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Hanauer K inniger

SezuM-kètsr

Merkels âhrllch 1.80 ML, monatlich 80 Pfg., fOt m* värtige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pf».

NokEonsdruck und Verlag der Luchdruckerei des «rein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Gencral-Auzeiger

AMchtt TkM für SW nah AMreis Kman.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die Sgèspalken« PetUzetle oder deren Nam« 20 Pß> im Neklamenteil die Zeil« Ä Psg.

Verantwort!. Redakteur: L Schr«««r in Hanan,

Nr. 158 F-rnfpr-chanfchlttk Str. 230

Montag den 10. Juli

Kerttsprechanschltttz Str. 230 1911

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Der durch die warme trockene Witterung veranlaßte niedrige Brunnenwasserstand zwingt uns, die Wasserabgabe in der Zeit von 11 Uhr abends bis 5 Uhr morgens gänzlich tinzustellen. Die Wasserzuführung in die Stadt wird durch Abstellen des Schiebers am Philippsruher Schlosse aufge­hoben. Eine Feuerwache wird an diesem Schieber in der angegebenen Zeit aufgestellt, um beim ersten Alarmsignal dèn Zuflug des Wassers in die Stadt durch Oeffnen des Schiebers wieder herzustellen.

Hanau den 10. Juli 1911. 17137

Der Magistrat.

Dr. Eebeschus.

Bekanntmachung.

Infolge der anhaltend warmen Witterung und des enormen Wasserverbrauchs, der in den letzten Tagen bereits auf ca. 200 Liter für den Kopf und Tag der Einwohner­schaft angewachsen ist, ist der Erundwasserstand bei den bei­den Pumpstationen derart zurückgegangen, daß ein völliges Versagen der Brunnen zu befürchten ist.

Wir sehen uns daher veranlaßt, um den Wasserverbrauch zu Genußzwecken nicht ebenfalls einschränken zu müssen, die Wasserentnahme aus der städtischen Wasserleitung zur Ear- tenbesprengnng bis auf weiteres hiermit zu untersagen.

Gleichzeitig warnen wir vor jeder Art von Wasserver­geudung.

Zuwiderhandelnde müßten entsprechend den Bestim­mungen des § 2 der Polizeiverordnung vom 8. Juni 1900 zur Bestrafung herangezogen werden.

Hanau den 10. Juli 1911. 17139

Der Magistrat.

Dr. Eebeschus.

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

In Rumpenheim, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau den 10. Juli 1911. V. 4437

Handelsregister.

Das unter der Firma:

Joh. Diedrich Meyer in Wilhelmsbad bei Hanau bestehende Handelsgeschäft ist auf die Witwe des Restaurateurs Johann

Von Homburg nach Helgoland.^ luy

Das Oberland ist ein Buntsandsteinfelsen, der sich bis zu einer Höhe von 36 Metern über dem Unterlande erhebt. Schmale weiße Bänder deuten die Schichtung des Gesteins an. Seinem Flächeninhalte nach ist es fünfmal größer als das Unterland. Das Gestein erscheint auf den ersten Blick als wenig widerstandsfähig. Beständig rutschen größere oder geringere Massen ins Meer; diese sind so mürbe, daß man kleine Stückchen bequem mit der Hand zerdrücken kann. Ich hatte den Eindruck, als könnte die Insel wohl kaum noch ein Jahrhundert bestehen. Von fachmännischer Seite wird jedoch behauptet, daß ihr sicher eine viel längere Lebens­dauer beschieden sein wird. Das Gestein ist nämlich nicht durchweg so mürbe, es finden sich auch festere Schichten, die dem Wasser erfolgreich widerstehen. Außerdem ist die West­seite, die Wetter und Brandung am meisten ausgesetzt ist, von einem Felsplateau gleicher Struktur umgeben, das bei Ebbe mit dem Wasserspiegel gleichliegt und den Hauptstoß von der Insel abhält. Zudem hat man neuerdings damit begonnen, durch umfangreiche Vetonarbeiten der Insel Schutz zu verleihen.

Hier oben auf dem Oberlande ist die Luft noch stärker als drunten. Dieser Wind in Verbindung mit der starken Lichtfülle, die durch die Spiegelung auf dem Wasser erzeugt wird, bräunt die Haut schon in 1—2 Tagen. In der Tat sahen einige Sommerfrischler, die uns begegnen, fast wie Neger aus. Der Wind ist auch die Ursache, daß hier Bäume im Freien nicht fortkommen, während sie an geschützten Stellen recht gut gedeihen. Die Oberfläche des Felsens ist, abgesehen von einigen Hünengräbern, eben. Sie wurde früher fast nur von Kartoffelpflanzungen eingenommen, wonach der breite, mitten durch die Insel führende Weg noch heute spottweise „Kartoffelallee" genannt wird. Jetzt be­anspruchen den größten Teil des Landes die Vefestigungs-

Diedrich Meyer, Eva Katharina gen. Käthe

E a u f f zu Wilhelmsbad bei Hanau übergegangen.

Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 1. Juli 1911. 17069

Die diesjährige Generalversammlung des Zweigvereins vom Roten Kreuz findet

Freitag den 14. d. M., nachmittags 5 Uhr, im Kreistagssitzungssaale im Kreishaus statt.

Tagesordnung:

1. Kassenbericht.

2. Bericht der Rechnungsprüfer über die Prüfung der Jahresrechnung und Entlastung des Schatzmeisters.

3. Vorstandsergänzungswahlen.

4. Wahl der Rechnungsprüfer für die Jahresrechnung 1911.

5. Angelegenheiten der dem Zweigverein angeschlossenen Sanitätskolonnen.

6. Mitteilungen.

Die Mitglieder des Zweigvereins aus dem Stadt- und Landkreis werden hiermit zur Generalversammlung einge­laden.

Hanau den 10. Juli 1911. R. K. 135

Ramens des Vorstandes Der Vorsitzende.

Frhr. Laur, Landrat.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 silbernes Kollier mit Anhänger (Herz) mit 3 grünen Steinchen, 1 Korallenkettchen, 1 eiserner Tritt von einem Personenwagen, 1 Zweimarkstück, 1 weißer Chabo.

Verloren: 1 schwarzer Füllfederhalter, 1 Brillant­ohrring, 1 Portemonnaie mit etwa 5 Mark, Fahrrad- und Visitenkarte für Wilhelm Eauff.

Hanau den 10. Juli 1911.

Politische RundTchao.

Zur Nordlandsreise des Kaisers wird aus Ehristiania, 6. Juli geschrieben: Auf seiner diesjährigen Nordlandsreise machte Kaiser Wilhelm den ersten Aufenthalt in Stavanger, wo sich schon einige Tage zuvor zwei deutsche Torpedoboote eingefunden hatten, die dann heute früh, mit zehn Lotsen an Bord, der „Hohenzollern" und den beiden Begleitschiffen „Kolberg" und „Sleipner" entgegenfuhren. Gegen 1 Uhr ging das ganze Geschwader im Hafen von Stavanger vor Anker. Am Nachmittag kam Kaiser Wilhelm, der sonnenge­bräunt aussah, mit einem 16 Personen zählenden Gefolge an Land und fuhr zunächst zur Domkirche, die die größte Sehenswürdigkeit von Stavanger bildet. Sie stammt aus anlagen, die in letzter Zeit noch vergrößert werden. Deshalb hat man einen hohen Wall aufgeworfen, der freilich, vom ästhetischen Standpunkte betrachtet, keine Verschönerung ge­nannt werden kann. Nebenher führt eine Materialbahn und schafft beständig neues Gestein herbei. Auch an War­nungstafeln mit gar mancherlei Verboten fehlt es nicht. Sie haben allerdings wohl ihre Berechtigung in der hohen mili­tärischen Bedeutung Helgolands, wirken aber immerhin an diesem poetisch schönen Fleckchen Erde recht nüchtern.

Umschreiten wir nun einmal die Insel an der Peripherie. Wir kommen am Wohnhaus des Kommandanten vorüber, der hier garnisonierenden Matrosenartillerieabteilung und genießen einen schönen Blick auf das zu unseren Füßen ruhende Unterland. Drei Torpedoboote liegen unweit der Küste zu Manöverierungszwecken. Eins von ihnen gibt ein Signal durch Aufziehen verschiedener Flaggen. Sogleich stellt sich neben uns ein Matrose auf eine Erhöhung und gibt eine Nachricht, indem er mit zwei Fähnchen bestimmte Armbewegungen ausführt. Diese werden von einem Ma­trosen des Torpedobootes mehrmals wiederholt, bis die De­pesche richtig verstanden ist.

Am Südende angelangt, erblicken wir unter uns wieder den bekannten isolierten Felskegel, den „Mönch", der gleich­sam als Wächter neben der Insel steht. Er ist dadurch ent­standen, daß das Wasser ein Loch in den vorspringenden Felsen gerissen hat, das sich immer mehr erweiterte, bis eben die Brücke zusammenbrach und der Pfeiler allein übrig blieb. An der Westküste finden wir noch eine ganze Reihe derartiger alleinstehender Felsen, die größeren haben alle ihre besonderen Namen, an die sich wiederum bisweilen Sagen knüpfen. So gewahren wir neben dem „Mönch" die „Nonne", etwas weiter nördlich den „Pastor". Ein kleinerer Kegel ist die „Frau Pastorin", am Nordwest-Strande erhebt sich die „Lange Anna". Wir folgen den zahlreichen Aus­buchtungen und Einschnitten, die die Naturkräste hier ge­bildet haben und lassen dabei den entzückten Blick weit

dem Mittelalter, wo diese Stadt noch Bischofssitz war. Ihr Schiff stellt eine rundbogige Basilika dar, deren Hauptschiff durch mächtige Pfeiler von den Seitenschiffen getrennt ist. Nach halbstündigem Aufenthalt in der Domkirche fuhr der Kaiser in die Umgegnd von Stavanger nach den Anhöhen Daalandshängen und Ullenhangen, von wo sich eine um­fassende Aussicht über weite Gebiete im südlichen Norwegen und aufs Meer bietet, sofern das Wetter klar ist, was beim kaiserlichen Besuch nicht ganz der Fall war. In Stavanger, dessen Wohlstand sich auf Schiffahrt und Handel mit Fische­reierzeugnissen gründet und das gewöhnlich der erste Platz ist, den die aus Deutschland abgehenden Nordlandstouristen­schiffe anlaufen, hatte die Ankunft des Kaisers großes Leben hervorgebracht. Namentlich am Abend wurde die „Hohen­zollern" von Booten aller Art umschwärmt, da die Musik­kapelle an Bord spielte. Diese gab u. a. auch einen norwe­gischen Marsch zum besten, der die Zuhörer in den Booten zu stürmischem Beifall Hinriß. Auf der Weiterfahrt nach Bergen wird der Lysefjord besucht, wo der Kaiser noch nicht gewesen ist. Dieser schmale und wilde Fjord ist ein Arm des weitverzweigten Bokenfjords, der in der Nähe von Sta­vanger ein ganzes System von Wasserstraßen und Inseln schafft und dadurch dieses Gebiet zu einem sehr abwechse- lungsreichen und interessanten gestaltet.

Der Kronprinz hat die Villa Maund bei Hopfreben in Vorarlberg, wo er bereits mehrere Male zur Jagd weilte, auf drei weitere Jahre gepachtet. Er wird am 15. August mit der Kronprinzessin und den Kindern zu längerem Auf­enthalt in Hopfreben eintreffen.

Hoftrauer hat der Berliner Hof angelegt für die verwitwete Prinzessin Napoleon Bonaparte auf 14 Tage bis einschließ­lich 20. d. M., für die gleiche Zeit für die verwitwete Groß­fürstin Konstantin von Rußland und auf drei Wochen bis zum 27. d. M. für die Königin-Witwe Maria Pia von Portugal.

Der König von Serbien empfing die Mitglieder der neuen Regierung und richtete an sie eine Ansprache, in der er den Wunsch ausdrückte, daß die Skupschtina die im Herbst nächsten Jahres ablaufende Legislaturperiode auch been­digen möge. Das neue Kabinett möge versuchen, mit der Skupschtina zu arbeiten, wozu er ihm besten Erfolg wünsche. Wenn ein Zusammenarbeiten zwischen der Regierung und der Skupschtina unmöglich sei, was er sehr bedauern würde, so werde die Krone in der Lage sein, entsprechend zu handeln. Der König empfahl schließlich der Regierung, in ihrer Tätigkeit versöhnlich zu wirken. Ministerpräsident Milo- wanowitsch erwiderte im Namen der Regierung, daß diese alles aufbieten werde, um die Wünsche des Königs zu er­füllen. Milowanowitsch ist zu sechswöchigem Kurgebrauche nach Marienbad abgereist.

übers Meer gleiten, dessen glänzende Fläche durch kleine Segelboote wie von weißen Faltern belebt ist. Am herr­lichsten genießen wir diesen Anblick vom äußersten Punkte der Insel, der Nordwestspitze, aus. Wir schreiten nun die Ostküste entlang; auch hier bietet sich wie überall eine wun­dervolle Fernsicht; die Gliederung jedoch ist einförmiger und weist weniger romantische Formen auf.

Wir nähern uns alsdann dem südlichen Teile. An man­chen Stellen wächst mageres Gras, das von einigen Schafen, die an Stricken angebunden sind, abgeweidet wird. An dem neuen Leuchtturm vorbei, dessen Strahlen das Meer nachts auf eine gewaltige Entfernung hin beleuchten, gelangen wir zur Kirche. Sie ist der Eigenart des Standortes angepaßt, soll in ihrem Innern zwei Schiffsmodelle enthalten und be­sitzt Fenster in Gestalt von Schiffsluken. Früher kannte man hier — ein zweites Gretna Green — ohne jegliche papierene Formalitäten getraut werden. Durch kleine Gäßchen, in denen die in friesischer Bauart aufgeführten Häuser des Schiffers und Fischers liegen, gelangen wir wieder ins Un* terland hinab und haben unsern Rundgang beendet.

Nach dem Abendbrot, als es schon zu dunkeln begann, wußten wir nichts besseres zu tun, als den Spaziergang nochmals zu wiederholen, diesmal in umgekehrter Richtung. Während drunten die Fremden beim Biere sitzen, steigen wir nochmals ins Oberland hinauf. In erhabener Ruhe liegt das Meer zu unsern Füßen: kein Geräusch, kein Laut durchdringt die Stille hier oben. Man glaubt, der Erdo entrückt zu sein. In kurzen Zwischenräumen blitzt drüben auf der Düne das Blinkfeuer auf. Ueber uns hin gleiten beständig die breiten Lichtbänder des Leutchtiurmes, uner­müdlich und schweigsam. Jeder Strahl läßt das Meer weit hinaus in silbernem Glanze aufleuchten. Ein Schauer vor der Unendlichkeit macht die Seele erzittern ....

Am andern Morgen waren wir schon zeitig auf den Beinen und das war auch nötig, mußten wir doch noch an diesem Vormittag unser Programm zu Ende führen, Di«