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Bezugspreis?

BkèOffWrkich 1.80 DL, monatlich 60 Pfg., fflr an«, wärtige Abonnenten mit dem betreff. Posiauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des «rein. ro. Waisenhauses in Hana«.

General-Aazeiger

AmWrs TW« für Stabt- nab FiMms Kamm.

Erscheint tLgÜch mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Sie OgefpaBene Petttzeile ober deren Raum 80 Wt in Reklameateil btt Zeile Ä Pfg.

verantwortl. Redakteur: S. Schreckeri» Hana».

Nr. 155 netHfvted)anM)htf$ Str. 230.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Wir ersuchen, die Rechnungen für die Forderungen aus Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Hanau einschl. derjenigen für die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke stets innerhalb 14 Tagen nach dem Vierteljahresschlutz ein- zureichen.

Die Rechnungen vom 1. April bis 30. Juni ersuchen wir, Lis zum 15. d. Mts. einzureichen.

Hanau den 1. Juli 1911. 16667

Der Magistrat.

Dr. GeLeschus.

51 adi w et sitrtg

der Johanni-Durchschnittspreise in Hanau pro 1911.

1.

Weizen L 100 kg

. 21,—

Mark

„ „ 1 hl

. 16,80

2.

Roggen „ 100 kg

. 17,69

„ „ 1 hl

. 13,10

»

3.

Gerste „ 100 kg

. 18,25

* „ 1 hl

. 12,05

4.

Hafer „ 100 kg

. 18,56

» „ 1 hl

. 8,17

5.

Kartoffeln â 100 kg .

9,00

ff

6.

Welschkorn L 100 kg .

. 15,50

7.

Roggenstroh â 50 kg .

2,35

w

8.

Haferstroh i 50 kg " .

2,20

9.

Eerstenstroh â. 50 kg .

2,20

10.

Heu â 50 kg

3,13

11.

Buchenscheitholz â 1 rm

. 11,50

12.

Eichenscheitholz â 1 rm

9,50

ff

13.

Tannenscheitholz â 1 rm

9,—

Hanau den 29. Juni 1911.

Städtische Polizeiverwaltung.

Der Oberbürgermeister.

J. A.: Bartmuß. 16669

Stehen geblieben im Bureau der Steuer­verwaltung: 1 Herren-Regenschirm. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 5. Juli 1911. 16665

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 schwarze Handtasche (Inhalt 3 Taschen­tücher, 1 Hausschlüssel und etwas Geld). 1 unechtes Hals­kettchen mit Anhänger mit Monogramm E. 8., 1 Messing-

Mondschein.

Bon Augusta Grove.

Eines Abends im Sommer stand eine junge, schlanke Dame in Byzen auf dem Bahnsteig und schaute nach dem Zuge aus, der sie über den Brenner nach München führen sollte. Auf der Dank neben ihr hatte sie einen kleinen Hand­koffer untergebracht, an den ein Skizzenbuch, ein Malkasten und ein ungeheurer Sonnenschirm gebunden waren.

Sie sah in ihrem grauen Reisekleid und dem von einem weißen Schleier umwickelten großen, hellen Hut sehr an­sprechend, so ansprechend aus, daß der Stationsvorsteher sich auf ihre Frage nach der Ankunftszeit des Zuges nicht mit der geschäftsmäßigen Antwort begnügte, sondern sich erkun­digte, ob das gnädige Fräulein sich längere Zeit in Bozen aufgehalten habe.

. . .Nein, nur zwei Stunden . . . Das sei bedauerlich, denn eine schönere und malerischere Stadt . . . dabei warf er einen Blick auf ihr Gepäck . . .gäbe es im weiten Um­kreise nicht.

Sie glaubte es gerne, hätte auch das Wenige bewundert, was sie gesehen hätte. Indessen hätte ihr Reiseplan es ihr nicht gestattet, sich länger aufzuhalten. Am meisten be­dauerte sie aber, daß sie den Brennerpaß im Dunkeln passie­ren würde. Sie hätte Bozen schon um die Mittagszeit er­reichen wollen, leider aber Verspätung gehabt. Jetzt bliebe rhr nichts übrig, als die prachtvolle Strecke über den Vren- uer zu durchschlafen. Das wäre das Aergerlichste, das sie auf der ganzen Reise erlebt hätte.

»Aber, mein gnädiges Fräulein, Sie haben ja heute Monberes Glück," rief der Beamte eifrig aus. Hr ^ h"beu diese Nacht Vollmond, und nie ist der Weg ur den Paß entzückender als beim Mondschein."

lebhafte Gesicht der Dame klärte sich auf. Daran

Donnerstag den 6. Juli

Wagenkapsel, 1 Ring von einem Aufsatzbügel, 1 Damen- Regenschirm (stehengeblieben bei Metzgermeister Köhler, Rosenstr. 22).

Verloren: 1 Kneifer mit goldnem Kettchen, 1 oxi­dierte Herrenuhr mit kleiner Kette, 1 schwarze Handtasche (Inhalt: 2 Taschentücher, 1 Schlüssel, 1 Schlinke und 1 Mk. bar), verschiedene Papiere in blauem Umschlag für den Heizer Philipp Ohl aus Kilianstädten.

Entlaufen: 1 gelber deutscher Schäsferhund, 1 grauer geschorener Schäferhund mit Kette.

Hanau den 6. Juli 1911.

Politische Runâlâa«.

Der Kaiser auf der Nordlandsreise. Die Jacht „Hohen- zollern" ist mit dem Kaiser an Bord Mittwoch ftüh von Kiel nach Norwegen in See gegangen.

Die hessische Zweite Kammer nahm gestern in der Frage der Revision der preußisch-hessischen Eisenbahnvertrages un­ter Ablehnung mehrerer sozialdemokratischer und freisinni- ger Anträge einstimmig den Antrag an, die Regierung zu ersuchen, beim Zusammentritt des nächsten Landtages zur Klärung der seit Jahren über die Revision des Gemein- schastsvertrages in der Oeffentlichkeit behändsten Fragen dem Landtag vorzulegen.: 1. eine genaue Uebersicht über die auf den hessischen Linien der preußisch-Hessischen Eisen­bahngemeinschaft seit dem Bestehen des Vertrages einge­tretenen Vetriebssteigerungen und die damit bedingte Werterhöhung: 2. Eine genaue Uebersicht über die seit dem Bestehen des Vertrages notwendig gewordenen Kapitals­aufwendungen Hessens sowie über die in der nächsten Zeit noch in Aussicht stehenden Aufwendungen.

Die türkische Studienkomnnssion traf am Mittwoch vor­mittag in Essen ein, um die Kruppschen Werke zu besich- tgen. Nach einem Rundzange begab sich die Kommission auf den Schießplatz, wo verschiedene Geschütze vorgeführt wurden. Später fand im Kruppschen Hotä zu Ehren der türkischen Gäste ein Frühstück statt.

Ein Stapellauf für die russische Flotte. Auf der Putilow- Werft ist der Torpedokreuzer „Nowik" vom Stapel gelaufen, der von dem unter dem Vorsitz des Großfürsten Alexander Michailowitsch stehenden Komitee bestellt worden war. Der „Nowik" hat ein Deplazement von 1260 Tonnen und soll eine Geschwindigkeit von 36 Knoten erhalten.

Die Mobilmachung Montenegros.

Aus Cetinje find in letzter Zeit wiederholt Nachrichten gekommen, die kriegerische Stimmung verrieten. König Ni­kolaus war über die kriegerische Aktion der Türkei in Al­banien sehr erbittert und drohte mit kriegerischen Maß­regeln. Die letzten Versuche der Türkei, Albanien zu be-

hatte sie nicht gedacht. Diesen Genuß würde sie sich natür­lich nicht entgehen lassen. Dafür konnte sie morgen am Tage in München ausschlafen.

In diesem Augenblick fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Der Vorsteher nahm galant ihren Handkoffer und trat da­mit an ein Coups 1. Klasse.

»Ach nein," rief sie lächelnd aus, „so weit habe ich es noch nicht gebracht. Ich bin erst Anfängerin in meiner Kunst und fahre natürlich 3. Klasse.

Er lächelte verständnisvoll, öffnete die Türe, reichte ihr das Gepäck hinein und wünschte dem gnädigen Fräulein eine gute Reise.

Im Zuge waren nur wenige Pasiagiere. Hinten im letzten Abteil hörte sie einen lustigen Gesang. Es waren wohl die Studenten, die sie vorher auf dem Bahnsteig be­merkt hat:--. Sonst war sie ganz allein. Die Ruhe tat ihr wohl. Sie hatte einen schweren Tag hinter sich. Die Reise von Venedig in der großen Hitze und mit den vielen Men­schen war recht ermüdend gewesen.

Der Zug hatte sich inzwischen in Bewegung gesetzt und kroch jetzt langsam den steilen Vergpfad empor. Der Gesang hörte allmählich auf, nur im Nebenkupee schnarchte jemand. Brigitte von Holten hatte aber keine Lust zum Schlafen. Sie stand auf, nahm den Hut ab, band den weißen Schleier lose um ihr schwarzes Haar, trat auf den Seitengang hinaus und ließ ein Fenster nieder.

Einen Augenblick später öffnete sich die Tür des letzten Kupees, und ein junger Herr trat heraus. Auch er ließ ein Fenster nieder, zog die Uhr heraus und sah nach der Zeit. Dann wandte er sich plötzlich an sie und sagte: „Das gnädige Fräulein wollen wohl auch die Nacht durchwachen, um die Verglandschaft im Mondschein zu genießen?"

In seiner Stimme, in der ganzen natürlichen Art der Anrede, in seinem frischen klugen Gesicht lag etwas, das sie gleich für ihn einnahm: und sie antwortete munter:

„Wer könnte ieüt wobl icklaien und sich einen solchen

Ferusprechaitschlitsr Nr. 230 1911

ruhigen, find inzwischen ergebnislos verlaufen und jetzt will Montenegro Ernst machen. Es wird aus Wien be­richtet:

Die „Reue Freie Presie" meldet aus Eetinje: Der König teilte am Dienstag dem Doyen des diplomatischen Korps, Varon Squitti und dem russischen Gesandten Arssen- jew mit, daß Montenegro durch die Mobilisierung der Tür- kei gezwungen sei, ebenfalls mobil zu machen. Der Befehl zur Mobilisierung einer Division in Podgoritza wird Donnerstag erteilt werden.

In Montenegro beruft man sich auf die kriegerischen Maßnahmen in Albanien. Auf türkischer Seite behauptet man dagegen, daß von Montenegro aus die Unruhen in Albanien absichtlich im Gange gehalten werden. So werden von amtlicher Stelle in Konstantinopel folgende Meldungen verbreitet: Der montenegrinische General Vlayko hat sich dieser Tage in Begleitung zweier anderer montenegrinischer Offiziere nach Tuptchs begeben. Dort vereinigte er die auf­ständischen Malisioren um sich und redete auf sie ein, auszu­harren, da ein baldiger Erfolg zu erwarten sei. In Fondina nahm ein montenegrinischer Offizier den Aufständischen, die im Begriff waren, den Aufruf der türkischen Regierung zu lesen, diesen mit Gewalt ab und zerriß ihn in Stücke. Die Malissoren, welche sich an das türkische Konsulat in Podgo­ritza wenden wollen, werden von den Montenegrinern daran gehindert, sich mit dem türkischen Konsul in Verbindung zu setzen.

Die Türkei fährt fort, weitere Truppen nach Albanien zu ziehen. Wie aus Saloniki gemeldet wird, trafen drei­tausend türkische Reservisten aus Brussa und Konia mit der Bestimmung für Ober-Albanien in San Giovanni di Meoua etn.

Die Gefahr eines kriegerischen Konfliktes.

Aus Eettinje ist am Mittwoch ftüh folgendes- amtliche Telegramm in Berlin eingegangen:

„König Nikolaus von Montenegro hat dem bei ihm erschienenen Gesandten erklärt, daß er bis zum 15. Juli, d. i. bis zu dem Tage, an welchem die Unterwerfungsftist für die Malisioren abläuft, eine Truppenmacht von 7000 Mann an der türkischen Grenze aufstellen werde. Er be­gründet diese Maßnahme damit, daß er einen Ueberttitt der aufständischen Malisioren auf montenegrinisches Ge­biet verhindern wolle und erflärt, die ftiedlichsten Ab­sichten zu haben und Ruhe haften zu wollen, so lange er nicht angegriffen wird."

In Berliner politischen Kreisen wird diese Nachricht mit nicht unerheblichen Bedenken ausgenommen, denn einer­seits muß die Zusammenziehung einer so starken monte­negrinischen Truppenmacht nach Ansicht der Diplomatie die Türken reizen, andererseits den aufständischen Malisioren

Genuß entgehen lassen! Es mutz ja herrlich sein. Ich kenne die Gegend noch nicht."

„Ich fahre hier heute zum zwanzigsten Male," entgegnete er, „indessen habe ich auch noch nicht das Glück gehabt, den Brenner in Mondscheinbeleuchtung zu genießen. Deshalb werde ich Ihnen, wenn Sie es gestatten, beim Wachen Ge­sellschaft leisten."

Eine Viertelstunde später wußte er, daß sie aus dem Nor­den stamme, daß sie sich als Malerin studienhalber in Ita­lien aufgehalten habe und sich jetzt auf der Heimreise be­finde. Und sie erfuhr, daß er gegenwärtig in Innsbruck lebe, Philosophie studiert habe und demnächst den Doktor machen wolle. Dann kam ein gemeinsamer Lobgesang aus das entzückende Land dort unten im Süden, das ste erst heute morgen verlassen hatte. Und schließlich führte er sie von der einen zur anderen Seite des Wagens, erklärte ihr die vielen Schönheiten, die sie unterwegs trafen, und machte sie auf die ungeheuren Schwierigkeiten aufmerksam, die sich beim Bau dieser großartigen Bahn der Jngenieurkunst in den Weg gestellt hatten. Und während sie sich so über Men­schen und menschliche Arbeit unterhielten, war es, als zög« ihre Unterhaltung engere und engere Ringe, und schließlich sprachen sie von sich selbst, ihrer Tätigtest, ihren Büchern und Studien, von Kunst und Geschichte.

Dabei entdeckten sie zu ihrer Freude, daß ste viele ge­meinsame Bekannte und Interessen hatten, die sie einander näherbrachten. Und währnd der Zug immer höher und höher stieg, war der Mond in voller Pracht herausgekommen. Er warf einen zitternden Silberglanz über schäumende Wasser­fälle und reißende Gebirgssttöme. Die Tannen vor ihnen wurden dunkler als die Nacht selbst im Schlagschatten, aber die Buchen leuchteten in dem klaren Licht des Mondes Hell­grün. Und es wurde kälter und kälter. Sie hüllten sich in ihre Schals und sahen ganz verfroren aus, als her Schaffner an sie heranttat und sie darauf aufmerksam machte, daß sie ieüt den böckiten Vunkt erreicht hätten.