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General-Anzeiger
AM'ches Grznn fär Stobt- mib F-Äkreis Sanaa,
Erscheint tSgttch mit Ausnahme der Sonn- «nd Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 154 ^ernfprechanschluß Nr. 230.
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Die vgespalte« Petitzsil« oder der« Stettin M PH tat Neklamenteil die Zelle «PH.
VerantwortL NeSakteur: L. 6<5ee<« ta Karras
Fernsprechanschlitß Nr. 230 1911
Mittwoch den 5. Juli
Amtliches.
Eandkreis Hanau.
Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 23. Mai 1893 bezw. 3. April 1902, V 3111, betreffend die außerhalb der Irrenanstalt lebenden Geisteskranken sind noch eine Anzahl der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände. Ich bringe daher die Erledigung mit einer 8tägigen Frist in Erinnerung.
Hanau den 3. Juli 1911.
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Oeffentliche Zustellung.
Die Ehefrau des Kutschers Heinrich Baumgart, Kreszenzia geb. Jordan, in Hanau, Herrnstraße 13, Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Justizrat Eberhard in Hanau, klagt gegen ihren Ehemann, den Kutscher Heinrich Baumgart, früher in Hanau, jetzt unbekannten Aufenthalts
unter der Behauptung, daß die Parteien am 11. November 1899 vor dem Standesbeamten in Hanau die Ehe miteinander geschloffen und in Hanau ihren Wohnsitz genommen haben, und daß der Beklagte seine Ehefrau seit dem 27. Februar 1907 verlassen habe und sein Aufenthaltsort seit über 3 Jahren unbekannt sei, mit dem Antrag:
die zwischen den Streitteilen am 11. November 1899 Zu Hanau geschlossene Ehe dem Bande nach zu scheiden und den Beklagten für den schuldigen Teil zu erklären.
Die Klägerin ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor die erste Zivilkammer des Königlichen Landgerichts in Hanau auf
den 7. November 1911, vormittags 9 Uhr,
mit der Aufforderung, einen bei dem gedachten Gerichte zugelaffenen Anwalt zu bestellen.
Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht.
Hanau den 27. Juni 1911. 16581
Tapp, Eer.-Sekr.
Eerichtsschreiber des Kgl. Landgerichts.
Dienstnachrichten ans dem Kreise.
In der Gemarkung Niederdorfelden ist die Schweine- seuche festgestellt worden.
Hanau den 4. Juli 1911. V 4268
Gustav Mahler und Feist Mottl.
Von Dr. Adolf StLbing.
Am 2. d. Mts. ist Felix Mottl zur ewigen Ruhe eingegangen, herausgeriffen mitten aus seiner Arbeit, ausge- löscht auf dem Gipfel seiner künstlerischen Wirksamkeit, im kräftigsten, hoffnungsreichsten Mannesalter. Und am 18. Mai hat der frühere Hofoperndirektor zu Wien die Augen geschloffen, erst ein 51jähriger und jünger als der ihm im Tode so rasch Gefolgte. Zwei unserer Größten haben wir verloren, Lücken sind entstanden, die sich schmerzlich fühlbar machen und noch schmerzlicher fühlbar machen werden.
Gustav Mahler wurde 1860 zu Kalischt in Böhmen geboren. Nach dem Besuche des Jglauer und Prager Gymnasiums trat er in das Wiener Konservatorium ein, war Schüler von Epstein, Fuchs und Krenn und erregte schon dort durch seine glänzende Begabung Auffehen. Auch den Grund zu seiner gediegenen, heute ja keinem auf Bedeutung Anspruch machenden Musiker mehr entbehrlichen wissenschaftlichen Bildung legte er dort, ließ sich in der Universität einschreiben und trieb eifrig literarische, philosophische und historische Studien. Dann begann die Praxis, die Kapellmeisterei. Von den Haller Operetten und Possen glngs über Laibach (wo er angeblich bei einer „Martha"- Aufführung die „letzte Rose" pfeifen mußte), nach Olmütz, heute einem annehmbaren Provinztheater, damals einem geistigen Spital, wo er mit allen Widerwärtigkeiten eines unzulänglichen Betriebs bekannt wurde. Erst seine Berufung an das Casseler Hoftheater machte diesem Elend ein Ende und nun ging es rascher aufwärts. Nach erfolgreicher Wirk- lamkeit an den Bühnen Prags, Leipzigs, Budapests und ' er an die Spitze der Wiener Hofoper, wo er Jahre lang dem musikalischen Leben den Geist seiner ungeheuren Persönlichkeit aufgedrückt hat.
Komponist wie als Dirigent ist Mahler eine ganz außerordentlrche Erscheinung. Was sein tonsetzerisches
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Am Freitag den 7. d. Mts., vormittags 8 Uhr, findet im unteren Saale des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt.
Hanau den 4. Juli 1911. 16651
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Hild.
Politische KunMÄ-an.
Die hessische Zweite Kammer hat nach mehrstündiger Beratung die sozialdemokratischen Anträge auf Schaffung einer nationalen Einheitsschule, die für alle Schüler pflichtmäßig sein sollte, abgelehnt.
Dom Hansabund. Auch in Bochum haben eine Anzahl führender Männer aus den Kreisen der Industrie ihren Austritt aus dem Hansabund vollzogen, u.a. der Generaldirektor des Bochumer Vereins für Bergbau und Eußstahlfabri- kation, Geheimer Kommerzienrat Vaare, der Vorsitzende des Zementsyndikats Stadtrat L. Rosenstein, der Syndikus der Bochumer Handelskammer Dr. Wiebe und Stadtrat Walter Bosch-Bochum. Von der Gründung einer neuen Ortsgruppe Bochum wird voraussichtlich Abstand genommen werden. Die Ausgetretenen werden sich der in Essen unter Leitung des Geheimrats Kirdorf ins Leben getretenen Bezirksgruppe anschließen.
Schutz der deutschen Interessen in Marokko.
Die Lage in Marokko ist allmählich so widerspruchsvoll geworden, daß unter den Rächstbeteiligten kaum noch ein klarer, unbestrittener Rechtsstandpunkt besteht. Mit der Algecirasakte wird Fangball gespielt. Zweifellos hatten die Spanier kein Recht, von Larasch nach Alkassar vorzurücken und sich hier festzusetzen, aber gegenüber der Berufung der Franzosen auf Algeciras können sie mit Recht erwidern, daß sie in Alkaffar dasselbe tun, was die Franzosen schon längst in der Schauja getan haben und jetzt in der Gegend von Fez herum zu tun im Begriff sind. General Monier richtet in Mekinez und an anderen Punkten in der Nähe von Fez französische Posten ein und wird auf seinem Rückmarsch von Fez nach Rabat und Casablanca an verschiedenen Orten Truppen zurücklaffen. Um die Spanier von einer Ausdehnung ihrer Operationen über Alkaffar hinaus abzuhalten, wird sogar in der Pariser Marottopreffe empfohlen, daß nun auch die Kolonne des Generals Toutse über die Muluya nach Taza und Fez vorstoßen solle. Unter diesen Umständen ist die Fiktion, daß die Algecirasakte noch in Geltung sei, nicht mehr aufrecht zu erhalten. Der Einrichtung von frem-
Schaffen betrifft, so ist er in erster Linie Sinfoniker. Als solcher nimmt er zwischen der programmatischen, von Berlioz und Liszt zu Richard Strauß führenden Richtung und der klassizistischen Schumann-Vrahms-Regers eine merkwürdige, gewiffermaßen vermittelnde Stellung ein, die in der Brucknerschen Sinfonie ihren Ausgang nimmt. Wie bei diesem verbindet sich ein musikalischer Inhalt, der sich der Errungenschaften der von Wagner für das Drama geschaffenen Ausdrucksmittel bedient, mit einer Form, die von Beethoven überkommen, jedes Hinausgehen auf ein außermusikalisches Gebiet entschieden und bewußt ablehnt. Dabei ist aber wohl zu bemerken, daß von einer Wesensverwandtschaft mit Bruckner durchaus keine Rede sein kann. Rein das gemeinsame Streben nach höherer Einheit tritt in Erscheinung. Natürlich kann auch die absolute Musik nicht ohne befruchtenden Anhalt auskommen. Mahlers Musik steigt hernieder zu den Wurzeln des Seins, zu dem Urbronn alles Lebens. Sie leiht den Urempfindungen Sprache, rührt an alle Mysterien der Welt. Alles was seine Seele tröstet und erhebt, was sie bedrückt und niederschmettert, klingt dort wieder und erfährt eine großartige, eigenartige Gestaltung. Wenn das Wort wahr ist, daß die Kunst nicht vom Künstler zu trennen ist, so trifft das bei Mahler offensichtlich zu. Ein Kind des Jangesfreubigen, musikdurchtränkten Böhmerlandes, konnte es seine Heimat verleugnen? Nein! Und so finden wir den volkstümlichen Einschlag in seinen Sinfonien, ja seiner ganzen Musik, wovon beispielsweise die zweiten Sätze der 1.—4. Sinfonie und das Scherzo der 5. beredtes Zeugnis ablegen. Andererseits war der Meister, der durch eine so schwere Schule hindurch gegangen, im Besitze eines berüchtigten Sarkasmus, einer Schroffheit, Herbe und Derbheit, die sich in feinen sinfonischen Werken ebenfalls spiegelten, naturgemäß spiegeln mußten, sollte das Produtt seines Schaffens nicht die persönliche Note seines Urhebers vermissen lassen.
Es sind dies die Stellen, die als grell und trivial ver
den Polizeistationen und gar von fremden Besatzungen i» Innern Marokkos steht die klare Bestimmung des Algecirasvertrages entgegen, daß nur in den acht offenen Häfen der atlantischen Küste Franzosen und Spanier Instrukteure für die marokkanische Polizei liefern sollen. Die französische Preffe selbst gibt jetzt zu, daß die tatsächlichen Ereignisse im Widerspruche mit den internationalen Abmachungen stehen. Nicht direkt, aber indirekt; denn der Vorschlag, an Deutschland Kompensationen zu gewähren, heißt doch nichts anderes, als daß die Rechte und Jntereffen Deutschlands und der anderen Algecirasmächte verletzt sind. Das Nächstliegende für die deutsche Politik ist jedoch nicht die Forderung einer Abfindung, sondern der Schutz von Leben und Gut deutscher Landsleute in Marokko selbst. Es wäre ungerecht, zu behaupten, daß die Franzosen da, wo sie die tatsächliche Macht haben, wie z. V. in Casablanca, die deutschen Jntereffen nicht respektierten; im Gegenteil hat sich die fron« zöstsche Regierung ernstlich bestrebt gezeigt, Zwischenfälle mit deutschen Reichsangehörigen möglichst zu vermeiden. Anders liegt die Sache im südlichen Teile des scherifischen Reichs. Während sich das französische und spanische Vorgehen auf das nördliche Marokko konzentriert und hier das Herabfinken der Sultansmacht zu einem Schattendasein bewirkt hat, sind gerade im südlichen Teile erhebliche deutsche Jntereffen vorhanden, bei deren Schutz sich die deutsche Regierung weder auf die geschwundene Autorität des Sultans und es Machsen noch auf französische Rücksichten verlaffen kann. Hier den von unseren Landsleuten verlangten Schutz zu gewähren, ist Recht und Pflicht der deutschen Regierung. Sie hat zu dem chaotischen Zustande, der ihr diese Pflicht auferlegt, nichts beigetragen, sie hat lange ruhig abge- wartet und sich nicht drängen lassen, sie wird nun auch fest durchhalten, bis die Voraussetzungen für ihr Eingreifen weggefallen sind.
Der „Panther" durch den Kreuzer „Betfin“ ersetzt.
Das Kanonenboot „Panther", das auf der Heimreise von Westafrika nach Agadir gesandt wurde, wird durch den Kreuzer „Berlin" abgel^t, da die Rückkehr zu einer gründlichen Reparatur nicht länger auffchiebbar ist.
Der Kreuzer „Bettin“ schon unterwegs.
Der Kreuzer „Berlin" ist schon am vergangenen Samstag von Kiel abgegangM und dürste bereits Dienstag bei Agadir eintreffen. Der Wechsel war bereits in der Mitteilung der Berliner Regierung an die Mächte damit angedeutet, daß die Entsendung des „Panther" durch das Wort „zunächst" als eine vorläufige Disposition gekennzeichnet war. Der „Panther" der von seiner westafrikanischen Station auf der Heimreise begriffen ist, ist bereits seit 10 Jahren im Ausland, sodaß eine gründliche Reparatur unauf
schrien sind, des öfteren auch als Effektspielerei ausgedeutet werden. Erhöht wird das Mißfallen noch durch eine gewiffe rücksichtslose Führung der Füllstimmen, die bei Mahler nichts weniger als sogenannte „Füllstimmen" sind, denn jedes Instrument geht störrisch, selbstbewußt fernen besonderen Weg. Ich habe vor Jahren in Frankfurt einer Änlich indignierten Ablehnung einer Mählerschen Sinfonie beigewohnt. Welche damals zur Aufführung stand, kann ich mich leider nicht mehr entsinnnen, glaube aber, daß es sich um die beiden ersten Sätze der 1. handelte, die dem harmonischen Empfindungs- und Fassungsvermögen Bieler doch wohl etwas zu viel aufgegeben hatte«. Richard Strauß und Reger entflammen heute noch die Parteien gegeneinander, aber sie haben es bei ihren Gegnern in vielen Punkten zu einer Anerkennung gebracht. Mahler erweckt noch immer Kopfschütteln und Unruhe. Immerhin betrachtet man seine letzten sinfonischen Erzeugnisse schon mit einem gewissen, wenn auch neugierigen Interesse, staunt über die kolossalen Dimensionen derselben und betrachtet verwundert die riesige Zahl der mitwirkenden Kräfte, etwa so, wie man im Zoologischen Garten ein fremdes Ungeheuer mustert. Als Strauß mit seinem „Don Juan", „Don Quichote" und „Till Eulenspiegel" hervortrat, gewährte es Manchem ein besonderes Vergnügen, die verzweifelt arbeitenden Kontrabassisten in Augenschein zu nehmen; Mahler hat in dieser Beziehung einigermaßen sein Erbe angetreten.
Um den Hochbegabten verstehen und allmählich würdigen zu lernen, greife man einmal nach seinen Liedern. Man wird ihnen im Konzertsaal selten genug begegnen, erfordern sie doch einwandfreie, bestens geschulte Stimmentechnik, erfordern sie doch ein volles Erfassen ihrer subtilen Emp- findungsänßerungen. Lachender Humor, Menschenlust und Menschenleid tritt uns hier in wundersamen Modifikationen entgegen. Es sind zu scheiden die Lieder mit Klavierbegleitung und diejneigen mit Orchester, letztere eine Gattung, die ganz neu, auch die Instrumente zur feineren SÜm-