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Erstes Blatt.

Hanauer K Anzeiger

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Nr. 280 ^ernf^red)rtnM)htf$ Nr. 230. Dounerstag den 30. November

^,r»»sprechanschluk Nr. 230

1911

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14 Seiten.

Attttliches.

Stadt- nud Landkreis F^anau*

Mit Rücksicht auf die Gefahr der weiteren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche werden die für die Monate Dezember 1911 und Januar 1912 in Stadt- und Landkreis Hanau anstehenden Viehmiirkte einschließlich der Schweine- mörkte und viehmarktähnlichen Veranstaltungen im Auf­trage des Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel hiermit untersagt.

Hanau den 27. November 1911. P. 12939

Der Königl. Landrat und Polizeidirektor.

I. A.: K a r b e.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Lieferung und Arbeiten zur Aufstellung eines schmiedeeisernen Geländers längs des Mühlgrabens in der Nordstraße sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und Lieferung von Mate­rialien für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer Nr. 22, zur Einsicht aus und können von dort gegen Ent­richtung von 0.50 Mk. bezogen werden.

Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind bis zum Eröffnungstermin am

Samstag den 2. Dezember, vormittags 11 Uhr, einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa er­schienener Anbieter.

Hanau den 28. November 1911. 28357

Der Magistrat.

Hild.

Bekannimachung.

Die städtischen Grundstücke

Karte 7, Nr. 144/29 — 496 qm,

Karte 7, Nr. 145/29 — 405 qm,

Karte 7, Nr. 148/29 = 553 qm,

Karte 7, Nr. 90/29 = 550 qm groß, an der Hopfen- und Kastellstraße belegen, sollen einzeln verpachtet werden.

Stadttheater in Hanau.

„Bruder Straubinger".

Operette in 3 Akten von Edmund Eysler.

„Und war ein Freuen, wenn sie wiederkam . . ." Frau Beling-Schäfer vom Mannheimer Hoftheater hat sich durch ihre Gastspiele im vorigen Jahre unsere herzlichste Sympathie gesichert, und was sie uns am Dienstag als „Okuli" gab, das war so recht dazu angetan, das Gefühl warmer Verehrung für ihre Kunst noch mehr zu vertiefen. Dieses „wilde Mädchen" aus der Jahrmarktsbude ist im Grunde genommen von den Librettisten nicht allzureich mit wirkungsvollen Zügen ausgestattet, die ihr in der sonst recht liebenswürdigen Operette zugeteilte Rolle eher etwas passiv, aber wie Frau Beling-Schäfer diese Figur mit warmpul- sterendem Leben erfüllt, ihr alle den hinreißenden Charme ihrer Persönlichkeit leiht und mit allen Mitteln einer vor­nehm abgestimmten Kunst ihre Okuli hell und plastisch aus dem Gesamtbild herausarbeitet, das ist einzig. Und man muß dem zungengewaltigen Schwudler ohne weiteres recht geben: „Das muß man gesehen haben!" Schon in der äußerst glücklichen Kostümierung ganz entzückendes Naturkind, wob Frau Beling-Schäfer mit ihrem reizenden Spiel einen lich­ten Zauber um alle Szenen, und was sie gesanglich gab, war in jeder Hinsicht so vollkommen, so warm und rein und zu Herzen gehend, daß uns der Abend lange in Erinnerung bleiben wird. Der Zufall fügte es, daß auch die Titelpartie in letzter Stunde mit einem East besetzt werden mußte. Für

erkrankten Herrn Haase sprang Herr Hermann vom «tadttheater in Vonn ein und gab einen Straubinger, den man sich wohl gefallen lasten kann. Wenn wir in den ersten Szenen vielleicht etwas mehr fröhlich-lebendige Landstra- tzenstlmmung erwartet hätten, so wurde dieses kleine Manko in der Folge reichlich ausgeglichen. Der Künstler führte seinen gesanglichen Part außerordentlich wirkungsvoll durch

""0 llameiitlich das nicht mehr ganz unbekannte Lied „Küsten ist kerne Sund' so schön und mit glücklicher Beto­

Lageplan ist werktäglich auf Zimmer Nr. 13 des Rathauses während der Dienststunden von vormittags 10 bis 121/a Uhr einzusehen. Daselbst sind auch die näheren Pachtbedingungen zu erfahren.

Schriftliche oder mündliche Angebote werden bis zum 9. k. Mts. entgegengenommen.

Hanau den 27. November 1911. 28467

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Gefunden ein Zwanzigmarkstück. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 24. November 1911. 28401

Der Magistrat.

Hild.

Ueber das Vermögen des Grundarbeiters Daniel Franz in Windecken ist heute am 27. November 1911, nachmittags 3 Uhr 45 Minuten, das Konkursverfahren eröffnet worden. Konkursverwalter: Kaufmann Heinrich B a s s e in Win­decken.

Erste Gläubigerversammlung rc.: 20. Dezember 1911, vormittags 10 Uhr.

Allgemeiner Prüfungstermin: 1. Februar 1912, vor­mittags 10 Uhr.

Offener Arrest und Anmeldefrist bis 15. Januar 1918. (N. 2./11.)

Windecken den 27. November 1911. 28453

Der Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

Der East- und Landwirt Wilhelm Clauß III., Ravolz­hausen, und der Weißbindermeister Karl Philipp Kreis und der Landwirt Wilhelm Schadt find zu Ortsschätzerstellver­tretern der Gemeinde Ravolzhausen bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 30. November 1911. V. 7808

Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Double-Armband.

Verloren: 1 Portemonnaie mit etwa 6 Mark.

Zugelaufen: 1 junger Pinscher, w. Geschl.

Hanau den 30. November 1911.

nung der spezifisch österreichischen Note, daß man fast staunen mutzte, wie ein schon längst zum Vierbankgesang für stark­befeuchtete Kehlen herabgewürdigtes Lied durch richtige künstlerische Interpretation wieder eine unmittelbare leben­dige Wirkung erlangen kann. Die Figur des „Bruder Strau­binger" ist an und für sich auf kräftige Effekte gestimmt und die ulkige Grundidee mag zu starker Herausarbeitung der Kontrasteffekte besonderen Anlatz geben, wir dürfens daher dem Caste doppelt danken, daß er die grotesken Züge nicht übermäßig unterstrich.

Was unsere hiesigen Kräfte zur gelungenen Durchfüh­rung der Operette beitrugen, war sehr achtbar. Frl. Brand zeigte als Landgräfin, daß ihre gesanglichen Qualitäten sowohl als ihre Fortschritte in schauspielerischer Hinsicht sie wohl befähigen, größere Partien zu übernehmen. Herr F ü nf g e l d war stimmlich wieder vorzüglich disponiert und schuf mit wirksamer Betonung der forschen Seite einen Land­graf, der sich wohl sehen lasten kann. Namentlich auch in den Duos mit Frau Beling-Schäfer brachte er gesanglich viele Feinheiten. Herr Georg i stattete die Figur des Schaubudenbesitzers Schwudler mit alle der kräftigen Komik aus, die solche Typen vertragen. Seine Maske war geradezu köstlich, von seinem Gesang läßt sich dies nicht so ganz sagen. Die Schaubudenbesitzersgattin fand in Frau Schmidt- Schütz eine geeignete Vertreterin. Auch in den kleineren Partien ließ sich der Schwung erkennen, der durch die ganze Vorstellung ging und die Leistungen aus der sonstigen Enge heraushob. So war Herr Wagner als Hofintendant er­freulich gut auf dem Posten und Herr Möller als Eärt- nerburscherecht gewandt, ebenso die Herren Grundmann und M e y e r in ihren kleinen Rollen wohl am Platze. Auch der Chor tat bester als sonst seine Schuldigkeit. Herrn Direktor Steffi er s Regietätigkeit holte mit virtu­oser Sicherheit die kleinen und die großen Effekte aus der unterhaltenden Operette und vermittelte eine wohlabge­rundete und sehr flotte Vorstellung. Und Herrn Kapell­meister Kähler müssen wir für seine feine Erfastung der |

politische Rundschau.

Ein kaiserliches Geburtstagsgeschenk für den Reichskanz­ler. Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge hat der Kaiser den Reichskanzler am Mittwoch zu seinem Ge­burtstage in gnädigen Worten beglückwünscht und ihm eine Vase mit dem kaiserlichen Namen zum Geschenk gemacht.

Der Reichstag erledigte gestern die zweite Lesung der Hausarbeitsgesetzes. (Den Bericht siehe in der Beilage.)

Von Lindequist und Kolonial-Wirtschaftliches Komitee. Auf den Dank des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees für die Förderung seiner Bestrebungen und Vor­arbeiten in den Kolonien erwidert der bisherige Staats­sekretär von Lindequist wie folgt: „Bei meinen auf die Ent­wicklung der deutschen Kolonialwirtschaft gerichteten Bestre­bungen war es mir stets eine hohe Genugtuung, das Kolonial- Wirtschaftliche Komitee mit seiner vielseitigen und uneigen­nützigen Tätigkeit an meiner Seite zu misten und mit mir Hand in Hand arbeiten zu sehen. Nur durch die bahn­brechende und unterstützende Mitarbeit des Komitees ist es möglich geworden, die Produktion in den Kolonien auf die heutige Höhe zu bringen."

Die Wehrreform in Oesterreich. Angesichts der Verzöge- rung der parlamentarischen Erledigung der Wehrreform wird an leitender Stelle beabsichtigt, durch eine besondere Novelle eine sofortige Vermehrung des Rekrutenkontingents durchzuführen. Das Rekrutenkontingent, welches gegen­wärtig 101000 Mann beträgt, soll auf zirka 134 000 Mann erhöht werden. Die Erhöhung soll so rechtzeitig erfolgen, daß bereits die im Frühjahr 1912 stattfindende Aushebung nach dein erhöhten Kontingent erfolgt.

Im österreichischen Abgeordnetenhause haben die Tsche­chen einen Skandal provoziert, der schließlich in eine Rau­ferei ausartete.

Im Oberkommando der englischen Marine find Ver­änderungen erfolgt, welche mit dem neuen Bauprogramm in Zusammenhang gebracht werden.

Zum Streik in der Berliner Damenkonfektionsbranche. Die Arbeitgeber in der Konfektionsbranche haben versucht, eine Konferenz zustande zu bringen, auf der sie mit den Ar­beitnehmern verhandeln wollen. In einer besonderen Sitzung haben die Arbeitgeber dann heute beschlosten, die Arbeiterverbände, die an der Organisation des Streiks be­teiligt sind, zu einer gemeinsamen Besprechung für Donners­tag vormittag einzuladen. Es ist anzunehmen, daß die Kon­ferenz zustande kommt.

Kaufangebote für amerikanische Schlachtschiffe. Von Washington wird gemeldet, daß sich dort ein Syndikat zum Ankauf der amerikanischen Schlachtschiffe „Indiana" und „Massachusetts" (erbaut 1893), „Iowa" (1896 erbaut) und musikalischen Werte und seine geschickte Leitung besondere Anerkennung zollen. Der Bruder Straubinger dürfte wohl, wenn nicht alle Anzeichen trugen, für einige Zeit eine warme „Pennstätte" auf unserer Bühne haben und sein lustiger Geist wird ihn trotz seines fabelhaften Veteranenalters vor zu baldigem Krästeverfall schützen. —1—

Hanauer Knnstverein.

Der Verein hat sich vor 2 Jahren die Aufgabe gestellt, seine Jahresausstellungen an Zahl zu verringern, dafür aber die Qualität seiner einmaligen Ausstellung zu erhöhen. Der-- schiedrne hiesige Künstler haben heute das eingesandte Bilder­material gesichtet und nach ihren Werten und Stimmungen gehängt. Der Eindruck ist wieder ein abgerundet guter, wozu naturgemäß wie Werke von Walter Firll, Dernberg, Ludw. Dettmann, Dill, Liesegang und andere nicht wenig beitragen. Die Aula der Kgl. Zeichenakademie zeigt wieder ein stimmungsvolles Bild.

Der Kunstverein gibt auch in diesem Jahre wieder jedem seiner Mitglieder ein lithographiertes Prämienblait. Eine Konkurrenz, unter den hiesigen Mitgliedern ausgeschrieben, ergab zwei stimmungsvolle Skizzen von Wilhelmsbad und Rumpcnheim, von Carl Schwab aus Hanau z. Zt. in Mün­chen. Die beiden Lithographien werden im Vorraum der Ausstellung zur Schau gestellt. Jedes Mitglied hat das Recht, eines davon zu wählen, welches ihm dann im Laufe der Monats Januar zugestellt wird. Den Anstrengungen des Vereins, dessen Aufgabe darin besteht, die Kunst in Hanau zu fördern, den Geschmack zu heben, hat außer seinen Der- losunyen von Oelbildern, neuerdings noch einen Passus in seine Statuten aufgenommen, wodurch er sich weiter zur Auf­gabe stellt, eine Sammlung von Gemälden anzulegen, die, vielleicht, unterstützt von Behörden und Privaten, sich später zu einer städtischen Galerie auSwachsen können.

„ Die Vlusstellung wird am nächsten Sonntag, morgens 11 Uhr, eröffnet.