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Gc«eral-Anzeiger

MN« TlW fët AM- md FmdKreis KM».

Erscheint tSgNch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die Egefpctttene Petttzeil, ober bete* Nau« 10 $U im Reklamenteil die Bette 43 Pf»

Verantwort!. Redakteur: S. Schrecke» tu tzaua»

Nr. 230 tfrern^redirtttWnh Nr. 230.

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Montag den 2. Oktober

^ernfprechanschlnsr Nr. 230 1911

AmtLiches.

Landespolizeiliche Anordnung betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Land­kreis Hanau.

Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauen­seuche in Kilianstädten, Rüdigheimerhof, Mittelbuchen und Oberissigheim bestimme ich in Erweiterung meiner landes­polizeilichen Anordnung vom 8. Mai d. Z. — A. III. 2152a — Amtsblatt Nr. 19, S. 140/1 — folgendes:

1. Zu dem Sperrgebiet im § 1 treten die Gemeinden Kilianstädten mit Ausnahme der Kilianstädter Mühle, Rüdigheim und Eutsbezirk Rüdigheimerhof.

2. Das Beobachtungsgebiet im § 10 wird auf die Ge­meinde Ravolzhausen und die Gutsbezirke Kinzigheimerhof, Wilhelmsbad und Kilianstädter Mühle ausgedehnt. (A. UI. 4595a.)

Cassel den 27. September 1911.

Der Regierungspräsident.

Graf von Bernstorff.

Eandkreis Ban au.

Der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat die Gebühren, welche für die bei der Einfuhr von Geflügel vorzunehmenden tierärztlichen Untersuchungen zu entrichten sind, (vergl. § 7 der seuchenpolizeilichen An­ordnung vor_____'. Mts., abgedruckt in Nr. 217 des Hanauer Anzeigers) nach folgenden Grundsätzen festgesetzt:

Die Gebühren betragen:

1.

a) bei Gänsen für Sendungen von 1—500 Stück 2 Mark, für jede weiteren 250 Stück 1 Mark, für eine Eisen-, bahnwagenladung jedoch nicht mehr als 4 Mark,

b) bei sonstigem Geflügel 0.30 Mk. für je 100 Kilogr. zollpflichtigen Gewichts, mindestens aber 2 Mark für die einzelne Sendung.

2.

Falls ausnahmsweise Untersuchungen außerhalb der be­stimmten Einfuhrzeiten erfolgen, haben die Einbringer außer den Gebühren zu 1 die den untersuchenden Tierärzten gesetzlich zustehenden Reisekosten und Tagegelder zu zahlen.

3.

Für die Festsetzung und Einziehung der Gebühren für die gemäß § 5 meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung bei der Entladung oder Auslieferung erfolgenden tierärzt­lichen Untersuchungen kann es, soweit schon bisher solche Un­tersuchungen auf Grund älterer Vorschriften stattfinden, bei diesen verbleiben.

Im übrigen erhalten die Tierärzte für die Untersuch­ungen, einschließlich der Ausstellung von Gesundheitsbeschei­nigungen, von den Einbringern zu zahlende Gebühren nach den Sätzen zu 1, jedoch nur bis zum Höchstbetrage von 18

Stadttieater in Hanau.

„Heimat".

Schauspiel in 4 Akten von H. Sudermann.

Als Tatsache ist es zu bezeichnen, daß trotz seiner vielen psychologischen Unmöglichkeiten sich die „Heimat", besonders bei den weiblichen Theaterbesuchern großer Sympathie er* freuf. Magda, die Heldin des Stückes, lehnt cs ab, einem ungeliebten Manne die Hand zu reichen, wird von einem strengen Vater aus dem Hause getrieben und geht zur Bühne, wo sie sich zu hohem Künstlerruhm emporringt, und kehrt als berühmte Sängerin in die Heimat zurück. Eine solche Figur ist geeignet, das höchste Mitgefühl zu erwecken und das zeigte sich denn auch in der Spannung, dem Interesse, mit der das überwiegend aus Damen zusammengesetzte Theaterpublikum am Samstag die Vorgänge auf der Bühne verfolgte. Und doch ist diese Magda nichts weiter als eine wirksame Theaterfigur. Für ihr Verbleiben im Vaierhause stellt sie, die geistig Gereifte, die Lohengrinbedingung auf, daß sie niemand nach ihren Erlebnissen fragen dürft. Da­durch wird die lästigste Wißbegierde geradezu herausgefordert und der gestrenge und vorurteilsvolle Papa zögert denn auch nicht, eine folgenschwere Frage an sie zu richten. Und dann kommt hinzu ihr ganzes unglaubhaftes Verhalten in der philiströsen Enge der Familie. Ebenso unmöglich ist Magdas Verführer, der Regierungsrat v. Keller, der sonst das Vater­haus Magdas nicht aufgesucht hat, dies aber tun muß, als Magda einige Tage zu Hause weilt. Doch das Schau­spiel mit seinen vielen Künsteleien ist ja bekannt, sodaß wir uns der Ausführung zuwenden können. Diese war auf einen flotten Ton gestimmt und konnte im allgemeinen zufrieden- stellen. Mit der Verkörperung der etwas sentimentalen Magda zeigte Frl. Alide Ballin ihr hübsches Talent er­neut in hervortretendem Maße. Ihre Charakterisierungsgabe kam iur vollen Geltung und erbrachte ihr reichen Beifall.

Mark für den llntersuchungstag. Für Untersuchungen in einer Entfernung von mehr als 2 Kilometer vom Wohn­orte des Tierarztes haben die Einbringer außer den Ge­bühren die gesetzlich den Kreistierärzten zustehenden Reise­kosten zu entrichten. Erreichen die für einen Untersuchungs­tag nach den Sätzen zu 1 insgesamt zu zahlenden Gebühren nicht die Höhe des gesetzlichen Tagegeldsatzes der Kreistier­ärzte, so erhalten die untersuchenden Tierärzte, anstelle der Gebühren das Tagegeld. Wenn bei einer Reise Eeflügelsen- dungen verschiedener Einbringer untersucht werden, sind die Reisekosten und Tagegelder auf die einzelnen Zahlungs­pflichtigen nach dem Verhältnis der auf sie entfallenden Gebührenbeträge zu verteilen. Soweit erforderlich, wird den Regierungs-Präsidenten die Bestimmung über die Art der Einziehung der Gebühren pp. überlassen.

Hanau den 27. September 1911. V. 6334

Der Königl. Landrat.

Frhr. Laur.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung»

Die für den Stadtbezirk Hanau aufgestellten Abteilungs­listen für die Wahl zum Hause der Abgeordneten sind in der Zeit vom

Dienstag den 3. Oktober bis Donnerstag den 5. Oktober d. Z. in Zimmer Nr. 2 des Neustädter Rathauses (Erdgeschoß) während der Stunden von 9—%1 und 4—6 Uhr öffentlich ausgelegt.

Innerhalb dreier Tage, nachdem die Auslegung be­gonnen hat, und die Bekanntmachung darüber erlassen ist, können gegen die Richtigkeit der Listen bei uns Einsprüche schriftlich angebracht oder zu Protokoll gegeben werden.

Einsprüche, die sich gegen den Inhalt der festgestellten Urwählerlisten richten, sind gegenüber den Abteilungslisten nicht mehr zulässig.

Ueber Bezirke, Abteilung, Zeit und Wahllokal wird den Wählern später eine Benachrichtigung zugehen.

Hanau den 29. September 1911. 23625

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Unter den am Dienstag den 3. Oktober d. I., nachmit­tags 2 Uhr, im Hofe des Althanauer Hospitals zur Versteige­rung gelangenden Gerätschaften der Armenverwaltung be­finden sich auch diejenigen Gegenstände, welche auf städti­schem Besitz gefunden worden sind,

Die Eigentümer werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis spätestens im Versteigerungstermin geltend zu machen.

Hanau den 29. September 1911. 23441

Der Magistrat.

Hild.

Lebenswahr gestaltete Herr K l i e w e r den Oberstleutnant, Magdas Vater, namentlich im letzten Akt bot er eine Leistung, die packend wirkte. Der selbstlose Pfarrer Heffterdingk wurde von Herrn Josef Krahe dargestellt, der etwas jugendlich wirkte, im übrigen aber redlich bemüht war, seiner schwierigen Rolle gerecht zu werden. Herr Alfred Haase hatte den Regierungsrat v. Keller zu verkörpern, der nach unserer Ansicht trotz seiner hübschen Darstellung ein etwas gemesseneres, sozusagen aalglatteres Wesen hätte zur Schau tragen dürfen. Frau Helene S ch m i d t - Schütz als Tante Franziska sorgte für die nötige Heiterkeit, ebenso barg die Empfangsszene der Komiteedamen viele heitere Momente. Einen flotten Leutnant stellte Herr Bruno Reichardt auf die Bühne und auch Frl. Helly Michel als „Maria" konnte befriedigen, ebenso Frau Carola Hammer als „Auguste".

Herrenabend des Wtjjtn Mannergesangvereins.

Kaum hat der Herbst begonnen, den Bäumen ihren grünen Blätterschmuck zu rauben, und schon klingen unsere Konzert­säle wieder von den ersten Darbietungen der Saison. Den Anfang machte am Samstag abend der Brodtsche M ännergesangverein mit einem in den Sälen der „Ceutralhalle" arrangierten Herrenabend. Die Aus­wahl der Chöre war neben der Anordnung des Programms, das allgemein hohe Befriedigung gewährte, sehr geschickt. Die anerkennenswerte Art, wie besonders schwierige Kompo­sitionen technisch einwandfrei und präzis zum Vortrag ge­langten, gaben Zeugnis von dem Eifer, mit dem die Länger ihrer Kunst obliegen und von der zielsicheren Arbeit ihres Chor- meisters Herrn R. A y ß l i n g e r. Im ersten Teil hörte man als schwungvollen Anfang den wirksam aufgebauten Chor „Herrlicher Mai" von Kempter, dem sich wohlgcluugen anreihlen die stimmungsvolle Komposition „An einem Bäch­lein" und das prächtiae Silchcrliedchen „Untreue". Als eine

Bandeiskammer zu Banau.

Bekanntmachung

Der Nahrungsmittelchemiker Herr Dr. phil. Eugen Braunmüller, welcher von der Handelskammer als Handels­chemiker und als Probierer für Edelmetalls beeidigt und öffentlich angestellt ist, ist auf seinen Antrag aus der Liste der Probierer für Edelmetalle gestrichen worden. Sein Amt als beeidigter und öffentlich angestellter Handelschemiker wird hierdurch nicht berührt.

Hanau den 2. Oktober 1911. 23595

Die Handelskammer zu Hanau.

C a n t h a l.

Der Syndikus.

Dr. phil. Grambow.

Der Krieg zwischen Italien und her dürfet.

Von beiden kriegführenden Mächten wird augenscheinlich bezüglich der Nachrichten vom Kriegsschauplätze wie auch, was besonders bei der Türkei der Fall sein dürfte, in Hinsicht auf die innerpolitischen Verhältnisse eine außerordentlich strenge Zensur ausgeübt. Die Bewegungen der italienischen Flotte werden fortgesetzt mit dem Schleier dichten Geheim­nisses umgeben, und über etwaige feindliche Zusammenstöße vor oder in Tripolis fehlen, abgesehen von den unkon­trollierbaren Gerüchten, jegliche Meldungen. Inzwischen wird auf feiten der türkischen Regierung noch immer an der Hoffnung festgehalten, der schon entfachte Kriegsbrand könne durch das Eingreifen der Großmächte noch wieder gelöscht werden. Der Inhalt des in diesem Sinne gehaltenen

türkischen Appells an die Mächte

wird in nachstehendem Telegramm übermittelt:

Konstantinopel, 30. Sept. Die von der Pforte den Mäch­ten heute übersandte Zirkularnote hat folgenden Wortlaut:

„Trotz der überaus kürzen, von Italien in dem Ulti- amtum festgesetzten Frist von 24 Stunden hatten wir uns beeilt, lange vor ihrem Ablauf zu antworten, daß die italienische Regierung nicht nötig habe, zu einer mili­tärischen Besetzung zu schreiten, um von uns in Tripolis und in Cyrenaika Bürgschaften wegen einer wirtschaft­lichen Ausdehnung für sich zu erlangen. Wir erklärten uns bereit, diese Bürgschaften zu gewähren, soweit sie unsere territoriale Integrität nicht verletzten, wobei wir die Verpflichtung übernahmen, während der Verhand­lungen unsere militärische Lage in den genannten Pro­vinzen nicht zu verändern. Ohne auf dieses versöhnliche Anerbieten auch nur zu antworten, schickt uns die italie­nische Regierung, zu derselebn Zeit, da sie ihre Flotte aussendet und vor Ablauf der Frist eines unserer Tor­pedoboote in den Gewässern des Adriatischen Meeres an­greifen läßt, eine förmliche Kriegserklärung. Peinlich überrascht von dieser unerwarteten Feindseligkeit, die

recht gefällige Komposition ist daS Liedchen „An dem Brünnele", vom BcreinSdirigenten selbst geschaffen, zu ver­zeichnen. Mit Wärme wiedergegeben, brachte cs dcm Komponisten vollsten Erfolg, der sich in langanhaltendem Beifall äußerte. Ein würdiger Abschluß wurde dem ersten Teil des Programms durch den frischen Vortrag von Kern"S „Schlehenblüt' und wilde Rose" zuteil. Der zweite Teil wurde mit dem Chore „Deutsche Helden" von Grimm ein- geleitet. Der Chor stellt an die Trefflichkeit der Sänger wie auch an die rhytmische und dynamische Auffassung große Anforderungen, das schöne Gelingen desselben ist daher um­somehr anzuerkennen. Recht gut vorgetragen wurde auch „Der Abschied" vor Kirckl und der lustige Chor Fr. Baselt's „Tiritomba". Mit gefühlvollen Weisen der beiden Chöre „Deutsche Romanze" von Breu und „Der schönste Tod" von Gellert fanden die gesanglichen Darbietungen, mit denen der Verein aufs neue bewiesen hat, daß er sich zu einem schätzbaren Faktor im Musikleben unserer Stadt zu zählen berechtigt ist, ihr Ende. Einen schönen Erfolg' darf auch Herr K r e tz l e r verzeichnen, der mit einigen Baritonsoli aufwartete, die von reichem Beifall begleitet waren. Auf gleicher Höhe mit den Leistungen des Chores hielt sich unsere Ulanenkapelle unter Obermusikmeister Urbach« Fühnurg. Anerkennung und Beifall steigerten sich von Nummer zu Nummer. Besonders die Werke von Offenbach, Friedemann, Strauß, Lincke und Zeller wurden so vollendet zu Gehör gebracht, daß ihre Aufführung zu einem hohen Genuß ward. Der Abend vermittelte auch die Bekanntschaft mit Herrn Konzertmeister Kaiser aus Frankfurt a. M., dessen Spiel recht gute musikalische Begabung und Feingefühl verriet. Ein würdiger Vertreter des Humors war Herr King, der unter den letzten Programmnummern mit einigen beifällig aufge- nommenen Vorträgen rangierte. Die zahlreichen, besonder« auch von auswärts herbeigreillcn Besucher, werden es dem Brodt'schen Männergesangverein Dank wissen, daß er ihnen einen solch anaeuebmen Abend ru verschaffen mußte.