gegen den verhaßten Liberalismus bei der Reichsfinanzreform geführt wurde. M. H. Es wäre unverantwortlich, wenn der Liberalismus nicht den Mut gefunden hätte, den Fehdehandschuh aufzunehmen, der ihm Mei- mal hingeworfen wurde. Und es wäre noch unverantwortlicher gewesen, wenn die beiden liberalen Gruppen angesichts dieser Situation nicht die Streitaxt begraben hätten, um gemeinsam den Kampf gegen diesen Aebermut der konservativen Partei­leitung aufzunehmen und gemeinsam in den Kampf zu ziehen in der ausgesprochenen Absicht, endlich einmal in unserem Vater­land dem Liberalen die Stellung zu erkämpfen, auf die er kraft seiner wirtschaftlichen und intelektuellen Bedeutung ein gutes Recht hat. Gewiß wollen wir in unserem Wahlkreise hier nicht vergessen, daß wir den Teufel nicht mit dem Belzebub vertreiben dürfen, man darf nicht vergessen, daß die näherliegende größere Gefahr uns von der Sozialdemokratie droht, die niederzuzwingen unser vornehmstes Ziel sein muß. Aber ich hoffe, daß gerade diese Parole, mit der wir in bett Wahlkampf ziehen, geeignet sein wird, den Sozialdemokraten viele von den Mitläufern, die ihr allein zum Sieg verhelfen können, zu entziehen. Ich denke, in einer Situation, wie in der gegenwärtigen, sollten die Taufende, di« lediglich ihrer Unzufriedenheit über irgend welche Dinge Aus­druck "orleihen wollen, wenn sie einen roten Stimmzettel ab geben, sich klar machen, Laß sie damit tatsächlich nur der Reaktion Dienste leisten, da im Falle der Niederlage des Liberalismus tnti einem gewissen Recht die Behauptung aufgestellt werden wird, daß der Liberalismus sich als unfähig erwiesen habe, dem An­sturm der Sozialdemokratie zu begegnen, und daß dazu nur ein strammes konservatives Regiment im Stande sei. Diese Tausende von Mitläufern Ler Sozialdemokratie sollen bedenken, daß sie es diesmal in der chand haben zu erreichen, daß die konservative Aebermacht im Reich, und in Verbindung damit auch im ersten Staate gebrochen wird, und damit dann die Möglichkeit gegeben ist, wenigstens einen Teil der Forderungen, die wir in Bezug auf eine freie Entwicklung unseres öffentlichen Lebens stellen, durch« zusetzen, Mit dieser ernsten Mahnung, die ich als einen der wich­tigsten Faktoren in unserem Wahlkampf ansehe, will ich schließen,