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Notattonsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein, «v. Waisenhauses in Hanau. *

General-Anzeiger

ANiliches Organ für Stoht- und Landkreis Kanan.

Erscheint ILgltch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Derantwortl. Redakteur: S. Schrecker te Han«.

^L 196 Fernsprecher,schlich Nr. 230.

Mittwoch den 23. August

Fernsprechanschlns; Nr. 230 1911

Amtliches.

Eandkreis Ranau.

An die Herren Bürgermeister des Veranlagungsbezirks.

Die Herren Bürgermeister erinnere ich an die Verfügung vom 26. August 1909, St. 2376, abgedruckt in Nr. 201 des „Hanauer Anzeigers" für 1909, betr. Einholung von Aus­künften über das Arbeitseinkommen. Angesichts der Lage des Arbeitsmarktes ist in diesem Jahre im allgemeinen, jedenfalls dann von der Befugnis des § 23 Einkstr.-Ees. (E. S. S. 139 von 1907) Gebrauch zu machen, wenn im vorigen Jahre von der Einziehung von Auskünften abge­sehen worden ist, oder Lohnbewegungen in letzterer Zeit stattgefunden haben.

Ich hebe noch folgendes hervor:

1. Den Arbeitgebern ist gesetzlich zur Auskunftserteilung eine Mindestfrist von 2 Wochen zu gewähren.

2. Soweit auswärtige Arbeitgeber in Frage kommen, muß die Anfrage an den Eemeindevorstand der gewerblichen Niederlassung gerichtet werden; eine unmittelbare Befra­gung des Arbeitgebers ist in diesem Falle nicht statthaft.

3. Die Anfragen an andere Gemeindevorstände dürfen nicht über den 15. September hinaus verzögert werden; die­jenigen an den Magistrat in Frankfurt a. M. müssen bis zum 31. ds. Mts. dem Rechneiamt daselbst zugehen.

4. Die Auskunftseinholung hat sich in der Regel auf das Einkommen zu erstrecken, welches der dauernd beschäftigte Arbeitnehmer seit dem 1. Januar des Auskunftsjahres oder seit dem späteren Beginn seiner Beschäftigung bis 30. Sep­tember desselben Jahres an Barverdienst und Naturalien bezogen hat.

5. Bei der Vorbereitung der Veranlagung durch den Ee­meindevorstand (Art. 40 ff. Ausf.-Anw. v. 25. 7. 06) können nicht in allen Fällen der Veranlagung lediglich 4 Dritteile des für die Zeit vom 1. Januar bis 30. September er­mittelten Verdienstes zu Grunde gelegt werden, sondern es ist zu prüfen, ob sich das Einkommen infolge besonderer Verhältnisse, wie z. B. Krankheit, Arbeitsmangel, anderer­seits durch Saisonbetrieb und dergleichen für das letzte Vierteljahr etwa abweichend gestaltet haben.

Die eingezogenen Auskünfte, die Sie mit den übrigen Veranlagungs-Vorarbeiten dem Vorsitzenden der ' Vorein- fchätzungskommifsion zustellen wollen und nach der Sitzung von diesem zurückzugeben sind, sind bei den diesseitigen Ve­reisungen der Voreinschätzungskommissionen zur Vorlage zu bringen.

Hanau den 21. August 1911. St. 2002

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

J. V.: Karbe.

ßinlijtim-$lwtiiirü-$HM SerWUen.

Wer in der Wetterau etwas bekannt ist, dem sind auch obige Namen nicht fremd, verknüpfen sich mit. ihnen doch alte geschichtliche Erinnerungen, mit welchen sich die Teil­nehmer des V. H. C.-Zweigvereins Hanau durch die Wanderung am verflossenen Sonntag bekannt machten. Im fruchtbaren Tale der Nidder liegt der Ort Lindheim, einst befestigt, und von größerer Bedeutung als heute, aber viel genannt und bekannt aus der Zeit der Hexenprozesse unter der Herrschaft seines berüchtigten Amtmannes Geis. In­teressante Bauten bietet dieser Ort, in Stein gehauene Wappen kann man vielfach sehen, und eine Gedenktafel hält das Andenken des Pfarrers Oeser, der unter dem Namen O. Glaubrecht volkstümliche Schriften verfaßte, und dem wir auch ein Schriftchen: „Die Schreckensjahre von Lindheim" verdanken, wach. In dem Parke der Witwe des Schrift­stellers L. v. Sacher-Masoch, wenige Schritte hinter der alten, höchst interessanten Kirche, steht der berüchlige Hexen­turm, ein Nest der früheren Befestigung, an welchem man noch die Vorrichtung um Oel siedend zu machen, in ihrer Ursprünglichkeit steht. Unser dörflicher Führer weiß uns viel Grauenhaftes jener Zeit zu berichten. Das Schriftstück, welches dem Amtmann Geis zum Deckmantel seiner Schand­taten diente, war ihm von den ©anerben der Burg Lindheim von Rosenbach, von Oeynhausen ausgesetzt worden, es ist aber bemerkenswert, daß ein Teil der übrigen Ganerben, worunter auch Isenburg, die Hand dazu nicht bot. Uebrigens beschränkte sich das Unwesen der Hexenprozesse nicht auf einzelne Städte und Gegenden, sondern ganz Deutschland war von dieser geistigen Verirrung angesteckt, und die blinde Justitia hat strenge Paragraphen formuliert, wie dem angeb­lichen Hexenunwesen auf* den Leib gerückt werden mußte. Ueber Enzheim führte der Weg die 42 Köpfe zählende Wanderschar und im Gegensatz ru der verdorrten, unter

Gefundene und verlorene Gesienstände :c.

Verloren: 1 Zwicker im Etui, 1 Mülleimer, gez. R. R., 1 silb. Eliederarmband, 1 goldene Damenuhr, 1 rotes Holzmodell, 1 brauner Herrenrock, in der Tasche ein Brief mit Geld.

Zugelaufen: 1 brauner Hund.

Hanau den 23. August 1911.

Zur Marokko-Frage.

Marokko.

Paris, 22. August. Die Unterredung des Botschafters Jules Cambon mit Caillaux und den Ministern de Selves, Selcaffé, Messimy und Cruppi, sowie dem Botschafter Barröre wurde heute nachmittag fortgesetzt. Bei der Unter­redung war auch der Kolonialminister Lebrun anwesend, während der Botschafter Paul Cambon fehlte.

Paris, 22. August. Aus Rabat wird gemeldet: Als Moinier am 18. August mit seiner Kolonne nach Udgru zurückkehrte, wurde er von einer Abteilung Zaers angegriffen. Die Kolonne zerstreute den Feind. Vier Mann der Gums wurden getötet, zehn Soldaten verwundet, davon 4 schwer. Moinier traf am 19. August mit seiner Kolonne bei Marchand ein und schlug am 20. August in Uidan sein Lager auf.

Die französischen Eeneralräte haben das Wort.

Paris, 22. Aug. Von den Kundgebungen in den Generalräten ist zunächst die des ehemaligen Kolonial­ministers Elemente! im Departement Puy de Dome hervorzuheben: „Gegenüber einer' nörgelnden und auf Umwegen operierenden Diplomatie, deren Verschlagenheit und Brutalität ich 1905 zu würdigen Gelegenheit hatte," rief der ehemalige Minister aus, „hat die gegenwärtige Regierung nicht nur die allgemeinen Interessen des Landes, sondern auch den guten Ruf Frankreichs auf der Welt zu verteidigen. Man glaubt jenseits der Grenze zu wiffen, datz Frankreichs Haltung, seine Freimütigkeit und seine Ehrlichkeit, die gleichzeitig versöhnlich und fest sind, die ganze rückhaltlose Zustimmung der ungeheuren Mehrheit des Landes hat. Das friedliche und edelmütige Frankreich, das in Träumen der allgemeinen Brüderlich­keit sich wiegte, scheint nicht mehr an die Möglichkeit eines europäischen Konflikts zu glauben, in die es hinein- gezogen werden könnte. Durch die langen Jahre des Friedens tn Waffen ermüdet, begann es seinen Bogen zu entspannen; dreimal in sechs Jahren ist es brutal an die Wirklichkeit erinnert worden; dreimal hat sich Frankreich vor drohenden und unverschämten Wider­sachern aufgeregt, die nur zurückzuweichen schienen, um einen günstigen Augenblick abzuwarten; dadurch wurde das ganze Land aufgerüttelt. Seither ist kein Opfer ge­

grauer Staubdecke liegenden heimatlichen Flur, erfreute sich das Auge an dem saftigen Wiesengrün, und den reiche Ernte versprechenden, in vorzüglichem Wachstum stehenden Feldern. Vor uns liegt der „Enzheimer Kopf", das Vorwerk zur Glauburg, deren Ringwälle schon 30 m weiter an den Ein­schnitten der Bewaldung erkennbar sind.

Um 9.15 Uhr war Glauberg erreicht und in der Gast­wirtschaft von Wwe. Schmidt wurde Frühstücksrast ge­halten. Um 10 Uhr begann der Aufstieg zur Glau­burg. Vorher aber war uns Gelegenheit geboten, in dem Schlossermeister Mai einen eifrigen Freund heimat­licher Geschichte kennen zu lernen, welcher mit Wort und Schrift sein Interesse an der Glauburg betätig. Der Glauberg 270 Meter hoch und nach allen Seiten steil abfallend, ist zu einer befestigten Anlage wie geschaffen. Ein dreifacher Gürtel von Erd- und Steinwällen umzieht ihn, und er bot den damaligen Bewohnern des Niddertales in gefährlichen Zeitläuften einen sicheren Schutz. Die Befestigungsanlage ist die ausgedehnteste vorgeschichtliche weit und breit, sie ist lediglich germanischen Ursprungs, und sie mit den Römern in Verbindung zu bringen ist unhaltbar. Der Gesamtum­fang der Gipfelumwallnng beträgt ca. 1700 Meter, die Länge 650, die Breite 100 Meier. Im Nordosten ist die Um­wallung heute noch ungefähr 12 Meter hoch. Aus vor­christlicher Zeit mag der Opferst ein, und der heilige Teich stammen, und die Vermutung liegt sehr nahe, daß ursprüng­lich ein heiliger Hain auf dem Gipfel sich befand. In das damalige Dunkel leuchtet die Fackel der Klio nicht, und auch später sind die Nachrichten über die Schicksale der Glauburg nur gering. Urkundlich ist das Vorhandensein einer Reichs- burg feststehend, nach 12o5 verschwindet sie aus bei Ge­schichte, und allem Anscheine nach hat der Jerstörungskrieg Kaiser Rudolfs gegen die Raubburgen auch iln ein Ende be­reitet Die Zerstörung muß übrigens recht gründlich statt- aefnuden haben, denn von einer Burganlage ist nichts mehr sichtbar und die übrig gebliebenen Mauern dienten höchst

scheut worden, die Armee hat rastlos gearbeitet, um ba5 Vaterland stolzer und kräftiger zu machen. Die gemein' same Kraftanspannung des ganzen französischen Volkes hat solche Ergebniffe erreicht, datz die Regierung der Republik heute, wenn sie sich auch bemüht zu einem ehrenvollen Abkommen für beide Länder zu gelangen, laut sprechen kann, wie jemand, den nicht mehr die herrische Stimme und der drohende Ton seines Wider­sachers erschreckt." Viel ruhiger und sachlicher erklärte der ehemalige Ministerpräsident Monis, wie schon kurz gemeldet, im Eeneralrat der Gironde: „Die Lage ist ernst, aber man darf ihre Schwere nicht übertreiben. Die Regierung hat das Vertrauen des Landes und hat alle Franzosen um sich vereint, die ihre Bemühungen zur Sicherung der Wohlfahrt und des Friedens freudig an. erkennen werden. Der Frieden ist allen Völkern teuer und besonders der arbeitsamen Ration, die Frankreich bildet. Aber damit der Friede dauerhaft sei, muß er sich in Rechten und ohne jede Unbill vollziehen.«

England und Frankreich in Marokko.

Das englische Fachblatt „The Economist* schreibt in seiner Nummer vom 19. August folgendes: Ob die All­deutschen nun in Marokko eine Kohlenstation oder ein Kolo- nistenfeld verlangten, so ist der entscheidende Beweggrund zu dem ganzen Vorgehen doch hier wie fast immer wirtschaftlich und finanziell. Die großen Interessen der Eisen- und Stahl­industrie beeinflussen Deutschlands Politik in einem Maße, das selbst in Deutschland nur wenig erreicht ist und sind in der marokkanischen Frage nach zwei Richtungen hin beteiligt. Marokko hat große Erzvorkommen, die dem Ausbeuter reichen Nutzen versprechen, und ferner steht das Land erst an der Schwelle der Entwicklung. Eisenbahnen müssen gebaut, Industrien eingeführt, alle die Bedürfnisse erfüllt werden, welche die Erschließung eines jungfräulichen Gebiets mit sich bringt. Solange der Grundsatz der offenen Tür in Marokko erhalten blieb, waren diese Interessen zufrieden, sich am Wett­streit zu beteiligen, um ihren Anteil zu erhalten. Wird Marokko aber eine französische Kolonie oder Schutzgebiet, so verschwindet diese Möglichkeit, und wenn Marokko verteilt werden soll, so find diese industriellen Interessen entschlossen, ihr Stück an der zukünftigen Entwicklung zu beanspruchen. Wie weit ihr Einfluß die deutsche Regierung vorwärts treiben wird, können wir augenblicklich nicht sagen, aber wir in England müssen uns darüber klar werden, daß der größte Teil der jetzigen Schwierigkeiten auf die Ausschluß- uns An­griffspolitik Frankreichs zurückzuführen ist und dürfen nicht vergessen, daß die englischen Handelsinterrssen in Marokko, da sie größer sind als die deutschen, auch härter getroffen werden, wenn die Republik das Sultansreich einsteckt. Man erinnere sich nur, daß die jetzigen Unruhen zweifellos aui I der Tatsache entspringen, daß die rasche Folge von französi-

wahrscheinlich der Umgegend als ein freier Steinbruch. Es sollen in nächster Zeit Ausgrabungen unter wissenschaftlicher Leitung vorgenommen werden, welche das Dunkel, das über der Glauburg schwebt, zu lichten vermögen. — Der Abstieg nach Rohrbach zu war höchst romantisch, vielfach ohne Weg, steil abwärts, von Baum zu Baum greifend, auch manchmal mit dem Erdboden unliebsame Bekanntschaft machend, kamen die Wanderscharen am Fuße des Berges an. Auf schatten­losem Wege weitermarschierend, wurde um 12 Uhr Rolirbach erreicht. Daselbst Rast bei Gastwirt Velde gehalten, ferner Weitermarsch durch Buchen, und zwischen diesem Orte und Büdingen, an der Ruhebank, Zusammentreffen mit dem V. H.-C. Zweigverein Frankfurt.

Gemeinsam mit diesem marschierte mau, am Anfang derStadt durch Herrn Kreisrat Boeckmann mit markiger Ansprache begrüßt, mit Musik (Hanauer Ulanen) in Büdingen ein. Mittagsrast war im Gasthaus „Zum Fürstenhof*. Nicht lange sonnte man sich da aufhalten, um 3'/, Uhr war mit den Büdiuger Schützen Ausmarsch nach dem sog. Hammer, einem schön gelegenen Platz in kühlem Wiesengrunde. Hier entwickelte sich rasch ein fröhliches Treiben, lustig knallten die Büchsen, lockend klangen die Weisen der Musik, zum Tanze einladend, herüber, wogegen man aber auch viele sehen konnte, die da friedlich und stillvergnügt an den Tischen saßen und unentwegt Gambrinus' Gabe würdigten. Schnell schwand die Zeit, und bei der PreiSverteilung konnten auch 2 Preise dem Hanauer V. H. C. zugcsprochrn werden. Ein gemütliches Zusammensein im Hotel Stern beschloß die Wanderung.

Ohne ruhmredig zu werden, mit dieser Wanderung hat der V. H. C.-Hanau erneut den Beweis geliefert, daß feine Bestrebungen, nicht nur zu wandern, sondern auf seinen Wanderungen auch zu schauen und den Pfaden der Geschichte zu folgen, mehr und mehr Beifall finden, davon zeugt daS rasche Steigen der Mitgliederzahl, die starke Beteiligung an den Wanderungen, und auch eine einmalige, im einrèluLU