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Nr. 259 ivernsprechattschlich Nr. 230.
Samstag den 4 November
Fernsprechattschlitsr Nr. 230 1911
Die keuliaeNllUlM Maßt außer h.UateriattWsW 26 Seiten.
TLmtliches.
Stadtkreis Banau.
Zwecks Ausführung von Pflasterarbeiten wird die Hain- straße zwischen Marien- und Bogenstraße vom 7. d. M. ab auf die Dauer von 3 Wochen für den durchgehenden Fährverkehr gesperrt.
Hanau den 3. November 1911. P. 12026
Königliche Polizeidirektion.
J. A.: Karbe.
Eandkreis Banau.
Meine Kreisblattbekannstmachung vom 31. Oktober — V. 7212 — betreffend Pferdevormusterung (Hanauer Anzeiger Nr. 255) wird dahin geändert, datz die Musterung in den Gemeinden Erbstadt und Eichen nicht um 1 Uhr, sondern schon um 12% Uhr beginnt.
Hanau den 3. November 1911. V. 7352
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 2. Oktober 1896 — V. 10719 — betreffend Nachreviston der Feuerstätten, sind noch eine Anzahl der Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher im Rückstände. ... Ich bringe daher die Erledigung derselben mit einer Frist von 8 Tagen in Erinnerung.
Hanau den 2. November 1911. V. 7306
Der König!. Landrat.
Frhr. Laur.
Dienstullchrichten aus dem Kreise.
In Wächtersbach, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Hanau den 3. November 1911.
Hus Ban au Stadt und Eand.
.Hanait, 4. November.
Die Messe.
Die Budenstadt, die alljährlich zweimal, im Frühjahr und im Herbst, auf dem Paradeplatz entsteht, ist wiederum aufgebaut worden, im Mittelpunkt der dem ^Vergnügen geweihte Platz, ringsum die mannigfachen Verkaufsbuden mit
Ws AbounellMts-KWrt des Dratorienmeins.
Hanau, den 4. November.
Der hiesige Oratorienverein veranstaltete vorgestern abend im Saale der Turngemeinde sein erstes Abonnementskonzert dieser Saison. Zur Aufführung gelangte Felix Mendelssohns „Elias" mit Herrn Heinrich Appunn von hier in der Titelpartie und den weiteren Solisten Frau Mary Münster- Quint aus Bonn (Sopran), Fräulein Luise Schoenholtz aus Straßburg (Alt) und Herrn Franz Müller aus Darmstadt (Tenor). Der „Elias" ist ein umfangreiches und gehaltvolles Oratorium, wohl das Bedeutendste und Schönste, was in den letzten hundert Jahren auf diesem Gebiet geschrieben worden ist. Es ist reich ausgestattet mit musikalischen Werten und Schönheiten, sein Gesangs- und Orchesterkolorit ist mannigfaltig und glanzvoll, letzteres, ungeachtet einiger deutlicher Anlehnungen an Haydn und Händel, von ursprünglicher Selbständigkeit. Eine'Auf- siihrung dieses Werkes, bei der alle die' darin lagernden Schätze und Kostbarkeiten als Funde gehoben und in ihrem ^lanz, bis ins Detail ausgearbciiet, dem Hörer vorgelegt werden, gehört zu den Seltenheiten. Dazu sind Vorbedingungen trforberhd), in deren glücklichem Besitz sich nur einige, ganz wenige Chorvcreiuigungen befinden, nämlich solche Chor- 'ereungungen, die über einen sehr großen, durch und durch geschulten Gesangskörper verfügen und ein erstklassiges Orchester in Bereitschaft haben, das sie sich jederzeit leisten . dann hängt die völlige Ausbeute eines „Elias"
°Y°!’ emem Umstand ab, den kein Dirigent und keine Vereinsleitung in der Hand hat: die Solistenfrage. Denn imt seinen Solisten kann man Glück haben, man kann kEE haben. Diese Möglichkeit ist einmal schon vorhanden bei der Inanspruchnahme eines Solisten, ver- vier sacht ist sic vorhanden bei der Verwendung von i e r c n. Aus diesem Gedankengang ergibt sich die Folgerung, ^-^ Kanrertleituna. Unrund Orchester
all ihren Sachen und Sächelchen. Wenn auch der Gesamteindruck der Messe heute so wie vor Jahren ist, nimmt doch der aufmerksame Beobachter von Jahr zu Jahr mehr wahr, daß sie in ihrer Bedeutung immer mehr zurückgeht und nur der Juxplatz noch seine unverminderte Zugkraft behält. Es hat dies seine verschiedenen Ursachen, zu deren erster wohl 'die gehört, daß die Voraussetzungen, unter denen die Messen entstanden, heute, im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität, längst nicht mehr in Betracht kommen. Wir wollen hier nicht das Verschwinden der „guten alten Zeit" beklagen, sondern in kurzem einiges über das Wesen der Messen in den Tagen ihres Entstehens und ihrer Blüte sagen. Den Bedürfnissen des Handels war in den Zeiten des Mittel- alters wenig Rechnung getragen. Nicht nur daß die Verkehrswege mangelhaft waren, wurden diese noch von allerhand Raubgesindel unsicher gemacht, dazu kamen noch die traurigen Zustände der Rechtspflege, die dem Kaufmann nur wenig Schutz bot. Für Fremde war der Handel damals keineswegs frei und konnten diese nur, wenn sie besondere Verträge abschlosscn, ihre Waren zum Verkauf bringen. Unter diesen Umständen entstanden an Orten mit emporblühendem regen Verkehr Messen, die mit wichtigen Freiheiten ausge- staltct, schnell Hauptplätze des Handels wurden. Der Name Messe, sowie das heute noch gebräuchliche Läuten zu Anfang und Ende derselben, lassen auf die Entstehung dieser Märkte aus den Kirchenfesten (Kirchenmessen) schließen, da diese gewöhnlich das Zusammenkommen vieler Menschen zur Folge hatten. Die Handelsleute benutzten diese günstige Gelegenheit, ihre Waren zu verkaufen und so entspann sich in den betreffenden Orten bald ein reger Marktverkehr. Da, wo der Staat einen Ort zum Meßplatz erhob, konnte er dies nur dort nm, wo die Vorbedingungen hierzu vorhanden waren. Der Ort mußte also vorher schon einen gewissen Marklverkehr besessen haben, auf Grund dessen der Staat weiterbauen konnte, um einen lebhafteren Handelsverkehr ins Leben zu rufen. So beschränkte sich die Staatshilfe beim Entstehen der Meßplätze denn auch nur darauf, daß sie den Verkehr auf dem Markte selbst durch entsprechende Verordnungen regelte. Da wurde die Zahl der Verkaufsläden festgesetzt, damit die Verkäufer ohne unter allzugroßer Konkurrenz zu leiden, ihre Rechnung finden konnten, man bewilligte den Besuchern der Messe besondere Freiheiten (Meßfreiheiten), Erleichterungen und Begünstigungen. Dadurch sollte der Verkehr an den Orten nicht nur erhalten, sondern noch vermehrt werden. Die Meßplätze halten gewisse Vorrechte, io das Zollerhebungsrecht, das Geleit (Schutz der Reisenden durch polizeiliche Maßnahmen gegen eine Abgabe), freien Handel während der Meßzeit (Befreiung von dem sonst geltenden Jimungszwang) usw. Zur Blütezeit der Messen brachten die Verkäufer, hauptsächlich Fabrikanten, da die Manufaklur- und Fabrikwaren sich besonders zum Meß
in Betracht kommen — in den kleinen und mittleren Oratorienvereinen die Mühe und Arbeit für die Herausbringung eines Werkes von der Art des „Elias" seitens des Dirigenten und auch bei den Mitwirkenden im Tonkörper eine viel schwierigere und ungleich größere sein muß, wie in den, großen Vereinen mit großen Mitteln. Darum aber verdient es auch d'oppelte Anerkennung, wenn wir ein Oratorienkonzert bereitet bekommen von der Güte und Eindrucksfähigkeit des vorgestrigen Konzertes. Die persönliche Begabung des Dirigenten für das Erfassen und Darstellen großer Gesichtspunkte, seine individuelle Hinneigung und sorgsame Behandlung dieser oder jener musikalischen Ausdrucksformen und nicht zuletzt seine Gewandtheit in der Verwendung und Ausnutzung der ihm zu Gebote stehenden Mittel spielen hier die entscheidende Rolle für eine wirksame Darstellung des Ganzen. Wollen wir im einzelnen einiges erwähnen, was vorgestern unter der vorher andeutungsweise gekennzeichneten Direktion des Herrn Dr. Frank Limbert an Schönem und durchaus Gutem geleistet wurde, so sei vor allem an die in zartem, weichem Piano gehaltenen und in reiner Tonstimmung gefestigten Chorsätze des vorgestrigen Konzertes erinnert, und unter diesen sei besonders hervorgehoben der eindrucksvoll wiedcrgegcbene Chor „Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht" und das nicht minder gut und ergreifend gelungene „Wer bis an das E n d e b e h a rr t". Auch die Soloquarte t t e, soweit sie von Chormitgliedcrn gesungen worden, sind hierbei nicht zu vergessen, insonderheit das sehr schön abgetönte und klangvoll gehaltene „Heilig i st Gott der Herr". Bei den Forte-Chören (z. B. „Ra al gib uns Antwort!" und „Er muß sterben!") erschien die Tongebung im Chor und die scharfkantige Ausmeißelung und Hervorhebung des rhythmischen Accents im Orchester etwas forciert, was ja' allerdings erklärlich ist, wenn nur sieben Tenoristen und acht Bassisten bei den zu gewaltigen Klang- Wirkunaen sich erbebenden Tonverscklinaunacu in der Linie
verkehr eigneten, eine reiche Auswahl von Waren zusammen, von denen der Käufer sogleich entnahm, oder nach deren Muster er bestellte. Auch kamen die Fabrikanten so mit den Kaufleuten in nähere Berührung, die zu neuen Geschäfts» anknüpfungen führte. Als aber allmählich zwischen den einzelnen Orten und Landern die Handelsbeziehungen zunahmen und der kaufmännische Geist 'Pch mehr und mehr ausbildete, da verloren die Messen viel von ihrer Wichtigkeit und heute gar, wo sich Stadt und Land ihre Bedürfniss« auf direktem Wege und in ihrem Mitttlpunkt beschaffen, treten sie, außer in Leipzig und anderen großen Städten, immer mehr in den Hintergrund. —st.
* Noch ein Jubiläum 1913. Die hiesige Ober realschul e blickt im Februar 1913 auf eine 109jährige Geschichte zurück. Am. 1. Februar des Jahres 1813 wurde die Anstalt als Großh. Frankfurtische Bürger- und Realschule mit etwa 20 Schülern im Gebäude des vormaligen lutherischen Gymnasiums eröffnet. Der erste Schüler, der am 22. Januar für die neue Anstalt angemeldet wurde, war Konrad Eller, ein Sohn des Stein- deckermeisters Johannes Eller. Bald folgten die Winkler, König, Hartenbach, Weidert, Koburger, Appel, Almeroth. Haidt, Lindenbauer, Canthal, Brüning, Ott, Deines, Vechtel, Fischbach und andere Namen guten Klanges. Das lutherische Gymnasium seinerseits, nicht zu verwechseln mit der bis 1813 so genannten reformierten Hohen Landesschula war um 1678 aus der lutherischen Schul« hervorgegangen, die bald nach dem Regierungsantritt Friedrich Casimirs, des ersten Grafen aus der lutherischen Linie Hanau - Lichtenberg (1642), ins Leben getreten war und gewissermaßen als die Stammutter der heutigen Oberrealschule zu betrachten ist. Es besteht die Absicht, dem Erinnerungstag wenigstens eine Festschrift zu widmen, die wahrscheinlich aus zwei Teilen (Vorgeschichte und Geschichte der Anstalt) bestehen wird. Sollte sich in Hanauer Privatbesitz irgend welche« gedrucktes oder ungedrucktes Material befinden, das für die Geschichte der Anstalt im ganzen, also von 1642 bis heute wichtig ist, so wird gebeten, es (mit Ausnahme der Programme nach 1867, die alle vorhanden sind) für einige Zeit Herrn Prof. Dr. A n k e l (Gustav Adolfstr. 5) gütigst zur Verfügung zu stellen.
_ * Stadttheater. In bester Stimmung befand sich gestern das Publikum anläßlich der Erstaufführung der Operette „Der Rastelbinder". Nicht nur die wundervolle Musik Lehars erfreute das Ohr der Hörer, sondern auch die in gleicher Weise lustige, wie tiefempfundene Handlung fand den ungeteilten Beifall des Auditoriums, so daß der Erfolg ein durchschlagender war und demjenigen der „Polnischen Wirtschaft" nidit im geringsten nachstand. Dc
bleiben wollen und für die Sache begeistert sind. Bei bei himmelanstürmenden Schlußfuge „Herr unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name" zeigte sich dieses Pronon- cieren des Einzeltones im Chore nicht, sodaß die Wirkung dieser Nummer um ein Beträchtliches gehoben war, trotz der unter weidlicher Verwendung der Blechbläser zu einer mäch- tigen Klangwirkung entwickelten Orchester-Begleitung.
Was die Solisten anbelangt, so müssen wir zunächst des Vertreters der Elias-Partie gedenken. Dieser Gesangspart erfordert eine ungemein große Mannigfaltigkeit im Ausdruck. Hier geht der Weg von der zartesten Lyrik bis zur hochdramatischen Epik. Gn Sänger des Elias muß vielseitig sein in seiner Kunst. Ein weittragendes, ausgiebiges Organ, kernfeste musikalische Sicherheit im Rhythmus und Tontreffen und eine wirksame deklamatorische Behandlung des Textes find wohl an und für sich schon sehr schwerwiegende Momente — in der Eliaspartie sind sie jedoch die kleinsten und selbstverständlichsten Voraussetzungen. Herr Heinrich Appunn vermochte all den Anforderungen, die Mendelssohn ar ! seinen „Elias" stellt, in reichem Maße zu entsprechen. Du bei den Baritoniften in besonderem Respekt stehende s. g „Hammerarie" gelang ihm ebenso gut, wie das mit viel Hingebung gesungene „Es ist genug". Die vielen kleineren Gesänge, die ihrem Inhalt und Charakter nach auf der weiten Strecke zwischen jenen beiden, durch die vorhergenannten Arien bezeichneten Polen zerstreut liegen, erfuhren ebenfalls seitens der Solisten eine durchaus würdige und schön« Wiedergabe. Künstlerische Höhepunkte' bildeten u. a. die Szene mit der Witwe und das prächtige, durch den Chor in ergreifen^ schöner Tongebung unterstützte Andante sostenuto „So schaue nun vom Himmel herab."
In der Altistin Fräulein Luise Schoenholtz-Straßburg lernten wir eine Solistin kennen, für deren Bewertung wir nicht anstehem kurz und bündig zu erklären: es war eine vo rnehme Sängerin. Ihre Stimme ist ein so echter und rechter von einem selten schönen, weichen Timbre eutaefleibeier