Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt-

VtMSSPtttN vkerkeMhrNch T.80 ML. monatlich BO Pfz., f6f MM mSrtige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchla-, Die einzelne Stammet kostet 10 Pf-.

-lotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei be« verein, ev. Waisenhauses in Hanan.

General-Anzeiger

A«We» Organ für Stabt- nab Landkreis Hanan.

Erscheint tSgltch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

SimAcknngsgebShe»

Die Sgespalkene Petttzeile oder deren van« # Ph im ReklamenteU Me Zeile 45 Psg.

verantroortl. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.

Nr. 175 ^ernsprechan schlaff Nr. 230

Samstag den 29. Juli

Fernsprechanschlieff Nr. 230 1911

Die KM'UNMMll MM außer d.MtthM^SßlLk

14 Seiten.

^»MMW!ffimBMWM»UU^IIIW««^

Amtliches.

Eandkreis Ran au.

Unter Aufhebung meiner Kreisblattbekanntmachung vom 14. ds. Mts. V. 4587 — in Nr. 165 des „Hanauer An­zeigers" — betreffend die gänzliche Sperrung der Offen­bach—Vilbelerstraße von Mainkur bis zum Abgang des Enkheimer Landweges ordne ich die Sperrung der Offen­bach—Vilbelerstraße von der Waldstraße in Fechenheim (Be­ginn des Waldes) bis zum Abgang des Landweges nach Enkheim nunmehr nur für Fuhrwerke von mehr als 20 Zentner Ladegewicht, sowie für Kraftfahrzeuge jeglicher Art vom 31. ds. Mts. ab auf die Dauer von 5 Wochen hier­durch an.

Die Gendarmen und Polizeiorgane haben llebertre- tungen dieser Anordnung nach Möglichkeit zu verhindern und das Personal des hiesigen Landesbauamts hierin zu unterstützen.

Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden auf Grund der Polizeiverordnung vom 15. April 1909 — Re­gierungsamtsblatt S. 97 — mit Geldstrafen von 10 bis zu 60 Mark eventl. mit entsprechender Haft geahndet.

Hanau den 28, Juli 1911. “ V. 4880

Der König!. Landrat.

Frhr. Laur.

Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.

Don den städtischen Körperschaften ist die Feststellung einer Verbindungsstraße zwischen der Katharina Velgika- straße und der Straße Vor dem Frankfurtertor beschloßen worden. Der dementsprechend abgeänderte Fluchtlinienplan für das Gelände zwischen Kinzig, Vorstadt und Nußallee wird nach erfolgter Genehmigung der Polizeibehörde nun­mehr gemäß § 7 des Gesetzes vom 2. 7. 1875 nochmals 1 Wochen lang vom Tage der Bekanntmachung ab im städtischen Vermessungsamt, Rathaus, Zimmer Nr. 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.

Einwendungen gegen den Abänderungsplan sind wäh­rend dieses Zeitraums schriftlich oder mündlich bei uns anzubringen.

Hanau den 19. Juli 1911. 18351

Der Magistrat.

Dr. E e b e s ch u s.

Bekanntmachung.

Das Zinsaufkommen aus der Emilie Wörishofferschen Stiftung soll demnächst verteilt werden.

Aus der Stiftung können nur bedacht werden: unver­heiratete, unbescholtene, vermögenslose und nicht vollstän­dig erwerbsfähige, vierzig Jahre alte, der protestantischen Konfessi'' angehörige Töchter verstorbener öffentlicher Be­amten, die in der Stadt Hanau gemeindeangehörig waren, in Ermangelung derselben aber solcher Beamten, die in einem Orte des Landkreises Hanau oder des ehemaligen Fürstentums Hanau gemeindeangehörig waren. Unter öffentlichen Beamten find nicht nur Staats-, sondern auch kommunalständische Beamte, Eemeindebeamte, Pfarrer und Schullehrer zu verstehen.

r Die zu gewährende Rente beträgt jährlich 150 fl. - 257.14 Mark. Sie wird grundsätzlich auf Lebenszeit zuge­billigt und kann nur unter den im Testament angegebenen Voraussetzungen entzogen werden.

Bewerbungsgesuche sind bis zum 15. August ds. Js. unter Verfügung der erforderlichen Unterlagen beim Magistrat emzureichen.

Hanau den 22. Juli 1911. 18353

Der Magistrat.

Dr. Eebeschus

Bekanntmachung.

SlrteitjiinfjenD,, in ber yeit oom 21.-28. Juli 1911:

4 Erdarbeiter, 2 Hausburschen, 1 Strickerin, 3 Sag» lohne«.

Gesucht werden 4 Dienstmädchen.

Hanau den 29. Juli 1911. 18349

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

politische Rundschau.

Französische Frechheit. In einem nichtöffentlichten so­zialdemokratischen Versammlung in Berlin griff der fran­zösische Sozialist Pvetot nicht nur die deutsche Regierung in beschimpfender Weise an, sondern forderte auch die deut­schen Wehrmänner direkt auf, im Kriegsfälle die Waffen gegen die eigenen Vorgesetzten zu kehren. Daraufhin wurde die sofortige Ausweisung verfügt. Pvetot zog es vor, vor der Vollstreckung des Ausweisungsbefehls Deutschland zu verlaßen.

Keine Aussperrung in der Mitteldeutschen Glasindustrie. Der Deutsche Jndustrieverband Sitz Dresden, der für die von der Glasindustrie beschloßene Aussperrung von etwa 10 000 Arbeitern große Mittel bereitgestellt hatte, gibt heute seinen Mitgliedern bekannt, daß infolge Beilegung der Rauschaer Streiks jene Maßregel unterbleiben wird.

Weitere „Politische Rundschau" in der Beilage.

Marokko.

Deutschland, Frankreich und Spanien in Marokko.

Berlin, 28. Juli. Sowohl in London und Paris wie auch in Berlin wird die Rede des englischen Ministerpräsidenten in ausführlichen Betrachtungen erörtert. Auch in hiesigen maßgebenden Kreisen sieht man mit Befriedigung, daß Eng­land eine freundschaftliche Verständigung zwischen Deutsch­land und Frankreich wünscht. Man ist aber nicht der Ansicht, daß der unmittelbare Einfluß der Rede auf die Verhand­lungen so groß sein wird, wie man an manchen Stellen an­zunehmen scheint. Jedenfalls wird die Haltung Deutschlands in dieser Frage nach wie vor nur durch die eigenen wohl erwogenen Jntereßen bestimmt bleiben.

Das englische Echo in Paris.

Von ihrem Pariser Mitarbeiter wird den „L. N. N." berichtet: Donnerstag nachmittag um halb zwei Uhr erschien plötzlich Herr de Verneuil, der Syndikus der Pariser Wechsel­agenten, auf der Börse, was an und für sich schon Aufsehen erregte und als „Sturmzeichen" gedeutet wurde, und er­klärte, als ihn seine Kollegen und viele hervorragende Finanzleute umringten und mit Fragen bestürmten, „ohne gerade eine kategorische Erklärung abzugeben, glaube er doch versichern zu können, daß er für seine Person die Lösung der Streitfrage für sehr nahe bevorstehend halte." Tatsache ist, daß die gesamte Pariser Preße wieder furchtbar viel Oberwasser hat. Die neuliche Rede Lloyd Georges ist ihr sichtlich zu Kopfe gestiegen. Dann haben sich die Ereigniße, namentlich jenseits des Kanals, mit einem Male stark ge­häuft: der Ministerrat in London zwischen Asquith, Grey, Lloyd George und Sir Francis Bertie, dem ad hoc übers Wasser gefahrenen Pariser Botschafter; dann die Unter­redung des englischen Premiers mit dem Könige, der auch Sir Edward Grey anwohnte; weiterhin die laute Erklä­rung von Lloyds Schiffsversicherungsagentur, die Prämien erhöhen zu müßen und nur bis zum 9. August Kriegsrisiken zu übernehmen; endlich die plötzliche Rückberufung des eng­lischen Schlachtschiffgeschwaders, das in den norwegischen Gewässern kreuzen sollte, nach Plymouth. Das war genug und mehr als genug, um den Kamm des gallischen Hahnes wieder mächtig schwellen zulaßen! Denn so wenig ist man hier von der eigenen militärischen Kraft durchdrungen, daß man nur noch mit England rechnet und daher jede Bewegung beim Nachbar jenseits des Kanals für die eigenen Ziele und Zwecke deutet. Tatsache ist ferner, daß alle jene englischen Vorgänge dazu bestimmt sind, einen plötzlichen und uner­hörten Druck auf Berlin und die dortigen Verhandlungen auszuüben; sie sind daher wohl eine von Frankreich bestellte oder doch erbetene Ware, soweit sie nicht englischen, parallel laufenden Jntereßen direkt dienen sollen. Doch die Zu­sammenhänge gehen noch erheblich weiter.

Auch in Frankreich ist in diesen letzten Tagen mancherlei geschehen, was von Belang war; nur war es nicht gerade dazu angetan, Frankreis Position Berlin gegenüber sonder­lich zu stärken. Eine kurze Aufzählung wird genügen, um das Gewicht der Tatsachen erkennen zu laßen: Zunehmende Eisenbahnsabotage; Entdeckung von aktiven Soldaten als Saboteuren' geheime revolutionäre llmtriebe, die zu zahl­reichen Verhaftungen führten; Ausstände und zunehmende öffentliche Unsicherheit; Putsch von ein paar Hundert „jungen revolutionären Garden" aegen das Ministerium

der Justiz und das des Inneren; endlich: die Krisis im Oberbefehle der Armee, die tiefgehende Spaltungen in der Armeeoberleitung und mangelnde Kriegsvorbereitung ver­riet. Diese Eindrücke mußten durchaus und so rasch wie mög­lich verwischt werden. Daher wohl die Anleihe bei dem eng­lischen Bluff. Daher auch der Bluff in den Pariser Zei­tungen, durch den die Lage als überaus gespannt dargestellt werden soll. Und schließlich ist eins nicht zu vergeßen und nicht zu gering zu veranschlagen: Der Kaiser kommt dieser Tage von seiner Nordlandsreise nach Deutschland zurück! Gleich bei der Landung soll das franko-englische Säbel« raffeln an sein Ohr schlagen, ihn „beeindrucken", ihn fried­lich, versöhnlich, nachgiebig stimmen. Mit einem Worte, man will hier, wie schon früher des öfteren, den Kaiser gegen Herrn von Kiderlen ausspielen. Und zu diesem Zwecke scheint der gegenwärtige Moment besonders günstig zu sein.

Mehr als je bestehen also die hiesigen Macher der öffentlichen Meinung auf ihren Forderungen: Aner« kennung der besonderen und alleinigen politischen Rechte Frankreichs auf ganz Marokko unter „theoretischer" Wah­rung der „offenen Tür"; keine wie immer gearteten kolo­nialen Kompensationen, sei es innerhalb oder außerhalb Marokos, an Deutschland! Der Druck in diesem Sinne ist unstreitig stark; er wird von Paris und namentlich von London aus angewandt. Aber Druck erzeugt überall Gegen­druck, und daher könnte die oben angeführte Aeußerung des Pariser Wechselagentenchefs de Verneuil, daß „die Lösung der Streitfrage sehr nahe bevorstehe", sehr wohl den Tat­sachen entsprechen, falls Deutschland sich jetzt nicht ins Bock­horn jagen läßt, sondern fest bleibt. Die augenblickliche Pariser Stimmung weicht auch sehr wesentlich von der ab, die man zur nämlichen Jahreszeit im Jahre 1905 hier be­obachten konnte. Damals herrschte in allen wißenden Kreisen eine unverkennbare Gedrücktheit, ja offene Kriegsfurcht, weil die meisten an den Kriegsausbruch oder mindestens doch an die starke Möglichkeit eines Krieges glaubten. Heute tritt in Wort und Schrift, bei Berufenen und Unberufenen, bei Reaktionären, Militaristen, Denwkraten und Regie­rungsangehörigen ein Uebermut, eine Neigung zu gewollter Herausforderung Deutschlands, ja eine gut gespielte Ge­ringschätzung des eventuellen Gegners zutage, die geradezu verblüffend find. Da nun aber jeder halbwegs Zurechnungs­fähige in Frankreich weiß, was er von der eigenen Armee und Flotte zu halten hat — wenn er es auch nicht offen sagt — so kann dieser Stimmungswechsel nur so erklärt werden, daß man glaubt, es liege keinerlei ernste Kriegs­gefahr vor, dagegen gute Gelegenheit zum Bluffen mit Englands maritimer Macht. Und je weniger man geneigt ist, das Schwert im Bedarfsfalls zu ziehen, desto lauter läßt man es in der Scheide klappern, um dem Gegner Angst zu machen. Würde Deutschland jetzt eine deutliche, nicht mitzzu- verstehende Sprache reden, so würde die Stimmung in Paris sofort wieder in Kleinmut unb Nachgiebigkeit umschlagen.

Drohungen der Saboteure für den Kriegsfall.

Paris, 28. Juli. Gestern abend fand eine Zusammen­kunft von etwa hundert mehr oder weniger im Vordergründe stehenden Pariser Sozialrevolutionären im Eden-Concert in der Avenue Ledru Rollin im Osten von Paris statt. Die Versammlung war von der kommunistisch-revolutionären Föderation einberufen worden. ES handelte sich um die Stellungnahme zu den von der Regierung gegen die Haupt- sächlichsten Revolutionäre gerichteten Maßnahmen. Unter anderen Rednern ergriff der Arbeiter Brichclau das Wort und führte etwa folgendes aus: „Me Arbeiterklasse ist bereit, den Krieg zu verhindern. Möge die Regierung e» wissen, daß wir im MobilisationSfalle nicht marschieren werden. Wir werden die Mobilisation sabotieren. Wenn wir uns einberufen lassen, so wird es nur geschehen, um Waffen in die Hand zu bekommen, die zu unserer Befreiung dienen sollen". Dann verherrlichte Brichetau die Sabotage der Eisenbahn, besonders den Vorfall von Pont de I'Arch», der beinahe zu einer Katastrophe geführt hätte, und fuhr dann fort: „Im Mobilisationsfalle werden die Kameraden eine kleine Arbeit an den Pariser Bahnhöfen und den haupt­sächlichsten Bahndöfen in der Provinz ausführen. Wenn ihr einbernfen werdet, so habt ihr das Nötige zu tun, um die militärischen Führer verschwinden zu lassen, die an dn Spitze der Regimenter stehen." Auch andere Redner billigten diese Sprache, obwohl im Ausdruck etwas ge­mäßigter. Die nationalgesinnten Zeitungen fügen voll« Entrüstung hinzu, solche Dinge spielten sich in Paris sozu­sagen unter den Augen der Polizei ab. In Berlin dtüde man sie nicht, wie Figura zeige.