Sezngspreksr
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.
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verantwort!. Redaktenr: S. Schrecke« te Hanan,
$L 159 Bernsprechau schlutz Nr. 230.
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Amtliches.
Eandkreis Hanau.
Maul- und Klauenseuche.
In anderen Bezirken ist die Beobachtung gemacht worden, daß an der weiteren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche der Milchhandel in erheblicher Weise beteiligt ist.
Die Verschleppung erfolgt durch die Milchkannen, welche fast stets den Landwirten von den Milchhändlern in ungereinigtem Zustande und Milchreste enthaltend zurückgeliefert werden. Da im Handel häufig ein Umgießen der Milch aus einer Kanne in andere stattfindet, und da außerdem nach den gemachten Erfahrungen die Verwechselung der Kannen und sogar die Ablieferung von Kannen aus weit entfernten Gemeinden zu den häufigeren Vorkommnißen gehören, erscheint die Seucheverschleppung auf diesem Wege wohl erklärlich. Tatsächlich ist die Verschleppung der Seuche in bis dahin seuchefreie Gemeinden und Gehöfte wiederholt nachgewiesen worden, ohne daß eine andere Erklärung für die Uebertragung des Ansteckungsstoffes gefunden werden konnte.
Die beteiligten Kreise mache ich auf diese Gefahr mit dem Hinweise aufmerksam, daß das Verlangen der Rücklieferung der eigenen Kannen in gereinigtem Zustande einen wesentlichen Schutz gegen die Seucheeinschleppung gewähren würde.
Hanau den 6. Juli 1911. V. 4363
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Die Kopialien-Entschädigungen für die von den Herren Standesbeamten im Rechnungsjahre 1910 dem Königlichen Statistischen Landesamt in Berlin eingereichten Zählkarten sind zur Zahlung angewiesen und können bei der Königlichen Kreiskaße hierselbst gegen Quittung abgehoben werden.
Falls die Abhebung nicht binnen 4 Wochen erfolgt, werden die Beträge portofrei durch die Post übersandt.
Hanau den 7. Juli 1911. A. 2487
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Der seitherige Ortsschätzer-Stellvertreter Friedrich Simon zu Mittelbuchen ist zum Ortsschätzer daselbst auf Widerruf bestellt worden. Ferner sind der Landwirt Phil. Karpp III. und der Maurer Peter Reuter zu Ortsschätzer- Stellvertretern dieser Gemeinde auf jederzeitigen Widerruf bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 6. Juli 1911. V. 4085
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Der durch die warme trockene Witterung veranlaßte niedrige Brunnenwasierstand zwingt uns, die Wasserabgabe in der Zeit von 11 Uhr abends bis 5 Uhr morgens gänzlich einzustellen. Die Wafferzuführung in die Stadt wird durch Abstellen des Schiebers am Philippsruher Schloße aufgehoben. Eine Feuerwache wird an diesem Schieber in der angegebenen Zeit aufgestellt, um beim ersten Alarmsignal den Zuflug des Masters in die Stadt durch Oeffnen des Schiebers wieder herzustellen.
Hanau den 10. Juli 1911. 17137
Der Magistrat.
Dr. Eebeschus.
Bekanntmachung.
Infolge der anhaltend warmen Witterung und des enormen Wasterverbrauchs, der in den letzten Tagen bereits auf ca. 200 Liter für den Kopf und Tag der Einwohnerschaft angewachsen ist, ist der Erundwasterstand bei den beiden Pumpstationen derart zurückgegangen, daß ein völliges Versagen der Brunnen zu befürchten ist.
Wir sehen uns daher veranlaßt, um den Wasterverbrauch zu Genußzwecken nicht ebenfalls einschrünken zu müsten, die Wasserentnahme aus der städtischen Wasserleitung zur Ear- tenbcsprengung bis auf weiteres hiermit zu untersagen.
Gleichzeitig warnen wir vor jeder Art von Waßerver- geudung.
Zuwiderhandelnde müßten entsprechend den Bestimmungen des § 2 der Polizeiverordnung vom 8. Juni 1900 jur Bestrafung herangezogen werden.
Hanau den 10. Juli 1'911. 17139
Der Magistrat.
Dr. Eebesckus.
Dienstag den 11. Juli
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 blauer emaillierter kleiner Eimer, 1 Brille mit Futteral, 1 Paar weiße wollene Kinderhandschuhe.
Verloren: 1 Geleitschutzring von einer Andrehkurbel.
Entlaufen: 1 große weiße Katze mit grauen Tuppen auf dem Rücken, 2 Jahre alt, hört auf den Ramen Peter.
Hanau den 11. Juli 1911.
DolitiTcbe RuridTcbatL
Die Berliner Marokkoverhandlungen.
Herr v. Kiderlen-Wächter wird, wie die „Leipz. R. N." hören, dem französischen Botschafter Cambon, der ihn am Sonntag in seiner Villa besuchte und die mündliche Besprechung über das Marokkoprogramm formell einleitete, alsbald seinen Gegenbesuch machen, so daß die Verhandlungen unverzüglich in Gang kommen werden. Man macht sich darauf gefaßt, daß sie sich wochenlang, vielleicht monatelang hinziehen können. Der Schwerpunkt der Verhandlungen wird in Berlin liegen. Was über Pariser Verhandlungen gemeldet wird, ist mit größter Vorsicht zu genießen. Cambon, der bereits mit dem früheren Minister des Aeußern Pichon die Marokkoangelegenheit verhandelte, ist gewißermaßen der Träger der französischen Marokkodiplomatie. Auf die Beteiligung der Ministerpräsidenten, die in allzu kurzer Zeit sich in Paris ablösen, wird kaum ein großes Gewicht zu legen sein. Herr Cambon und Herr v. Kiderlen-Wächter beabsichtigen, in nächster Zeit absolutes Stillschweigen der Oeffentlichkeit gegenüber zu beobachten. Das gilt auch für ihre Nachgeordneten Mitarbeiter. Nur der Reichskanzler wird selbstverständlich täglich auf dem Laufenden gehalten. Ebenso dürfte man von Frankreich aus England ständig über den Stand der Beratungen informieren. Es ist beabsichtigt — das kann aufs bestimmteste versichert werden und bringt in die Kenntnis der Oeffentlichkeit ein neues Moment — daß Herr v. Kiderlen-Wächter mit der Entsendung des „Panther" und der Aufrollung der ganzen Marokkodebatte eine definitive Lösung des ganzen Marokkoprogramms beabsichtigt. Herr Cambon und Herr v. Kinderlen-Wächter werden infolgedessen sämtliche Möglichkeiten einer Lösung dieses Programms durchberaten. Das gilt ohne Ausnahme auch in bezug auf eine etwaige Besitzergreifung Deutschlands in Marokko oder auf etwaige Kompensationen, welche deutschen Ansprüchen anderenorts von französischer Seite zu erstatten wären. Keine der Lösungen hat heute eine besondere Wahrscheinlichkeit für sich. Der Ausgang der Dinge ist vollkommen unbestimmt. Aufs energischste muß allerdings betont werden, daß, wenn beispielsweise von Kompensationen die Rede sein sollte, es sich von selbst versteht, daß für Deutschlands wirtschaftliche Freiheit in Marokko bessere Garantien geschaffen werden als bisher. Das ist überhaupt die Voraussetzung eines jeden befriedigenden Resultats der gegenseitigen Verhandlungen, einerlei wie es auch ausfällt. Die Kombinationen, die über die bevorstehenden diplomatischen Besprechungen in der Preße, zumal in der französischen, selbstverständlich reich auftauchen werden, sind mit äußerster Vorsicht und mit mehr als grundsätzlichem Mißtrauen aufzunehmen. Es wird sich kaum lohnen, sie überhaupt zu berücksichtigen, denn Herr Cambon und Herr v. Kiderlen-Wächter haben beide die feste Absicht, für ihr Land alles herauszuschlagen, was sich herausschlagen läßt, und dazu ist unbedingtes Erfordernis, daß sie von vagen Presseleidenschasten nicht beeinflußt sind. Zwischen London und Berlin wird zunächst nicht verhandelt; jedoch besteht in Berliner maßgebenden Kreisen die bestimmte Auffaßung, daß England die „neue Situation", von der Asquith sprach, nicht nur darin erblickt, daß Deutschland in Agadir interveniert hat, sondern vor allem auch darin, daß Frankreich sich durch seinen Marsch nach Fez so in das scherifische Reich festgesetzt hat, daß Englands tatsächlich bestehende Marokkointereflen auch von Frankreich her gefährdet erscheinen und daher auch Frankreich gegenüber in neuer Weise zu vertreten sind. Man meint daher, daß Frankreich unter Umständen einer Verständigung mit Deutschland um so geneigter sein wird, je mehr in Paris das unvermeidliche Mißtrauen auftauchen wird gegen die neuen englischen Marokkoaspirationen. England wird Frankreichs Sicherheit diplomatisch nur so weit unterstützen, als es durch den Vertrag von 1904 dazu verpflichtet ist. Daß die englische Unterstützung sehr wohl erwogene Wirtschaftsgrenzen kennt, wird auch in der englischen Preße mehr und mehr offen ausgesprochen. Was übrigens — und damit begibt man sich auf das Gebiet der reinen Kombinationen — den allerdings zu erwartenden Widerstand Englands gegen die Einrichtung einer befestigten Flottenstation Deutschlands in Westmarokko betrifft, so wäre es nicht unwahrscheinlich, wenn eine etwaige Verständigung aller Mächte mit einer negativen Klausel versehen würde, nach der es ihnen allen untersagt wird, befestigte
fver»sprechaitschlitsr Nr. 230 1911
Flottenstationen in den marokkanischen Gewässern anzu- legen. Und ebenso unwahrscheinlich wäre es, daß EnglanL nur negative Jntereßen einer deutschen Besitzergreifung eines Teiles von Marokko entgegenzustellen hätte, daß dagegen eine einfache Schutzherrschaft mit einer Landtrupp«! die englischen Jntereßen stören würde.
Französische Stimmen aus Marokko über Deutschlands Ein- greifen.
Tanger, 10. Juli. Die hiesigen maßgebenden französischen Kreise find über Deutschlands Auftreten in Agadir befriedigt. Sie hatten eine deutsche Landung in Rabat und Ma- zagan befürchtet, die eine Einkreisung des Schaujagebietes bedeuten würde. Sie erwarten ein deutsches Vordringen bis Saffi und Wegnahme Tangers durch England.
Vergangenheit und Gegenwart.
Es ist ein böser Irrtum, in dem fich lange Jahrzehnts hindurch die weitesten Kreise der Bevölkerung befunden haben, daß für das Unglück des Jahres 1806 und seine Folgen allein die Armee verantwortlich zu machen sei. Daß in der Armee von 1806 schwere Mängel bestanden haben, ist nicht zu leugnen. Die Armee, noch immer zur Hälfte aus Werbesoldaten, zur anderen aus Kantonisten bestehend, diese unselige, in Gamaschendienst auf- und untergegangene Armee, mit veralteter Taktik, einem vorweltlichen Verpflegungsverfahren und einem vielköpfigen Oberkommando, sollte einem jungen, frischen zeitgemäß geschulten Dolksheer« unter einem bis dahin immer siegreichen und von feinen Soldaten mit Begeisterung angebeteten Feldherrn gegenübertreten — eine ungleiche Partie, die durch mancherlei Umstände noch ungleicher wurde. Trotzdem hat der preußische Soldat auf den Schlachtfeldern von Jena und Auerstädt seine Schuldigkeit getan. Die schweren Verluste, die Napoleon bei Jena erlitten hat, legen Zeugnis dafür ab. Die Schuld des gesamten deutschen Volkes ist es, daß die preußische Armee bei Jenâ und Auerstädt zu Grunde ging, denn die Armee geht aus' der Gesamtheit des Volkes hervor; so wie das Volk, so ist auch die Armee. Kein Volk hat Gott verlaßen, das sich nicht selbst verließ. Das deutsche Volk hatte sich selbst verlaßen, und schwer, sehr schwer mußte es dafür büßen.
Wohl uns, daß wir jetzt in guten Tagen auf jene schweren Jahre zurückschauen können! Ueber ein Jahrhundert ist seit jenen Anglückstagen verfloßen, eine Zeitspanne, lang genug, um in gerechtem Abwägen gegen die Schrecken der Zeit auch das Gute anzuerkennen, was sie gebracht hat. Das Unwetter der napoleonischen Zeit hat nicht nur zerstörend gewirkt, sondern es hat auch in uns Deutschen das schlummernde Nationalgefühl wieder geweckt, hat unfern Vätern den heiligen Zorn verliehen, der ihren Waffen bei Leipzig und Belle-Alliance den Sieg brachte, und hat schließlich unser Volk über die Schlachtfelder von Königgrätz und Sedan nach Versailles geführt, zur Gründung eines jungen, kräftigen deutschen Kaisertums. Heute ist Deutschland ein in Einigkeit starkes Volk.
Das ist gewiß Gewaltiges, was wir erreicht haben, aber es soll uns nicht zu törichter Ueberhebung führen; denn das Jahr 1806 ist uns eine ernste Warnung für alle Zeiten, und es wäre ein schwerer Fehler, wenn wir uns in Sicherheit wiegen wollten, in der Annahme, daß ein 1806 mit seinen verhängnisvollen Folgen nicht wieder vorkommen könne. Es wird wieder vorkommen, wenn in unserem deutschen Volke wieder die Gottesfurcht, die selbstlose Hingabe an das Vaterland, der Opfermut, die sittliche und körperliche Kraft schwinden. Selbst die tüchtigsten Heerführer vermögen den Sieg auf die Dauer nicht an ihre Fahnen zu heften, wenn sie ein Volk führen, das entnervt ist. Jeder einzelne trägt mit die Verantwortung dafür, daß dem nicht so sei, insbesondere wir alten Soldaten, die wir die „Armee des Königs im Bürgerrock" bilden.
Wie viele gibt es leider, die nur an ihre eigene Person denken, die schon genug getan zu haben glauben, wenn sie die Pflichten ihres eng begrenzten Geschäfts- und Berufskreises erfüllt haben! Denke jeder daran, daß er über seine Person, über seinen Berufskreis hinausgehende Pflichten gegen das Vaterland hat, daß diese Pflichten täglich auszuüben find, und daß es gilt, neben den kleinen Angelegenheiten des Erwerbslebens auch ideale Güter zu pflegen« Gerade dies gibt dem Kriegervereinswesen sein schönes, sein herrliches Ziel. Nicht Selbstzwecke verfolgen unsere Kriegervereine, sondern lediglich die Liebe zu Kaiser und Reich, zu König und Vaterland ist es, die sie in allen Schichten unse- res Volkes wecken, pflegen und betätigen wollen. Damit arbeiten sie in erster Linie an den Aufgaben, deren Erfüllung uns vor einem abermaligen 1806 bewahren wird. „Per aspera ad astra“ — „auf Dornenwegen den Sternen entgegen", so wollen wir ringen und arbeiten um die Zukunft, um das Wohl und Vorwärtsschreiten unseres geliebten deutschen Vaterlandes 1