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Mauer K Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. ReLakteur: S. Schrecke« hl L««^

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Amtliches.

Landkreis Fjanau.

In der Gemeinde Sichertshausen, Kreis Marburg, ist ein Kraftfahrzeug mit dem Kennzeichen I T 8399 auf der Fahrt beobachtet worden. Da dieses Kennzeichen bisher nicht ausgegeben worden ist, liegt eine unbefugte Benutzung des Kraftfahrzeuges vor.

Ich ersuche die Polizeibehörden, den Kraftwagen mit den Insassen im Betretungsfalle anzuhalten und die Straf­verfolgung der begangenen Zuwiderhandlung herbeizu- ssihren.

Hanau den 19. August 1911. J. 5419

Der Könial. Landrat.

_________________J. V.: Karb e.

Stadtkreis F)an au. Verdingung.

Die zum Umbau des Hauses Marktplatz 18 erforderlichen Erd- und Maurerarbeiten sollen unter Zugrundelegung der „allgemeinen Bestimmungen für Vergebung städtischer Ar­beiten und Lieferungen" öffentlich verdungen werden.

Bedingungen und Angebotsunterlagen sind vom Stadt­bauamt, Zimmer Nr. 18, während der Sprechstunden, gegen Entrichtung von 1 Mk. zu beziehen.

Verschlossene und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis Samstag den 26. d. M., vormittags 11 Uhr, bei der vorbezeichneten Dienststelle einzureichen, woselbst um diese Zeit die Eröffnung der Angebote statt- findet.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Hanau den 18. August 1911. 19961

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Es wird beabsichtigt, den hiesigen öffentlichen Arbeits­nachweis auch für die Vermittelung von Lehrstellen aller Berufe kostenfrei nutzbar zu machen.

Wlr richten deshalb an alle Interessenten das Ersuchen, ihren Bedarf an Lehrlingen bei der städtischen Arbeitsver- mittelungsstelle — Langstraße Nr. 41 hier — anzumelden.

Ebenso werden Eltern und Vormünder ersucht, sich zur Erlangung von Lehrstellen der Vermittelungsstelle bedienen zu wollen, die Anmeldungen jederzeit gern entgegennimmt.

Hanau den 31. Oktober 1910. 1119

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Die Geschäfte der sämtlichen Abteilungen des Amts­gerichts Hanau mit Ausnahme der Abteilung IV (Straf­sachen) werden vom 21. August 1911 ab im Neubau des Justizgebäudes — Nußallee Nr. 17 — erledigt. Letztere arbeitet bis einschließlich den 22. August d. Js. in den bisherigen Geschäftsräumen — Bangert Nr. 2/4 — vom 23. d. Mts. ab ebenfalls im Neubau.

Hanau den 19. August 1911. 20003

Königliches Amtsgericht.

Politische Rundschau.

Der Kaiser an die Primaner des Casseler Fride­ricianums. Der Kaiser, der bekanntlich in Cassel das Gymnasium besucht hat, fühlt sich mit dieser Anstalt noch durch persönliche Beziehungen verbunden. Da? kam auch bei einer kleinen Feier zum Ausdruck, die am Samstag in Schloß Wilhelmshöhe statifand. Vormittags 10 Uhr erfolgte dort die Uebergabe einer neuen Fahne an die Prima des Casseler Fridericianums anstelle der alten Fabne, die Kaiser Friedrich der Prima geschenkt hat. Die Schüler der Prima des Fridericianums stellten sich auf der Terrasse des Schlosses nach der ^crknlesseite auf, mit ihnen der Direktor, das Lehrerkollegium unb einige Konabiiurienten des Kaisers. Der Kaiser erschien in Holjagduniform in Begleitung des General- adjutanten Plessen ' und des diensttuenden Flügeladjutanten. Er hielt eine längere Ansprache, in der er ungefähr nus­führte : „Die Primaner möchten die Freude am Schönen bewahren, das sie aus der Harmonie der klassischen Bildung schöpften, dann aber aus dem Studium der Geschichte des deutschen Volkes zu lernen suchen, wie sie an der Größe des deutschen Volkes Mitarbeiten könnten, an ihrem Teil nur als Deutsche, ohne beengt zu sein von den Grenzen der Partei. Als Studenten sollten sie Sport treiben, auch denjenigen bei

Montag den 21. August

Rappiers, aber den Alkoholmißbrauch meiden. Der Kaller erwähnte hierbei das Beispiel der amerikanischen Studenten und übergab die Fahne dem Primus". Der Direktor er­widerte mit einer Ansprache, die Schüler brachten ein drei­faches Hurra auf den Kaiser aus. Der Kaiser ließ sich danach die Lehrer und die Primaner vorstellen. Die Kaiserin und die Prinzessin wohnten dem Akt vom Schloß­fenster ans bei. Nach Schluß der Feier wurden Lehrern und Schülern Erfrischungen gereicht. Zn der Ansprache des Kallers, die in der obigen Form von „Wolffs Telegraphen- Bureau" verbreitet wird, bringen Berliner Blätter noch fol­gende Ergänzungen: Der Kaiser ermahnte die Schüler, den alten Spruch zu beherzigen, daß sie nicht für die Schule, sondern für das Leben zu lernen haben. Sie müßten sich der Pflicht bewußt werden, daß sie dereinst berufen seien, als tüchtige Staatsbürger dafür einzutreten, daß Deutsch­land den ehrenvollen Platz, der ihm in ernsten Zeiten in der Geschichte zugewiesen worden sei, behaupten könne. Dazu bedürfe eS der Mitarbeit jede? einzelnen, und es sei wertvoll, daß sich auch die Schüler dieser Pflicht bewußt würden und in diesem Sinne tätig seien.

Der 81. Geburtstag des Kaisers Franz Josef wurde in der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie festlich be­gangen. Die Blätter veröffentlichen herzlich gehaltene Fest­artikel. In den Kirchen und sonstigen Gotteshäusern wur­den feierliche Gottesdienste abgehalten. Wien trug reichen Festschmuck auf den Straßen. In Ischl, der Sommerresidenz des Kaisers, wohnten die dort weilenden Mitglieder des Kaiserhauses und Prinz Leopold von Bauern mit Familie dem Hochamte in der Pfarrkirche bei. Der Kaiser hörte eine Messe in der kaiserlichen Villa.

Der sozialdemokratische Verband der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter, der erst vor zwei Jahren in Berlin ge­gründet wurde, hat bereits 11232 Mitglieder erreicht, welche sich in 425 Ortsgruppen gliedern. Zur Ausbreitung der Verbandsbestrebungen sind fünf Agitationsgebiete ein­gerichtet, die wiederum in eine große Zahl von Ortsgruppen zerfallen. Die Gesamteinnahmen an Beiträgen und Ein­trittsgeldern beliefen sich bisher auf rund 57 000 Mark. Sie setzen sich zusammen aus den Eintrittsgeldern von 20 Pfg. und aus den Monatsbeiträgen von 30, 60 oder 80 Pfg. je nach Höhe der Löhne. Für die Agitation werden erhebliche Mittel verwendet, über eine Million Flugblätter wurden bisher durch den Verband verteilt. — Die Arbeitgeber wer­den dieser Agitation ihre größte Aufmerksamkeit zuwenden müssen.

Levensmittelteuerung in Sicht. Kompetente rheinische Landwirtschaftskreise versichern, innerhalb weniger Monate würden die Fleischpreise eine Höhe erreichen, wie nie zuvor. In großen Distrikten seien die Landwirte gezwungen, wegen völligen Futtermangels ihren Viehbestand gänzlich aufzu­geben. Gegenwärtig wird viel Jungvieh abgeschlachtet. Dazu kommt, daß das Ende der Maul- und Klauenseuche nicht vorauszusehen ist. Auch die Milch, die Butter- und Brotpreise sollen demnächst eine bedeutende Erhöhung er­fahren. Ein gleiches wird aus den holländischen Erenzbe- zirken gemeldet.

Beendeter Streik der Breslauer Herrenkonfektions­schneider. Der Streik der Breslauer Herreukonfektians- schncider ist nach fünfwöchentlicher Dauer auf Grund eines neuen, für die Arbeitnehmer günstigeren, dreijährigen Tarifes beendet worden.

Der Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen Frank­reich und Japan ist als Ersatz für den am 4. August abge­laufenen Vertrag von 1896 unterzeichnet worden. Der auf 10 Jahre abgeschlossene Vertrag sichert den beiden Nationen gegenseitige Meistbegünstigung zu.

Russische Spione in Galizien. Die Polizei zu Krakau hat eine Spionageaffäre von großem Umfange aufgedeckt. Dor zwei Tagen wurden zwei Männer unter dem Verdacht der Spionage zugunsten Rußlands verhaftet. Sie haben nun­mehr auf dem Krakauer Polizeibureau den Militärbehörden ein umfassendes Geständnis abgelegt und eingestanden, im Auftrage des russischen Generalstabes in Galizien Spionage betrieben zu haben. Der eine der Verhafteten ist der russische Staatsbürger Piezhocpnski. Er gehört zu jenen russischen Spionen in Oesterreich, die vor zwei und drei Jahren von dem ehemaligen russischen Militärattache in Wien, Obersten Maschtschenko, organisiert wurden. Wegen seiner übereifri­gen und allzu auffälligen Tätigkeit im Interesse russischer Spione gegen Oesterreich ist Maschtschenko bekanntlich im vorigen Jahre aus Wien auf Betreiben der österreichischen Regierung abberufen worden. Der verhaftete Piezhocunski gestand, daß er zur Zeit der serbischen Krise Anweisung erhalten hatte, im Auftrage des russischen Generalstabes seinen Vorgesetzten, den Obersten Maschtschenko, zu kon­trollieren, so daß also ein Spion den anderen überwachte!

Fernsprechattschlits; Nr. 230 1911

P. soll übrigens, wie die Krakauer Polizei behauptet, ein alter Spion und schon von dem russischen Konsul in Lemberg, Pustoszki, engagiert worden sein. — Der zweite Verhaftete nannte sich Maximowitsch und gab an, russischer Staatsange­höriger zu sein. Es wurde festgestellt, daß er mit einem ge­wissen Bogislav Kouzel identisch sei. Kouzel diente eben­falls als Unteroffizier in der österreichisch-ungarischen Armee, desertierte dann und ging nach Rußland; der russi­sche Eeneralstab engagierte ihn als Spion. Kouzel soll in Lemberg die Aufgabe gehabt haben, sich mit der inneren Einrichtung des Korps-Kommando-Gebäudes vertraut zu machen. Er gab vor dem Richter die allerdings etwas un­wahrscheinlich klingende Geschichte zum besten, daß ein großer Einbruch in das Korps-Kommando-Gebäude geplant ge­wesen sei, um sich wichtiger Festungsskizzen zu bemächtigen.

Die Pause in den Marokkoverhandlungen. Der Reichs­kanzler und der Staatssekretär sind von Wilhelmshöhs wieder abgereist. Der Reichskanzler ist wieder in Berlin eingetroffen und v. Kiderlen-Wächter ist in seine schwäbisch« Heimat abgereist. Botschafter Cambon trifft seine Reise­vorbereitungen und wird Anfang nächster Woche in Paris sein, um dort den Herren im ElysSe mündlich Bericht zu erstattten. Alles in allem genommen weiß die Oeffentlich- keit eigentlich bis jetzt nur eines bestimmt: Frankreich hat die Grundlagen für die Verhandlungen vorgeschlagen; Deutschland hat sie akzeptiert. Die Grundlagen sind die wirtschaftlichen Garantien in Marokko und Eebietsent- schädigung für Deutschland im französischen Kongogebiet.— Der ehemalige Gouverneur von Kamerun v. Puttkammer kommt in der „Tägl. Rundschau" bei der Besprechung der Kompensationsfrage zu folgendem Ergebnis: „Also Kom­pensationen! Gut — aber wo? Natürlich in Kamerun, unserer besten Tropenkolonie, die dem französischen Kolo­nialreich in Afrika so nah benachbart, so innig verwandt ist. Der ganze Congo ftanxais? Kaum denkbar. Also Gabun mit Libreville und dem an den Etat Jndependant Beige du Congo angrenzenden Süden. Das erscheint auf den ersten Blick sehr gut — eine glänzende Arrondierung unseres westafrikanischen Besitzes. Aber man sehe nur näher hin, an der Hand der Karte. Das ganze Land ist aufgeteilt in etwa 34 Konzessionen, die mit den ausgedehntesten Rechten, teilweise sogar mit Hoheitsrechten auf undenkliche Zeiten ausgestattet — und die fast sämtlich „Pleite" sind. Das wäre also ein Unding und ganz undenkbar. Milliarden würden dazu gehören, die Rechte dieser rein französischen Gesellschaften abzulösen — und es würde in diesen mir nur zu gut bekannten wilden, noch keineswegs unterworfenen Gebieten, nicht einmal profitabel sein. Von solchen Lände­reien haben wir in Kamerun selbst schon übergenug. Also nichts damit. Statt dessen biete man uns den Norden des Congo Francais, das sogenannte „Territoire militaire du lac Tschad". Das heißt Bagirmi, Wadai und was darunter liegt bis zum Ubangi. Ja, was sollen wir denn damit? Ein unfruchtbares, von fanatischen Mohammedanern beherrschtes Gebiet, in dem nichts zu holen ist als Schlappen. Um dies Gebiet zu besetzen, müßte die Kameruner Schutztruppe auf das Doppelte erhöht werden, und wir würden für eine ganz nutzlose Sache mit schwersten Opfern auf der ganzen Nord­linie ständig geben den Islam (Senufsi usw.) zu fechten haben. Wir haben am Tschadsee mit Dikoa, Gulfei, Kusseri u. a., also mit den Gebieten zwischen der englischen Grenze und dem Schari-Fluß, gerade genug, übergenug von jenen Ländern, die Barth und Flegel so trefflich geschildert haben. Denn wir besitzen Deutsch-Vornu mit Dikoa, wir besitzen das wunderbare, wahrscheinlich goldführende Mandara mit der berühmten Hauptstadt Mora, wir besitzen vor allem das wirklich wertvolle Adamaua, das jedem Kolonialfteund aus Passarges ausgezeichnetem Buch hinlänglich bekannt ist. Dies mit zwei deutschen Residenturen besetzte, gut bevölkerte Gebiet könnte allerdings durch ganz geringfügige Abtre­tungen seitens Frankreichs zweckmäßig arrondiert werden. Heute schon bildet der Schari-Fluß bis zur Spitze des be­rüchtigten Entenschnabels unsere Grenze dort oben gegen das französische Gebiet des Tschad. Man verlängere diese Grenze den Schari südwärts etwa über Fort Archambault bis Fort Crampel, ziehe von dort unter möglichster Aus­nutzung der Wasserwege eine Linie bis Fort Carnot und lasse dann den Sanga-Fluß bis Ouesso die Grenze bilden. Das wäre eine vernünftige und vorteilhafte Arrondierung für Kamerun, welche die wichtigen, mit Wamaua eng zu­sammenhängenden Landschaften Binder, Lere, Lame, Lai, Kunde u. a. in unseren Besitz brächte. Eine solche Erenz- verschiebung würde unser Ansehen in der islamitischen Welt von Jnnerafrika — durch Marokko schon geschmälert — we­sentlich stärken, ohne uns übertriebene Lasten aufzuerlegen. Man wird hier einwenden, das sei nicht genug für unser Marokkoopfer. Nun, dann bleibt immer noch ein Ausweg,