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Hanauer K Anzeiger

Vezngspretst

MerkeyShrNch 1.80 DL. monatlich 60 W, Mr av«. »ârtige Wonnenten mit dem betreff. Postausschla«. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg,

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Kmlliihw Organ für AM- und FanNrcis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

Die Sgespaltene Petitzell« oder deren Ras« « W im ReNamentei! die Zeile 45 Pfg,

verantwort!, Redakteur: L Schrecker in Han«,

Nr. 144 fymifpredhiitfdHHft Nr. 230.

Anttliches.

Candkreis Hanau.

Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 24 von Großkrotzenburg nach der Hanau— Aschaffenburgerstrahe von Station 8,5 bis 10,04-80, d. i. vom Ausgang des Ortes Großkrotzenburg bis an die Aschaffenbvrgerstraße für die Zeit vom 24. bis einschl. 27. d. Mts. für sämtliches Fuhrwerk, sowie für Kraft­fahrzeuge jeglicher Art polizeilich gesperrt.

Hanau den 22. Juni 1911. V 4021

Der Königl. Landrat.

F r h r. L a u r.

Stadtkreis Hanau.

Gemeindebeschluß betreffend die Erhebung einer Vergütung für Auskunfts­erteilung an Privatpersonen durch das Einwohnermelde­amt vom 18. Mai 1911 und L Juni 1911.

§ 1.

Für jede an Privatpersonen oder im ausschließlichen Interesse von Privatpersonen erteilte schriftliche Auskunft erhebt das Einwohnermeldeamt eine im voraus zu zahlende Vergütung von 25 Pfg. und zwar auch dann, wenn sich er­gibt, daß die den Gegenstand der Anfrage bildende Person in den polizeilichen Melderegistern nicht verzeichnet ist.

§ 2.

Die Vergütung wird zur Deckung der durch die Ertei­lung der Auskunft entstehenden Kosten verwendet.

Dieser Beschluß tritt am 1. Juli 1911 in Kraft.

Hanau den 14. Juni 1911. 15557

Der Oberbürgermeister. ____________________J. V.: Hild._________

Bekanntmachung.

Es wird darauf hingewiesen, daß das Betreten des an der Westseite der Schießstände entlang führenden nichtöffentlichen Weges sowie des angrenzenden Land- Lbungsplatzes des Eisenbahn-Regiments Nr. 3 (früherer Exerzierplatz der Garnison) verboten ist.

Hanau den 22. Juni 1911.

Garnison-Kommando.

Walter, Oberst.

Gesmldcne und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Hutnadel, 1 Paar weiße Herren­manschetten, 1 gelber Damengürtel.

Hanau den 23. Juni 1911.

Die Krönung Georgs V.

Morgens wurden die großen Pforten der Westminster- abtei geöffnet und in glänzenden Staatskaroffen begannen die Peers und Peerèffes in ihren roten, mit Hermelin ver­brämten Roben, die indischen Fürsten in ihren juwelen­geschmückten Gewändern und die anderen Krönungsgäste einzutreffen. Um 9 Uhr waren alle Geladenen in der Abtei versammelt, um die Ankunft der Majestäten zu erwarten. Gegen halb 10 Uhr verließ der glänzende Zug der fremden Fürsten und Vertreter den Buckingham-Palast und begab sich auf den Weg nach der Westminsterabtei. Die Spitze des Zuges bildeten das Trompeterkorps und die Musik der Leib­garden in ihren roten, reich mit Gold gestickten Uniformen und schwarzen Samtkappen. Der Zug bestand aus vierzehn Staatswagen mit Vorreitern und Postillonen in scharlach- nen Livreen. Die Eskorte wurde durch Royal Horse-Euards in «dunkelblauen Uniformen und silbernen Küraffen gebil­det. Um 10 Uhr verließ der Zug des Prinzen von Wales, der von Royal Horse-Guards eskortiert wurde, den Palast. Der Prinz wurde von der Menge lebhaft begrüßt. Der Regen hatte aufgehört.

Um halb 11 Uhr kündigte die Artillerie im Hyde Park durch 21 Kanoüenschüffe an, daß

der Zug der Majestäten

sich in Bewegung setzte. An der Spitze des Zuges marschier­ten in mittelalterlichen Kostümen die königlichen Schiffs­knechte, hinter ihnen ritten die Adjutanten des Königs. Es folgten die Generäle, darunter die Feldmarschälle Sir Jan Hamilton und Sir John French, alle in großer Uniform, in roten Waffenröcken mit federgeschmückten Hüten und orden­geschmückt. Die Hurrarufe begannen, als an der Spitze der königlichen Eskorte die Offiziere der indischen Kavallerie vorbeiritten, und sie wuchsen immer stärker an, sobald die große Staatskaroffe der Majestäten mit ihren Vorreitern

Freitag den 23. Juni

in Sicht kam. Dieser Wagen, der ganz aus Gold und Glas besteht, wurde von 8 isabellenfarbenen Pferden gezogen. Es folgte die Standarte, darauf Lord Kitchener, begleitet von dem Herzog und Prinz Arthur von Connaught, Prinz Christian von Schleswig-Holstein und eine glänzende Ka­valkade von Adjutanten und Leibgarden.

Der Krönungsakt.

Um 12 Uhr mittags betraten die Majestäten die Abtei. Den Geistlichen folgten die großen Würdenträger des Hofs, denen Pagen die Kronen trugen, mit den Standarten Eng­lands, Schottlands, Irlands, des Vereinigten Königreichs und denen des Größeren Britanniens, die von früheren Vizekönigen und Eeneralgouverneuren getragen wurden. Nun erschien die Königin, die große, 18 Fuß lange Schleppe von 6 jungen Mädchen des englischen Adels getragen, dann der König, dem Edelleute mit den Reliquien voranschritten. König Georg selbst im Krönungsornat trug die Halskette des Hosenbandordens und das samtene Staatsbarett. Sein langer purpurner, mit Hermelin besetzter Krönungsmantel wurde von acht Pagen getragen. Zu den Seiten des Königs gingen zwei Bischöfe und die königliche Leibwache. Die jugendlichen Stimmen der Schüler von Westminster begrüß­ten das Königspaar mit den traditionellen Rufen: „Vivat Regina! Vivat Rex!"

Ehe der König und die Königin die Thronseffel ein­nahmen, knieten sie zum Gebet nieder. Dann folgte der erste Akt der Krönung, die feierliche „Anerkennung" des Königs. Der Erzbischof von Canterbury, begleitet von dem Lord­kanzler, dem Lord Eroßkämmerer, dem Lord High Con­stable Herzog von Fife, dem Earl Marschall und dem Wap­penkönig des Hosenbandordens, stellte den LLvip.Lem ver­sammelten Volk vor mit den Worten:

„Hier zeige ich Euch den König Georg, den unzweifel­haften König dieses Königreichs. Seid Ihr also, die Ihr hierhergekomen seid, um die Huldigung und Eure Pflicht zu leisten, bereit, es zu tun?"

Eine Trompetenfanfare und Zurufe: „Gott schütze König Georg!" vollzogen die Anerkennung. Dann begann der reli­giöse Teil der Zeremonien Nach der Predigt trat der Erz­bischof vor den König und fragte ihn, ob er den Krönungs­eid leisten wolle. Der König erhob sich, kniete nieder und leistete mit entblößtem Haupt den Eid auf die Bibel. Dann trat er vor den Krönungsstuhl König Eduards, über dem die Lords Rosebery, Cadogan, Crewe und Minto einen Bal­dachin hielten, und der Erzbischof vollzog die Salbung, der sich die Investitur mit den Insignien der königlichen Macht anschloß. Mit den Symbolen seiner Macht bekleidet, bestieg der König nun den Thron zur Krönung. Der Erzbischof sprach ein kurzes Gebet, die Krone wurde in Prozession vom Altar gebracht, und der Erzbischof setzte sie dem König aufs Haupt. In demselben Augenblick setzten alle Peers und die Waffenkönige sich ihre Kronen auf, und die Versammlung brach in den lauten Ruf aus: „Gott schütze den König!" Trompeten schmetterten, die Kanonen des Towers und die Batterien in den Parks lösten Freudenschüsse, und alle Glocken der Stadt begannen zu lauten.

Auf die Krönung folgte die Huldigung. Der König, auf dem Haupte die Krone mit dem berühmten „Cullinan", saß auf dem Thron, umgeben von den Großwürdenträgern des Reiches. Als erster leistete der Prinz von Wales die Huldigung. Er nahm seine Krone ab, kniete vor seinem Vater nieder — die übrigen Prinzen des königlichen Hauses knieten gleichfalls — und leistete den Treueid. Darauf be­rührte er die Krone des Königs und küßte ihn auf die Wange. Es folgten die übrigen Peers nach ihrem Range. Nunmehr schritt der Erzbischof von Canterbury zu der Krö­nung der Königin, die hierzu unter einem Baldachin, der von den Herzoginnen von Montrose, Southerland, Portland und Hamilton getragen wurde, zu den Stufen des Altars trat. Der Erzbischof salbte die Königin mit dem heiligen Oel, übergab ihr den Ring und setzte ihr die Krone aufs Haupt, worauf sich auch die Peereffes mit ihren Kronen be­deckten. Nach der Spendung des heiligen Abendmahles stimmte der Chor ein Tedeum an, und die Majestäten zogen sich in die Kapelle hinter dem Altar zurück. Ihre Rückkehr in die Kirche gab das Zeichen zu erneuten brausenden Rufen: „Gott schütze den König!" und unablässig sich stei­gernde Freudenrufe begleiteten das Königspaar, bis es die Kirche verlaffen hatte. Durch Whitehall, Trafalgar Square, Pall Mall, St. James Street und Picadilly kehrte der königliche Zug nach dem Buckingham Palast zurück, auf der ganzen Feststratze von der versammelten Menge aufs lebhafteste begrüßt.

Im Buckingham-Palast.

Die Spitze des Krönungszuges mit den Majestäten, da- I hinter in kurzen Abständen dem Prinzen von Wales, den

Fernsprechanschlitsr Nr. 230

1911

anderen englischen und auch den ausländischen Fürstlich­keiten ereichte kurz vor drei Uhr wieder den Buckigham- Palast. Wenige Minuten später, nachdem die Majestäten ausgestiegen waren, erschienen sie noch im Krönungsornat auf dem Balkon des Schlosses, von der Menge mit brau- sendem Jubel begrüßt.

Der deutsche Kronprinz.

Beim Zuge der fremden Fürsten und Vertreter nach der Westminster-Abtei wurde bemerkt, daß dem deutschen Kron­prinzenpaar sowie dem Prinzen Heinrich von Preußen eine sehr herzliche Begrüßung durch die Bevölkerung zuteil wurde, die eine deutliche persönliche Note trug. — An der Spitze des Zuges der fürstlichen Vertreter schritt das deut­sche Kronprinzenpaar in die Abtei. Als der Beginn des Glockengeläuts die Krönung des Königs ankündigte, stimm­ten die Zuschauer auf den bei der Abtei errichteten Tribünen die Hymne „God save thd king“ an und die ganze White- Hallstraße entlang wurde der Gesang von der Menge aufge- nommen. Alle Abteilungen des Krönungszuges wurden auf dem ganzen Wege mit lauten Zurufen begrüßt. Wäh­rend des Vorbeifahrens der ersten Abteilung regnete es und die Equipagen waren deshalb geschloffen. In dem Augenblick, als die Equipage des Königs in die Pall Mall einbog, hörte es zu regnen auf, und die Sonne begann zu scheinen. Wo die Equipage des Königs vorbeifuhr, schwoll der Beifall so gewaltig an, daß er den Donner des Salut­schießens im Hyde Park übertönte.

Die Flotte.

Alle britischen und fremden Schiffe auf der Reede von Spithead haben geflaggt. Alle Schiffe, einschließlich der im Hafen liegenden, und die Landbatterien gaben den Königs- salut ab. An die Sportbelustigungen der Mannschaften aller Schiffe, die nachmittags stattfinden, wird sich abends ein von der Admiralität gegebenes Bankett in der Marine­kaserne anschließen, an dem 1500 Mann der fremden Schiffe und 500 britische Seeleute teilnehmen.

Eine deutsche Ehrung für König Georg.

Kaiser Wilhelm bestimmte durch Kabinettsordre, daß das Kürassierregiment Graf Geßler, Rheinisches Nr. 8, den Namenszug seines Chefs, des Königs Georg V. von Groß­britannien und Jrlcmd, auf den Epaulettes, Achselstücken und Schulterklappen zu tragen hat. Der Kaiser teilte dies in einem besonderen Handschreiben dem König von Groß­britannien mit. Dieses Handschreiben wird dem König durch den deutschen Kronprinzen überreicht. Der Namens­zug besteht aus einem verschlungenen „G R“ und der Zahl „V" und trägt die englische Königskrone. Während die Offiziere das Abzeichen in vergoldetem Metall von massiv- erhabener Arbeit tragen, ist es für die Schulterklappen aus gelbem Tuch ausgeführt.

Politische RundTdfratr*

Eine stürmische Eröffnung der bulgarischen Sobranse. Als bei der Eröffnung der großen bulgarischen Sobranje in Tirnowo am Donnerstag der König den Saal betrat, kam es zu einem großen Skandal. Der „Voss. Ztg." wird darü­ber telegraphisch berichtet: Ein Mitglied des oppositionellen Bauernbundes, Stambolinski, erhob sich und wandte sich im Auftrage der gesamten Opposition an den Minister mit den Worten: „Was hat der König hier zu suchen?" Sein Platz ist draußen! Wir werden hier über ihn zu Gericht sitzen!" Von den Oppositionsbänken vernahm man gemeinsame Rufe: „Nieder mit dem König I Die Regierungsmehrheit antwortete mit Hochrufen und mit dem Rufe: ES lebe der König! Der König verlas trotz des Tumultes die Thronrede, worauf er anscheinend um Aufklärungen zu verlangen, an ein Majoritäts­mitglied herantrat; später machte er einige Schritte in der Richtung zu Stambolinski, diesen scharf durch den Zwicker fixierend. Schließlich verließ er unter anhaltendem Lärm den Saal. Noch in Sofia, ehe sie sich auf die Fahrt nach Tirnowo begaben, hatten die Minister in der Voraussicht stürmischer Szenen beschlossen, sich bei dem Ausbruche von Kundgebungen gegen den König so zu verhalten, wie vor einigen Monaten die belgische Regierung bei den in der belgi­schen Kammer vorgekommenen Demonstrationen gegen den "König Albert. Diese Kammertumulte in der belgischen Kammer am 8. November 1910 wurden von den Sozialisten veranstaltet und hatten große Ähnlichkeit mit den jetzigen Skandalen in der Sobranje. Der Lärm dauerte damals 20 Minuten, so daß der König mit der Thronrede nicht zu Worte kommen konnte. Die Sozialisten sangen ihr Protest- lied und trommelten mit den Pultdeckeln, während die Rechte Hochrufe auf den König ausbrachte. Die Regierung verhielt sich passiv.