Hanauer K Anzeiger
Lezugspretsi vkerkeyNSrNH 1.80 DL, monatlich 60 Pfg., fSt M» värtige Abonnenten mit dem betreff. Postanffchla-. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg,
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de« «mein. ev. Waisenhauses in Hanau«
General-Anzeiger
AMiches Organ fit Stabt« nnb Landkreis Zanas.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrllckungsgèMhr, Die gespaltet»« Petttzeile oder bete* NâiMt 20 W»
Lerantworik. NeLaktèur: S. SchreSer i* Hanau
Nr. 153
?yerr»sprechattschlttsr Nr. 230.
Dienstag den 4. Juli
Fernsprechaitschlutz Nr. 230
1911
Hanau — Landesbauamt sucht für sofort zur Aushilfe jüngeren Hochbautechniker mit Baugewerkschulbildung, flotter Zeichner mit Praxis in Bauausführung, auf die Dauer von 5 Monaten bei 120 Mk. Monatsgehalt.
Angebote mit Zeugnisabschriften und Skizzen in Briefform an das Landesbauamt in Hanau. 16491
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Mülleimer (gez. H. L.), 1 Bild (Ferienkolonie-Aufnahme von Orb).
Verloren: 1 schwarzseidener Damenschirm, 1 kleines schwarzes Portemonnaie mit 3.77 Mk.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen m. Eeschl,
Zugeflogen;1 Kanarienvogel.
Hanau den 4. Juli 1911.
Politische Rundschau.
Des Kaisers Nordlandfahrt. Der Kaiser wird auf seiner Nordlandreise begleitet von Generaloberst v. Kessel, General der Kavallerie v. Scholl, General der Infanterie von Moltke, Chef des Miliärckabinetts Frhr. v. Lyncker, Chef des Marinekabinetts v. Müller, Fregattenkapitän v. Bülow, Major v. Mutius, dem Hausmarschall Frhr. v. Lyncker, Leibarzt Dr. Niedner, dem Prinzen Albert zu Schleswig- Holstein, Kontreadmiral a. D. Erumme, Generalintendant v. Hülsen-Häseler, Gesandten v. Treuter, Generalmajor Dickhuth, Geheimrat Prof. Eüßfeldt und Marinemaler Pro- fessor Hans Behrdt.
Die neuesten deutschen Kampffchiffe. Das soeben erschienene Jahrbuch für Deutschlands Seeinteresten („Nauticus") für 1911 veröffentlicht zum ersten Male die Baudaten mit Ausnahmen der Panzerstärken für die großen Schiffe des Bauprogramms 1908, die Linienschiffe der „Ostfriesland"- Klasse („Ostfriesland", „Helgoland", „Thüringen", ferner vom Bauprogramm 1911 die „Oldenburg") und den Großen Kreuzer „Moltke". Die Linienschiffe der „Ostfriesland"- Klasse stellen insofern einen sehr bemerkenswerten Schritt in der Entwicklung unserer Kampfkraft zur See dar, als sie die ersten Schiffe sind, die eine Bewaffnung von 30,5 Zentimeter-Geschützen tragen. Bisher war das stärkste in unserer Marine vertretene Kaliber 28 Zentimeter, wie cs noch die Schiffe der „Nastau"-Klaste und von den Großen Kreuzern „von der Tann" und auch „Moltke" tragen. „Ostfriesland" hat wie feine Schwesterschiffe bei einer Länge in der Konstruktionswasterlinie von 166,5 Meter, einer Breite von 28,5 Meter und einem Tiefgang von 8,2 Meter eine »”""" " ........... ' ...........—»
Ein kühner Erknndungsritt.
2. Juli 1866.
Nach zahlreichen schweren Gefechten waren Ende Juni 1866 die drei preußischen Heere in Böhmen eingerückt. Die Oesterreicher hatten sich vor dem überlegenen Gegner, rote es in ihren Berichten hieß, „nach rückwärts konzentriert"; die Fühlung war auf beiden Seiten vollständig verloren gegangen. Allgemein nahm man bei den preußischen Armee- Oberkommandos an, daß Feldzeugmeister Benedek mit seinen Truppen die Elbe bereits überschritten habe, und rechnete mit einem Zusammenstoß erst jenseits dieses Flusses. In Wirklichkeit aber stand das österreichische Heer noch auf dem nördlichen Ufer und wollte zwischen der Elbe und der Bistritz auf den Höhen von Benatek, Chlum und Problus die Schlacht annehmen.
Als am 2. Juli vormittags mehrere Offizierpatrouillen der 1. Armee übereinstimmend meldeten, daß nicht nur feindliche Vorposten und kleinere vorgeschobene Abteilungen, sondern auch große Jnfanteriemasten zu beiden Seiten der nach Königgrätz führenden Straße biwakierten, beauftragte Prinz Friedrich Karl den Major vom Eeneralstab v. Unger, über Horitz gegen Königgrätz vorzureiten und festzustellen, ob und von welchen feindlichen Truppen die Bistritzlinie besetzt sei. Major von Unger ließ sich von der bei Gutwasser im Vorpostengros liegenden 4. Eskadron des Thüringischen Ulanenregiments Nr. 6 fünf Reiter geben, bat aber, daß die Eskadron ihm folgen möge, sobald sie das Abfüttern beendet habe. Die kleine Schar hatte kaum die Linie der bei Milowitz auf Vorposten stehenden 3. Eskadron überschritten, als chr eine feindliche Ulanenpatrouille in etwa doppelter Stärke entgegenkam, die ebenfalls von einem Generalstabs- amzler geführt wurde. Major von Unger ließ sich durch die Uebermacht nicht beirren, sondern setzte in beschleunigter Ganaart keinen Vormarsch fort entschloßen. den Feind, wenn
Wasserverdrängung von 22 800 Tonnen, also beinahe 4000 Tonnen mehr als „Nassau". Mit Kolbenmaschinen von 28 000 Pferdekräften sollen die Schiffe eine Geschwindigkeit von 20,5 Kilometer erreichen. Den Dampf liefern 15 Ma- rinekessel, der normale Kohlenvorrat beträgt 900 Tonnen, der Gesamtbunkerinhalt 3000 Tonnen. Die Bestückung besteht aus zwölf 30,5 Zentimeter-Geschützen in sechs Doppeltürmen, die genau so aufgestellt sind wie die Türme der „Nassau"; ferner vierzehn 15 Zentimeter-Schnelladege- schützen (zwei mehr als auf „Nassau") und vierzehn 8,8 Zentimeter-Schnelladegeschützen (zwei weniger als auf „Nassau"). Drei der genannten Linienschiffe, nämlich „Thüringen" (erbaut auf der Weserwerft, Eröpelingen), „Ostfriesland" (Kaiserliche Werft Wilhelmshaven) und „Helgoland" (Howaldtswerke, Kiel) sollen im Sommer und im Herbst dieses Jahres die Probefahrten beginnen. Auch der bei Blohm & Voß, Hamburg, gebaute Panzerkreuzer „Moltke" weist seinem unmittelbaren Vorgänger gegenüber eine bedeutende Größensteigerung auf. Er hat bei 186 Meter Länge, 29,5 Meter größter Breite und einem Tiefgang von 8,2 Meter eine Wasierverdrängung von 23 000 Tonnen, also 4000 Tonnen mehr als „von der Tann". Seine Bestückung besteht aus zehn 28 Zentimeter-Schnelladekanonen in fünf Doppeltürmen, die ähnlich angeordnet sind, wie die Türme auf „von der Tann", nur daß auf „Moltke" hinten zwei Türme stehen, von denen einer überhöt ist. Das Bug- feuer ist also sechs, das Heckfeuer acht schwere Geschütze stark. Die Mittelartillerie besteht aus zwölf 15 Zentimeter-Schnell- ladegeschützen (zwei mehr als „von der Tann"), die leichte Artillerie aus zwölf 8,8 Zentimeter-Schnelladegeschützen (vier weniger als „von der Tann"). Das Schiff erhält Parsons-Turbinen von 50 000 Pferdekräften, die konstruktionsmäßige Geschwindigkeit ist mit 25,5 Kilometern angesetzt, doch wird wohl, ebenso wie dies auf „von der Tann" der Fall war, eine beträchtlich höhere Geschwindigkeit erreicht werden. 24 engröhrige Marinekestel liefern den nötigen Dampf. Der normale Kohlenvorrat beträgt 1000, der Gesamtbunkerinhalt 3100 Tonnen. Bemerkt sei noch, daß „Moltke" vier, die Linienschiffe der „Ostfriesland"-Klasie sechs Torpedorohre haben. Das Torpedokaliber ist nicht angegeben.
Die mecklenburgische Verfassung. Ein allgemeiner Konvent der Mecklenburgischen Ritterschaft wird am Donnerstag den 13. d. Mts. im Ständehaus zu Rostock tagen. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand die Beratung betr. Aenderung der mecklenburgischen Landesver- fasiung.
Persien vor einer neuen Krisis. Die sogenannte Flucht des Sepahdars stellt sich immer mehr als ein Vorgehen gegen die Regierung dar. Mährend er in Rescht andauernd nötig mit der Waffe, zu verjagen. Doch nahm dieser eine Attacke nicht an, sondern zog sich auf Klenitz zurück. Bei dem kecken Vorgehen der preußischen Alanen gelang es, zwei' feindliche Manen gefangen zu nehmen, durch deren Aussagen schon wichtige Feststellungen gemacht werden konnten.
In schlankem Trabe ging es dann die Höhen von Klenitz hinauf, die eine erste Ausschau ermöglichten. Das Dorf Klenitz war nur schwach vom Feinde besetzt, dagegen stand auf dem gegenüberliegenden Höhenrücken von Dub eine starke Vorpostenlinie; aber gerade diese Höhe und eine rechts davon liegende zweite Kuppe mußten erreicht werden, um Einblick in die österreichische Aufstellung zu erlangen. Da die feindlichen Feldwachen gerade abgelöst wurden, war der Zeitpunkt zum Weiterreiten nicht geeignet; Major v. Unger entschloß sich daher, das Eintreffen der Verstärkung abzuwarten, die er durch den die beiden Gefangenen zurück- führenden Ulanen bei den Vorposten erbeten hatte. Leutnant von Sanden, der Führer der nächsten Feldwache, traf in kurzer Zeit mit 16 Ulanen ein, nur seine Vedetten waren stehen geblieben. Aufklärer nach beiden Seiten vorgeschoben, sprengten die beiden Offziere in das Tal zwischen Klenitz und Dub hinab; nach längerem Suchen wurde im Grunde ein Durchgang durch die mit zahlreichen breiten Gräben durchzogenen nassen Wiesen gefunden, bei dem ein Ulan als Posten zurückblieb. In langem Galopp ritt die tapfere Schar dann den steilen Berg hinan, der von vielen Hohlwegen durchschnitten war.
Kurz vor dem Dorfe Dub stehen feindliche Jägerposten, die sofort an die Gewehre laufen und das Feuer eröffnen. Das Dorf selbst ist stark besetzt, an den Ausgängen und am Rande zeigen sich ganze Kompanien. Aber trotz des heftigen Schießens jagen die Preußen weiter, denn noch ist das Ziel nicht erreicht. Um einen gesicherten Rückzug zu haben, läßt Major von Unger den Leutnant von Sanden mit 12 Mann etwa 800 Schritt unter der Höhe zurück, mit den übrigen Ulanen galoppiert er weiter bergauf. Auf die zweite Kuppe
Anhang sammelt, den er mit von Rußland gelieferten 5000 Militärgewehren jeden Augenblick ausrüsten kann, verlangte er von der Regierung Aufhebung des Parlaments auf ein Jahr, weitgehendste Vollmachten für sich, Rücksendung amerikanischer Finanziers. Nachdem das Parlament dies Ansinnen zurückgewiesen hat, zieht er strengere Saiten auf. Er verlangt unbedingt Unabhängikeit des Kabinetts vom Parlament. Die Minister haben demissioniert; die Lage ist kritisch, zumal die genauen Absichten des Sepahdars unbekannt sind, und auch in dem allgemeinen Chaos die Parteikonstellation nicht abzusehen ist. Die Situation in Kaswin ist unverändert. Dorthin gesandte Truppen haben sich unterwegs aufgelöst. Der Gouverneur ist nunmehr zum Sepahdar geflüchtet. Der Ausbruch neuer Unruhen und erneuter russischer Einmarsch find nicht ausgeschlossen, falls nicht unerwartet eine Einigung erfolgt.
Die portugiesische Sonderkommisfiom, die beauftragt ist, der Nationalversammlung den Verfasiungsentwurf vorzulegen, hat folgende Bestimmungen angenommen: Die Republik wird einen Präsidenten haben, besten Gehalt vor seiner Wahl festgesetzt wird. Vor der Wahl wird es zwei Kammern geben, deren eine Conseil des Municipalites heißen und von den Munizipalräten des ganzen Landes gewählt wird. Der Präsident wird den gesetzgebenden Körperschaften durch Botschaften verkehren. Die Minister werde« sich dem Parlament nicht vorzustellen haben.
Der holländische Koloni «minister erklärte über Timor: In dem Erenzvertrage vom Jahre 1904 wurden die Rechte Hollands auf einige Gebiete anerkannt, auf die Portugal ebenfalls Anspruch erhob. In einem dieser Gebiete brach Ende 1910 eine Bande von portugiesischem Gebiet her ein und richtete große Vcewllftungen an. Der Einfall zwang die Regierung, tSreifzüge durch Truppen vornehmen zu lasten, um die Bevölkerung zu schützen, falls st chdie Zwischenfälle wietirholen sollten. Aehnliche Einfälle fanden in einem Teil Timors, der an portugiesisches Gebiet grenzt, statt und zwangen die Regierung von Neuem, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen. Die portugiesischen Behörden, die zu Unrecht glaubten, daß Portugal dort noch Rechte geltend machen könne, entsandten ebenfalls Truppen. Jndesten sind Zwistigkeiten aus jüngster eZit nicht bekannt.
Marokko. Aus Fez wird unterm 29. Juni gemeldet: Am 14. Juli wird vor dem Sultan eine Parade des französischen Expeditionskorps stattfinden. Zu diesem Zwecke werden die französischen Truppen gegen den 10. Juli nach Fez zurückkehren. Nach der Parade werden die Truppen sich nach Mekina zurückziehen, wo das Quartier für die ganze Gegend aufgeschlagen wird. Die funkentelegraphische Verbindung zwischen Fez und Tanger wird am nächste« Samstag dem Dienst übergeben.
rechts zeigend, ruft er seinen Begleitern zu: „Wer hat Courage und gute Sporen und jagt dort rechts hinauf?" Als nicht gleich eine Antwort erfolgte, setzte er hinzu: „Ich habe einen Taler für ihn in der Tasche." Der (Befreite Hatzius aber erwidert: „Für den Taler tue ich es nicht, Herr Major, aber für die Ehre!" und sprengt auf seinem braven Ney die Kuppe hinauf, von wo aus er Einblick in die Stellung des Feindes hat. Major von Anger hat inzwischen mit 4 Reitern auch den Höhenrücken erreicht. Mit einem Blick übersieht er die feindliche Stellung. Von seinen eigenen Anschauungen und von dem, was ihm der (Befreite gemeldet hat, kann er sich ein Bild über die Lage machen; nicht nur sehr starke Kräfte, sondern wahrscheinlich das ganze feindliche Heer steht noch diesseits der Elbe.
Nun galt es, die wichtige Meldung mitten durch die Feinde zu den eigenen Truppen zu bringen. Als die kühnen Reiter sich zurückwenden, tauchen in nächster Nähe feindliche Lanzenreiter auf. Wie die wilde Jagd galoppieren Freund und Feind den Berg hinab. Leunant von Sanden nimmt den Major und die Seinen wohl auf, aber gegen eine ganze feindliche Schwadron ist er zu schwach. Der Aufenthalt, den er dem Gegner bietet, kann nur wenige Minuten dauern, bald muß er sich dem Rückzug durch das schwierige Gelände in die Wiesen anschließen. Alles eilt nach der glücklicherweise durch den Alanen bezeichneten Durchgangsstelle. Kurz vorher stürzt Unteroffizier Kögel und erhält einen Stich hi den Hals, doch gelingt es ihm, zu Fuß zu entrinnen; ein Ulan jedoch gerät in Gefangenschaft, da ihm das Pferd erschosten ist.
Die feindlichen Pferde haben noch nicht so viel geleistet roie die der preußischen Ulanen. Allmählich müssen di« Oesterreicher ihre Gegner einholen und machen nun von der Waffe Gebrauch. Mehrfach haben schon österreichische Manen nach dem Major von Unger, der sich durch seine Adjutanten, schärpe besonders abhebt, gezielt, schon holt ein neuer Angreifer zum Stoße aus, als der Erniäbrig-Freiwilliae do»