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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 257 FerM>r-chanschl«sr Nr. 230

Donnerstag den 2 November

^ernsprechauschlitsj Nr. 230

1911

Amtliches.

Stadtkreis Fj a 11 a u. Bekanntmachung.

Das Oeffentliche Untersuchungsamt Hanau (für die Kreise Hanau-Stadt, -Land, Gelnhausen und Schlüchtern) — Leiter: Nahrungsmittelchemiker Dr. Braunmüller — befindet sich Kanalplatz 3, Fernsprecher 594.

Das Untersuchungsamt nimmt auch Aufträge auf chemisch-technische und hygienische Untersuchungen ent­gegen.

Hanau den 28. Oktober 1911. 26121

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Es wird beabsichtigt, den hiesigen öffentlichen Arbeits­nachweis auch für die Vermittelung von Lehrstellen aller Berufe kostenfrei nutzbar zu machen.

Wir richten deshalb an alle Interessenten das Ersuchen, ihren Bedarf an Lehrlingen bei der städtischen Arbeiisver- mtttelungsstelle — Langstraße Nr. 41 hier — anzumelden.

Ebenso werden Eltern und Vormünder ersucht, sich zur Erlangung von Lehrstellen der Vermittelungsstelle bedienen zu wollen, die Anmeldungen jederzeit gern entgegennimmt.

Hanau den 31. Oktober 1910. 1119

Der Magistrat.

Hild.

Handelsregister.

Firma: Valentin Klug in Hanau.

Die Firma ist erloschen.

Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 28. Oktober 1911. 26307

Gefunden im Schloßgarten: 1 Rade (für Metzger). Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 1. November 1911.

Gefundene und verlorene GesienMnde re.

Gefunden: 1 Ledertäschchen mit etwas über 10 Mk. Inhalt, 1 kathol. Gesangbuch, 1 Milchkanne, gez. Kümmel, Niederissigheim.

Zugeflogen: 1 Brieftaube.

Hanau den 2. November 1911.

Politische Rundschau

Der Kaiser über die Tätigkeit der Missionare in den Kolonien. Der Kaiser hat am Montag im Berliner Schlosse den Bischof Munsch, apostolischer Vikar von Kilimandscharo, und den Pater Provincial Acker der Väter vom h. Geist in Knechtstedten in Audienz empfangen. Sie wurden von Staatssekretär v. Lindeguist vorgestellt. Ueber den Verlauf der Audienz berichtet die „Köln. Volksztg." das folgende: Nachdem der Kaiser sich bei Bischof Munsch über die Mis­sionserfolge und ganz besonders über die Maffiastämme erkundigt hatte, nahm er von P. Provinzial Acker ein Al- bum entgegen mit Ansichten von der Abteikirche und dem Missionshause Knechtstedten, von den verschiedenen Arbeits­räumen der dortigen Brüder und von der Tätigkeit der Väter in Schule und Krankenpflege in Deutsch-Ostafrika. Der Kaiser besichtigte freudig ein Bild nach dem anderen, im ganzen etwa 30 Bilder: Das Innere der Kirche, die große Aehnlichkeit hat mit der von Maria Laach, die beiden Altäre der schmerzhaften Mutter und des H. Geistes, von Marchand gezeichnet, eine Kaffeeernte in den Missionen, die Krankenpflege' an allen schien der Kaiser großes Inter­esse zu nehmen. Der Kaiser vernahm mit besonderer Freude, daß die Laienbrüder den Zweck haben, die Schwar­zen zur Arbeit heranzuziehen. „Den Negern muß Religion beigebracht werden", meinte der Kaiser, „aber Frömmler brauchen sie keine zu sein, der Mensch soll Religion haben, aber er soll auch arbeiten. Es ist sehr gut, daß Sie die Neger zur Arbeit heranziehen, so muß es sein in den Kolonien." Der Kaiser erkundigte sich auch über die Fortschritte des Islams, und da Staatssekretär v. Lindeguist erwähnte, daß leider der Islam große Fortschritte in den Kolonine mache, erklärte der Kaiser: „Dem muß energisch entgegengetreten

e sonst wird der Islam für die Kolonien eine große Gefahr." Nachdem der Kaiser sich etwa eine Viertelstunde in herzlichster Weise mit den Herren unterhalten hatte, ent= ließ er sie, indem er beiden die Hand drückte, mit den Wor­ten: „Auf Wiedersehen!"

Ueber die dem Augnahmetarif für Futter- und Streu­mittel zugrunde liegende Absicht hat der Minister der ossontlichen Arbeiten auf eine Anfrage der Deutschen Land- wirtiwaitsaeiellschaft iolaende bemerkenswerte Antwort er­

teilt. Zu der Erstellung des Ausnahmetarifs für Futter- und Streumittel haben lediglich das Interesse der Allgemein­heit an der Erhaltung des deutschen Viehbestandes und die Lage der Viehhalter Anlaß gegeben. Die Frachtermäßigung ist deshalb ausschließlich den — landwirtschaftlichen wie nicht landwirtschaftlichen — Verbrauchern von Futter- und Streumittcln zugedacht, damit die Folgen der ungünstigen Futterernte für die Viehhaltung gemildert werden. Der Tarif selbst drückt diese Absicht dadurch aus, daß er nur auf Sendungen mit überwiesener Fracht (Zahlung der Fracht durch den Empfänger) angewendet werden kann. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob die Sendungen aus Abschlüssen herrühren, die vor oder nach dem Inkraft­treten des Tarifs und zwar wie handelsüblich einschließlich Fracht getätigt sind. Es hat insbesondere die Absicht fern gelegen, dem Handel durch Zuführung eines nachträglichen Gewinnes etwaige Konjunkturschäden tragen zu helfen, auf deren Erfolg alle anderen Erwerbszweige dann den gleichen Anspruch erheben könnten. An der Tarifgrundlage hat sich durch die Neuausgabe des Tarifs vom 22. September d. I., die auch die Sendungen von Händler zu Händler einbezog, nichts geändert. Die unbeschränkte Freigabe der Sendungen von Händler zu Händler ist lediglich auf die zahlreichen Vorstellungen von Handelskammern und Einzelsirmen er­folgt, daß der Ausschluß der an Händler gerichteten Sen­dungen die Kalkulation erschwere, so daß der Handel nicht in der Lage sei, die Ermäßigung den Verbrauchern wirklich gut zu bringen. Verweigert nunmehr ein Teil der Verkäufer den Verbrauchern überhaupt die Ermäßigung, so verstößt dies sowohl gegen die Absicht des Tarifs wie auch insbeson­dere gegen die Begründung, mit der die Verallgemeinerung vom Handel selbst erbeten worden ist.

Der Pulver-Skandal in Frankreich. Der „Skandal von Udschda" ist vergessen oder doch für den Augenblick ganz in den Hintergrund getreten gegenüber dem „Skandale des Poudres", dem Pulverskandal, wie er übereinstimmend von den Pariser Blättern genannt wird. Worum es sich hierbei handelt, ist bereits im großen und ganzen bekannt: Ein Herr Maissin, der gleichzeitig Arrondissementsrat im De­partement Finistöre und Leiter der Pulverfabrik von Pont- de-Vuis im gleichen Departement ist, hatte vor ein paar Tagen vor versammeltem Arrondissementsrate darauf hin­gewiesen, daß er bereits vor vier und einem halben Jahre, gleich nach dem Auffliegen des Panzerschiffes „Jena", in etwa zwanzig Briefen und amtlichen Eingaben an das französische Kriegsministerium auf die fehlerhafte Beschaf­fenheit des sogenannten „L"-Pulvers und verwandter Pul­versorten hingewiesen habe, daß aber alle seine Berichte und Warnungen nicht allein unbeantwortet, sondern auch unbe­achtet geblieben seien. Die Folge davon sei dann die Kata­strophe der „Libertö" gewesen. Die Regierung hat zur Prü­fung dieser Anklagen sofort eine Untersuchungskommission ernannt, an deren Spitze der General Gaudin steht, und die Kommission hat sich unverweilt ans Werk gemacht. Sie hat den Hauptankläger Maissin und den Leiter der „konkur­rierenden" Pulverfabrik von Moulin-Blane, Herrn Louppe, vernommen. Beide Pulverfabriken sind zwar staatliche Werkstätten, traten jedoch schon frühzeitig in eine Art Antagonismus zu einander — eine Erscheinung, die man in Frankreich ja auch auf anderen öffentlichen Gebieten schon wiederholt festzustellen Gelegenheit hatte —, und so kam es, daß die beiden Direktoren, eben die Herren Maissin und Louppe, nichts Besseres zu tun wußten, als sich gegenseitig zu befehden und an den oberen Stellen anzuschwärzen. Und gerade dies war der Grund für das eigentliche Schweigen, das den Anklagen Maissins im Kriegs- und im Marine- ministerium entgegengesetzt wurde: man hielt ganz allge­mein jene Beschwerden für den Ausfluß persönlicher Eifer­süchteleien und Gehässigkeit und gab sich daher nicht erst die Mühe, sie näher zu untersuchen. Das Ergebnis dieser „Con- spiration du silence" war dann die „Libert6"-Katastrophe.

Eine Eingabe des Deutschen .Hanvelstages.

Berlin, 1. Nov. Der Deutsche Handelstag, der sich kürzlich in zwei Sitzungen mit der gegenwärtigen Teuerung beschäftigte, hat entsprechend den gefaßten Beschlüssen heute an den Bundesrat und den Reichstag eine Eingabe gerichtet. Fn dieser wird betont, daß der gegenwärtige Stand der Lebensmittelpreise zu ernsten Besorgnissen Anlaß gebe, weil er namentlich den minderbemittelten Klassen der Bevölkerung die Beschaffung deS Unterhaltes erschwere und weil deren Notlage nicht ohne Rückwirkung aus das gesamte wirtschaft­liche Leben bleiben könne. Zur Milderung der Teuerung fordert der Handelstag dringend eine Reihe verschiedener Maßregeln und zwar zunächst geaen die bedrohliche Ent- wickiung der Fleischpreise. Eine Erhöhung der einheimischen Fleischer eugung und, bis diese erzielt sei, eine Vermehrung der Einfuhr von Vieh und Fleisch werden als notwendig bezeichnet. Um die letztere zu erreichen, werden u. a. ge« fordert Herabsetzung der Zölle auf Vieh und Fleisch, Zu­lassung möglichst ungehinderter Einfuhr lebende» Viehs, Zu­lassung der Einfuhr von ausgeschlachtetem, auch gekühltem und neftnrenem Fleisch, von Büchsensleisch und von sonstigen

Fleischdauerwaren. Ferner wird zur Herabsetzung der Futter» mittelpreise eine Ermäßigung der Zölle auf Futtergerste, Hafer, Mais, Futterbohnen, Lupinen und Wicken verlangt. Alsdann wird bemerkt, daß namentlich Kartoffeln und Ge­müse von der Teuerung betroffen worden sind, und der dringende Wunsch ausgesprochen, daß die Zölle aus die­jenigen Arten von Gemüsen und Hülsenfrüchten, die mit Zöllen belastet sind, insbesondere auch auf die verschiedenen Kohlarten aufgehoben oder mindestens herabgesetzt werden. Zum Schluß wendet sich der Handelstag mit Nachdruck gegen die Versuche, dem Handel die Schuld an der Teue­rung zuzuschieben und ihn als vermeintlich preissteigerndes Zwischenglied auszuschalten. Der Handel sei ein wesent­licher Bestandteil des Wittschaftslebens und der Produzent würde kaum in der Lage sein, seine Erzeugnisse zu nied­rigeren Preisen unmittelbar an die Verbraucher abzusetzen. Auch habe das Vorgehen einiger Städte, unter Umgehung des Handels ihre Bewohner mit einzelnen Nahrungsmitteln zu versehen, mehrfach zu recht ungünstigen Ergebnissen ge- fühtt wegen des Mangels an Organisationen für derartige Zwecke. Außerdem aber müsse doch auch der Schaden in Anrechnung gebracht werden, den die Städte durch eine Ver­minderung der Steuerkraft der Händler erlitten.

Der Krieg zwischen Italien und der Türkei.

Die türkischen Erfolge in Tripolis.

Mußte man zu Beginn des Feldzuges bei den italieni­schen Siegesmeldungen bremsen, die sehr wortreich von der Einnahme und Zerstörung der Forts von Tripolis berichte­ten, während doch tatsächlich nur eine Unmasse von Grana­ten einiges altes Mauerwerk aus dem dreißigjährigen Kriege, das obendrein noch von der Besatzung verlassen war, demoliert hatte, so muß man heute von den aus Konstanti­nopel eintreffAben Meldungen sehr, sehr viel abziehen. Und zwar ebenfalls wegen der Forts von Tripolis. Diese „Forts", die Tripolis nach der Landseite sichern und in einem großen Halbkreise umziehen, der gleichzeitig die erste Stellung der Italiener nach der Besetzung von Tripolis be­zeichnete, sind nichts als leichte Erdwerke, nur geeignet, die Stadt gegen einen überraschenden Ueberfall zu sichern. Einige von diesen Befestigungen find nun bei dem letzten Angriff der Türken und Araber diesen wieder in die Hände gefallen. Diese Tatsache spiegelt sich nun in den Meldungen Konstantinopelek"Blätter in der Weise wieder, daß es heißt: Die „türkische Flagge weht wieder über Tripolis" und „die Stadt ist den Italiener wieder abgenommen". Es liegt auf der Hand, daß das unmöglich ist. Denn wo wären dann die 25 000 Mann Italiener, die Tripolis besetzt halten, geblie­ben? Auch ist zu bedenken, daß die Italiener, je enger sie sich um Tripolis konzentriern, auch um so stärker werden. Es ist demnach von den türkischen Meldungen erheblich ab« zustreichen. Wir geben sie aber trotzdem wieder, um zu zei­gen, wie sich die Ereignisse in der zuversichtlichen Stim- mung in der Hauptstadt wiederspiegeln und in welcher Form sich die Gerüchte niederschlagen.

Eine türkische Siegesmeldung.

Konstanttnopel, 1. Novbr. Nach amtlichen Meldungen sind die Türken wieder in die Stadt Tripolis einge­drungen. Es tobt blutiger, verlustreicher Kampf.

Italienische Verstärkungen.

Die „Times" melden aus Tripolis: Täglich treffen ita­lienische Truppentransporte ein. Am Dienstag nachmittag begannen die Türken, i^ie Stadt mit zwei Geschützen zu be­schießen. Die Italiener nahmen die Geschütze weg.

Das klingt etwas naiv, ungefähr so wie beim kindlichen Soldatenspiel. Die Türken schießen mit zwei Kanonen auf die Stadt und die Italiener nehmen ihnen die gefährlichen Dinger weg.

Der Dank des Sultans.

Der Sultan übermittelte den Soldaten in Tripolis seinen Gruß und drückte seine Genugtuung über ihre tapfere Hal­tung aus. — Die Blätter „Jkdam" und „Jeni Eazetta" ver­zeichnen Gerüchte von neuen Kämpfen bei Benghast und Derna. Hierbei sollen die Italiener hinter die Verteidi­gungslinie von Benghasi und Derna zurückgegangen sein.

Auch der „andere Sieger"

meldet sich mit einem amtlichen Dementi zum Worte. Die italienische Botschaft teilt nämlich mit:

Angesichts der phantastischen Nachrichten, die über die Lage des italienischen Expeditionskorps in Tripolis ver­öffentlicht worden sind, hält es die italienische Botschaft für nützlich, nachfolgende Mitteilung zu machen, durch welche die gegenwärtige Lage auf dem Kriegsschauplatz genau bezeichnet wird: Die Italiener sind in allen Käm­pfen zu Wasser und zu Lande ohne Ausnahme Sieger ge­blieben. Sie haben Tripolis, Benghast, Derna, Homs und Tobruk besetzt, indem sie den Feind schlugen und zwangen, sich zurückzuziehen. Seitdem sind alle Angriffe des Feindes zurückgeschlagen worden, wobei ihm sehr schwere Verluste zugefügt wurden. Die italienischen Truppen haben rahl-