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General-Anzeiger
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Vie Lgespalten« Petitzeil« oder deren Kauet 8) WA im RellamenteU die Bette 45 Psg.
Verantwortl. Redakteur: <3. Schrecker tat Hana»
Kr. 195 Fernsprechnnschlrrfi Nr. 230.
Dienstag den 22. August
netnfvrcdxtttfdihtf} Nr. 230 1911
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Für die Zeit vom 1. bis 30. September 1911 wird die Distriktsstraße von der Einmündung des Sommerkahlerweges bis Ernstkirchen für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Als Umgehungsstraße kommt der Weg über Sommerkahl in Betracht.
Hanau den 20. August 1911. P. 9049
Königliche Polizeidirektion.
J. P.: Karbe.
Gefundene und verlorene Geoenstände re.
Gefunden: 1 filb. Herrenuhr, 1 goldene Damenkette Mit Anhänger.
Verloren: 1 goldene Damenuhr Nr. 30930.
Entlaufen: 1 kleiner weißer Spitz „Max".
Hanau den 22. August 1911.
PoHtiTd^e RandTcbao.
Das deutsch-russische Abkommen. Die nationalen russischen Blätter sehen in der Verpflichtung Rußlands zu dem Bahnbau Hanekin-Teheran die Auslieferung des persischen Marktes an die deutsche Industrie und verlangen, daß die Regierung energisch den Anschluß Teherans an das russische Bahnnetz herbeiführe. Sie konstatieren sämtlich, die Potsdamer Verhandlungen hätten sich nicht auf Persien beschränkt, sondern das Verhältnis Deutschlands und Rußlands im allgemeinen und Deutschlands Verhältnis zur Türkei betroffen, was jedoch schriftlich nicht festgelegt worden sei. Im ganzen geht durch die Kritik der konservativen Presse ein süßsaurer Zug. Die liberalen Blätter schweigen noch.
Die Generalversammlung des Vereins» für Sozialpolitik wird am 9. und 10. Oktober in Nürnberg im Festsaale des Künstlerhauses staUfinden. Auf der Tagesordnung stehen zunächst „Fragen der Gemeindebesteuerung", über die Proß Dr. W. Lotz-München und die Stadträte Dr. Boldt- Dortmund und Dr. Wöll-Frankfurt a. M. am 9. Oktober reservieren werden. Daran schließt sich eine Besprechung, die erforderlichenfalls am 10. Oktober noch fortgesetzt wird. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildet ein Referat von Prof. Dr. Herkner-Charlottenburg über „Probleme der Arbeiterpsychologie unter besonderer Rücksichtnahme auf Methode und Ergebnisse der Vereinscrhebungen". Die Erörterung soll spätestens um 3 Uhr nachmittags geschlossen werden. Am 11. Oktober findet ein Ausflug nach Fürth zur Besichtiaung von Betrieben und WohlfahrtSeinrichiungen U»» ..... I . ......-J.... n^ , i MS
Abnehmende Tage. !
Leise, unmerklich fast, ist's gekommen: die Tage sind bei weitem nicht mehr so lang, wie beim offiziellen Einzuge des Sommers; Frau Sonne geht allgemach immer zeitiger zur Ruhe. Und draußen dehnen sich bereits die weiten Stoppelfelder. Auf den Wegen treibt sich das braun und gelb gemalte Laub herum, und es ist ein eigentümlich Rascheln zu unseren Füßen: welke Blätter. Rach dem Aufblühen und glänzenden Reifen der Natur die ersten Anzeichen des herbstlichen Vergehens. Ein bekanntes, sich alle Jahre wiederholendes Bild. Es ist das Natürliche, es kann gar nicht anders sein. Und doch, es liegt wie herbe, fragende Schwer- : mut darüber. Unwillkürlich vergleicht man's dem Menschen- , leben. Da geht's auch immer weiter und höher, und kräf- tiges Schaffensgefühl meistert die Hindernisse. Man spricht von glücklicher Jugend und schönstem Mannesalter, von - Mädchenknospen und hold erblühender Frauenkraft. Man ; hat sich eine soziale Stellung errungen, und vielleicht sind auch besondere Ehren und Auszeichnungen geworden. Man j sieht die Kinder heranwachsen und freut sich des ersten Enkelchens. Ja — und da ist, kaum daß man's gewahr wird, die Lebenshöhe überschritten. Hermann Lingg hat recht:
Ob auch noch stolze Freuden kommen Und alles uns noch glücken mag, Doch wirklich hat schon abgenommen Das Licht von unserm Lebenstag.
Man wird älter und älter. Die Arme und die Beine können nicht mehr fort, wie in früheren Tagen. Die Augen müssen eine immer schärfere Brille haben. Das Gedächtnis läßt nach, und die geistige Arbeit strengt recht an. Man fühlt sie in hundert Formen und Abstufungen, die Unbilden und Gebrechen des Alters. Abschiedsgedanken stellen sich ein. Man denkt nach über Leben und Sterben. Man überschaut das Gewollte und das Erreichte. Eines Taaes wird
statt, verbunden mit einem Vortrag im Volksbildungsheim (Berolzheimerianum).
Nach dem englischen Generalstreik. Aus London, 21. Aug., wird berichtet: Der Personenverkehr auf den Eisenbahnen ist hier tatsächlich wieder normal. Auch in den Provinzen kehren mit wenigen Ausnahmen normale Zustände zurück. Sehr unregelmäßig ist auch noch der Verkehr auf der Northeastern Bahn, namentlich in Manchester, wo die Eisenbahner noch streiken. Die Lage auf den dortigen Eüterbahnhöfen ist ernst. Große Mengen Lebensmittel verderben. Die Lage wird noch dadurch verschlimmert, daß auch die Fuhrleute streiken. Eine heute vormittag abgehaltene Versammlung verlief sehr stürmisch, da die Leute über eine Kundgebung der Eisenbahndirektoren sehr aufgeregt sind, wonach die Ausständigen nur nach Bedarf wieder eingestellt werden sollen.
Die Nit in den MMkMMndluWn.
Während in London am Sonntag wieder einmal ein falscher Kriegslärm tobte und die Redaktionstelephone vom Publikum eifrig benutzt wurden — es wäre eigentlich interessant zu erfahren, welche Auskunft zumeist gegeben wurde — weilte Kiderlen-Wächter im friedlichen Badenweiler und hat sich am Montag nach Beatenberg begeben. Am Montag ist Herr Cambon nach Paris gefahren und wird am Dienstag vormittag bereits „mündlichen Bericht" erstatten. Wie es heißt, wird er zuerst vom Minister des Aeußern und dann vom Ministerpräsidenten empfangen werden. Solange er in Paris weilt, wird er jedenfalls der Held des Tages sein. Wenn er dann voraussichtlich am 27. oder 28. August nach Berlin zurückkehrt, werden uns die „Heldensagen" von der Pariser Presse aufgetischt werden.
Der „Temps" benutzt natürlich die Gelegenheit der Veröffentlichung des deutschrussischen Abkommens, um Deutschland eines zu versetzen. Er macht einen kühnen Sprung von .Nordpersien nach Marokko und sagt: „Wenn Worte einen Sinn hätten, so müßte die Anerkennung der besonderen Interessen Rußlands in Nordpersien eine freundschaftliche Genugtuung für den Fall einschließen, da Rußland in dieser Gegend eine momentane, durch die Besonderheit seiner politischen Interessen gerechtfertigte Aktion auszuüben hat. Aber die Schiffsdemonstration von Agadir hat gezeigt, daß die deutschen Verzichte auf politische Betätigung unwirksam sind, wenn die Stunde schlägt, wo diese Versprechungen gehalten werden sollen. Deutschland hat Frankreich im Februar 1909 für Marokko, und zwar noch präziser, das versprochen, was es Rußland heute für Nordperfien versprochen hat. Das hat Deutschland aber nicht gehindert, seinen Verpflichtungen untreu zu werden, als es geglaubt hat, es könne alles, alles zu Ende sein. Johannes Müller sagt einmal: „Das Leben ist ohne Zweifel das größte Rätsel, das es für uns gibt, und wieder erfüllt es uns mit wortlosem Staunen; aber gleich nach ihm kommt das Problem des Sterbens. Je tiefer, gewaltiger und dauernder wir das erstaunliche Wunder des Lebens persönlich erleben, um so mächtiger erschüttert uns die grauenhafte Tatsache des Todes." Mag sein, daß die abnehmenden Tage eines Menschenlebens von einer gewissen Resignation umwoben sind. Aber unglücklich und freudeleer brauchen sie deshalb doch nicht zu sein. Johannes Trojan hat einen guten Rat gegeben, der auch vortrefflich auf das Altern paßt:
Klage nicht im engsten Kreise Festgebannt; auf deine Weise
Streb' und ring nach höchstem Preise; Kannst du nicht ins Breite gehen, Kannst du doch die Kunst verstehen, Ueber Niedres wegzusehen!
Der alte Wilhelm Raabe nennt's „Eoldzauberkreise", was die späteren und spätesten Jahre mit ruhigem Lichte verklären soll. Spätsommer und Herbst haben auch ihre Ehre. Man muß sie nur willig und verständnisvoll in den Wechsel der Zeiten schicken. Und wenn nur das Herz ein wenig jung bleibt, dann haben die abnehmenden Tage wahrlich nicht bloß eine drückende Schwere; sie sind dann mehr, wie eine harmonisch ausklingende Lebensmelodie.
Das 6teiich!när»cr^W
Nach dem Norwegischen von Hans Günther.
„Erwarte euch nächste Woche. Franck."
Dieses Telegramm sandte ich von meinem Bungalow*) in Ostindien aus an meinen Paten Melcher und seine Toch-
*) Bunaalaw oder Bangal? beißen in Indien die Sanbbämcr der Europäer sowie die von der Regierung unterhaltenen UnterkunftS- Häuser an einsamen Straßen.
sich, indem es seine Versprechungen zerriß, kleine Profite im Kongo oder ckfiderwärts verschaffen." — Man sieht, der „Temps" bleibt auf der Höhe und geht mit Eleganz über Frankreichs Expedition nach Fez und die beginnende „Tuni- sierung" Marokkos hinweg.
„Unsere stärkeren Nerven".
Unter dieser lleberschrift heißt es in einem bemerkenswerten Artikel der „Magdeb. Ztg.": „Aus England berichtet man ein kräftig Sprüchlein, daß unser Kaiser in Altengrabow getan habe. Bei der Kritik seis gewesen; eine Exzellenz hatte geäußert, daß so ein Flankenangriff der Kavallerie auf erschütterte Infanterie oder Artillerie im Ernstfall der moralischen Wirkung wohl nicht entbehren würde; könne man doch schon im Frieden die Nerven dem Eindrücke solcher einstürmenden Reitermasse nicht entziehen. Lebhaft hatte der Kaiser das Wort von den Nerven aufgegriffen: die Nerven unserer Generation seien ja schlecht, aber Gott sei dank hätten wir Germanen noch immer von allen die besten Nerven. Das würde sich zeigen, wenn im Ernstfall einer uns in den Weg treten sollte, wir würden ihm das Leder vollhauen, daß ihm die Lust, zum zweiten Mal zu kommen, vergehen sollte. Ein Bild, das uns das Herz höher schlagen machen könnte: Fern in Staub und Glut des brütenden Augusttages die wogenden Geschwader seiner Reiterregimenter, um ihn seine Offiziere, und dicht neben dem Kaiser der englische General French mit seinen Adjutanten. Die Nerven, von denen der Kaiser sprach, sie sind eben bei uns im allgemeinen noch besser als jenseits des Wasgenwaldes. Sie kommen uns nicht gleich aus der Hand, selbst wenn ein dem französischen Kriegsminister so nahestehendes Blatt wie die „France militaire" das Deutsche Reich als einen unbeachtlichen kneiferischen Gegner hinstellt. Ein starkes Stück, in der Tat, doch von einer guten Truppe muß man verlangen, daß sie im heftigsten Feuer, ohne zu schießen, aushält. Aus dem Vertrauen zur Regierung, zu dem man uns so nachdrücklich aufgerufen hat, mag die deutsche Presse auch solche Rüpeleien ignorieren: wenn wir ihnen nur unseren Willen aufzwingen, dann laßt sie schimpfen. Der Wille aber geht zunächst dahin, in Marokko zu bleiben. Wenn Asquith die marokkanische Frage eine solche nannte, die von Schwierigkeiten starre, so wird er, wenn ihm einiges völkerpsychologisches Verständnis eignet, sich darüber von vornherein klar gewesen sein, daß uns die Frage durch die betonten Schwierigkeiten nur um so mehr reizt. Sollen wir aber doch in Marokko auf politische Macht verzichten, dann müssen, wie wir immer wieder betonen, uns hieb- und stichfeste Garantien für unsere wirtschaftliche Betätigung gegeben und Kompensationen geboten werden, die wertvoller find, als ein in Händen von französischen Gesellschaften befindliches Französisch-Kongo. Je ter Anna. Wir hatten eine gemeinsame Urlaubsreife nach Europa verabredet, die ich gleichzeitig dazu benutzen wollte, um Anna zu werben. Doch sollte sie vorher ihr zukünftiges Heim kennen lernen, und deshalb hatte ich um ihren Besuch gebeten. Mein Telegramm wurde bejahend beantwortet. Einige Zeit vorher war mein neuer Assistent gekommen, der mich während meiner Abwesenheit vertreten sollte. Kurt Eckart war ein schöner junger Mann mit kecken, blauen Augen und von stattlicher Gestalt. Er fand sich schwer in unsere Einsamkeit, in der wir ost wochenlang keinen Europäer zu sehen bekamen. Unser nächster Nachbar war Paul Burgof, vor dem ich ihn eigentlich warnen wollte. Doch da Eckart stets in völlig gleichgültigem Tone von ihm sprach, nahm ich an, daß es Burgof wohl nicht gelungen war, ihm durch sein anleugbar anziehendes Wesen Sand in die Augen zu streuen. Ich ließ die Dinge also ihren Weg gehen.
Melcher und seine Tochter kamen. Ich hatte Anna länger als ein Jahr nicht gesehen und fand sie schöner als je. Ihr Vater war bei ausgezeichneter Stimmung, und so machte ich mir die schönsten Hoffnungen.
„Nun will ich alles sehen, was es hier zu sehen gibt* verkündete Anna am nächsten Morgen. „Ich will Dir nur gestehen, daß ich ein unverbesserlicher Globetrotter bin.
„Du möchtest also die Faktorei sehen?" fragte ich.
„Ja natürlich," antwortete sie munter. Und ich zeigt« sie ihr.
Am nächsten Tage spielte sie mit Eckart Tennis. Ich konnte nicht mittun, da ich beschäftigt war. Am dritten Tage fragte sie, ob es hier noch mehr zu sehen gäbe.
„Das Wichtigste steht Dir noch bevor: der Hindu» Tempel."
„So führe mich heute hin," sagte sie bittend.
Aber wieder zwang mich meine Arbeit, Eckart mit ihl öu schicken. Sie ging eifrig darauf ein, und nachmittag» machten sie sich auf den Weg.
Als wir abends auf der Veranda saßen. drehte sich dich