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Berantwortl. RÄatteur: 8. Schreite» ta Sana»

Nk. 262 U er n spr echar»schlttst Nr. 230.

Mittwoch den 8. November

ss-rttspr-chanschlitk Nr. 230 1911

Die HMeNmm Wsaèt scher H.WtthsttWsM

14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Es werden für stärkere Einquartierungen zur Unter­bringung von Offizieren geeignete Privatquartiere gesucht.

Die Vergütung für Quartier mit Morgenkost beträgt 4 Mark.

Angebote wolle man auf Zimmer 14 des Rathauses machen, daselbst wird auch nähere Auskunft erteilt.

Hanau den 25. Oktober 1911. 26513

Der Magistrat.

__Htld.__________

Dienstnochrichten aus dem Kreise.

Der Arbeiter Karl Ludwig aus Rückingen ist zum Nacht­wächter und der Maurer Peter Schmehl ebendaher zum Nachtwächter und Schweinehirten der Gemeinde Rückingen bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 8. November 1911. V. 6852

Gefundene nnd verlorene Geaenstcinde ic

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 68 Pfg. Inhalt.

■ Ver l o r e n: 1 20 Mark-Schein, 1 silberner herzförmi- I ger Anhänger mit Photographie, 1 goldener Schieber von einer Damenuhrkette.

Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund.

Entlaufen: 1 grauer deutscher Schäferhund.

Hanau den 8. November 1911.

I Politische RimdTcbati.

■ Verabschiedet. Vorgestern mittag verabschiedete sich k Herr v. Lindequist im Reichskolonialamt von den Offizieren i und Beamten der Kolonialverwaltung. Er hielt dabet eins Ansprache, in der er u. a. sagte: Die letzten Tage sind mir durch ein amtlich inspiriertes Telegramm getrübt wor- ■ den, in dem, ohne einen Beweis zu erbringen oder auch nur I einen Versuch dafür zu unternehmen, unter dem deutlichen H Hinweis auf das Kolonialamt gegen eine Nachgeordnete W Stelle die schwere Beschuldigung erhoben worden ist, durch den Bruch der Amtsverschwiegenheit den Abschluß der Kom- « pensationsverhandlung^n gestört zu haben. Meine Herren!

Stadttheater in Hanau.

Gastspiel RosaPoppe.

Sappho.

Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer.

Die großen Tragödinnen, die aus Rede und Spiel die gewalligen Regungen eines schicksalreifen Lebens erstehen lassen, ohne durch Posen und Phrasenkünste zu blenden, sind von jeher rar gewesen; heute sind sie fast wie ein Wunders dessen Erscheinen wir nicht dankbar genug begrüßen können. Wie viele verstehen noch die sublime Kunst, den ehernen Fluß klassischer Versen im Feuer eigenen Fühlens zu läutern, die Wirkungen von Rhythmus und Wortmnsik fein abzuwagen, die Perle des Gedankens im Sprührauschen der Rcdewoge leuchtend herauszuheben? Die hohen Interpreten unserer klassischen Schätze sind gewiß nicht an innerem Wert ärmer geworden, die Wege zum weißen Säulentor sind nicht ver­ödet, aber unsere Zeit ist so geworden, daß Kraft und Wollen der» Hochstrcbeuden sich nicht mehr, wie es nötig wäre, un- ablässig an den höchsten Aufgaben stählen und fortbilden kann, das Allgemeiiiempfinden hat keine rechte Resonanz ■ mehr für die Offenbarungen der ©ottergläubigen. Ein paar Reformgewaltige haben das erkannt und suchen mit un­erhörten Wirkungen uhb weitausholenden Mitteln das ein- geschlafene oder eingeschiäserle Empfinden der Massen auf- zurültcln, stürmisch bejubelt und heftig angegriffen; rücken ote monumentale Kunst der Atttike in ein blendendes Gegen- wartslicht und scheinen mit ungeheuren Erfolgen gegen die vielen, vielen Skeptiker Recht zu behalten. Aber die uns die Tempelkunst im höchsten Sinne näher bringen, uns den . ganzen Rausch lebendig gewordener Mcisterschöpsuugen tief, °urd,r°^en lassen, sind einsame Sendboten einer anderen «seit, bereit helle Wunder wir oft so lange vergebens „mit bet Seele suchen".

Ich habe zu lange mit Ihnen gearbeitet und kenne Sie zu genau, um nicht die felsenfeste Ueberzeugung zu haben, baß Sie alle, von denen übrigens nur ein ganz kleiner Kreis von dieser Angelegenheit, die hier im Amte schwebte und aus das Diskreteste behandelt worden ist, etwas gewußt hat, hierzu nicht fähig sind und Sie jederzeit mit ruhigem Gewissen der Präzisierung des ganz allgemein gehaltenen Vorwurfs entgegensehen können. Ich werde meine» treuen Mitarbeitern hier und draußen sowie unseren deutschen Kolonien, denen zwanzig Jahre meines Lebens gewidmet gewesen sind, stets treues und wärmstes Interesse bewahren. — Gouverneur Dr. Solf und Unterstaatssekretär Dr. Conze versicherten dem Scheidenden der bleibenden Anhänglichkeit aller, denen es jemals vergönnt gewesen sei, mit ihm oder unter ihm zu arbeiten. Die Abschiedsfeier trug einen sehr herzlichen Charakter. Von dem projektierten Abschieds­diner bat der Staatssekretär mit wärmsten Dankesworten Abstand zu nehmen.

Admiral v. Tirpitz dementiert. Gegenüber der Meldung, der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz machte auf die Frage des Kaisers, ob Deutschland aktionsbereit sei, Bedenken bezüglich der deutschen Schlagfertigkeit zur See geltend, sind die „Kieler Neuesten Nachrichten" ermäch­tigt, zu erklären, daß die Meldung glatt erfunden ist. Aus Bundesratskreisen wird der „Nationalztg." berichtet: Es sei richtig, daß die Frage der deutschen Kriegsbereitschaft im Bundesrat Gegenstand ernster Erwägungen gebildet habe. Der Eeneralstab bejahte die Frage, ob wir bereit seien, ohne Einschränkung, dagegen erklärte der Admiralsstab, daß . ihm, um gegen die vereinigte englisch-französische Flotte mit Aussicht auf Erfolg operieren zu können, 10 Dreadnoughts (oder 10 große Panzerkreuzer) fehlen. Dieses Gutachten des Admiralstabes übte eine starke Wirkung nach der Richtung einer friedlichen Verständigung aus. Im Bundesrat hat man schon die Möglichkeit erwogen, was zu geschehen habe, wenn die Mehrheitsparteien des Reichstages anläßlich der Jnterpellationsbesprechungen über das Abkommen mit Frankreich eine außerprogrammäßige Verstärkung unserer Flotte in der Richtung eines beschleunigten Ausbaues großer Panzerkreuzer und Unterseeboote verlange. Es ver­lautet, daß die maßgebenden Stellen sich, wenn die Mehr­heit des Reichstages diesen Wunsch zum Ausdruck bringt, nicht ablehnend verhalten werden. Allerdings müßte zu gleicher Zeit die Deckungsfrage gelöst werden. Man erwägt, zur Kostendeckung eventuell die Erträgnisse eines Petro­leum-Monopols heranzuziehen.

Die österreichischen Truppen an der italieinschen Grenze sollen angeblich stark vermehrt werden.

Im Kanton Tessin sind die Volksschullehrer wegen Ab- lehung der Gehaltserhöhungen durch Volksabstimmung in

Wer Frau Rosa Poppe schon als Krimhild ober Penthe- silna in der ihr adäquaten Umgebung gesehen hat, dürfte be­sonders gespannt darauf sein, was sie aus der „Sappho" machen würde, diesem Feuergebilde von des junaen Grill­parzers titanischen Schöpferfieber. Bietet die Tragödie schon durch die häufigen Monologe Gelegenheit zur Entfaltung der ganten berrlichen Redekunst des berühmten Gastes, so ist die ganze Anlage des Stückes, die die Figur der beMntten Dichterin mit dem erwachten Weibesherzen dominierend über das Ganze stellt, recht dazu angetan, Frau Popve in all' dem Reichtum ihrer darstellerischen Mittel zu zeigen. Ein so herrlich vertieftes Spiel, das den latentesten Intentionen des Dichters mit solcher Feinheit nachgeht, die ganze Skala i der Gemüts- und Seelenregungen fast mühelos durchläuft, vom heimlichsten Glückserschauern bis zum wildesten Sturm­rasen der Eifersucht, das alles restlos ausschöpft, was an Stiinmungsgehalt und Leidensgewall in der Tragödie ent­halten ist, den tiefen Gedanken in der Kristallschale der Rede zum Licht der Erlösung tragend — das ist von zwin­gender, erschütternder Wirkung.

Die übrigen Berliner Gäste, mit denen uns der Abend bekannt machte, müssen natürlich in einigem Abstand von der Protagonistin genannt werden. Fräulein Hübler vom Deutschen Theater lieh der Melitta all die vom Dichter gewollte Weichheit in Spiel und Rede. Herr Hahn, eben­falls vom Deutschen Theater, fesselte als Phaon durch seine fein nuancierte Sprechkunst; sein Spiel litt offenbar ein wenig unter den ungewohntenVengen räumlichen Verhälmissen. Herr Pauly vom Schillertheater hatte als Rhamnes bei der ein­drucksvollen Rede im letzten Akt Applaus auf offener Szene. Fräulein H olzt sprach die Eucharis schön und edel. Ueber die Komparserie ist zu sagen, daß der weibliche Teil _ sich ziemlich geschickt in seine Ausgabe fand, während das männ­liche Griechenland ganz und gar seinen Beruf verfehlt zu haben schien. Die Dekoration der durch alle fünf Akie gleich- bleibenden Szene war für die Insel Lesbos geradezu he­

ben Ausstand getreten. Zu ihrer Unterstützung haben sich die Mitelschullehrer angeschlossen.

Die italienische Regierung hat dem deutsch-französischen Abkommen ihre Zustimmung erteilt.

In Frankreich ist man bemüht, den Pulverskandal mög­lichst zu vertuschen.

Die neue Kammer von Kreta hat beschlossen, vorläufig von der Entsendung von Vertretern in die griechische Kam­mer Abstand zu nehmen.

Eine Kundgebung des Hansabundes.

Berlin, 7. Novbr. Etwa 400 Vertreter von Zweigorga­nisationen des Hansabundes haben heute folgende Reso­lution angenommen: „Die Nähe der Reichstagswahlen er­fordert ein freudiges Bekenntnis zu den Grundgedanken des Hansabundes. Schon die Durchführung einer gerechten Wirtschaftspolitik zu Gunsten aller Zweige der nationalen Produktion, sowie die Herbeiführung einer gleichmäßigen und vorurteilslosen Würdigung der gewerblichen Arbeit und ihrer Vertreter im Staatsleben und die Anerkennung des Grundsatzes der Verteilung der Lasten und Steuern des Staates unter alle Erwerbsstände nach Besitz und Leistungs­fähigkeit sichern der deutschen Gesamtwirtschaft den Fort­schritt und die Zukunft. Unter diesen Gesichtspunkten be­dauert die Versammlung die Grundtendenz der jetzigen Re­gierungspolitik, unter Ausschaltung der mittleren Rich­tungen des Bürgertums sich auf diejenigen ausschließlich zu stützen, welche sowohl mit der Einführung wie mit der Aus­führung der Reichsfinanzreform und der Ablehnung der Erbschaftssteuer der Industrie und besonders dem Mittel­stand und Handwerk neue schwere Lasten auferlegt haben. Um so schwerer fällt darnach die Stellung der Reichsregie­rung ins Gewicht, welche bei der in den einzelnen Landes­teilen hervorgetretenen Teuerung ohne Rücksicht auf die Wünsche weiterer Kreise jedes auch nur vorübergehende Ein­greifen umfassenderer Art kurzerhand abgelehnt hat. Sie hat dagegen ohne schlagende Begründung dem Zwischen­handel die Schuld für diese Vorgänge gegeben und damit einen nationalen Produktionsstand der öffentlichen Be­kämpfung überlassen. Sie hat noch dazu in dem bekannten vertraulichen Erlaß an die Verwaltungsbehörden den letz­teren anbefohlen, diese mit der Richtung bestimmter poli­tischer Parteien sich deckende Regierungspolitik auch bei den Wahlen zu vertreten. Die hierdurch entstandene, von dem Reichskanzler selbst anerkannte Erregung und Erbitterung weitester Kreise kommt in erster Linie der Sozialdemo­kratie zugute, die mit Aussicht auf Erfolg nur durch die Rückkehr zu einer von der Begeisterung des gesamten Bür­gertums getragenen und auf dieses sich stützenden gerechten Politik in allen Teilen des Staatslebens bekämpft werden kann. Zugleich zwingen die jüngsten Ereignisse mit ver- leibigenb; daß Melitta sich ihre Rose vom einem Soorbeer» baum pflücken sollte, war ein schlecht angebrachter Scherz. Aber was verschlägt das alles, es wehte griechische Luft von der Bühne und von dem Schatz, den wir nach Hause tragen durften, ging darum kein Körnchen verloren. -1-

* Stadttheater. „Meyer s", der so überaus freund­lich aufgenommene Schwank von Fricdmann-Frederich, wird am heutigen Mittwoch im Abonnement A zum ersten Mal« wiederholt und einen schönen Heiterkeitserfolg haben. Der erste „Operettenabend" dieser Saison findet morgen Donners­tag außer Abonnement bei kleinen Preisen statt. Ein auserwâhltcs, prächtiges Programm führt die Hörer durch die Operetten „Rastelbinder", „Süße Mädel" usw. und auch Schlager aus „Polnische Wirtschaft" wie die „Dorfmufik" und „Wer kann dafür" fehlen nicht. Der Abend wird sich noch abwechslungsreicher als im Vorjahre gestalten, indem die Anzahl der Mitwirkenden eine größere und auch für hei­tere Gesangsnummern gesorgt ist. Die Borträge werden in den entsprechenden Kostümen von den Damen Mia Adam, Elsa Brand, Lila Harve« und Emmy Rentrop, iowie von den Herren Gustav F ü n f g e l d , Carl d t Giorgi, Alfred Haase, Josef W a l l b r ü ck und Kapell­meister Leo Kähler dargebracht. — Friedrich v. Schiller's Geburtstagsfeier (10. November) soll auch im hiesigen Stadt- theater feierlich begangen werden und zwar durch eine würdige Aufführung des Dramas „Wallensteins Tod", insze­niert von Herrn Direktor Steffter. — Samstag abend und Sonittag nachmittag kommt bei kleinen Preisen „P o l- nische Wirtschaft" zur Wiedergabe und am Sonntag abend ist im Abonnement A eine Wiederholung der Lebür Operette „Der R a st e I b i n d e r".