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General-Anzeiger
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Erscheint tSgttch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristisch er Bettag«.
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Mittwoch den 20. Dezemver
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Amtliches. Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Der auf Dienstag den 26. Dezember d. Js. fallende Wochenmarkt wird auf Mittwoch den 27. d. Mts. verlegt.
Hanau den 18. Dezember 1911. 30357
Städtische Polizei-Verwaltung.
Der Oberbürgermeister.
I. A.: Bartmutz.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.^
Der Landwirt und Weißbinder Karl Peter 2ter ist zum Nachtwächter der Gemeinde Oberrodenbach bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 20. Dezember 1911. V. 8253
Unter dem Viehbestände des Bauern Franz Streit in Hörstein, Kreis Alzenau, Hs. Nr. 233, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Sein Anwesen ist Sperrbezirk, die übrigen Teile des Gemeindebezirks Holstein sind Be- «bachtungsgebiet.
Hanau den 18. Dezember 1911. V. 8524
Ständische Leihbank.
Durch Beschluß des Landes-Ausschusies zu Cassel vom 29. o. Mts. ist der Zinsfuß für Spareinlagen vom 1. Januar 1912 ab auf 38 U "/» erhöht worden.
Hypotheken-Darlehen werden zu 41/* °/o ausgeliehen.
Hanau den 19. Dezember 1911. 30321
Die Leihbank-Direktion.
Gefundene und verlorene Gerunstände re.
Gefunden: 1 schwarzes Schülertäschchen mit dem Namen M. Hamburger, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Patent-Sturmlaterne.
Verloren: 1 goldene Damenuhrkette.
Zugelaufen: 1 gelber Hund m. Geschl.
Entlaufen: 1 grauer Wolfshund.
Hanau den 20. Dezember 1911.
Politische Rundschau.
Die Einberufung des preußischen Landtags. Der preußische „Staatsanzeiger" veröffentlicht eine königliche Verordnung, die die beiden Häuser des Landtags auf den 15. Januar 1912 einberuft.
Vereinfachung im Rechnungswesen der Truppen and Militär-Behörden. Nach einer Bestimmung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums wird vom 1. Januar 1912 ab der Servis für Unteroffiziere und Mannschaften, welche nicht in Kasernen rc. untergebracht werden — z. B. für Verheiratete und sonstige Militärpersonen, für welche Kaserncn-Qnartier nicht vorhanden ist — nicht. mehr wie bisher monatlich, sondern vierteljährlich von den Truppen und Militärbehörden mit eigener Kasten-Verwaltung angefordert werden. Dasselbe Äbrechnungsverfahren findet vom besagten Termin ab auch hinsichtlich des Servises für Offizier-Pferde statt.
Schießdienst der Zahlmeister-Aspiranten. Das „Armee-Verordnungsblatt" vom 15. Dezember 1911 enthält eine Verfügung des Kriegsministcriums, nach welcher in Zukunft alle Zahlmeister-Aspiranten nur im Schießen mit der Pistole auszubilden sind.
Weitere „Politische Rundschau" im zweiten Blatt.
Hus Dab und fern,
Vollversammlung der Landwirtschaftskammer.
x. Cassel, 19. Dezbr. Am heutigen 2. Sitzungstage der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Castel erstattete Herr Oekonomierat Rexrodt (Cassel) einen interessanten Bericht des Genossenschaftsausschusses. An der Hand von Zahlen und statistischen Materials wies Redner nach, wie segensreich die Genossenschaften wirken. Auch im verflossenen Jahre habe das Genossenschaftswesen in Hessen wieder erfreuliche Fortschritte gemacht. Sowohl Umsatz als auch die Mitgliederzahl sind um ein ganz bedeutendes gestiegen. Auf allen Gebieten ist eine Steigerung festzustellen.
Durch den immer größeren Aufschwung des Genostenschaftswesens in Hessen war es auch möglich, verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen zu unterstützen. Er erinnere nur an die Schwesternstationen, die so segensreich wirken, und denen Unterstützung zuflietzen konnte. Die Warenabteilung des Genostenschaftsausschustes hat sich ebenfalls gut entwickelt. Der Umsatz betrübt z. Zt. 6 900 000 Mk., gewiß ein Beweis dafür, daß die Bestrebungen von der Landwirtschaft richtig gewürdigt werden. Die mittleren Landwirte sind jetzt in der Lage, einen Preistarif in der Hand zu haben, nach dem sie sich richten können. Der größte Vorteil aber besteht wohl darin, daß die Warenabteilung es fertig gebracht hat, sich als Macht zwei großen Syndikaten entgegenstellen zu können. Die zwei Syndikate, die in Frage kommen, sind das Thomasmehlsyndikat und das Kalisyndikat. Wer verfolgt hat, welche Erfolge die Genossenschaft diesen Syndikaten gegenüber erzielt hat, kann nur freudig überrascht sein. Es ist möglich geworden, daß die Landwirtschaft mit den Syndikaten gemeinsam die Preise für gewisse Düngemittel feststellen kann. Ueberhaupt sei bet dieser Gelegenheit betont, daß nur durch engen Zusammenschluß der Landwirtschaft etwas zu erreichen ist. Wenn die Landwirtschaftskammer empfiehlt, dies oder jenes Düngemittel sei nicht zu kaufen, dann ist dieser Gedanke wohl gut und richtig. Er ist aber nicht durchführbar, wenn nicht die ganze Landwirtschaft geschlossen dahinter steht. Was die Verwaltung der Kornhäuser betrifft, so ist als erfteulich zu konstatieren, daß auch im letzten Jahre wieder ein guter Umsatz erzielt worden ist. Der Versuch, eine Eenossenschaftsmühle zu gründen, ist nicht ganz geglückt, weil die Leute, die es besonders angeht, im ent- entscheidenden Moment versagt haben. Die „Hessenbank", ein weiteres Glied des Genossenschaftswesens, hat sich ebenfalls gut weiter entwickelt. Der Umsatz ist von 22 Millionen auf 28 Millionen gestiegen. Auch wieder ein Beweis dafür, wie tief der Eenossenschaftsgedanke Wurzel geschlagen hat. Der Reingewinn bezifferte sich im verflossenen Jahre auf 27 000 Mk., sodatz der Reservefonds auf 101000 Mk. angewachsen ist. Die Ein- und Verkaufsgenossenschaft hat sich ebenfalls sehr gehoben. Leider haben auch hier wieder direkt daran interessierte Kreise versagt. Was die Versicherungsgesellschaft für das Genossenschaftswesen betrifft, so kann man sie jetzt als existenzberechtigt und existenzfähig bezeichnen. Schließlich möchte Redner an alle Landwirte noch die dringende Mahnung richten, sich dem Genossenschaftswesen anzuschließen. In der heutigen Zeit, wo der Einzelne nichts bedeute, wo sich nur durch Zusammenschluß der Stände eine Macht erzwingen lasse, wo man in unverantwortlicher Weise gegen die Landwirtschaft Hetze und einzelne Fälle verallgemeinere, tue es bitter not, daß sich die Landwirtschaft mehr als je zusammenschließe. Der Zusammenschluß liege nicht bloß im Interesse der Landwirtschaft selbst, sondern auch im Interesse jedes einzelnen Landwirtes. — In der sich anschließenden Diskussion erhielt der Referent zahlreiche Zustimmungen. Betont wurde besonders, daß der Zusammenschluß aller Landwirte in Genossenschaften von großer Wichtigkeit sei. Man könne wirklich nicht verstehen, wenn heute noch in Landwirtschaftskreisen eine Abneigung gegen das Genossenschaftswesen bestehe. — In seinem Schlußwort feierte Herr Oekonomierat Rexrodt (Cassel) die Verdienste des Herrn Rittergutsbesitzers v. Stockhausen um die Förderung des hessischen Genossenschaftswesens. Zum Zeichen des Dankes und der ehrenden Anerkennung habe der Vorstand des Verbandes hessischer Genossenschaften beschlossen, Herrn v. Stockhausen eine künstlerisch ausgeführte Adresse zu überreichen. In bewegten Worten dankte Herr v. Stockhausen für die unverhoffte Ehrung. Er habe nur seine Pflicht und Schuldigkeit getan, da er schon frühzeitig den großen Wert und den Nutzen des Genossenschaftswesens erkannt habe.
Dr. Treuter, der Assistent der Landwirtschaftskammer, berichtete dann über die Tätigkeit des Ausschusses für F o r st w e s e n. Der Ausschuß erstatte heute zum ersten Male seinen Jahresbericht. Jmmerbin laute er sehr günstig und gebe für die Zukunft gute Hoffnungen. Leider sei ein warmer Förderer des Ausschusses, Herr Geheimrat Mühlhausen, dieser Tage verstorben. Zu seinem Andenken erheben sich die Versammelten von ihren Plätzen.
Einen ausführlichen Bericht gab Generalsekretär Dr. S t a e h l y über die Tätigkeit des Vorstandes im verflossenen Berichtsjahre. Der Vorstand habe fleißig in zablreichen Sitzungen gearbeitet und rund 340 Punkte erledigt. II. a. habe er sich wiederholt mit dem Bau der Versuchsstation in Harleshausen beschäftigt. Mit dem Bau könne man recht zufrieden sein. Die Baukosten betragen rund 210 000 Mk. Die Freude am schönen Bau werde aber etwas dadurch getrübt, daß noch eine Unsicherheit in der Fortgewährung der staatlichen Beihilfe bestehe. Doch hoffe man. dies auch noch
im günstigen Sinne zu regeln. Der Pflege des landwirtschaftlichen Unterrichtswesens ist auch im letzten Jahre wieder große Aufmerksamkeit gewidmet worden. Die Zahl der landwirtschaftlichen Winterschüler ist recht beträchtlich hinaufgegangen. Die Wanderlehrtättgkeit ist in der bisherigen Weise weitergeführt worden. Ueber die Wertschätzung und den Nutzen ist man sehr verschiedener Meinung. Man kann nicht sagen, daß durch die Wanderlehr, tätigkeit nun ein großes Mittel geschaffen worden ist, das der Landwirtschaft unbedingt helfen müsse. Aber trotzdem kann man sie nicht ohne weiteres verurteilen. Man muß eben warten, um sich später ein Urteil bilden zu können. Die Obstbauanstalt in Niederzwehren hat sich auch erfreulich weiter entwickelt. Die von ihr gelegentlich der Landwirtschaftsausstellung veranstaltete Ausstellung war das gelungenste, was man seit Jahren auf diesem Gebiete gesehen hat. Drei Ereignisse, teils freudiger, teils trauriger Art, haben im Jahre 1911 den Vorstand wiederholt beschäftigt: Es sind dies die Maul- und Klauenseuche, die Landwirtschaftsausstellung und die unheimliche Dürre und Trockenheit. Die Maul- und Klauenseuche hat zunächst den Bezirk Cassel verschont gelassen und man hatte schon gehofft, daß dies auch fernerhin der Fall sein würde. Leider hat sich diese Hoffnung als trügerisch erwiesen. Durch Einschleppung ist sie auch in unserem Bezirke stark verbreitet gewesen. Sie ist aber auch nicht ohne Einfluß auf die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft geblieben, da dadurch das Klauenvieh von der Beschickung ausgeschlossen war. Die Hauptanziehungskraft hatte die Ausstellung dadurch verloren, obwohl man durch andere Einrichtungen versuchte, den Schaden wieder gut zu machen. Im großen und ganzen war aber der Verlauf der Ausstellung recht zuftiedenstellend. Es hat sich gezeigt, daß die Stadt Cassel sehr wohl in der Lage ist, eine derartig große Ausstellung zu beherbergen und daß die hessische Landwirtschaft an der Beschickung der Ausstellung sehr fleißig mitgearbeitet hat. Der nächste Punkt, mit dem sich der Vorstand des öfteren beschäftigte, war die große Dürre des Jahres 1911. Mit ihr zugleich hat sich auch die Futternot eingestellt. Das Jahr 1911 ließ sich wohl anfangs gut an; die Hitze wurde aber im Laufe des Jahres unerträglich und erreichte im August ihren Höhepunkt. Sie ist nicht ohne Einfluß auf das landwirtschaftliche Gewerbe geblieben. Seit September ist die Witterung wieder einigermaßen günstig geworden und hat verschiedentlich das gut gemacht, was der Sommer verdorben. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer hat sich verschiedene Male mit der Frage beschäfttgt, welche Mittel zur Abhilfe der Futternot angewendet werden müssen. In erster Linie war der Vorstand der Meinung, daß wohl Selbsthilfe das beste Mittel sei. Er empfahl deshalb, sämtliches Stroh, das sich in gutem Zustande befindet, zu Fütterungszwecken unter Zuhilfenahme von Kraftmitteln, zu verwenden. Das Stroh für die Ställe soll durch Laub- und Waldstreu ersetzt werden. Die anhaltende Trockenheit mit ihrem Einfluß auf den Preis der tierischen Produtte hat in den Städten Veranlassung gegeben, die Landwirtschaft für die Teuerung verantwortlich zu machen. Anstatt den Landwirt zu bedauern, daß er von der Dürre so hart betroffen ist, hat man das Gegenteil getan. Nichts ist verkehrter, als die Behauptung, daß die Landwirtschaft an der Teuerung schuld sek. Die eminente Dürr« konnte gar nicht ohne Einfluß auf die Preise der tterischen Produtte bleiben. Der Vorstand hat deshalb in verschiedenen Artikeln in der Casseler Presse die Bevölkerung in obigem Sinne aufgeklärt. Die Hetze, die im ganzen Lande und namentlich vom Hansabunde bei der Teuerung gegen die deutsche Landwirtschaft betrieben worden ist, hat Veranlassung gegeben, Maßnahmen zu treffen, die die Landwirtschaft ungünstig beeinflussen. Besonders seien hier die Einfuhrscheine für (Betreibe erwähnt. Diese sind zwar nicht aufgehoben, aber doch in einer Weise beschränkt worden, daß sie der Landwirtschaft nur schaden können. Redner schließt mit der Hoffnung, daß die künftigen Jahre sich vorteilhafter für die Landwirtschaft gestalten und daß sie von Seuchen und Trockenheit verschont bleiben möge.
In der Debatte über diesen Punkt behandelte Landrat und Kammerherr v. D i t f u r t h (Rinteln) die Verunreinigung der Gewässer durch die Abwässer der Kaliindustrie. Das Thema sei jetzt aktuell und gehe auch den Bezirk der Landwirtschaftskammer Cassel an, weil auch die Weser schon darunter leide. Besonders interessiert ist der Fischereibetrieb dabei, der einen ungeheuren Schaden dadurch erleidet. Verschiedene Landwirtschaftskammern in der Provinz Sachsen, Hannover und Westfalen haben schon Stellung dagegen genommen. Er (Redner) habe an den Vorstand der Land- wirtschaftskammer das Ersuchen gerichtet, sich dieser Bewegung anzuschließen. Sein Ansuchen ist aber abgelehnt worden. Heute stelle er den Antraa. die Vollversammlung