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Donnerstag den 7. Dezember

Fernsprechauschlus; Nr. 230 1911

Lie KtMNWM msM cher tz.Mtt-MsBW 14 Seiten.

Amtliches.

Landespolizeiliche Anordnung betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau.

Meine landespolizeiliche Anordnung vom 31. Oktober 1911 — A III 5236 — betreffend die Bekämpfung der im Landkreise Hanau aufgetretenen Maul- und Klauen­seuche — Amtsblatt Nr. 44, S. 388 — wird hierdurch, wie folgt, abgeändert: .

Aus dem Sperrgebiet im § 1 scheidet der Ortsteil Enkheim aus und tritt zum Beobachtungsgebiet. (A III 5629.)

Castel den 23. November 1911.

Der Regierungspräsident.

Graf von Bernstorff.

Candkreis Hanau.

Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in dem Ortsteil Enkheim werden die am 27. Oktober d. Z. — V 7194 — für den Sperrbezirk Ortsteil Enkheim von mir angeordneten Maßnahmen hiermit aufgehoben. Der Ortsteil Enkheim tritt zu dem Beobachtungsgebiet.

Hanau den 6. Dezember 1911. V 7969

Der Königliche Landrat.

LV.: Karbe.

Das Hofmarschallamt Sr. Kgl. Hoheit deS Landgrafen von Hessen zu Philippsruhe beabsichtigt, bei eintrelendem Schnee- und Frostwetter zur Vertilgung von Raben und Krähen in den landgräfl. Jagdbezirken des hiesigen Kreises Ochsenblut mit Strychnin auszulegen.

Die Stellen, an welchen das Gift liegt, werden kenntlich gemacht.

Ich bringe dies hiermit zur allgemeinen Kenntnis und ersuche auch die Ortspolizeibehörden, für weitere, ortsübliche Bekanntgabe zu sorgen.

Hanau den 6. Dezember 1911. V 8129

Der Kgl. Landrat.

Z. D.: Karbe.

St adtkr eis Hanau.

Bekanntmachnnft.

Die Plätze für den am Freitag den 15. Dezember be­ginnenden Weihnachtsmarkt werden

Mittwoch den 13. Dezember 1911, nachmittags 3 Uhr, auf dem Marktplatz verlost.

Die näheren Bedingungen werden vor der Verlosung bekannt gegeben.

Hanau den 16. November 1911. 27919

Der Magistrat.

I. A.: Bartmuß.

Bekanntmachung.

Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre be­stehenden Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, der das Eroßh. Hessen, die Provinz Hesten-Naffau, das Fürsten­tum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Maße von den Interessentenkreisen, besonders der Landwirtschaft und des Handwerks, in An­spruch genommen und erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Land­wirtschaftskammern, immermehr des Vertrauens der In­teressenten. Insonderheit ist es. wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise be­weisen, gelungen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organisieren und den besonderen Bedürfnisten des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Wäh­rend im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wur­den, wuchs die Zahl im Jahre 1909/10 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Ver­bandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Großstädten auf die Kleinstädte übergeht.

Um den verschiedenartigsten Bedürfnissen in den ver­schiedenen Teilen des Verbandsgebietes bester gerecht wer­

den zu können, wurden fast in allen Kreisen Arbeitsnach­weise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benutzung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der heimischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städtischen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.

Bei der großen Bedeutung einer geordneten Arbeitsver­mittlung für die Stetigkeit der gesamten Produktionsver­hältnisse, ist es notwendig, daß alle Interessenten am Ar­beitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Or­ganes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.

Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeits­kräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermitte­lungsstelle — Langstraße 41 — bedienen zu wollen.

Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz- .und Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinnen, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Eastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern ent- gegennimmt.

Die Vermittlung erfolgt kostenfrei.

Hanau den 14. Oktober 1910. 1657

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Das an der Ecke Leipziger- und Bernhardstraße ge­legene seither zum Bernhard Scherf'schen Anwesen gehörige Grundstück von 1589 qm soll anderweitig als Lagerplatz verpachtet werden.

Angebote werden bis zum Donnerstag den 21. Dezember d. Zs., vormittags 10 Uhr, an uns erbeten.

Hanau den 4. Dezember 1911. 28887

Die Direktion

der städt. Gas-, Master- u. Elektrizitätswerke Hanau a. M.

* v. Eäßler.

Gefundene Md verlorene Genenstilnde re.

Gefunden: 1 Trauring (gez. H. L. 3. 7. 05), 1 Ausweiskarte der Hanauer Ortskrankenkaffe für Adolf Hofmann.

Verloren: 1 hellblauer Pompadour mit Mono­gramm A. J. (Inhalt: Handschuhe, Taschentuch und Portemonnaie mit Inhalt), 1 Portemonnaie mit 1 Zehnmarkstück und 20 Pfg. Kleingeld.

Hanau den 7. Dezember 1911.

politische RundTebae.

Der Kaiser ist gestern nachmittag 5% Uhr in Primkenau eingetroffen.

Eine Erkrankung der Kaiserin. Die Kaiserin ist infolge einer Erkältung leicht erkrankt und hat deshalb, wie Ber­liner Blätter aus Breslau melden, ihren Besuch in Prim­kenau absagen lasten.

Der konservative Wahlaufruf. Die „Kreuzzeitung" ver­öffentlicht an leitender Stelle den Wahlaufruf der deutsch­konservativen Partei. Er beginnt: „Reichstagswahlen von höchster Bedeutung stehen uns bevor." Dann wird das nationale Werk der Reichsfinanzreform gepriesen, das zwar ohne Belastung des Volkes überhaupt undurchführbar ge­wesen sei und von besten bewilligten Steuern manche nicht ganz einwandfrei sein mögen; aber andererseits hätten die Konservativen das Reich aus einer jämmerlichen Schulden­wirtschaft befreit, hätten ihm gesunde Finanzen geschaffen und ihm die Mittel geliefert, unsere Rüstungen zu Wasser und zu Lande aufrechtzuerhalten, unsere Beamten aus­kömmlich zu besolden und die soziale Versicherungsgesetz­gebung zu fördern. Der Wahlaufruf erklärt den von den Liberalen gewünschten allmählichen Abbau des Schutzzolles für im Endziele nichts anderes als die von den Sozialdemo­kraten verlangte sofortige und völlige Beseitigung der Zölle. Weiter wird erklärt, die Konservativen erstrebten für den Landmann keine Teurungspreise, sondern nur einen mäßi­gen, aber gesicherten Lohn für seine Arbeit gegenüber dem billiger produzierenden Auslande. Dem neuen liberalen deutschen Bauernbund wird im Aufruf voraeworien er

gehe Hand in Hand mit den liberalen Feinden der deut­schen Schutzzollpolitik und mit der Sozialdemokratie, er zer­splittere den Berufsstand, sei also der Totengräber der Landwirtschaft. Der Hansabund gebe vor, den Mittelstand zu schützen, schütze aber in Wirklichkeit die größten Feinde des selbständigen Mittelstandes und hetze die erwerbenden Stände in Stadt und Land gegeneinander auf, mit seiner unklaren und zweideutigen Haltung gegenüber der Sozial­demokratie fördere er deren Ziele. Unsere gesamte Wirt­schaftsordnung sei in Gefahr. Der Aufruf fordert einen geschlossenen Kampf gegen die vaterlandslose, religions- und eigentumsfeindliche Sozialdemokratie und deren Helfershelfer. Er schließt: Parteifreunde! Wir müssen unser äußerstes tun, jeder an seiner Stelle, um dem Ansturm gegen uns sicher zu überwinden, dazu rufen wir Euch. Der Erfolg wird, wenn jeder seine Pflicht tut, unser sein. Vor­wärts denn, mit Gott für Kaiser und Reich!

Ein Nachwort zur Marokkodebatte im Reichstag. In einem Berliner Telegramm der oft offiziös inspirierten „Köln. Ztg." heißt es: „Man muß Herrn v. Bethmann Dank wissen, weil er die wirkliche Lage ohne jede Beschönigung dargestellt hat. Nur zu oft haben wir aus dem uns inne­wohnenden tiefen Friedensbedürfnis heraus fünf gerade sein lassen und zu einer Politik der Verletzung und Heraus­forderung geschwiegen, bis zu einem Grade, der uns den Vorwurf des Nachlaufens eintrug."

Die Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild. Wie man hört, wird am 8. Dezember eine Konferenz über die Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild im Reichsamt des Innern zusammentreten, an der sich alle Vertreter der betreffenden Aemter beteiligen werden. Es wird sich wesent­lich um eine Ergänzung der Bestimmungen der Gewerbeord­nung handeln, die bisher wesentliche Lücken aufgewiesen haben. Insbesondere wird man künftig auch den Verkauf und das Feilbieten derartiger Schriften und Bildwerke in geschlossenen Läden verbieten und desgleichen die entspre­chende Aufstellung in Schaufenstern. Bisher verbietet die Gewerbeordnung nur das Feilbieten auf den Straßen und den Vertrieb durch Bestellungen im Umherziehen. Große Schwierigkeiten bereitet nach wie vor der Begriff der Schundliteratur selber, der einer genauen Definition ent­behrt. Demgemäß gehen die Ansichten über ein gesetzgebe­risches Vorgehen an der empfindlichsten Stelle auseinander. Während der Begriff der unsittlichen Schriften nach der Rechtsprechung vollständig festgelegt erscheint, läßt der Be­griff Schundliteratur eine sehr vielfache Deutung zu. Dem Vorschläge, zur Entscheidung zweifelhafter Fälle ein Kolle­gium von Sachverständigen einzurichten, stehen schwer­wiegende Bedenken entgegen. Demgemäß würde die Ent­scheidung den Polizeibehörden und Gerichten überlasten bleiben.

Das britische Königspaar ist gestern abend von Bombay nach Delhi abgereist.

Italien und die Türkei.

Berlin, 6. Dezbr. Bei der hiesigen italienischen Botschaft sind die genauen Berichte der Offiziere der 3. Division über die Greueltaten eingegangen, die nach den Kämpfen am 23. und 24. Oktober an gefangenen und verwundeten Ita­lienern sowie an den Leichnamen der Gefallenen verübt worden sind. Unter Nennung der Offiziere und genauer Bezeichnung der Truppenteile, welche die Beobachtungen und Feststellungen gemacht haben, werden die grauenvollen Befunde im Einzelnen geschildert. Durch einen der wenigen Geretteten wurde festgestellt:Arabische Frauen nahmen an der Mißhandlung und Verstümmelung der Verwundeten teil. Weiter wird konstatiert, daß am 23. Oktober auch die Ambulanzen des Roten Kreuzes und zwar die Sektionen Ancona und Mailand mehrfach bedroht und angegriffen worden seien, obwohl sie die Flaggen der Genfer Konven­tion so sichtbar wie möglich trugen.

Rußland und Persien.

Teheran, 6. Dezbr. Gestern nacht ist Sarder Aschad mit Mochber es Sultanes) eingetroffen. Die Lage ist all­gemein unverändert. Die Stimmung in Teheran ist stiller geworden, man begnügt sich meistens damit Protest- telegramme nach allen Richtungen zu schicken und Konfe­renzen und Versammlungen abzuhalten, die resultatlos ver- aufen. Die hiesige Pferdebahn und E senbahn hat in den etzten Daaen kaum 8 Mark eingenommen. Die Basare er­leiden große Verluste da sie noch immer geschloffen sind. ^Schulen gaben über 5000 M. für Depeschen aus. Die Verwaltung arbeitet unterdessen unter Leitung des General- rd,o^ ruh,,8 weiter. Der Polizeipräsekt "hob die Nackt-

kontioll» auf. Die Attentate haben aufgehört.