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Fernsptechanschltts; Nr. 230

Freitag den 20. Oktober

Merttsprechauschlus; Nr. 230

1911

Lie iaflitftunuE MM Mtt r.MttjsWMW

14 Seiten.

Amtliches.

Landespolizeiliche Anordnung betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau.

Meine landespolizeiliche Anordnung vom 13. v. Mts. — A. III. 4372 — betreffend die Bekämpfung der im Land­kreise Hanau aufgetretenen Maul- und Klauenseuche — Amtsblatt Nr. 37, S. 321 — wird hierdurch wie folgt ge­ändert:

Aus dem Sperrgebiete im § 1 scheidet die Gemeinde Bischofsheim aus und tritt zu dem Beobachtungsgebiet im § 10 (A. III. 5022).

Cassel am 17. Oktober 1911.

Der Regierungspräsident.

Graf von Bernstorff.

Landkreis Hanau. Bekanntmachung.

Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in Bi­schofsheim werden die am 7. September d. Z., V. 5872 I, für den Sperrbezirk, Gemeinde Bischofsheim, von mir an­geordneten Maßnahmen hiermit aufgehoben.

Die Gemeinde Bischofsheim tritt zu dem Beobachtungs- gebiet.

Hanau den 19. Oktober 1911. V. 6892

Der König!. Landrat.

Frhr. Laur.

Stadtkreis Hanau.

Wegen Ausführung von Sielbauten wird die Mittel- gaste und Feldstraße in Hanau-Kesselstadt für den öffent­lichen Fährverkehr bis auf weiteres gesperrt.

Hanau den 19. Oktober 1911. P. 11362

Königliche Polizeidirektion.

J. A.: K a r b e____________________

Bekanntmachung.

Die städtischen Körperschaften haben beschlossen, zur Mil­derung der vorhandenen Teuerung Kartoffeln und Weiß­kraut im Großen anzukaufen und zum Selbstkostenpreise im Kleinen, wozu auch der volle Winterbedarf an Barzahlung gehört, an die minderbemittelte Bevölkerung (Arbeiter und gleichgestellte Personen, z. B. kleine Beamte und Handwer­ker) abzugeben. Es ist weiter beabsichtigt, für die minder­bemittelte Bevölkerung den Bezug von Kohlen währen­des Winters durch Vereinbarung mit den Kohlenlieferanten zu erleichtern. Um ungefähr feststellen zu können, wie groß der Bedarf sein wird, ersuchen wir alle diejenigen, welche ihren Bedarf an Kartoffeln oder Weißkraut von der Stadt beziehen und von der Vermittlung der Stadt beim Kohlen­bezug Gebrauch machen wollen, diesen Bedarf auf dem Rat­haus sofort anzumelden. Die Anmeldungen werden Zimmer Nr. 2, parterre, während der Dienststunden 8—1M Uhr vormittags und 3—6 Uhr nachmittags, auch Samstag nach­mittag, entgegen genommen.

Hanau den 20. Oktober 1911. 25293

Der Magistrat. Hild.

Zu kaufen gesucht:

1. sofort,

2. im Laufe des Winters auf Abruf größere Mengen von Speisekartoffeln und Weißkraut. Bedingungen: Beste Qualität unter Garantie, frei Bahn Hanau.

Genaue Angebote, bei Kartoffeln unter Angabe der Arten und Einsendung von Proben, sofort an den Magistrat Hanau.

Hanau den 20. Oktober 1911. 25295

Der Magistrat.

~______________HNd.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuchs von Hanau, Band 23 Untre

Nr. 1357 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs­vermerkes auf den Namen

1. der Witwe Katharina Kolbe, geb. Kurz zu einem ideellen ^ss,

2. des Heinrich Wilhelm Kolbe,

3. des Emil Gottfried Daniel Kolbe,

4. des Friedrich Jonas Kolbe,

5. des Karl Valentin Kolbe,

6. der Anna Dorothea Völker, geb. Kolbe

zu 2 bis 6 je zum ideellen ’/ss eingetragenen Grundstücks:

Krtbl. P Nr. 11 Krämerstraße 33 — 1 ar 97 -qm,

a) Wohnhaus mit Flügelbau rechts (A), Querbau (B) und Anbau links (C) nebst Hofraum,

— Nutzungswert 1875 Mk. —

— Erundsteuermutterrolle Nr. 325,

Gebäudesteuerrolle Nr. 433 —

am 8. Dezember 1911, vormittags 9 Uhr,

durch das unterzeichnete Gericht — an der Eerichtsstelle — Nußallee Nr. 17, Zimmer. Nr. 13, versteigert werden.

Hanau den 3. Oktober 1911. 25287

Königliches Amtsgericht, Abt. 2.

Der Saatenstand Anfang Oktober 1911.

Regierungsbezirk Cassel, Land-Kreis Hanau.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 — gut, 3 = mittel (durchschnittlich), 4 = gering, 5 — sehr gering.

Fruchtarten usw.

Durch­schnittsnoten für den

Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten.

Kartoffeln

3,5

3,5

—

—

—

—

2

2

1

1

—

Zuckerniben Klee

4,1 4,2

3,7

4,4

—

—

.....

—

1

4

1

1

5

Luzerne

Wiesen m. kstl.

4,1

4,0

—

—-

-—

—

1

—

1

1

1

Be- (Ent-) Wässerung

3,6

3,4

—

—

-—

—

1

—

—

—

1

Andere Wiesen

4,1

4,4

—

—

—

-—

—

1

1

—

4

Königlich Preußisches Stattstisches Landesamt.

Evert, Präsident.

Gefundene and verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 silbervergoldetes Kollier mit Anhänger, 1 Zehnmarkstück, 1 Hausschlüssel an einer gelben Kette mit Haken.

Hanau den 20. Oktober 1911.

PolitiTcbe RundTebau.

Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses von Kröcher hat endgültig aus seine Wiederwahl zum Präsidenten verzichtet.

Der frühere Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Stemrich ist gestern gestorben.

Die Stichwahl in Konstanz. Bei der gestrigen Nach­wahl zum Reichstag erhielten v. Rüpplin (Zentrum) 13410, Gärtnermeister Schmidt (Liberaler Block) 11234 und Eroßhaus (Sozialdemokrat) 3026 Stimmen. Es findet somit Stichwahl zwischen v. Rüpplin und Schmidt statt. Im Jahre 1907 bei der Hauptwahl hatte das Zentrum 14 327, die Liberalen 8596 und die Sozial­demokraten 2565 Stimmen.

Die portugiesische Kammer beschloß, die monarchistischen Verschwörer durch außerordentliche Gerichtshöfe aburteilen zu lasten.

Der frühere Schah von Persien ist, wie jetzt auch von russischer Seite bestätigt wird, auf der transkaspischen Bahn am Montag in Aschabad eingetroffen.

Präsident Taft wieder in einer gefährlichen Situation. Als der Sonderzug des Präsidenten Taft mit voller Ge­schwindigkeit durch die sogenannte Amerikanische Wüste nach Saltlake City fuhr, begannen sich plötzlich die Räder der Lokomotive zu lösen. Es gelang jedoch, den Zug schnell zum Stehen zu bringen.

Neue Rüstungen in Chile. Der chilenische Senat hat die Gesetzvorlage über die Verstärkung der Armee und Marine angenommen. Wie die Blätter melden, ist die öffentliche Meinung von diesem Schritt sehr befriedigt, da dadurch jede Gefahr einer Friedensstörung durch Peru, dem einzigen

Lande, mit dem Chile uryrtebigte Fragen zu regeln hat, beseitigt wird. — Die Regierung fordert ferner zu Ange­boten für die Arbeiten im Hafen von Valparaiso auf. Die Angebote müssen bis zum April eingereicht werden. Der Wert der Ausschreibungen beträgt ungefähr drei Millionen.

Der Kaiser in der Eifel.

Köln, 19. Oki. Der Kaiser passierte um 1'/, Uhr mit Gefolge im Automobil Adenau, das mit Tannen und Wacholder reich geschmückt war. Kriegervereine und Schul­kinder bildeten Spalier. Der Monarch wurde von der Be­völkerung stürmisch begrüßt. Um 2 Uhr fuhr der Monarch durch Birneburg. Aus den umliegenden Ortschaften war die Bevölkerung in großer Menge herbeigeeilt und jubelte dem Kaiser begeistert zu.

Bonn, 19. Okt. Der Kaiser ist nachmittags von der Eifelfahrt wieder hier eingetroffen. Er hat während der Fahrt auch das Kloster Maria Laach besucht. Morgen vor­mittag reist der Kaiser nach Schloß Lieser ab. Von dort begibt er sich nach Berlin.

Der Krieg zwischen Italien nnd der Türkei.

Kundgebung des Vatikans.

Wie römische Blätter melden, hielt Kardinal Vincent Vannutelli bei der Hochzeitsfeier der Prinzessin Odescalchi mit dem Marguts Patrizi eine Rede, in der er auf das Unternehmen Italiens in Tripolis hinwies und an die I ruhmreichen Kämpfe gegen die Türken erinnerte, die durch die Initiative des Papstes Jnnonzenz XI. aus dem Hause Odescalchi geführt wurden. Italien vollbringe ein Werk der Zivilisation, indem es in Tripolis den Halbmond durch das Kreuz ersetze. Er erinnerte ferner an den Sieg der Christen bei Lepanto und schloß mit dem Wunsche, Italien möge die Mission der Zivilisatton, die es mit der Besetzung von Tri­polis unternommen, glücklich zu Ende führen.

„Eiornale d'Jtalia" schreibt hierzu: Diese Rede, in der zum ersten Male ein Kurienkardinal sich vollkommen auf den Patriotismen Standpunkt stellte, machte auf die Zuhörer großen Eindruck.

Bei Tripolis dauern die Vorpostengefechte, bei denen auf beiden Seiten die Verluste gering find, fort.

Der tripolitanische Korrespondent des Konstantinope- ler „Jkdam" telegraphierte über Desibat an der tunesischen Grenze, daß die türkischen Truppen gegen die Italiener drei Angriffe unternommen hätten. Bei diesen hätten die Italiener zahlreiche und die Türken nur zwei Tote gehabt. Die Disziplin der Truppen wie der Stämme sei vorzüglich. Eine ganz interessante Schilderung der Situation bei Tripolis gibt der dort anwesende Berichterstatter des Ber­liner „Lok.-Anz." mit folgender Meldung: „Obgleich die Türken keinerlei Aussichten auf Erfolg haben, ist ihre Lage doch nicht so verzweifelt, wie man glaubte. Man hat sie Tripolis mit mehr Proviant und Munition verlasten sehen, als der Dampfer „Derna" ausgeladen hatte, und schließlich findet zurzeit die Dattelernte statt, mit deren Hilfe der türkische Soldat ernährt werden kann. Ihre Vorposten be­finden sich in Sanser und in Ain Sara, von wo aus sie die Italiener mit nächtlichen Angriffen, wenn auch erfolglos, beunruhigen. Sie können, sobald die Kriegsschiffe die rich­tige Stellung eingenommen haben, mit Schifssgeschützen vertrieben werden. In einer Stärke von gegen dreitausend Soldaten und sechstausend oder mehr Arabern halten die Türken die Karawanenstraße nach Tunis, die durch den Eng­paß von Kasr Jeffren führt, besetzt. Das Plateau von Dsche- bel erhebt sich hier senkrecht wie eine Mauer. An Master mangelt es hier zwar nicht, aber die Italiener werden wohl kaum ihren Gegnern die Freude bereiten, diese Position, die schon von den alten Römeren gefürchtet wurde, anzugreifen. Ein solcher Angriff könnte teuer zu stehen kommen und er­schiene nur gerechtfertigt, falls das italienische Oberkom­mando einen moralischen Effekt erzielen wollte. Im übrigen wollen die Araber der Stadt Tripolis von einem Wider­stände nichts wissen, und die Landleute sind außerstande zu kämpfen, weil die fünfjährige Dürre ihr Land bis nach Festan hinein verwüstet hat. Andererseits ist es aber falsch, anzunehmne, die Türken hätten Tripolis aus Feigheit ge^ räumt. Ihre Offiziere wollten tapfer kämpfen und treten den Rückzug nur auf Anraten der europäischen Konsuln an, die die Pflicht hatten, die Stadt vor den Schrecken eines innerhalb der Mauern stattfindenden Kampfes zu schützen. Die Söhne der Helden von Plewna und Silistria haben also aus Gründen der Menschlichkeit auf ihren Wunsch als tapfere Soldaten zu sterben, verzichtet."