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Wmlm K Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, verantwort!. NeLakteur: & 6»te«et t* $0*8*

DierkeljährNch 1.80 AL, monatlich 80 Pfg., f5t au» värttge Abonnenten mit dem betreff. Postaufschlag. Die einzeln« Nummer kostet 10 Pfg.

Notationsdnuk und Verlag bet Buchdruckerei bei «rein. e». Waisenhauses in Hanau.

^r. 221 Bernsprechnnschlitsl Str. 230.

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Slmtliches.

Eandkreis P)anau.

Auf Grund des Artikels 40 der Anweisung vom 25. Juli 1906 zur Ausführung des Einkommen- und Ergänzungs­steuergesetzes hat die Königliche Regierung zu Castel be­stimmt, daß die zur namentlichen Feststellung der Steuer­pflichtigen erforderliche Aufnahme des Personenstandes für das Steuerjahr 1912 in sämtlichen Orten des Bezirks am Dienstag den 17. Oktober ds. Zs. stattzufinden hat und, wenn sie nicht an diesem Tage beendet werden kann, an den nächstfolgenden Werktagen ununterbrochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Zeit zum Abschluß zu bringen ist.

Die Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher setze ich hiervon in Kenntnis mit der Weisung, die Vorbereitungs­arbeiten für die Voreinschätzung ungesäumt in Angriff zu nehmen.

Die zur Veranlagung der Einkommensteuer erforder­lichen Formulare werden in der hiesigen Waisenhausbuch­druckerei vorrätig gehalten.

Hanau den 18. September 1911. St. 2200

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis.

J. V.: Karbe.

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Stadtkreis Hanau.

Die Polizeiverordnung vom 23. Januar 1894, betr. das Einsperren der Tauben zur Saatzeit, wird mit dem Be­merken in Erinnerung gebracht, daß sämtliche Tauben mit Ausnahme der Pfautauben, Römer, Malteser, Carriers, engl. und franz. Kröpfer, Perücken, Ehow-Antwerps und Brünner, vom 25. September bis 25. Oktober ds. Zs. ein­gesperrt zu halten sind.

Hanau den 16. September 1911. 22429 Der Magistrat.

J. A.: Bartmuß.

Bekanntmachung.

Die längs der im Ausbau begriffenen Landgrafenstratze stehenden Bäume

a) 1 Stück Weißbuche,

b) 77 Stück Linden sollen geteilt in drei Lose zum sofortigen Fällen öffentlich» meistbietend verkauft werden.

Der Verkauf findet statt am Montag den 25. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr. Die Verkaufsbedingungen werden im

Fragwürdige Delikatessen. Skizze von Paul Lipsius.

De gustibus non est disputandum! — Ueber den Ge­schmack läßt sich nicht streiten, heißt ein bekanntes Wort. In der Tat fällt bei der Frage über den Geschmack eines Nah- rungs- oder Genußmittels das Urteil des Gesichts- und Ge­ruchssinnes ganz entscheidend mit in die Wagschale, so daß der Geschmackssinn als der unselbständigste und unsicherste von allen erscheint. Durch viele Proben ist das festgestellt. In meiner Vaterstadt erbot sich einmal der als sehr tüchtig bekannte Brauereidirektor R. zu einer Wette, daß er mit verbundenen Augen jedes ihm dargereichte Vier (baye­risch, Lager, böhmisch, einfach) zu unterscheiden vermöchte. Wir gingen auf die Wette ein, und siehe, da stellte es sich heraus, daß er in etwa nur drei Fällen von zehn das Rechte traf. Bayerisch erklärte er für Lagerbier und einfaches für böhmisch, ja, seine eigenen Viere war er nicht einmal sicher zu unterscheiden im Stande! Ebenso ist es Tatsache, daß selbst starke Raucher mit verbundenen Augen eine bren­nende Zigarre nicht immer von einer nicht angezündeten zu unterscheiden vermögen — sie rauchen krampfhaft die nicht angebrannte Zigarre und blasen mit Todesverachtung den nicht vorhandenen Rauch vielleicht gar in kunstvollen Ringen in die Lust.

Im Jahre 1887 war ich in Kairo Zeuge der begeisterten Ovationen, die dem nach siebenjähriger Verschollenheit im Eudan durch Emin Paschas u. a, Bemühungen glücklich be­freiten Afrikaforscher Dr. Junker bereitet wurden. Auf dem im wundervollen Ezbekoye-Garten ihm zu Ehren von der deutschen Kolonie bereiteten Vierkommerse erzählte Dr. Junker von einem Mahle, dem er im Herzen des „dunklen Erdteils" einst beigewohnt habe. Der Häuptling hatte alle möglichen Delikatesten zu Ehren seines Gastes aufgeboten und Mar in wohlbedackter Steiaeruna. Zuletzt erschien auf

Donnerstag den 21. September

Verkaufstermin bekanntgegeben. Treffpunkt in der Frank­furterlandstraße an der Brücke über den Salisbach.

Hanau den 19. September 1911. 22539

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Es wird beabsichtigt, den hiesigen öffentlichen Arbeits­nachweis auch für die Vermittelung von Lehrstellen aller Berufe kostenfrei nutzbar zu machen.

Wir richten deshalb an alle Interessenten das Ersuchen, ihren Bedarf an Lehrlingen bei der städtischen Arbeitsver- mittelungsstelle — Langstraße Nr. 41 hier — anzumelden.

Ebenso werden Eltern und Vormünder ersucht, sich zur Erlangung von Lehrstellen der Vermittelungsstelle bedienen zu wollen, die Anmeldungen jederzeit gern entgegennimmt.

Hanau den 31. Oktober 1910. 1119

Der Magistrat.

Hild.

Fortgesetzt kauft: Hafer, Heu nnd Roggenstroh (Flegel- und Preßlang-Stroh) 21445

Proviantamt Hanau.

Politische Kuuâscha«.

Die deutsche Kronprinzessin hat am Mittwoch ihr 25. Lebensjahr vollendet. Berlin und Potsdam hatten zur Feier deS TageS reichen Flaggenschmuck angelegt. Um 8 Uhr morgens feuerten die Geschütze der Matrosenstatiou in Kouguaes den Geburtstagssalui. Vom Kaiser und der Kaiserin sind aus Kabinen Geschenke und Glückwünsche eingetrosten. Für den Abend war Familientafel angesetzt, au der alle in Berlin und Potsdam anwesenden Mitglieder des kaiserlichen Hauses teilnahmen.

Reichstagsersatzwahl. Wie aus Düsseldorf telegraphiert wird, ist jetzt das vorläufige amtliche Ergebnis der Ersatz­wahl im Äeichstagskreise Düsteldorf festgestellt. Es wurden von den 102 993 Wahlberechtigten 70 177 Stimmen ab­gegeben. Friedrich (Zentrum) erhielt 29 291, Haberland (Sozd.) 34 073, Herkenrath (deutschnational) 3147, Breit­scheid (demokratische Vgg.) 3321, Choziszewski (Pole) 326, zersplittert waren 19 Stimmen. Es ist, wie erwähnt, also Stichwahl zwischen Friedrich und Haberland erforderlich. — Die Reichstagsstichwahl im Wahlkreis Düsteldorf zwischen Haberland (Sozd.) und Dr. Friedrich (Zentrum) findet am Freitag den 29. September statt.

Der Dank des Ostmarkenvereins an den Oberpräsi­denten von Waldow. Dem bisherigen verdienstvollen Ober- präsidenten der Provinz Posen, von Waldow, hat der Vor­

breiten Teller — ja, was war das? Ein leibhaftiges, braun geröstetes ganzes Kind in hockender Stellung mit einem so kläglichen Gesichtsausdruck, daß es noch jetzt einen Stein hätte erbarmen mögen! Aber diese Reger waren ja gar keine Menschenfresser! Der Häuptling merkte seines Gastes Schauder und suchte ihn zum Essen zu ermuntern: ein ge­bratener Affe sei ja die größte Delikateste, die es gäbe, zu­mal ein so junger! „Gleichwohl", so versicherte Dr. Junker, „war ich nicht im Stande, auch nur einen einzigen Bisten davon zu genießen — wegen der täuschenden Aehnlichkeit mit einem Kinde!"

Bekanntlich gibt es im Meere eine ganze Anzahl Tiere, die als Delikatesten geschätzt sind wegen ihrer abenteuer­lichen Gestalt, die aber nicht nach jedermanns Geschmack sein dürften. Wir denken hier an Taschenkrebse, Meerspinnen, Seeigel, Seewalzen, Seeanemonen, Polypen, Tintenfische u. a., die auf italienischen Speisekarten unter dem Sammel­namen „frutti di mare“ (Meeresfrüchte) figurieren. Die meisten von ihnen haben in der Tat einen köstlichen Wohl­geschmack, d. h. wenn man sich nicht vorher durch den An­blick des noch unzubereiteten, rohen Tieres hat beeinflussen lasten. So entsinne ich mich eines Tintenfisches, den unsere Hausfrau einst mit anderen Fischen gekocht hatte. Er hatte das Master pechschwarz gefärbt, und bei Tische wagte sich niemand an das abenteuerlich gestaltete häßliche Geschöpf. Ich überwand den anfänglichen Abscheu und griff nachher zu. Da zeigte sich denn unter der dunklen Haut ein überaus zartes, schneeweißes Fleisch von vorzüglichem Wohlgeschmack, so daß mich meine Tischgenosten schier zu beneiden be­gannen. , „ , ,

Schlangen, Krokodile u. a. Reptilien sollen von beson­ders feinem Wohlgeschmack sein, und wer indische Vogel­nester verspeist hat, rühmt diese als erste r. ellkateste.

In Paris veranstaltete vor nicht langer Zeit ein Krö­sus, der sich durch seine orginellen Ideen au-zerchne e. ein Diner, au dem er ein Dutzend Gelehrte und Sckrrftsteller

Fernfprechanschlus; Nr. 230 1911

stand des Deutschen Ostmarkenvereins folgendes Telegramm übersandt: „Euerer Exzellenz Rücktritt von dem Amte a!8 Oberpräsident der Provinz Posen erfüllt den Deutschen Ostmarkenverein mit aufrichtiger Trauer. In 8^/,jähriger zielbewußter Tätigkeit haben Euere Exzellenz die Ihnen an­vertraute Provinz nach dem Vorbilde Ihres großen Vor­gängers Flottwell verwaltet und das ostmärkische Deutsch­tum mit neuem Vertrauen in eine hoffnungsvolle Zukunft erfüllt. Mit weiten patriotischen Kreisen des Deutschen Reiches weiß ^er Ostmarkenverein sich einig, wenn er Euere Exzellenz bittet, den tiefgefühltesten Dank für die der deutschen Sache geleisteten unvergänglichen Dienste entgegennehmen zu wollen, von Tiedemann Seeheim."

Deutscher Flottenverein. Am 24. d. Mts. findet in Castel eine Hauptversammlung des Kurhessischen Landesver­bandes des Deutschen Flottenvereins statt. Im Anschluß daran wird das gesamte Präsidium des Vereins zu einer Sitzung zusammentreten, in der über die weitere Agitation Beschluß gefaßt werden wird.

Die Typhusbekämpfung im Westen des Reiches, die in den Jahren 1903 und 1904 auf die Initiative von Robert Koch hin und unter tatkräftiger Förderung des Kaisers vom Reichsamt des Innern und dem preußischen KultuS- und Kriegsministerium in die Wege geleitet worden ist, scheint nach anfänglich glänzenden Erfolgen in letzter Zeit etwas zu erlahmen. Ob dies daran liegt, daß Ausgang des Jahres 1909 ein Wechsel in der Person deS ReichskommiffarS für die Typhusbekämpfung stattgefunden hgt, oder daß von April 1910 ab ein Teil der Typhusuntersuchungsstationen eingezogen worden ist, wird sich schwer entscheiden lasten. Tatsache ist, daß nach den amtlichen Berichten seit Juli v. I. die Zahl der Typhusfälle in verschiedenen Teilen des De- kämpsungsgebietes, ganz besonders in Elsaß-Lothringen, eine unverkennbare Zunahme zeigt, die alle Beachtung der be­teiligten Behörden verdient. Wie uns aus dem Südwesten des Reiches mitgeteilt wird, werden diese Verhältnisse, die die ganze Arbeit Robert Kochs in Frage zu stellen drohen, dort nicht ohne Beunruhigung verfolgt.

Zn Ztalien fanden am gestrigen Jahrestage der Be­freiung Roms durch die italienischen Truppen begeisterte Kundgebungen statt. Alle Städte waren geflaggt; es fanden öffentliche Umzüge statt und an den Denkmälern der Hel­den, die sich um die Unabhängigkeit des Vaterlandes ver­dient gemacht haben, wurden Kränze niedergelegt und pa­triotische Reden gehalten. In Rom trugen die festlichen Kundgebungen einen besonders großartigen Charakter. Ein ungeheurer Zug, an dem sich die Behörden, Vereine, und Studenten beteiligten, begab sich an die historische Stelle, wo die Bresche in die Mauern Roms gelegt worden war. Bürgermeister Nathan verlas dort ein an den König

einlud. Es wurde mit einer Alligatorsuppe eröffnet, die allgemeinen Beifall fand. Dann folgten Haifischflosten in Sauce und Seewalzen von den Loochoo-Jnseln, ferner ge­bratene Löwenkeule und Elefantenfuß, darauf viele süße Speisen, auch AffennLste in heißem Syrup und ein indisches Gebräu aus gekochtem Reis, Sultaninen, Mandeln und Pi- staziennüsten. Einer der Gäste erklärte nachher, daß es das genießbarste Diner gewesen sei, dem er beigewohnt hätte. „Die Alligatorsuppe war so schmackhaft und verführerisch wie klare Schildkrötensuppe und tatsächlich kaum davon zu unterscheiden gewesen, die Haifischflosten und Seewalzen waren schmackhafter als die beste Steinbutte, die Löwenkeule zwar ein bischen zäh, aber besonders angenehm im Ge­schmack, und der Elefantenfuß war ein wahres Lukullus- gericht." Der verstorbene Frank Buckland, der bedeutendste englische Gastronom seiner Zeit versicherte, das zarteste Kalb- und das saftigste Schweinefleisch könne nicht mit Alligatorfteisch verglichen werden, das Zartheit und Ge­schmack, beides in höherem Maße, vereinige, und die Boa constrictor, die ihm einst eine kräftige Mahlzeit geliefert habe, sei von Kalbfleischnicht zu unterscheiden. LLwenfleisch ist keineswegs ein ganz ungewöhnliches Nahrungsmittel bei französischen Epikuräern, die immer neue gastronomische Erfahrungen sammeln. Erst vor nicht zu langer Zeit haben zwanzig der bedeutendsten Pariser Gourmets zu einem Diner das Vorderviertel eines dazu extra aus Algier be­zogenen Löwen verspeist. In London gab kürzlich ein vor­nehmer Chinese ein Diner. Das Menu bestand u. a aus Wildschweinsnieren, Bambusschößlingen und Zwiebeln in Sauce, sodann gab's fettes Schweinefleisch und Gemüse in Kugeln, eingemachte Frösche, Vogelnester, konserviertes Fleisch von Seetieren und Eier, Hummersuppe und gekochte Saubohnen, Kalbsflexen und Schweinslungen und dazu zwischen jedem der vierundzwanzig Gänge genügend Tee. Nach Kapitän Lyon kann sogar die Hyäne unter der Kunst eines geschickten Kocks als Jöaiennfeffet" aelten. ohne daß