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^t« 182 Aernfprechanschlits; Nr. 230.
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Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Die Arbeiten zur Herstellung eines erhöhten Bürgersteiges in der Gärtnerstraße zwischen Weber- und Grimm- straße sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und die Lieferung von Materialien für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 22, zur Einsicht aus und können von dort gegen Entrichtung von 1 Mk. bezogen werden.
Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am Montag den 14. d. M., vormittags 11 Uhr, einzureichen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.
Zllschlagsfrist 4 Wochen.
Hanau den 1. August 1911. 18899
Der Magistrat.
Dr. E e b e s ch u s.
Bekanntmachung.
Die Arbeiten zur Herstellung eines erhöhten Bürgersteiges in der Weberstratze sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und die Lieferung von Materialien für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 22, zur Einsicht aus und können von dort gegen Entrichtung von 1 Mk. bezogen werden.
Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am Montag den 14. d. M., vormittags 11 Uhr, einzureichen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.
Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Hanau den 1. August 1911. 18901
Der Magistrat.
Dr. Eebeschus.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 28. Juli bis 4. August 1911:
3 Hausburschen, 7 Tagelöhner.
Gesucht werden 3 Dienstmädchen.
Im Monat Juli erhielten Stellen zugeryiesen : 1 Ausläufer, 4 Bauschlosser, 1 Eisenformer, 8 Erdarbeiter, 1 Fahrbursche, 3 Hausburschen, 2 Spengler, 1 Schneider, 3 Schreiner, 5 Schuhmacher, 3 landw. Tagelöhner, 38 sonstige Tagelöhner, 2 Tapezierer, 3 Weißbinder.
Hanau den 5. August 1911. 18981
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
PolitiTtbe RundTcbao.
Opferwillige deutsche Jugend. Ein prächtiges Beispiel opferfreudiger deutscher Gesinnung gaben die Schüler des von den Benediktinern des Stiftes Kremsmünster in Oberästerreich geleiteten Gymnasiums. Sie faßten im Februar d. J. den Beschluß, einen Rosegger-Baustein zu sammeln, und haben bereits vor kurzem die volle Summe von 2000 Kronen nebst einem Betrage von 118 Kr. für den Bosnischen Schulfonds an den Wiener Schulverein abgeführt. In dem Begleitschreiben der jungen Leute heißt cs: „Was wir geben, sind meist Ersparnisse von unserem Taschengeld; aber wir gaben gerne den Heller in treuer Liebe für unser deutsche? Volk, in glühender Begeisterung für die Größe des Deutschtums, für die Erhaltung unserer teuren Muttersprache." — Es wäre schän, wenn die Jugend unserer reichsdeutschen höheren Schulen sich an diesen Kameraden aus Deutsch - Oesterreich ein Beispiel nähme und auch durch kleine Opfer des einzelnen die nationale Hilfsarbeit im Auslande fördern Hülfe. Der Verein für das Deutschtum im Auslande könnte für seinen Supendiensonds, der dazu bestimmt ist, tüchtigen jungen Deutschen aus dem Auslande das Studium an reichsdeutschen Hochschulen zu ermöglichen, eine solche Förderung wohl gebrauchen und würde sie sicher gerade von dieser Seite besonders freudig begrüßen als Zeichen, daß er für seine be- deuiungsvolle vaterländische Arbeit die deutsche Jugend hinter stch hai.
Generalstreik in der Nürnberger Blechspielwaren- .ndustrie. Die Verhandlunaen der Arbeitgeber und der
Montag den 7. August
Arbeitnehmer der Nürnberger Blechspielwarenindustrie sind gescheitert. Vor einiger Zeit brach in einigen Firmen ein Teilstreik aus. Die Arbeitgeber beschlossen eine 60prozentige Aussperrung. Die Arbeitnehmer antworten mit dem Generalstreik, der gestern nachmittag einsetzte und über 3000 Arbeiter umfaßt.
Truppenlandungen in Haiti. Nach einer Meldung des „Newyork Herald" aus Cap Haitien landeten alle Kriegsschiffe ihre Truppen. Zwischen deutschen Marinetruppen und Eingeborenen, die die Läden ausplündern wollten, kam es zu einem Zusammenstoß. Die Eingeborenen schossen auf einen deutschen Offizier, den sie für einen Anhänger Firmins hielten, und auf ein Boot mit deutschen Marinetruppen. Englische und deutsche Truppen patrouillieren auf den Straßen.
Marokko.
„In ernsten Stunden".
Berlin, 5. Aug. Zu den Marokkoverhandlungen bringt heute die „Nationalliberale Korrespondenz" unter der Ueber- schrift: „In ernsten Stunden" einen bemerkenswerten Artikel, der darauf hinweist, daß der Tag, an dem unsere Kriegsschiffe den Hafen von Agadir verlassen wurden, um für immer diese? große afrikanische Küstenland bedingungslos den Franzosen zu überlassen, die Schaffung eines norbaftikanischen Kolonialreichs für Frankreich bedeuten würde, dem Deutschland nichts Ebenbürtiges an dir Seite fetzen könne. Die „Natlib. Korr." meint weiter: Millionen von Deutschen würden einen solchen Ausgang der deuischen Marokkopolitik als einen Beweis tiefster nationaler Schwäche ansehen, als den Tag, der die erste große Niederlage seit Gründung des Deutschen Reiches bedeute. Sie warnt zwar vor vorschnellen Urteilen über den Kaiser und die Regierung, indem sie meint, man kenne ja den Inhalt der Abmachungen noch nicht genau, anderseits bestehe aber das Unerhörte an diesen jetzigen Vorgängen darin, daß das deutsche Volk und seinegesetzmäßige Vertretung, der Deutsche Reichstag vollständig als quantité négligéable betrachtet würde. Die „Natl. Korr." hebt hervor: Der Deutsche Reichstag sei nicht dazu da, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, um dann im Herbst eine Kritik an dem zu üben, worüber jetzt endgültig entschieden werde. Zum Schluß weist die „Natl. Korr." darauf hin, daß die wenigen Personen, in deren Händen jetzt das Wohl und Wehe dieser wichtigen Frage deutscher Weltpolitik liege, gar nicht imstande seien, die volle Verantwortung für die Schwierigkeiten allein zu tragen. Sie fordert aus diesem Grunde die Einberufung des Reichstages, noch bevor die Verhandlungen mit Frankreich endgültig geschlossen seien.
Stimmungsbild aus Agadir.
Köln, 5. Aug. Die „Köln. Ztg." meldet aus Agadir: Die Eingeborenen begegnen den Matrosen auf den Spaziergängen sehr freundlich. Die Anwesenheitt des Kriegsschiffes hat eine völlige Veränderung in den Existenzbedingungen der Europäer gebracht, die früher hier nicht geduldet wurden, wie der französische Geologe Gentil bezeugen kann. Die Nachricht eines französischen Berichterstatters, die Matrosen gingen bewaffnet an Land und die Offiziere auf die Jagd, ist völlig aus der Luft gegriffen. Kein Matrose oder Offizier bat noch eine Waffe an Land gebracht und kein deut- scher Offizier noch je die Jagd ausgeübt, obwohl sie dazu ebenso berechtigt wären wie der französische Berichterstatter. Gestern weilte ich den ganzen Tag auf der Jagd in der Um- gcbung der Stadt, wobei meine und meiner Begleitung Schüsse bei einem von wilden Gebirgsstämmen besuchten Markte mindestens die gleiche Beunruhigung wie die Schießübungen der „Berlin" hätten hervorgerufen werden müssen. Aber unsere Schüsse auf Wildiauben, Rebhühner und Gänse erregten lediglich das weidmännische Interesse der Eingeborenen. Dieselbe Erfahrung haben die hier weilenden Vertreter der französischen Presse gemacht. Statt uns nun für die Ermöglichung, in Agadir zu leben, zu danken, verspricht der französische Konsul in Mogador den hiesigen Kais französische Orden, falls sie dem deutschen Vorgehen entgegen- arbeiten. Da unsere Handlungen lediglich den Frieden bringen und den Handel begünstigen, kann diese Lockung nur Unfrieden stiften. Einstweilen ist die Bevölkerung völlig abgeneigt, solchen Lockungen zu folgen. Der ganze Sus ließ dem im französischen Auftrag handelnden Kaid Mtuggi melden, als er seinen Besuch im Namen des Sultans und der Franzosen ankündigte, weder er noch die Franzosen würden ohne Kampf den Sus betreten. Das gleiche ließen die Kaids Anflus Eelluli und Koremi ihn wissen, falls er ihr Gebiet besuchen wollte. Alle Susstämme erwarten von Deutschland die Eröffnung Agadirs und den Schutz des Handels in Südmarokko. Die Mogadorer Kauf
Kernsprechanschlittz Nr. 230 1911
mannschaft, soweit sie ernst zu nehmen ist, hat längst mit der Eröffnung Agadirs gerechnet und würde hier sofort Zweiggeschäfte eröffnen. Ein Hafen, der dem Susgebiet um vier Kameltagereisen näher liegt, kann heute nicht mehr geschlossen bleiben.
Deutsche Korpsstudenten an Kiderlen-Wächter.
Halle, 5. Aug. Der Kösener Kongreß deutscher Korps, studenten hat folgendes Telegramm an Exzellenz von Kiderlen-Wächter gesandt: „Die in Halle zu außerordentlicher Tagung versammelten deutschen Korpsstudenten gestatten sich, Eurer Exzellenz zu der tatkräftigen Vertretung deutschnationaler Interessen ihre Begeisterung und ihr freudiges Vertrauen kundzugeben, und geloben treue Gefolgschaft zur Wahrung vaterländischer Ehre und Größe.-
Berlin, 5. Aug. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung* schreibt: Die „Post", die wir in diesem Falle nicht als das, Organ der freikonservativen Partei anerkennen, veröffentlicht einen Artikel, in dem sie, ohne über den Stand der Marokkoverhandlungen im geringsten unterrichtet zu sein, von einem Augenblick unsäglicher Schande, einer Demütigung Deutschlands, vom Rücktritt des Reichskanzlers, des Staatssekretärs des Aeußern und einem neuen Olmütz phantasiert. Wir würden diesen Ausgeburten eines überreizten Gehirns keine Beachtung schenken, wenn nicht die „Post" sich am Schluß ihrer Ausführungen erdreistete, dem Kaiser, unter der feigen Form rhetorischer Fragen, politische Schwäche, ja Begünstigung des Auslandes zum Schaden deutscher Interessen vorzuwerfen. Die „Post" eignet sich mit diesen Ausführungen Gedanken an, denen wir nur bei ausländischen Schmähartikeln zu begegnen gewohnt sind. Der Versuch, solche Nichtswürdigkeiten unter dem Schein patriotischer Besorgnis der deutschen Presse zu verbreiten, verdient die schärfste Zurückweisung.
Berlin, 6. Aug. Die „Post" gibt heute ihren Lesern Kenntnis von der ungewöhnlich scharfen Zurückweisung, die einer ihrer letzten Artikel von amtlicher Seite erfahren hat, und schreibt: Wir bestätigen der „Nordddeutschen Allgemeinen Zeitung" gern, daß wir hier nicht als Organ der fteikonservativen Partei geschrieben haben. Wir können aber der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" versichern — falls sie es nicht wissen sollte — daß wir uns einig wissen mit der großen Mehrzahl aller nationalgesinnten Männer. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dürste sehr erstaunt sein, wenn sie wüßte, welche Leute hier — gewiß aus tiefster Erregung in einer der ernstesten Stunden unseres inneren und äußeren politischen Lebens — aus der Seele gesprochen haben, beziehungsweise, wir glauben gar nicht, daß die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erstaunt wäre, denn sie wird es selbst wissen. Wir ehren die Männer, die als Diener ihres Herrn ihn mit ihrer Person decken, wir verstehen ihr Verhalten und würden wahrscheinlich an ihrer Stelle auch nicht anders gehandelt haben. Wir wollen deshalb gegen die Schroffheit ihres Verhaltens nichts weiter sagen!
Berlin, 6. Aug. Die .Morddeutsche Allgemeine Zeitung* schreibt in ihrer Wochenrundschau: Ueber den Fortgang der deutsch-ftanzösischen Unterhandlungen in den afrikanischen Fragen wurde Freitag amtlich mitgeteilt, daß eine Annäherung über den prinzipiellen Standpunkt stattgefunden habe. Die Einzelheiten unterliegen indes noch genauer Prü, fung und näherer Vereinbarung. Deshalb müssen die beiden Regierungen sich bis auf weiteres versagen, der Oeffentlich- keit Mitteilungen zu machen. Dadurch würde, wie die „Westminster Gazette" zutreffend bemerkte, das Ergebnis der Verhandlungen in Frage gestellt werden. Der Mahnung des englischen Blattes zu geduldigem Abwarten muß man sich anschließen. Gern sei festgestellt, daß die deutsche Presse in den großen Blättern aller bürgerlichen Parteien gegenüber manchen ausländischen Beunruhigungsversuchen kühl und vertrauend geblieben ist.
Paris, 6. Aug. Wie die Agence Havas aus El Ksat unter dem 5. August meldet, nahm Rittmeister Ovilo die Kaserne des Kaids Slbd es Selam in Besitz. Es ist dies die letzte, die die Truppen des Maghzen noch besaßen. Ein Teil der Soldaten wird in der Kaserne festgehalten.
Madrid, 6. Aug. Heute vormittag fand hier eine von dem Allgemeinen Arbeiterverbande Spaniens und der Allgemeinen Arbeitervereinigung Frankreichs einberufene Versammlung statt, in der gegen jede kriegerische Eroberung Marokkos Verwahrung eingelegt wurde. Die französischen Vertreter gaben die Versicherung ab, das Proletariat Frankreichs werde sich jeder kriegerischen Unternehmung durch Generalstreik und Sabotage widersetzen.