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Geueral-Anzeiger
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Verantwort!. Redakteur: L Schrecker in $aw»
Mk. 177 ryernsprechanschltts; Nr. 230,
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Amtliches. Stadt- und Eandkreis Ranau.
Beurlaubung des Landrats.
Ich bringe hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß mir für die Zeit vom 31. d. Mts. bis zum 10. September b. Zs. vom Herrn Regierungs-Präsidenten Urlaub erteilt worden ist.
In meinen gesamten Dienstgeschäften werde ich während dieser Zeit durch den Herrn Negierungs- Assessor Karbe vertreten.
Die mir unterstellten Behörden und Privatpersonen, welche während meiner Beurlaubung dienstliche Sendungen an mich richten, bitte ich, solche mit der Aufschrift „An den Herrn Landrat, die Polizei-Direktion, den Kreisausschutz, die Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau" u. s. w. zu versehen und nicht mit meiner persönlichen Adresie, da sie mir sonst nachgeschickt werden, wodurch in der Erledigung von dienstlichen Angelegenheiten eine unnötige Verzögerung eintritt.
Hanau den 31. Juli 1911.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
Frhr. Laur.
Eandkreis Fjanau.
Das 1. Kurhessische Infanterie - Regiment Nr. 81 in Frankfurt a. M. beabsichtigt am 5., 7.—10., 12., 14. und 15. August d. I. in der Gemarkung Bischofsheim ein Scharfschießen abzuhalten. Schußrichtung gleichlaufend mit Hoher Straße, Südrand, Große Lohe und Kleine Lohe, gegen den Hühnerberg. Der Zielaufbau findet nur in der Gemarkung Bischofsheim statt.
Abgesperrt wird in der allgemeinen Linie, Chaussee Bergen— Niederdorfelden, ausschließlich Südrand Niederdorfelden, Oberdorfelden — Kilianstädten — Schäferküppel —Wachenbuchen— Hochstadt — Bischofsheim in der Zeit von 6 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags.
Die Wegestrecke Bischofsheim— Große Lohe— Niederdorfelden und der Chaussee Wachenbuchen— Niederdorfelden wird für die obengenannte Zeit für den gesamten Verkehr polizeilich gesperrt.
Hanau den 31. Juli 1911. M. 2612
Der Königl. Landrat.
I. D.: Karbe.
Bekttnntmachnnq.
Für den Neubau des Elektrizitätswerkes in Langendiebach sollen die Ausbauarbeiten öffentlich vergeben werden und zwar:
1. die Schreinerarbeiten
2. die Elaserarbeiten.
Die Unterlagen können gegen Erstattung der Selbstkosten von Herrn Architekt Litzinger in Hanau, Hainstraße 6, bezogen werden.
Die Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift bis zum Samstag den 5. August 1911, nachmittags 7 Uhr, bei dem Bürgermeisteramt einzureichen.
Langendiebach den 1. August 1911.
Der Bürgermeister. 18575
Rüger.
Politische Rundschau.
Eine Altersgrenze für Richter? Der badische Richterverein hat in seiner letzten Hauptversammlung beschlossen, den schon früher gefaßten Beschluß, eine geeignete Verjüngung des Richterstandes dadurch herbeizuführen, daß die Richter nach Ablauf des Monats, in dem sie ihr 70. Lebensjahr vollenden, kraft Gesetzes in den Ruhestand zu treten haben. Mit der Festsetzung einer Altersgrenze für die Zurruhesetzung der Beamten hat sich erstmals die Novelle zum Veamtengesetz im Jahre 1898 befaßt. Bis dahin konnte der Beamte, so lange er dienstfähig war, im Amt bleiben. Nach der genannten Novelle kann der Beamte von seiner vorgesetzten Behörde ohne weiteres in den Ruhestand versetzt werden, oder er kann auch um seine Zurruhesetzung ohne Angabe eines Grundes nachsuchen, wenn er das 65. Lebensjahr zurückgelegt hat. Diese Kannvorschrift wünscht nun der Nichterverein für die Richter, die das 70. Lebensjahr zurück- ßelegt haben, in eine Mutzvorschrift umgewandelt zu sehen. Die Zahl der 70 Jahre alten Richter ist nicht so gering, wie gewöhnlich angenommen wird, obwohl bei der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches doch die älteren Richter in den Ruhestand getreten sind.
Italien und die Türkei. Kaum ein Land treibt in Kon-
Dienstag den 1. August
stantinopel eine so widerspruchsvolle Politik als Italien. Es hat sich von jeher als einen der enthusiastischen Freunde des jungtürkischen Regimes gebärdet und hat zwar in seinem Innern die Machtstellung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns im Orient beneidet, aber sich doch auch bei Gelegenheit kräftig daran erinnert, Mitglied des Dreibundes zu sein. Das ist die eine Seite seiner Politik. Die andere besteht in den Ansprüchen auf den Zukunftsbesitz von Tripolis und in der Unterstützung der Aufständischen in Albanien, wenigstens mit Sympathien und moralischen Ermutigungen. Natürlich beinflutzt das die Stimmung der Türken und steigert ihr Mißtrauen. Die Italiener wollen aber nicht einsehen, daß der Grund dazu eben in ihrem widerspruchsvollen Verhalten liegt, und beschuldigen ihre Botschafter in Konstantinopel, daß sie nicht im Stande seien, die Interessen ihres Landes entsprechend zu vertreten. So wurde 1909 der Botschafter Marchese Jmperiali nach London versetzt, um Konstantinopel für einen anderen frei zu machen, den Baron Mayor des Planches, der aus Washington kam und für sehr energisch und fähig galt. Jetzt sind wenig mehr als anderthalb Jahre seitdem verflossen, und Mayor des Planches geht, kaum 60jährig, in den Ruhestand, während ihm die gesamte Presie bestätigt, daß er nicht im Stande gewesen sei, die Anschauungen Italiens über die zahlreichen Zwischenfälle mit der Türkei zur Geltung zu bringen. Während man sich in Rom sehr eifrig mit diesem Rücktritt und seinen Ursachen befaßt, kommt eine sehr verblüffende Nachricht. Der neue Botschafter in Konstantinopel wird kein Berufsdiplomat sein, sondern der bisherige langjährige Präfekt von Genua, Senator Marchese Camillo Garroni. Es ist der dritte Uebertritt eines hohen italienischen Verwaltungsbeamten zur Diplomatie. Der erste betraf Tittoni, der 1903 vom Präfekten von Neapel den Sprung zum Minister des Auswärtigen machte und jetzt Botschafter in Paris ist; der zweite Fall betrifft den jetzigen Botschafter in Tokio, Marchese Eiuccioli, früher Präfekt von Turin, und der dritte ist nun Earroni.
Der Fremdenschutz in Haiti. Der „Daily Chronicle" läßt sich von Washington melden, daß dort eine sich mehrende Verstimmung zutage trete, weil Deutschland ein Kriegsschiff nach Haiti geschickt habe. In den Vereinigten Staaten sei man der Meinung, daß 5 amerikanische Schiffe die Jnteresien aller Europäer zu schützen im Stande seien. Wenn England mit dem amerikanischen Schutz zufrieden wäre, könnte es Deutschland doch wirklich auch sein. General Leconte soll gedroht haben, Port-au-Prince mit 10 000 Mann anzugreifen.
Aus Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemelbet : Da es trotz aller Nachforschungen bisher noch nicht gelungen ist, Aufklärung über das Schicksal der Kolonne Frankenberg zu schaffen, und außerdem auch die am Okavango gelegene Polizeistation Kuringuru und die 60 Kilometer westlich von Andara (Libebe) gelegene Obiaten-Mission Niangana gefährdet erscheinen, entschloß sich der Gouverneur, eine stärkere Expedition in den Nordosten des Schutzgebietes zu entsenden. Die Expedition setzt sich aus zwei Kompanien, einer halben Batterie, einer Maschinengewehrabteilung und einem Berkehrszug zusammen. Angesichts der ?änge der Etappenstrecke ist ein Truppenaufgebot in einer Stärke von etwa 200 Mann erforderlich. Die Führung übernimmt Major Hinsch. Der Kommandeur der Schutztruppe, Major v. Heydebreck, wird die Expedition begleiten.
Der Sabotagewahnsinn in Frankreich.
Paris, 31. Juli. Gestern in den frühesten Morgenstunden brannte das Elektrizitätswerk der Nordbahn im Pariser Vorort Saint-Quen vollständig nieder. Der Schaden beträgt über 1% Millionen. Während diese Fabrikanlage flammte, brach ihr gegenüber am anderen Seineufer in einer Werkstätte der Pariser Elektrizitätswerke gleichfalls Feuer aus, da^ indes rasch gelöscht werden konnte, und genau zu derselben Stunde geriet auch eine wenige Schritte von diesen beiden Anlagen entfernte Baumaterialienfabrik in Flammen. Man hat zwar von Kurzschlüsien gesprochen, es wäre jedoch ein höchst merkwürdiges Zusammentreffen, wenn diese Kurzschlüsie gleichzeitig in drei verschiedenen Anlagen sich ereignet haben sollen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es, daß verbrecherische Brandstiftung vorliegt. Auch sonst wurden wieder zahlreiche Anschläge auf die Eisenbahn und die Drahtverbindungen verübt, darunter einige mit erstaunlicher Frechheit. So wurde um 3 Uhr nachmittags zur Zeit des lebhaftesten Zugverkehrs auf der Strecke von Paris nach Versailles in der Nähe des letztgenannten Bahnhofes eine Telegraphenstange mit einer Dynamitpatrone in die Luft gesprengt, die in ein an der Stange ausgebohrtes Loch hineingesteckt worden war. Die Arbeit
»kerttsvrechaitschluk Nr. 230 1911
war ungeschickt ausgeführt, die Stange flog auf, doch zer- rissen die Drähte, die sie trugen, nicht, und sie blieb in der Lust hängen. Kurz darauf sah der Stationsvorsteher einer Pariser Ringbahnstation zu seinem großen Erstaunen einen Arbeiter plötzlich zum Sperrblock der Station herantreten und dessen Hebel umschlagen, wodurch an beiden Einfahrten der Station das Haltesignal ausgelöst und der Zugverkehr unterbrochen wurde. Er ließ natürlich den Verbrecher sofort verhaften und brachte den Block wieder in Ordnung. Der Arbeiter erklärte beim Verhör, er habe beim Anblick des Blocksignals der Versuchung nicht widerstehen können, es in Bewegung zu setzen. — Bei Pssigneaux (Dep. Haute- Loire) wurde in der voryergangenen Nacht kurz vor Ankunft eines Zuges ein großer Stein auf die Schienen der Sekundärbahn gelegt. Der Lokomotivführer bemerkte jedoch das Hindernis und vermochte den Zug noch rechtzeittg zum Stehen zu bringen. — Der Hafen Lorrient war gestern den ganzen Tag vom telegraphischen und telephonischen Verkehr mit der Außenwelt abgesperrt, weil sämtliche Verbin- dungsdrähte zerschnitten worden waren.
Das Programm des Generalobersten von Äi|<
Auf dem Abgeordnetentage des Deutschen Kriegerbundes in Detmold, dem der Präsident des Bundes, Generaloberst von Lindeguist, Eeneraladjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs, wegen eines heftigen Bronchialkatarrhs leider nicht beiwohnen konnte, ist die Rede, die er halten wollte, von dem geschäftsführenden Vorsitzenden, Geheimen Regierungsrat Westphal, vorgelesen worden. Die Rede, die neben einem warmen Nachrufe für den früheren Bundesvorsitzenden, General der Infanterie von Spitz, das Programm des neuen Präsidenten enthält, lautet:
Liebe Kameraden vom Deutschen Kriegerbunde k
Namens des Vorstandes begrüße ich Sie herzlichst und danke Ihnen, daß Sie die — zum Teil weite — Reise und Anstrengung nicht gescheut haben, um dem Abgeordnetentage beizuwohnen. Seit der letzten in Eisenach stattgehabten Tagung hat der Bund einen tief schmerzlichen Verlust erlitten durch das im verflossenen Jahre erfolgte Hinscheiden seines langjährigen hochverdienten Vorsitzenden, Seiner Exzellenz des Kameraden Generals der Infanterie z. D. von Spitz. Es befindet sich wohl niemand unter uns, der nicht durch diesen kaum zu ersetzenden Verlust innerlich getroffen wäre. Welchen Mann besaß der Bund an ihm! Als Charakter unantastbar und edel, ein Vorbild ritterlicher Anschauungen, selbstlos, von starken Ueberzeugungen. Ein alter Offizier, der von den ihm obliegenden Pflichten einen hohen Begriff hatte und die höchsten Anforderungen an sich selbst stellte. — Ein Mann von scharfem Verstände, reicher Begabung und umfassender Bildung. — Der poetischen Veranlagung und Eestaltungskunst, mit der er begnadet war, konnte er bei der im Kriegervereinswesen ihm zu- fallenden Tättgkeit kaum Raum gewähren. Und dennoch haben die Kameraden gelegentlich — auch bei Abgeordnetentagen — seines dichterischen Geistes einen Hauch verspürt.
Neben allen diesen Eigenschaften hatte General von Spitz durch langjährige Verwendung im Kriegsministerium, und zwar unter Befassung mit den Verhältnissen aus dem Heere Ausgeschiedener wertvolle Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt, die für die Leitung des Kriegervereinswesens von großer Bedeutung waren. — Mit solcher Fülle ihn dazu befähigender Eigenschaften übernahm der General von Spitz den Vorsitz des Deutschen Krieger- bundes, dessen Leitung er 14 Jahre hindurch bis zu seinem nach langem, schwerem Leiden erfolgenden Ende in fester Hand behielt.
Beim Antritt seines Amtes fand der General den Plan der uns jetzt umspannenden Organisatton gerade fertig- gestellt vor, der Organisation, die dem Deutschen Krieger- bunde die ihm von allen Seiten zuerkannte Bedeutung für seine Mitglieder, für die Monarchie, den Staat und die Gesellschaft erst ermöglicht hat. Seine Aufgabe war nunmehr, wie sich der Kamerad ausdrückt, der ihm als tatkräftige Hilfe zur Seite stand, dieser Organisation zum Leben, zur Wirksamkeit und Anerkennung zu verhelfen. Der Erreichung dieses Zieles widmete der alte Offizier, wie früher seiiiem Dienste, seine ganze Kraft und reiche Begabung mit der Pflichttreue, die das Soldatenherz beseelte, mit Umsicht und schonender Rücksicht, vorsichtig und allmählich, aber auch, wo es not tat, fest eingreifend. Unter seiner geschickten Hand, die von seinem deutschen Herzen geleitet wurde, erblühte im Kyffhäuser-Bunde gegenseitiges Verstehen, Vertrauen und Zusammenwirken aller Mitglieder zum Segen des großen deutschen Vaterlandes. Innerhalb des Deutschen