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Erstes Matt.

Anzeiger

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Rotationsdruck und Verlas der Bnitzdruckerei des emta. e». Waisenhouse, in Hanau.

General-Anzeiger

AMâcs Organ für Stabt- nab FanLkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn« und Feiertags, mit belletrlftHcher Beilage.

Die Lgrspalten» Petttr.il, ** deren Kau« »â ta KellaWealetl die yif A ®tt

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K-r«fprecha»schl«k Nr. 230 1911

Nr. 30 0 ^-r«sprecha»schlttfr Nr. 230. Samstag den 23. Dezember

Heilige Nacht.

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Läute, helles Glöcklein Du, kâute, läute immer zu — Bringe Frieden in die Rütten, Läute hell, daß alle Herzen Flammen wie die Weihnachtskerzen.

Deine Stimme hell und rein Soll uns eine Botschaft sein — Läute leise deine Weise : Daß der liebe, heilge Christ Heut auf Erden kommen ist.

Zauberhaftes Glöcklein Du, Bringe Frieden, Weihnachtsruh, Nimm vom Herzen Leid und Schmerzen, Daß es mit den Engeln singt Und dem Heiland Weihrauch bringt! £ ^

An das tVeihnachts-Glöcklein!

***************

Ueber allem die Liebe

An Christi Wiegenfest

Soll in uns Bruderliebe

Hell leuchtend neu erglüh'n, als reiner Quell Der edelsten und besten uns'rer Triebe! —

Welch' Glaubens einer sei, Danach soll man nicht fragen, Wenn recht er denkt und handelt, niemand scheut; Bereit zum Wohl der Menschheit beizutragen.

Wer kann vor'm eignen Ich, Sich selbst getreu, behaupten, Sein Glaube sei der wahre ganz allein; Verloren alle, die da anders glaubten?

Wer, als von ihm erkannt, Das Unerforschliche vermessen Uns deuten will, der hat in eitlem Wahn Der Ohnmacht seiner Menschlichkeit vergessen. —

Wir find als Christen treu

Dem alten Väterglauben,

Und lieben den, der für ihn litt und starb!

Dies höchste Gut wird keine Macht uns rauben l

Und weil wir Christen find, GeZiemt uns nicht zu blicken Herab auf den, der andern Glaubens ist;

Verächtlich gar von ihm hinwegzurücken.

Aus eines Schöpfers Hand

Sind wir hervorgegangen! —

Zu schauen einst sein lichtvoll Angesicht Ist unser aller sehnsuchtsvoll Verlangen. —

Durch jede Religion,

Mag auf zu i h m fie ringen. In welcher Form es sei, Hör ich des Heilands Wort: „Gott ist die Liebe!" klingen!--

Zu Weihnachten 1911. Friedr. Jac. GeißelL

Lie AuMung H Hamm Ksnstvereins in her AM her AichmMeme.

Wie seit Jahren üblich, hat der rührige Hanauer Kunst- oerein wiederum seinen Mitbürgern zur Weihnachtszeit eine Kunstschau geboten, die nach mancher Richtung hin viel Anregung und künstlerischen Genuß geben wird. Der Um­fang der Ausstellung hält im Vergleiche zu den Massen- Bildanhäufungen ähnlicher Art in größeren Städten das richtige Maß ein, nämlich groß genug, um für eine Stunde den Beschauer ohne dessen Ermüdung fesseln zu können und begrenzt genug, um eine Uebersättigung und Abstumpfung bei der Besichtigung zu vermeiden. Neben den in Hanau schaffenden und aus Hanau gebürtigen Malern und Bild­hauern hat ebenfalls wieder eine Anzahl bedeutender deut­scher Maler ihre Werke eingeschickt, sodaß die Ausstellung an Mannigfaltigkeit der künstlerischen Stoffe, der Techniken, des Wollens und Könnens, nichts zu wünschen übrig läßt. Es sei hier gleich erwähnt, daß die Ausstellüngsleitung die schwierige Aufgabe der Gruppierung dieser verschieden­artigsten Erscheinungen mit vielem Geschick vorgenommen hat. Der Gesamteindruck der Ausstellung ist fast ausnahms­los ein moderner und gediegener. Direkt minderwertige Leistungen find kaum zu bemerken. Neben den auswärtigen Meistern haben sich die Hanauer Künstler erfolgreich be­hauptet. Zwar sind manche von ihnen nicht mehr ansässig, aber sie haben fast alle auf der Zeichenakademie die solide Grundlage für ihre spätere Erfolge sich erwerben dürfen. Ein solcher ist z. B. Stassen (Berlin), der längst als genialer Figurenmaler und Illustrator einen Ruf genießt. Ein klei­neres Bild, Christus und die Ehebrecherin, zeigt alle Vor­züge seines klassisch abgerundeten Stiles und seiner klaren leuchtenden Temperatechnik. Weiterhin hat er ein groß zu- sammengcfaßtes Motiv von Wilhelmsbad, von der Kinztg- brücke. sowie vier landschaftliche Pastellstudien zur Aus­

stellung gebracht. Als ein Künstler, bei dem sorgfältigste zeichnerische und plastische Durchbildung sich mit sonniger, lichter Farbe, breiter, sicherer Technik, und dabei auch Ee- mütstiefe und kompositorischer Meisterschaft zu einer vollen­deten Einheit verschmelzen, sei Hoffe (Rothenburg o. d. T.) vor allem genannt. Wir wiffen kaum, welchem seiner Bil­der wir den Preis zuerkennen sollen, dem „Alten Winkel", einer malerischen Dorfecke mit den lebendig erfaßten beiden Bäuerinnen, oder der „Dorfschmiede" mit den groß gesehene^ Pferden. Beides sind Werke, in die man sich so recht im Stillen vertiefen kann, das gleiche gilt von Hoffes großer Landschaft „Blick ine Taubertal", die ungemein frisch im Ton und etwas breiter behandelt ist, als die erst genannten Bilder. Einen Blick über Berg und Tal gibt uns auch Lud­wig Koch (München) in seinem „Isartal". Das ist ein Bild, aus dem wir fast den frischen würzigen Hauch der herbst­lich gefärbten Waldhügel nach einem abzichenden Gewitter zu verspüren scheinen, ein Bild, so großzügig und packend, daß wir es wohl in der Erinnerung mit nach Hause nehmen und das wert wäre, in einem besonderen Artikel allein ge­würdigt zu werden. Im Mittelgrunde schimmert die sma­ragdgrüne Isar und in der Ferne leuchtet in dem dunklen Gewölk ein blauer Streifen Himmels wieder hervor. Auch die beiden anderen von Koch gesandten kleineren Bilder eine flotte Eouachestudie „Gärtchen mit Sonnenblumen", und eine „Herbstsonne im Isartal" verdienen alle Beach­tung. Vom Landschafter Koch wohl zu unterscheiden, ist Paul Koch-Honnef, Lehrer an der Zeichenakademie, der zwei ausgezeichnete Damenporträts ausstellt. In unauf­dringlicher, streng sachlicher Weise sind die Dargestellten in ihrem ganzen Wesen feinsinnig erfaßt. Das Kolorit ist von leuchtender Reinheit, warmtönig mit feinen grauen Mittel- tönen; es sind zwei vornehme Schöpfungen des erfolgreichen Porträtisten.

Von anderen Künstlern aus dem Lehrkörper der Zet- chenakademie hat sich Profeffor Andorff, jetzt in Frankfurt,

mit zwei seiner rühmlichst bekannten Architekturbildchen aus Altfrankfurt eingestellt, deren ungemein liebevolle Durchführung die vielen Schwierigkeiten der perspektivischen und koloristischen Seite erfolgreich gemeistert und auch die zierliche Staffage mit Geschmack verteilt hat. Aus den Er- gebniffen einer fast halbjährigen Studienreise in Italien hat Estler dreizehn wirkungsvolle Studien ausgewählt, die uns ganz in den farben- und formenreichen Süden hinein­versetzen. Es find nicht etwa bloße Studienausschnitte, son­der zum größten Teil malerisch in fich abgeschloffene Bilder, die ihrer nach jeder Richtung hin gediegene Malweise wegen hohes Lob verdienen. Besonders erwähnt sei der Blick über die Trümmerstätte des Forums, von rötlicher Abendsonne schwermütig beleuchtet, und die malerische Piazza in Ole- vano. Don den Bildhauern der Zeichenakademie ist Pro. feffor Heck mit einem ausgezeichneten weiblichen Halbakt vertreten, deffen stolzes Bewegungsmotiv von allen Seiten in großgesehenen, reizvollen Umriffen einheitlich zur Gel­tung kommt; die letzteren Vorzüge eignen auch zwei kleine­ren allegorischen weiblichen Figuren „Schmerz" und „Ba­dende". Zwei Reinere Bronzen, ein fitzendes Mädchen und ein drolliges am Boden kauerndes Kinderfigürchen hat Reisner geschaffen und diesen beiden anmutenden Werken eine unmittelbar wirkende Frische bei sorgfältigster Durch­arbeitung aller plastischen Faktoren zuteil werden laffen. Das kauernde Baby war übrigens schon in Turin ausge­stellt. Von Reisner entdeckten wir übrigens bei den Gemäl­den auch einige kleine Landschaften in Oel, meist Hanauer Motive, die anzudeuten scheinen, daß der Bildhauer über die malerischen Gesichtspunkte, die in der modernen Plastik teilweise tonangebend geworden sind, sich durch ein gelegent. liches Hinüberschweifen in die Maltechnik auf eigene Weis- Aufklärung verschaffen will.

Auch einige Zeichenlehrer von Hanauer Schulen haben Proben von künstlerischer Betätigung beigesteuert so Her­mann in einer tüchtigen Landschaft mit Kiefern. Fehlhabe,