Erstes Blatt.
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Nr. 253 ^-rnsprechanschlttk Nr. 230. Samstag ÖCU 28. Oktober F-rnspr-cha,»schlich Nr. 230 1911
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18 Seiten.
Amtliches.
Landkreis Ranau» Bekanntmachung.
Unter dem Viehbestände des Metzgers Heinrich Goll in Bergen-Enkheim ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche ordne ich hiermit folgende Schutzmatzregeln an:
Der Ortsteil Enkheim bildet einen Sperrbezirk.
Innerhalb des Sperrbezirks gelten folgende Bestimmungen:
1. Sämtliche Wiederkäuer und Schweine unterliegen der Stallsperre.
2. Die Plätze vor den Stalltüren und den Gehöftsein- gängen der verseuchten Gehöfte, sowie die gepflasterten Wege an den Ställen und auf dem Hofe sind mehrmals täglich durch Uebergietzen mit Kalkwasser zu desinfizieren.
3. Das Geflügel ist so einzusperren, daß es den Hof nicht verlassen kann.
4. Die Hunde sind festzulegen.
5. Das Betreten der verseuchten Ställe ist nur den Besitzern, den mit der Wartung und Pflege beauftragten Personen und den Tierärzten gestattet.
6. Händlern, Schlächtern, Viehkastrierern und andern in Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Personen ist das Betreten der verseuchten Gehöfte strengstens untersagt.
7. Die Abgabe roher Milch und von Molkereirückständen aus den verseuchten Gehöften ist verboten. Dieses Verbot erstreckt sich nicht auf Butter und Käse.
8. Das Verladen von Vieh auf der Bahnstation Mainkur aus dem verseuchten Ortsteil ist verboten.
9. Die Einfuhr von Klauenvieh in den Sperrbezirk ohne meine Erlaubnis ist verboten. Die Einfuhr von Klauenvieh zur sofortigen Abschlachtung kann nur unter der Bedingung gestattet werden, daß die Einführung aus Wagen oder mit der Eisenbahn geschieht. Die Ausfuhr von Klauenvieh aus dem Sperrbezirk und der Durchtrieb von Klauenvieh durch den Sperrbezirk sind verboten.
Die Ausfuhr von schlachtreifem Vieh zu Schlachtzwecken kann ausnahmsweise und nur in dringenden
Stadttheater in Hanau.
Gastspiel Hanako.
Wohl nur dem Umstande, daß gleichzeitg mehrere Veranstaltungen in unserer Stadt geboten wurden, ist es zuzu- schreiben, daß am Donnerstag abend das Gastspiel der japanischen Tragödin „Hanako" mit ihrem eigenen Ensemble vom Kaiserlichen Hoftheater in Tokio nur mäßigen Besuch aufzuweisen hatte. Ueber die beiden zur Aufführung gekommenen Dramen „Im Teehaus" und „Otake" enthielt der Theaterzettel erläuternde Inhaltsangaben, um über die Unkenntnis der japanischen Sprache hinwegzuhelf l Wir wissen, daß die Japaner in der Vcrstellungskunst groß sind, daß sie aber auch tüchtige Bühnendarsteller abzugeben vermögen, hat uns das Gastspiel „Hanako" gezeigt. Die Kunst der kleinen Japanerin Hanako ist zweifelsohne in hohem Maße bewundernswert, daneben vermitteln die Darbietungen im ganzen genommen auch noch einen Einblick in fremdländisches Leben und Treiben, das von eigenartigem Reize ist. Die Künstlertruppe hat das erschienene Publikum sicherlich nicht nur gut unterhalten, sondern auch von Anfang bis zu Ende der Aufführungen gefesielt, wofür auch der lebhafte Beifall der beste Gradmesser war. — Zwischen den beiden Dramen war ein bunter Konzertteil eingeschoben, der von den ersten Operettenkräften unserer Bühne bestritten wurde. Frl. Mia Adam bot zuerst, beifällig ausgenommen, das Lied der „Maritana" aus der Operette „Don Desar", Herr Gustav F L n f g e l d wartete mit der Grals- erzählung aus der Oper „Lohengrin" auf, die ibm Gelegenheit bot, seine prächtige Tenorstimme zur Geltung zu bringen. Reicher Beifall war der Lohn für seine hübsche Darbietung. Dann kam Frl. Lila Harves mit reizenden Vorträgen, die sie in gewohnt gelungener Weise vermittelte und dafür stürmischen Beifall entgegenzunehmen in der an
Fällen mit Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten, welche bei mir zu beantragen ist, erfolgen.
10. Das Treiben von Wiederkäuern und Schweinen auf öffentlichen Straßen ist verboten.
Hanau den 27. Oktober 1911. V. 7191
Der Königliche Landrat.
F r h r. Laur.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in Oberissigheim werden die am 25. September d. J. — V. 6278 — für den Sperrbezirk, Gemeinde Oberissigheim, von mir angeordneten Maßnahmen aufgehoben.
Die Gemeinde Oberissigheim tritt zu dem Veobach- tungsgebiet.
Hanau den 27. Oktober 1911. V. 7196
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Die Erdgeschoßwohnung im Hause Hainstraße 7, bestehend aus 3 Zimmern, Küche, 2 Bodenkammern, Keller, Vügelstube und Rollkammer, ist nebst dem 3400 Quadratmeter großen Vleichplatz sofort anderweit zu vermieten.
Nähere Auskunft wird im Bureau des Kreisausschusses — Kreishaus — erteilt.
Hanau den 25. Oktober 1911. J. 3821
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Frhr. Laur.
Dienstnachrichten ans dem Kreise.
Im Schlacht- und Viehhof zu Frankfurt a. M. ist die Staub und Klauenseuche festgestellt worden.
Hanau den 28. Oktober 1911.
" '
Politische Rundschau.
Die Konstanzer Reichstagsstichwahl. Bei der gestrigen Reichstagsstichwahl siegte der liberale Blockkandidat Gärtnermeister Schmid mit einer Mehrheit von 1069 Stimmen über den Zentrumskandidaten Frh. v. Rupvlin. Auf Schmid entfielen 15114, auf v. Râpplin 14045 Stimmen. Bei der Hauptwahl waren abgegeben worden für: v. Rüpplin 13266 Stimmen, Schmid 11441 und Großhans (Soz.) 3025 Stimmen.
Noch ein Schnlerlaß.
Die „Rordd. Allg. Ztg." veröffentlicht einen weiteren Erlaß des Kultusministers.
Bei dem Umfang, den die Gesamtheit der wifsenschaft- lichen Lehrfächer an den höheren Schulen im Laufe der
genehmen Lage war, zuletzt vereinigten sich Frl. Mia Adam und Herr E. Fünfgeld zur Wiedergabe eines Duetts aus der Operette „Der Zigeunerbaron", das ebenfalls starken Beifall auslöste und wiederholt werden mutzte. Die Begleitung am Klavier führte Herr Kapellmeister Kähler aus.
1.—.
Konzert des Gesangvereins „Tonbinte".
II Hanau, 28. Oktober.
Der Gesangverein „Tonblüte" steht unter dem Zeichen froher Festestage. Er ist im Begriff, sein vierzigjähriges Jubiläum zu feiern. Aus diesem Anlaß sind verschiedene festliche Veranstaltungen geplant. Die wichtigste von diesen und für Sänger und Sangesfreunde die interessanteste war das Festkonzert. Dasselbe fand vorgestern abend in der Centralhalle statt. Es hatte sich des Zuspruchs einer ungewöhnlich großen Zahl musikliebender Zuhörer zu erfreuen. Es mag wohl dieser rege Besuch des vorgestrigen Konzertabends nicht nur aus dem Umstande hervorgegangen sein, daß man der „Tonblüte" eine Anerkennung erweisen wollte für vierzigjährige strebsame Arbeit und geleistete gute Dienste auf dem Gebiete mithelfender Fürsorge und treuer Pflege des deutsches Männergesanges in hiesiger Stadt. Auch das Programm hat ohne Zweifel dazu beigetragen, dein Konzert eine tüchtige Anziehungskraft zu verleiben. Denn cs verzeichnete das Programm neben beliebten, bekannten Nummern auch eine Anzahl Novitäten, welchen aus diesen oder jenen Gründen eine weitverzweigtere, eingehende Beachtung zu Teil wurde. Außerdem waren zwei Solisten tätig, die beide als solide Künstler in Hanau bekannt sind und deshalb schon ihrerseits ^das Interesse größerer Kreise erregten: die Sängerin Frau R e i ch n e r - F e i t e n aus Berlin und der Dirigent des Vereins, Herr Heinrich A v v u n n. als Cellist.
letzten Jahrzehnte erhalten hat, ist es Pflicht der Unterrichtsbehörden, dahin zu wirken, daß bei der Auswahl und Behandlung des Wissensstoffes das richtige Maß beobachtet und zwischen den Anforderungen in den einzelnen Unter- richtsgegenständen ein angemessenes Verhältnis hergestellt wird, damit die höheren Schulen das ihnen in Erziehung und Unterricht gesteckte Ziel sicher und in Ruhe erreichen können. Mehr als bisher mutz die erzieherische Aufgabe der Schule und die Bildung des Charatters durch den Unterricht ins Auge gefaßt werden. Die Sorge dafür, daß die Lehrkörper der einzelnen Anstalten diese Ziele fest im Auge behalten, liegt vor allem den Provinzialschulräten ob.
Die Aufgabe der Provinzialschulräte, deren erfolgreiche Wirksamkeit anzuerkennen ich noch kürzlich gern Gelegen, heit genommen habe, beruht neben der unentbehrlichen Ver, waltungstätigkeit innerhalb der Behörde hauptsächlich darin, daß sie durch persönliche Wahrnehmungen an Ort und Stelle die inneren und äußeren Verhältnisse der einzelnen Schulen genau kennen lernen und ihre daraus gewonnene umfassende Kenntnis vom höheren Schulwesen den Direktoren und Lehrern gegenüber fruchtbringend verwerten. Der Provinzialschulrat wird das geistige Leben in den verschiedenen Schulen dadurch rege erhalten, daß er die in seinem Amtsgebiet gesammelten Erfahrungen bei fernen Besuchen den einzelnen Lehrkollegien mitteilt und auf eine verständige Konzentration der Unterrichtsfächer hinwirkt, damit die Mannigfaltigkeit der Lehraufgaben der höheren Schulen leichter bewältigt werden kann. Er wird die Lehrkollegien mit Nachdruck darauf Hinweisen, daß die neuen Aufgaben in der Schule selbst so durchgenommen werden müssen, daß möglichst jeder Schüler zu voller Klarheit darüber gelangt, und besonders auch darauf hinwirken, daß bei den häuslichen Arbeiten das vorgeschriebene Maß beobachtet wird (vergl. Erlaß vom 10. Novbr. 1884 — U II 2309 —). Von entscheidender Bedeutung für die ganze Entwicklung des höheren Schulwesens wird die Tätigkeit der Provinzialschulräte dadurch, daß durch ihre Einwirkung die einzelnen Schulen davor bewahrt werden müssen, zu hohe oder zu niedrige Anforderungen zu stellen.
Um diese Aufgabe zu erfüllen, bedarf es einer ständigen Fühlung zwischen Provinzialfchulrat und Lehrerkollegium. Damit den Provinzialräten für die Erfüllung dieser Hauptaufgabe genügend freie Zeit bleibt, müssen sie in den anderen Verwaltungsgeschäften entlastet werden.
Eine erhebliche Entlastung kann schon dadurch erreicht werden, daß die schriftliche Berichterstattung an das Provinzialschulkollegium für sie eingeschränkt wird. Ich bestimme daher, daß die Revisions- und Verwaltungsberichte, soweit sie in Zukunft überhaupt zu erstatten find, von den Provinzialschulräten in der kurzen und vereinfachten Form
Die Chorgesänge, deren wir sieben an der Zahl zu hören bekamen, waren sorgfältig vorbereitet und vermochten dementsprechend in ihrer Eesamtwirkung einen angenehmen, guten Eindruck zu vermitteln. Gewisse Einzelheiten des Chorgesangs erschienen mit ganz besonderem Nachdruck behandelt. Neben einer klaren Aussprache und ungekünstelter, schlichter aber dennoch treffender Deklamation war eine vielfach durchaus einheitliche, gute Atemführung zu beobachten, und in Bezug auf Tonbindung zeigten sich sogar schon merklich vorgeschrittene Ansätze zu Tonschwebungen. Das harmonische Material der Chor-Kompositionen wurde bei den meisten Chören glatt erledigt, einigen diffizilen Zusammenklängen gegenüber G,Vale carissima“) und gegenüber einigen außergewöhnlichen Harmoniewendungen („Deutscher Männerfang") behauptete der Chor jedoch nicht überall eine gleichmäßig feste Stellung. In guter Verfassung erschien die Veethoven- sche „Vesper" rein in der Tonart bis zum Schlüsse. HW großem, wohlverdientem Beifall wurde das „Venetia- Nische Gondellied" (mit Klavierbegleitung) von E. Meyer-Helmund bedacht. Hierbei sang das Vereinsmitglied Herr W. W e i n s den Varitonfolo. Seine schönen Stimmittel waren in gute Formen gebracht und in eine hübsche Vortragsweise eingekleidet. Heinrich A p p u n n s „Deutscher Männerfang" ist eine Komposition, die sich eng an die Textesdichtung anschlietzt und zwar zumeist mit den Mitteln des homophonen Stils. In ausgesprochener Deutlichkeit und strenger Konsequenz sind deshalb durch die Harmonien die verschiedenen Empfindungen der Dichtung musikalisch gekennzeichnet und dargestellt. Eine kleine Imitation zu Anfang und gegen das Ende des Chors, die aber ebenfalls wieder in Akkorden gipfelt, bringt eine angenehme Abwechslung. Mit Frische, klarer Hervorhebung der Gegensätze wurde der Chor gesungen und auch die Steigung der von Haus aus schon recht hohen Stellen des Chores
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