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General-Anzeiger
Amtlich« Grgan für Stabt- nab Landkreis ganan.
Erscheint täglich mit Ausnahme ver Conn. und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EtnrvckungstzebShr»
LU ^gespaltene Petttzetl« ebet deren Stire U $H im Reklamentril die gell« 45 Pf».
Berantwortl. Redakteur: L SchraSee tu gamew
Nr. 237 B-rnsPr-chanschlitsr Nr. 230.
Dienstag den 10. Oktober
Ferttsprechanschlitß Nr. 230 1911
Amtliches.
Stadtkreis F)an au. Bekanntmachung.
Unter dem Viehbestände des Landwirts Leopold Zeiger, Tiefestraße 1 hier, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche ordne ich hiermit folgende Schutzmatzregeln an:
I. Sperrbezirk.
Der in Nr. 234 und 235 des „Hanauer Anzeigers" vom 6. und 7. d. M. näher bezeichnete Sperrbezirk wird auf den Stadtteil, der durch die Nordstratze bis zur Wirtschaft „Zum Neubau", Nordstratze 53, die Vadergasse, kleine Dechaner- gasse, große Dechaneistraße, Bangertstraße und Hospialstrahe bis Vorstadt gebildet wird, ausgedehnt.
Um Zweifel zu vermeiden, mache ich noch darauf aufmerksam, daß die Hunde im Sperrbezirk festzulegen, d. h. so anzulegen und zu verwahren sind, datz ein Entweichen derselben auf die Straße ausgeschlossen ist. Gegen die Benutzung von Ziehhunden im Sperrbezirk z. B. zur Benutzung beim Milchhandel ist nichts einzuwenden, wenn die Hunde die Seuchengehöfte nicht betreten und nach Benutzung wieder sofort an die Kette gelegt werden.
Die Schutzmannschaft ist nochmals angewiesen, die für das Sperrgebiet erlassenen Anordnungen streng zu überwachen und unnachsichtig Anzeige vorzulegen.
Hanau den 9. Oktober 1911.
Königliche Polizeidirektion.
J. A.: Karbe.
Bekanntmachung.
Das Oeffentliche Untsrsuchungsamt Hanau (für die Kreise Hanau-Stadt, -Land, Gelnhausen und Schlüchtern) — Leiter: Nahrungsmittelchemiker Dr. Braunmüller — befindet sich Kanalplatz 3, Fernsprecher 594.
Das Antersuchungsamt nimmt auch Aufträge auf che- misch-techirische und hygienische Untersuchungen entgegen.
x Der Magistrat.
Hild. 24203
Bekanntmachung.
Zm Hause Marktplatz 18 — seitheriges Amtsgericht — werden 2 nebeneinanderliegende Läden von je 73 Qmtr. Grundfläche mit anschließenden Lagerräumen von je 35 Qmtr. Grundfläche eingerichtet, die voraussichtlich bis 1. Januar 1912 vermietet werden können. Jeder Laden erhält 2 Schaufenster mit einer Türe in der Mitte und mit 5,50 Mir. Elasfront.
Stadttheater in Hanan.
Die erste Wiederholung der populären Operette „D as süße Mädel" am Samstag verstärkte noch den günstigen Eindruck, den die erste Vorstellung gemacht hatte. Das süße Mädel, diese glückliche Mischung aus Zärtlichkeit, Leichtsinn und Lebensfreude, ist im Leben ein Typ, der die ganz besondere Atmosphäre süddeutscher Gemütlichkeit braucht, um unbeengt von den Forderungen strenger Moral gedeihen zu können; es verbindet sich damit in unserer Vorstellung ein naiv-liebenswürdiges Empfinden, dem kalte Koketterie und oberflächliche Frivolität ganz fern liegen. Und von dieser Seite auf- gefaßt, wird das süße Mädel als Operettenfigur immer wirken, besonders wenn es sich auf so hübsche, einschmeichelnde Melodien stützen kann, von denen einige längst Allgemeinbesitz des Volkes geworden sind. Die Hauptpartien liegen in so guten Händen und die geschickte Inszenierung bringt alle guten Seiten der Operette so wirkungsvoll zur Geltung, daß wir an der hiesigen Aufführung unsere Freude haben können.
Am Sonntag nachmittag ging wieder „M ein erlauchter Ahnherr" mit unvermindertem Erfolg in Szene und für den Abend war ein Experiment vorbereitet, das, wie man sagt, schon in Putbus zur Zu- srredenheit gelungen war.
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Die Rivalin
Schauspiel in 3 Akten von Eduard Eugen Ritter stand auf dem Zettel; und man betrat das Haus mit erniger Spannung. Nicht wenige haben es kopfschüttelnd wieder verlassen. Ein homo novus, ber uns in keiner Weise Bereicherung gebracht hat, darüber darf uns ber lärmende Beifall nach dem zweiten und dritten Akt nicht täuschen. Sine irr» et Btucno gemessen, erweist sich das Stück als unzulänglich in jeher Hinsicht. Idee: Die Mutter des illegitim geborene«
Im 1. Stock des Seitenflügels befindet sich eine 3-Zim- merwohnung mit Küche und Zubehör, verbunden durch eine Treppe mit den Lagerräumen.
Die Läden sönnen getrennt, oder zusammen — ohne Trennungswand — vermietet werden.
Nähere Auskunft kann im Stadtbauamt, Zimmer 18, während der Sprechstunden eingeholt werden.
Reflektanten wollen ihre Angebot" alsbald schriftlich einreichen.
Hanau den 30. August 1911. 20913
Der Magistrat.
Politische Rundschau.
Regierungspräsident Dr. v. Meister in Wiesbaden hat seine Sammelkandidatur im 2. Nassauischen Wahlkreis (Wiesbaden-Rheingau) abgelehnt! Gestern fand eine Vorstandssitzung der „Konservativen Vereinigung für den Regierungsbezirk Wiesbaden" statt, in der ein Schreiben des Regierungspräsidenten Dr. v. Meister zur Verlesung gelangte, worin derselbe bittet, eine Kandidatur seiner Person nicht weiter in Betracht ziehen zu wollen, weil mit einer Unterstützung dieser Kandidatur in dem von ihm vorausgesetzten Umfange nicht gerechnet werden könne. Es wurde beschlossen, einer Vertrauensmännerversammlung des „Nationalen Wahlvereins für 1911/12" die Entscheidung über die weiter einzunehmende Haltung vorzubehalten.
Zum Regierungspräsidenten in Breslau ist der Gey. Oberfinanzrat Frhr. v. Tschammer und Quaritz, vortragender Rat im preußischen Finanzministerium, ernannt worden. Berliner Blätter wollen bekanntlich wissen, daß Polizeipräsident v. Jagow für diesen Posten ausersehen sei.
Zum Nachfolger des Ministerialdirektors im Reichskolonialamt Dr. Conze, der bekanntlich zum Unterstaats- sekrelär ernannt wurde, ist der Geheime Obe ueorerungsrat Ebermaier ausersehen. Ebermaier übernimmt Dr. Conzès bisherigen Posten, nämlich den des Direktors der Finanzabteilung im Kolonialamt.
Reform des Zntendanturwesens. Wie die „Deutsche Warte" in Berlin schreibt, ist eine Neugestaltung des deutschen Jntendanturwesens für die nächste Zeit beabsichtigt. Eine vom Kriegsministerium eingesetzte Kommission ist damit beschäftigt, Vorschläge in dieser Richtung auszuarbeiten, die vor allem auch Vereinfachung für den Erat und für das Rechnungswesen bezwecken. Dem Reichstage wird mit dem neuen Etat eine diesbezügliche Denkschrift zugehen. — Ob mit der beabsichtigten Veränderung des Rechnungswesens auch die s. Zt. in der Broschüre des Oberintendanturrats a. D. Steegemann vorgeschlagene Umwandlung des oberen Militärbeamtenpersonals in ein Verwaltungsoffizierkorps verbunden sein wird, darüber verlautet noch nichts.
Professors Johannsen kämpft mit dessen Gattin um die Liebe des Sohnes und triumphiert zuletzt über die sich in scheinbare Fehltritte verstrickende Schwiegertochter. In der Ausgestaltung dieses Vorwurfs arbeitet der Autor mit den un= bedenklichsten Mitteln. Die agierenden, zumteil arg verzeichneten Personen stolpern über die unmöglichsten Situationen, Poffencffekte und melodramatische Rührseligkeiten werden in die Bresche geworfen, wenn Logik und Konsequenz versagen. Allerlei schablonenhaft gezeichnete Personen treten auf und gehen ab, es wird viel geredet, ohne daß sich der Dialog einmal über die alltäglichsten Platituden und Gemeinplätze erhöbe, es ^wird gegrollt und geschrien, mit Revolver und Gift das Schicksal korrigiert, aber nirgends macht sich der Pulsschlag wirklichen Lebens bemerkbar, nie wächst das Geschehen aus den Charakteren der handelnden Personen. Dem Autor scheint eS zu genügen, wenn hier und da etwas „passiert". Das Ganze ist in seiner Unbeholfenheit und aufdringlichen Gemachtheit so indiskutabel, daß wir uns ein Eingehen auf Einzelheiten schenken könne»;. Es bleibt nur die erstaunte Frage: Verdient unser gegenwärtiger Theatergeschmack wirklich schon eine so niedrige Einschätzung, daß man uns solche Kost, die kann» noch über dein Niveau des Kintopps steht, an ernster Stätte servieren zu muffen glaubt? Oder soll am Ende die köstliche Komik des butzendmal wiederkchrendcn Schlagworts: „Schon erledigt" über' das groß« minus hin- weghelfen?
Die Regie hatte sich offenbar bemüht, diesem eigcntüm- lidjen Schauspiel nach Möglichkeit auf die Beine zu helfen, und die Repräsentanten der Hervorragendster» Figuren: Fräulein Ballin (Margot), Frau Ham vier (bereit Pathetik in der ganz mißratenen Rolle der Mutter fast ulkig wirkte), Fräulein M i dj e I (Clara) und Herr Spohn (Horst) taten gewiß ihr Bestes in dein aussichtslosen Kampf. Die Leistungen der Herren Krahe (Professor), Heintze (Rassow), Grund m a n n (Wernicke), Wallbrück (Dahlenberg) u. s. w. nach der Erfüllung ihrer haltlosen Aufgaben zu werten, wäre absurd. —1—.
Die drei elsaß-lothringischen Stimmen im Bundesrat. Durch die elsaß-lothringische Verfassungsreform sind dem Reichsland bekanntlich drei VundesratsstimmLN gewährt worden. Zu Trägern dieser Stimmen sind, wie der „Reichsanzeiger" bekanntgibt, Staatssekretär Frhr. Zorn v. Bulach und die Unterstaatssekrtäre Petri und Köhler ernannt war. den. Sie sind also die ersten elsaß-lothringischen Bevollmächtigten zum Bundesrat.
Die Arbeiterjugend. Der Kultusminister hat, wie der „Berl. Lokalanzeiger" mitteilt, unter Hinweis auf die verhetzende Wirkung der von der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands in Vertin herausgegebenen Zeitung „Die Arbeiterjugend" die Kreisichulinspektoren beauftragt, die ihnen unterstellten Lehrer anzuweisen, darauf zu achten, ob etwa diese Zeitung schon in den oberen Klaffen der Volksschulen vertrieben wird und ihrer Verbreitung mit allem Nachdruck entgegenzuwirken. Die Schulleiter haben über besondere Beobachtungen auf diesem Gebiet zu berichten.
Vom deutschen Handelstag. Gestern tagte in Berlin im Sitzungssaal der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin der Ausschuß des deutschen Handelstages. Der Vorsitzende Reichstagsabgeordneter Kaempf eröffnete bis Sitzung mit dem Hinweis darauf, daß dies die erste Arbeitssitzung nach dem Heidelberger Jubelfest zum 50jährigen Bestehen des deutschen Handelstages sei. Er hoffe, daß auch in.der Zukunft die Arbeiten des Handelstages in der bisher üblichen Weise gefördert würden, so daß ihnen bei aller Verschiedenheit der Meinungen im einzelnen ein harmonischer Verlauf im ganzen gesichert sei. (Lebhafte Zustimmung.) Nachdem man sodann das Andenken des vor acht Tagen verewigten Geheimrats Zweininger-Leipzig durch Erheben von den Sitzen geehrt, trat man in die Tagesordnung ein. Zunächst sprach Dr. Klien-Leipzig über Sicherheitsübereignung. Auf die Tagesordnung sind nachträglich noch gesetzt worden die Lebensmittelteurung und die Errichtung einer Zentralstelle für die Vorbereitung von Handelsverträgen.
Der Krieg zwischen Italien und der Türkei.
Die Vermittlungsverhandlungen.
Berlin, 9. Ort. Die „Köln. Ztg." schreibt: Die neu» Note der Türkei, die abermals eine Vermittlung der Mächte anruft, darf wohl überall einer im Grundsatz freundlichen Aufnahme sicher sein, wird aber praktisch kaum eher eine Folge haben können, als bis nicht nur ein allgemeiner Ver- miltlungsantrag vorliegt, sondern auch die Bedingungen nam- baft gemacht sind, auf Grund deren eine Einstellung der Feindseligkeiten mit Erfolg anzustreben wäre. Nach der ganzen Lage der Verhältnisse werden die verantwortlichen Männer der türkischen Regierung sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß eine Wiederherstellung des bisherigen Zustandes in Tripolis nicht durchzusetzen sein wird. Die Berichte aus der Türkei über eine gegenteilige Auffassung und über die Entschlossenheit, den Krieg bis aufs Messer zu führen, bürsten weniger auf ernstliche Entschlüsse, als vielmehr auf die leicht begreifliche Erregung zurückzuführen sein. Man darf daher annehmen, daß die Türkei trotz allem innern Widerstreben sich schließlich wird.bereit finden lassen, in den Uebergang von Tripolis in italienische Gewalt, wenn auch unter äußerlichen Vorhalten, einzuwilligen. Als die italienische Kriegserklärung erfolgte, schien in Italien Bereitwilligkeit vorhanden, gegen Ueberlasinng von Tripolis türkische Sonderrechte etwa in Gestalt einer nominellen Oberherrschaft zuzu- lassen. Neuerdings ist die Stimmung vielfach umgeschlagen, unb man kann in italienischen Blättern lesen, daß die einfache Einverleibung von Tripolis die einzige zulässige Lösung sei. Ob sich die italienische Regierung diese Auffassung zu eigen gemacht hat, ist nicht ersichtlich, doch darf man aus gewissen Maßnahmen weisen Maßhaltcns vielleicht den Schluß ziehen, daß die italienische Regierung auch bei den Verhandlungen über Herbeiführung des Friedens keine intransigente Stellung einnehmcn wird. Daß auch die Türkei Maß hält, geht daraus hervor, daß sie zwar die Ausweisung aller Italiener beschlossen hat, daß diese aber in diesem Umfang nicht stattstndct. Die italienische Regierung scheint jedenfalls einstweilen nicht abgeneigt zu sein, dem Wunsche auf Eingrenzung des Krieges dadurch entgegenzukommen, daß sie ihre militärischen Operationen nicht auf die Küsten der europäischen und asiatischen Türkei ausdehnt, und ebenso Operationen im SueSkanal und int Roten Meere unterlaßt. Es wäre das ein Entschluß, der allen an der Schiffahrt int östlichen Mittelmeer und nach dem Fernen Osten beteiligten Nationen sehr willkommen sein müßte. Durch die Unsicherheit, die jetzt» entstanden ist, durch die Erhöhung der Ver- stchcrungsqebühren für Kriegsrisiko und durch das Auslöscken der Leuchttürme werden der internationalen Schiffahrt große Schwierigkeiten bereitet. Die Fahrt im griechisch-türkischen Archipel ist durch die vielen Inseln bei Nackt außerordentlich schwierig und gefahrvoll, und ebenso im Roten Meere, wo ein antes Duhetth kleiner Felseneilande im Kurs der Damvier