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General-Anzeiger

KMihkr Organ fir AM- and FanLIrreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die «gespaltene Vetitzeil« ob« beten Râtl« 20 Pfg im ReOomentea Mo Seile Ä vl»

verantwort!. Nsbatteur: T. Sch ««See b Sonne,

Nr. 285 Dernsprechanschlitb Nr. 230.

Mittwoch den 6 Dezember

Mernsprechanschlits; Nr. 230 1911

Sie Wßetawr umfaßt Us;er -.MllhèssW 14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 8 des Statuts für die Verwaltung und Verwendung des durch Ablösung anstelle der der Altstadt Hanau zustehenden Bauholzberechtigung getretenen Abfin­dungskapitals ergeht hierdurch an die Berechtigten die Auf­forderung, ihre Ansprüche aus dem Jahre 1911 binnen vier Wochen vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf dem Nathause zur Anmeldung zu bringen.

Anzumelden sind nur die bereits vollendeten Neubauten und Reparaturen.

Bemerkt wird, daß nach § 8 des Statuts für jeden An­trag vom Antragsteller eine Vermessungsgebühr von 2 Mark zu entrichten ist.

Hanau den 26. November 1911. . 28487

Die Deputation der Althanauer Berechtigten.

Dr. E e b e s ch u s.

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

In Elauberg, Kreis Büdingen, und Niedergründau, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche fest­gestellt worden. ________ ...

Hanau den 5. Dezember 1911. V 8153

Unter den Schweinen im Schlacht- und Viehhofe zu Frankfurt a. M. ist die Maul- und Klauenseuche fest­gestellt worden.

Hanau den 25. Dezember 1911.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände :(♦

Gefunden: 1 goldener Ohrring mit Opal, 1 altes Portemonnaie mit 8 Pfg.

Verloren: 1 Schlüsselring mit 4 Schlüsseln (zwei kleine und zwei große), 1 Trauring (gez. 25. 12. 1900), 1 braunes Lederportemonnaie mit etwa 15 Mk. und einigen Konsummarken.

Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen, m. Eeschl.

Entlaufen: 1 Gans.

Hanau den 6. Dezember 1911.

Der Thronfolger nnd die österreichische Krisis.

Von ihrem Wiener Mitarbeiter wird den „Leipz. N. N." berichtet:

Seit dem Rücktritt Conrad v. Hohendorfs weiß man positiv, daß die Politik des Thronfolgers in diametralem Gegensatz zu der Politik Kaiser Franz Josefs steht. Und dieser Gegensatz hat sich so scharf akzentuiert, daß sich der Kampf der beiden Anschauungen nicht mehr hinter dem Schleier des Amtsgeheimnisses verbergen ließ. Nicht der Chef des Generalstabes war es, fonbern die Thronfolger- politik, welche in der Entscheidung vom letzten Donnerstag unterlegen ist. General v. Hötzendorf war, auch bei der höchsten Einschätzung seiner Fähigkeiten als Genera lstabschef, doch nur der Vertreter der Anschauungen und der Vollstrecker des Willens des Thronfolgers. Ihm gegenüber stand Graf Aehrenthal, nicht nur als Minister des Aeußeren, sondern auch als höchster verantwortlicher Faktor der Doppelmonarchie, als anonymer Kanzler des Reiches. Und hinter Aehrenthal standen geschlossen die österreichische und die ungarische Re­gierung. Insbesondere der ungarische Ministerpräsident Graf Khucn-Hödcrvary hat aktiv in die Krise einbegriffen. Auch er erschien unmittelbar vor der Entscheidung in Audienz beim Kaiser und er hat sich entschlossen auf die Seite des Grafen Aehrenthal gestellt.

Nicht nur Gründe der äußeren Politik, sondern auch sehr gewichtige Gründe der inneren Politik beider Reichshälften entschieden gegen den Standpunkt des Thronfolgers. Hütte dieser gesiegt, so hätten sämtliche verantwortlichen Faktoren der Doppelmonarchie, nicht nur der gemeinsame Minister' des Aeußeren, sondern auch die ungarische und die öster­reichische Regierung ihre Gesamtdemission eingereicht. Es war ein Kampf zwischen den verantwortlichen und den un­verantwortlichen Faktoren des Reiches. Nur „als gehor­samer Soldat,, hat sich der Thronfolger der Entscheidung des Kaisers gefügt, aber seinen Standpunkt hat er nicht nur unerschütterlich aufrechterhalten, sondern er hat mit ihm in âer geradezu Aufsehen erregenden Form die Flucht in die

Oeffentlichkeit gewagt. Das geschah durch das offizielle militärische Kommunique, mit welchem die Demission des Freiherrn v. Hötzendorf begründet wurde. Dieses Kommu­nique wurde zwar offiziell vom Kriegsministerium aus­gegeben, aber direkt von der Militärkanzlei des Thron­folgers an die Presse gesandt. Auch der Inhalt des Kommu­niques ist so ungewöhnlich, daß er nur mit der nachzittern­den Erregung über die gefallene Entscheidung erklärt wer­den kann. Der Gegensatz zwischen dem Minister des Aeuße­ren und dem Chef des Eeneralstabes (lies: dem Thron­folger) wird darin als ein schon lange bekanntes „öffent­liches Geheimnis" bezeichnet und für den Chef des Gene­ralstabes das Recht beansprucht, auch die Erscheinungen der äußeren Politik stetig und eingehend" zu verfolgen und „seine Anträge und Maßnahmen der politischen Konstella­tion vorausblickend" anzupassen.

Kurz und gut, das Kommunique ist die entschiedenste Parteinahme für den scheidenden Eeneralstabschef, von dem gesagt wird, daß er in dem unhaltbar gewordenen Verhält­nis zum Grafen Aehrenthal nur darum scheiden mußte, weil „ein Wechsel in der Person des Ministers des Aeußeren Seiner Majestät mit Rücksicht auf die allgemeine Lage nicht am Platze schien", daß er „aber'durchaus nicht in Ungnade" scheide, und daß, wer das „Verhältnis zwischen dem Thron­folger, dem berufenen Oberkommandanten der gesamten be­waffneten Macht, und Baron v. Hötzendorf kennt, begreifen werde, wie schwer Erzherzog Franz Ferdinand den General­stabschef aus dem Amte scheiden sieht". Aber noch mehr, der Thronfolger empfing den General unmittelbar nach seiner Demission in geradezu demonstrativer Weise in Audienz, über deren Bedeutung als eines glänzenden Vertrauens­beweises die dem Thronfolger nahestehende „Reichspost", ein Blatt, das schon seit Wochen sich in den schärfsten An­griffen gegen den Grafen Aehrenthal ergeht, von „autork- tativer Stelle" Mitteilungen erhielt, in welchen dem Grafen Aehrenthal die gesamte Verantwortung zugewälzt wird.

Es heißt in dieser letzten Kundgebung des Thronfolgers: daß dem Chef des Eeneralstabes nickst die Verantwortung für die Politik, aber die Verantwortung dafür zufällt, daß die Armee jederzeit ein geeignetes Instrument für die Wahrnehmung und Verteidigung notwendiger politischer Interessen des Reiches sein muß. Wenn nun die Anschau­ungen eines Ministers des Aeußeren und die Anträge und Vorkehrungen, die ein Eeneralstabschef mit Rücksicht auf die politische Lage und die entsprechenden Aufgaben der Armeee für notwendig hält, nicht übereinstimmen, so fällt die politische Verantwortung hierfür vetfassungsgemäß dem beteiligten Minister zu, und das Urteil des Soldaten muß davor zurücktreten."

Klarer und bestimmter kann man den Standpunkt des Thronfolgers nicht präzisieren, und man mag auch über Kronprinzenpolitik denken wie man will, man muß doch den Mut und die Offenheit anerkennen, mit der Erzherzog Franz Ferdinand für seine Ueberzeugung und für die Männer seiner Ueberzeugung eintritt.

Die militärischen Verstärkungen an der tirolischen Südgrenze.

Die Demission des Chefs des österreichischen Eeneral- stabs Conrad v. Hötzendorf hat die militärischen Verstär­kungen in der letzten Zeit an der tirolischen Südgrenze wieder in den Vordergrund der Erörterungen geschoben. Nun ist es richtig, und die amtlichen Veröffentlichungen machten diesmal kein Hehl daraus, daß die im kommenden März eintretenden Truppenverschiebungen eine bedeutende Verstärkung der an der Südgrenze befindlichen Streitkräfte zur Folge haben, und daß vor allem auf dasz bisher arg vernachlässigte Südtirol Rücksicht genommen wird. Es darf aber andererseits auch nicht vergeßen werden, daß gerade auf italienischer Seite mit ■ den Erenzverstärkungen be­gonnen worden ist, und daß selbst die kommenden großen Truppendislokationen in Tirol noch lange nicht das Miß­verhältnis der beiderseitigen Grcnzmaßnahmen ausgleichen werden.' So weit amtliche Daten vorliegen, zählten die italienischen Streitkräfte, die im Jahre ‘1902 tm Erenzge- bièt lagen, 100 Bataillone, 63 Eskadronen und 73 Batte­rien. Diesen Truppen standen damals in Tkrol und südlich der Alpen nur 07 Bataillone, 13 Eskadronen und 19 Batte­rien gegenüber. Trotz der seinerzeit vorgenommenen und im Frühjahr 1912 vorzunehmenden Verstärkungen mildert sich das Mißverhältnis nur insofern, als dann im kommen­den Jahre 101 Bataillone, 21 Eskadronen und 41 Batterien auf österreichischer Seite 109 Bataillonen, 72 Eskadronen und 82 Batterien auf italienischer Seite gegenüberstehen werden, vorausgesetzt natürlich, daß inzwischen nicht etwa wieder eine Vermehrung der Garnisonen in Oberitalien erfolgt.

Die kommenden Truppendislokationen in Tirol bedeuten

konform der bisherigen Gepflogenheit ein konstantes Süd­wärtsschieben der Truppen des Innsbrucker Korps und ein Ergänzen der nördlicher gelegenen Garnisonen aus dem Innern der Monarchie. Sieht man von dem gegenseitigen Wechsel einzelner Truppen ab, so findet man, daß das jetzt in Innsbruck, Schwaz und Bregenz stationierte 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger nach Trient und in einige Garni­sonen noch weiter südwärts verlegt und in den genannten Orten durch das Infanterieregiment Nr. 59 aus Salzburg ersetzt wird. Einen weiteren Zuwachs erhalten die Truppen in Tirol durch die Verlegung des Feldjägerbataillons Nr. 8 von Prachatitz nach Sillian, des Feldjägerbataillons Nr. 16 von Freistadt nach Riva und des Feldhaubitzenregiments Nr. 14 von Steyr nach Innsbruck und Neumarkt. Diesen Verschiebungen entsprechend wird auch das Linzer Jnfan- terie-Brigadekommando nach Innsbruck verlegt werden. Einschneidende Dislokationen der Festungsartilleriebatail­lone und der Eebirgsartillerieregimenter sind schon im Vorjahre zur Durchführung gekommen, damals aber nicht ziffernmäßig publiziert worden. Neu ist ferner die Auf­stellung von drei weiteren Brigadekommandos in Tirol, die ebenfalls am 1. März erfolgen wird, und zwar für Trient, Rovereto und Brunneck, wobei als bemerkenswert hervorgehoben sei, daß Trient in Zukunft zwei Brigadekom­mandos haben wird. Die erhöhte Truppenzahl in Tirol (einzelne Brigaden haben 12 bis 14 Bataillone) läßt darauf schließen, daß auch eine Aenderung der Korpseinteilung im Plane der Heeresleitung gelegen ist, die vermutlich dahin geht, die in Südtirol und in den Pustertaler Garnisonen dislozierten Gebirgstruppen in ein besonderes höheres Kom­mando zusammenzufassen.

Diese Zusammenstellung der Truppenverstärkungen ai» der tirolischen Grenze beschränkt sich natürlich auf die offi­ziell mitgeteilten Angaben, dürfte aber ziemlich erschöpfend sein. Nur über die neuen Fortifikations- und Festungs­anlagen im Grenzgebiet fehlen selbstverständlich alle Daten. Es ist nur ungefähr bekannt, daß im Bereich der neuer­bauten Südtiroler Höhenstraßen (Dolomiten- und Broc­conestraße) sowie im Sugan^rtal weitgehende Schutzmaß­nahmen getroffen worden sind, von denen sich jeder Tourist bei einer Wanderung in jenen Gebieten zum Teil selbst überzeugen kann.

Hus Hanau Stadt und £and-

Hana«, 6. Dezember.

* Eine Versammlung reichstreuer Wähler, einberufen vom Hauptwahlausschuß der deutschkonservativen Partei, findet heute abend 71/» Uhr in der Central- halle in Hanau statt. Als Hauptredner in dieser Ver­sammlung werden sprechen: 1. Herr Pfarrer Julius Werner von her Paulskirche in Frankfurt a. M. über: „Wo steht der Feind ?" 2. Herr Tischlermeister K ü ck e l h a u s aus Essen über „Mittelstandsfragen". An die Reden wird sich eine Besprechung anschließcn. Die vorgesehenen Ansprachen werden insbesondere den Mittel st and in Stadt und Land interessieren, sodaß der Besuch der Versammlung unseren Handwerkern, Gewerbetreibenden, Landwirten, Be- aniien und nationalgesinnten Arbeitern warm zu empfehlen ist. Die kommende Reichstagswahl ist wichtig genug, um vor der Stimmabgabe Klarheit über Fragen zu erhalten, die die eigene Sache betreffen. Der arg bedrohte Mittelstand möge sich selbst besinnen und durch Besuch der heutigen Ver­sammlung sich Aufklärung zu verschaffen suchen.

* Stadttheater. Da die gestrige Annonce dieses Blattes einen Druckfehler enthielt, sei nochmals besonders darauf hin- gcwiescn, daß die heutige Vorstellung „Der Probepfeil", Lustspiel von Oscar Blumenthal, im Abonnement B statt» finbet. Morgen Donnerstag ist außer Abonnement das Ge- samtgastspiel des Frankfurter KomödienhauseS. Zur Auf» führung kommt die Novität „Die Hydra", ein dreiaktiges Lustspiel ohne Ehebruch und Scnsaiionsskandal von Karl Ettlinger. Herr Regisseur Emil Waldmann vom Komö­dienhaus zeichnet für die Regie. Die zu dem Stück gehörige prächtige Bühnenausstattung wird mitgebracht und der Vor- stcllung ein besonderes Gepräge geben. Am Freitag (Abonnement A) gastiert die hier so beliebt gewesene Naive ÜrL Kälie H o r st e n vom Residenztheater ' in Wiesbaden aiâ „Stephanie in dem Lustspiel „Der Herr Senator". Unterstützt durch eine vortreffliche Wiedergabe wird das liebenswürdige Werk einen äußerst heiteren Abend bieten.

A kleinen Preisen „Das Kätchen von Heubronn und am Sonntag nachmittag ebenfalls bei kleinen - ?? urkomische Schwank „Meyers" in Szene. Das Sander Moissi am Montag findet > s großes Jntereffe, wobei besonders anerkannt werden muß, daß der Künstler zuerst hier in Hanau und erst an den oaraufsolgenden Tagen in Frankfurt am Schauspielhaus gastiert. Alexander Moissi ist ein Genie aus dem Gebiet der