Erstes Blatt.
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des eerein. ea. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtlicher Orga» für ÄM- und Fmâms Hinan.
Erscheint tSgttch mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrllckmigsgebllhrt
Sie «gespÄtene Petttzeil« oder beten Natt» 20 PK im RellaoumteU die Zeile « PK
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Nr. 217 ^<-iH^>ted)nindi(.ff; ei». 230. Samstllg den 16. September
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Fernfprechanschlitsr Nr. 230 1911
Die heutige Nimm umsudi ausser isIuterhallmsSSW 16 Seiten.
Amtliches
Landespolizeiliche Anordnung betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau.
Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Bischofsheim und Windecken im Landkreise Hanau, sowie in Langenbergheim im Kreise Büdingen, bestimme ich in Erweiterung meiner landespolizeilichen Anordnung vom 8. Mai d. J. A III. 2152a — Amtsblatt Nr. 19, 6. 140/1 — folgendes:
1. Zu dem Sperrbezirk im § 1 treten die Gemeinden Bischofsheim und Windecken.
2. Das Beobachtungsgebiet im § 10 wird auf die Gemeinden Bergen-Enkheim, Fechenheim, Hochstadt, Dörnigheim, Wachenbuchen und Marköbel ausgedehnt.
Cassel den 13. September 1911. A III. 4372
Der Regierungspräsident.
I. B.: v. Wussow.
Candkreis Hanau.
Der Kreisvollziehungsbeamte Naumann in Gelnhausen ist bis auf Weiteres mit der Vertretung des erkrankten Kreisvollziehungsbeamten Schuhmann beauftragt worden. Hanau den 15. September 1911. A. 3610
Der Königliche Landrat.
J. V.: Karbe.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 1 Erdarbeiter, 1 Fahrbursche, 3 Hausburschen, 4 Monatsfrauen, 1 Schmied, 3 Schreiner, 1 Schuhmacher, 1 Polsterer und Tapezierer, 6 Taglöhner.
Offene Stellen. Gesucht werden: 8 Dienstmädchen, 2 tüchtige Köchinnen, 2 Vauschlosser, 1 Glaser (Rahmenmacher), 1 Küfer, 3 Wagner, 4 Schreiner, 2 Schmiede, 3 Schuhmacher, 2 Schneider, 7 Spengler und Installateure. 1 Bäcker-, 1 Glaser-, 1 Schlosser- und Schmiede-, 1 Schneiderund 1 Silberschmiede- und Formerlehrling.
Hanau den 16. September 1911. 22147
Stättische Arbeitsvermittelungsstelle.
Bekanntmachung.
Es wird beabsichtigt, den hiesigen öffentlichen Arbeitsnachweis auch für die Vermittelung von Lehrstellen aller Berufe kostenfrei nutzbar zu machen.
Wir richten deshalb an alle Interessenten das Ersuchen, ihren Bedarf an Lehrlingen bei der städtischen Arbeitsvermittelungsstelle — Langstraße Nr. 41 hier — anzumelden.
Ebenso werden Eltern und Vormünder ersucht, sich zur Erlangung von Lehrstellen der Vermittelungsstelle bedienen zu wollen, die Anmeldungen jederzeit gern entgegennimmt.
Hanau den 31. Oktober 1910. 1119
Der Magistrat.
Hild.
Politische Rundschau.
Der Kronprinz als Regimentskommandeur.
Danzig, 15. Septbr. Der Kaiser und der Kronprinz kamen um 12 Uhr auf dem Exerzierplatz an, wo die Leib- Husaren-Brigade im Viereck Aufstellung genommen hatte. Der Kaiser begab sich in die Mitte und der Chef des Militärkabinetts, Frhr. v. Lyncker, verlas eine Kabinettsorder über die Ernennung des Kronprinzen zum Kommandeur des 1. Leib-Husaren-Regiments. Der Kaiser hielt folgende Ansprache: „Leibhusaren! Ich habe dieses Regiment ausgesucht, um es den Händen meines Sohnes anzuvertrauen. Das Regiment ist, wie die ganze Brigade, eine Schöpfung des großen Königs, das von dem ersten Augenblick seines Bestehens in treuer Pflichterfüllung, in unentwegter Tapferkeit unb in verwegenem Husarenmut seinen Dank seinem großen König und Schöpfer abgetragen hat. Die hervorragende Geschichte des Regiments, welches fast an allen Gefechten und Schlachten teilgenommen hat, die unter dem großen König stattgefunden haben, hat auch späterhin das Regiment immer wieder zu neuen Taten geführt, so daß es als Auszeicknuna in die Nähe der Person des Königs von
Preußen gerückt ist und als Leib-Husaren-Regiment Seiner Majestät in der Armeeliste figuriert. In den schweren Zeiten vor hundert Jahren war es dem Regiment vergönnt, dem schwer geprüften König Friedrich Wilhelm III. einen Strahl der Freude zu bescheren und ihm sogar feindliche Trophäen zu Füßen zu legen. Das Regiment hat in Krieg und Frieden danach gestrebt und es auch erreicht, die Zufriedenheit feines Allerhöchsten Kriegsherrn zu erwerben. So lange ich regiere, habe ich mit Stolz und Freude Eure Uniform getragen, eine Uniform, die in hohem Ansehen steht in der ganzen preußischen Armee. Ich habe dieses bevorzugte Regiment ausgesucht, damit es der zukünftige Erbe der Krone Preußens und des Deutschen Reiches als Reiterführer befehlige. Ew. Hoheit übergebe ich nunmehr das 1. Leib-Husaren-Regiment in der Erwartung, daß Ew. Hoheit das Regiment in den bewährten Traditionen, in denen es bisher geführt worden ist, ferner führen werde und, durch Beispiel anfeuernd wirkend, es als eine Säule preußischer Tradition, des Gehorsams, der Hingebung bis zum letzten Atemzuge, und der Treue immer an der Spitze der Leistungen meiner Kavallerie halten werden. Ich übergebe Ew. Hoheit das Regiment mit dem Ersuchen, es zu übernehmen." — Der Kronprinz erwiderte auf die Ansprache des Kaisers: „Gestatten Eure Majestät, daß die Gefühle unwandelbarer Treue und Gehorsams, die mich und das Regiment bis zum Tode an Ew. Majestät fesseln, Ausdruck finden in dem Rufe: Seine Majestät der Kaiser, unser oberster Kriegsherr und erhabener Regimentschef, Hurra, hurra, hurra!" Die Kapellen beider Regimenter spielten die Nationalhymne. Als der Kaiser die Brigade in die Kasernements geführt hatte, nahm er noch einen Vorbeimarsch in Marschkolonnen ab. Es folgte ein Frühstück im Offizierkastno der Brigade. In dessen Verlauf trank der Kaiser auf den neuen Kommandeur des 1. Leib- Husaren-Regiments und der Kronprinz auf den Kaiser. Um 3 Uhr verließen der Kaiser und der Kronprinz das Kasino und begaben sich zur neuen Villa des Kronprinzen und besichtigten diese. Die Fahrt wurde sodann zum Bahnhof Lâgfuhr fortgesetzt unter lebhaften Kundgebungen des zahlreichen Publikums. Die Leib-Husaren-Brigade bildete Spalier. Der Kaiser reiste um 334 Uhr mittels Sonderzugs nach Marienburg, von wo er sich mit Automobil nach Cadinen zu begeben gedenkt.
Von der Grenze. Ein interessantes Moment ist von den an der deutsch-französischen Grenze sich abspielenden Divisionsmanövern zu vermerken. Die deutschen Truppen des Artillerieregiments Nr. 51 aus Straßburg standen bei St. Georges und das französische Militär, Artillerie aus Lune- ville, nur etwa 4 Kilometer entfernt bei Vlamont. Die höheren Offiziere beiderseits nahmen Veranlassung, sich durch die Feldstecher zu beobachten.
Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Jena wurde gestern nach einem Referate Bebels die Resolution über die Reichstagswahlen angenommen.
Kreta. Nach einer Meldnng der „Agence d'Athène" haben die Kretaschutzmüchte dem König von Griechenland der zur Zeit in Kopenhagen weilt, in einer Note am 11. September mitgeteilt, daß sie beschlossen haben, den Posten eines Oberkommissars, der durch das Ausscheiden Zaimis frei geworden ist, nicht mehr zu besetzen. Die Note betont, daß die Schutzmächte auf Grund des besonderen Rechts, das dem König im Jahre 1909 zuerkannt worden sei, auf diese Mitteilung Wert legen und das Vertrauen hätten, daß der König die Gründe dieses Beschlusses würdigen werde. Auch dem Exekutivkomitee ist gestern durch die Konsuln der Schutzmächte in Kanea in einer Note dieser Beschluß und die Erklärung übermittelt worden, daß am Status quo dieser Insel nichts geändert werden solle.
Znr Marokko-Frage.
Die Uebergabe der französischen Antwort.
Berlin, 15. Sept. Die französische Rückäußerung Met die deutschen Gegenvorschläge ist heute nachmittag hier überreicht und zivischcn dem Staatssekretär von Kiderlen-Waechter und dem Botschafter Cambon in längerer Unterredung erörtert worden. Die Einzelheiten entziehen sich naturgemaß der Kenntnis. Wir verraten aber kein Geheimnis, wenn wir nnnchmcn, daß die zweite schriftliche Mitteilung der französischen Regierung in verfdnebencH Punkten Entgegenkommen gegenüber deutschen Wünschen beweist. Zu cnngen Punkten liegen französische Wünsche vor, die sich im iveient- lichen auf redaktionelle 91 enbernncien zurückführen lassen. Daneben bleibt noch eine Reibe v°» Punkten, über bu hta.
her eine Einigung noch nicht erzielt ist. Die Verhandlungen werden daher weiter geführt, und cs ist zu erwarten, daß binnen kurzem eine neue schriftliche Zusammenfassung der nicht mehr strittigen und der noch zu vereinbarenden Punkte von deutscher Seite nach Paris mitgeteilt werden wird. Wir brauchen nicht zu sagen, daß nach diesen Eindrücken, deren Richtigkeit wir für verbürgt halten, die deutsch-französische Verständigungsarbeit einen guten Schritt vorwärts getan hat.
Ein Pariser Sensatiousgerücht.
Paris, 14. Sept. Heute nachmittag verbreitete dir „Patrie" durch Extrablätter auf den Boulevards die Nachricht, daß eine deutsche Ulanen • Abteilung bei SunéoiHe die Grenze überschritten habe. Das Ministerium deS Innern dementiert in kategorischer Form die Sensation?- Nachricht der „Patrie", die unter dem Alarmtitel i „Vive alerte â la frontière ! Cavaliers allemanda devant Luné- ville!" auf den Boulevards ausgerufen wurde. Die Meldungen aus Lunöville lauteten: „Eine Schwadron Chasseurs verläßt im Galopp Lunsville, um einer Abteilung Ulanen den Weg abzuschneiden, die bis 7 Kilometer von Lun^ville vorgedrungen ist. Militärradfahrer haben die Ulanen am Walde von PoroiS gesehen. Sie waren zu Pferde und trugen Drillichanzüge". Um halb 4 Uhr wurden die ersten Blätter verbreitet und den Kamelott? buchstäblich aus den Händen gerissen. Vor einem Cafä an der Ecke der Rue Vivienne las ein Herr die ersten Sätze vor; als er aber zu der Stelle kam, in der erwähnt wird, daß die dentschrn Ulanen „avec bourgerons de freillis", mit Drillichjacken, die Grenze überschritten hätten, brach er die Lektüre mit einem kräftigen Ausruf ab und warf das Blatt zusammen» geballt auf die Straße. Nach einigen Minuten neugieriger Erregung folgte helles Gelächter des Auditoriums. Eine amtliche Auskunft des Ministerium? des Innern besagt: „Nach einer an Ort und Stelle vorgenommenen Untersuchung hat der Präfekt des Departements Meurthe-rt-Moselle konstatiert, daß die Meldung jeder Begründung entbehrt. Nicht das geringste Ereignis ist zu erwähnen, daS zu dein Gerücht Anlaß geben konnte; es kann sich nur um eine Halluzination handeln". — Eine weitere Pariser Depesche berichtet, daß die merkwürdige Meldung nicht etwa von der „Patrie" glatt erfunden wurde, sondern daß wirklich gestern früh in gunéoiHe das Gerücht umging, wonach 25 deutsche Ulanen in der Umgebung der Stadt gesehen worden seien. Die französischen Militärbehörden machten sich auch tatsächlich auf die Suche nach den Ulanen. Major Magnin, der Stabschef der dortigen Kavallcriedivision, entsandte Gendarmen und eine Eskadron Chasseurs in die in Betracht kommenden Gemeinden und in die bezeichnete Richtung. Man fand aber keinen Menschen, der deutsche Reiter gesehen hätte. — Den Eindruck der Sensationsmeldung beim PariserPublikum schildert eine Depesche der Preßzentrale wie folgt: „In drei aufeinanderfolgenden Extraausgaben verbreitete die „Patrie" die Alarmnachricht, daß deutsche Ulanen bei Lunöville die französische Grenze überschritten hätten, und daß cs zu einem Gefecht zwischen der deutschen Kavallerie und französischer Infanterie und Gendarmerie gekommen sei. Die Nachricht rief die größte Bestürzung in der französischen Hauptstadt hervor. Zu Taufenden umstanden die Pariser die Rcbak- tionsgebäude der großen Zeitungen, um neue Nachrichten über das Gefecht zu erhalten. Die '„Patrie" fuhr inzwischen mit der Ausgabe von weiteren Extrablättern fort, in der immer neue Einzelheiten über den Zusammenstoß zwischen den deutschen und französischen Truppen gemeldet wurden. Obgleich in später Nachmittagsstunde die Meldung der „Patrie" als grober Schwindel gebrandmarkt wurde, verbreitete sich doch ungeheure Erregung, die alle Gesellschaftsschichlen ergriff, durch die ganze Stadt".
Der Fall Cartwright.
Wien, 15. Sept. Die Diskussion über den Fall Car!» wright wird noch immer fortgesetzt. Das Kommunique der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" wird hier von der Presse im allgemeinen als das gewürdigt, was es ist. Wer diplomatische Aktenstücke zu lesen versteht, weiß, daß btt deutsche Reichsregierung nicht etwa aussprach, daß sie an der Richtigkeit des Interviews zweifle, sondern lediglich festftellt, daß Cartwright die Verantwortung für das in der „Neuen Freien Presse" erschienene Interview nicht übernimmt. Zn den mit derartigen Angelegenheiten vertrauten Kreisen ziveifelt man übrigens nicht daran, daß Cartwright nicht mehr lange auf seinem hiesigen Posten verbleiben wird. Es ist schon ausgefallen, daß der Lordmayor von London in seiner Audienz beim Kaiser diesem nicht wie üblich durch den Botschafter, sondern durch den Bürgermeister von Wien »orge» stellt worden ist.