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Erstes Glatt.

Hanauer

Vezugspretar

Dkerkefiährllch 1.80 DL, monatlich 60 Pfg., für «ms- wärtige Abonnenten mit dem betreff. Poftauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker«! Kes verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

ANtiiihes Organ für Stabt- nnb Landkreis Hinan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Anzeiger

vknrSckuutzsgeMhrt

Die ögespalken« Petitzelle oder bete* Raum 20 KL im ReklameuteU die Zelle 45 Pfg.

Verantroorü. Redakteur: E. Schrecker i» Haua»

Mk. 126 tyetHh’tedjnttfdjhtf; Nr. 230.

Mittwoch den 31. Mai

^erusprechanschlitsr Nr. 230 1911

Die LMeNüMer nmfafit Mn dMnirMMsV

14 Seiten.

Anltliches.

Stadt- und Eandkreis F>anau.

Mit Rücksicht auf die Gefahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche werden die im. S t a d t - und Landkreis Hanau für den Monat Juni anstehenden Viehmärkte einschließlich der Schweinemärkte im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel untersagt.

Hanau den 30. Mai 1911. P. 6021

Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.

Z. A.: Karbe.

Stadtkreis Hanau.

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 20. ds. Mts. — P. 5777 — mache ich wiederholt darauf auf­merksam, daß für die Ausfuhr von Rutz- und Zuchtvieh, wozu auch die Ferkel zu rechnen sind, die amts­tierärztliche Untersuchung vorgeschrieben und die Aus­fuhr nur mit Genehmigung des Herrn Re­gierungspräsidenten zulässig ist. Daraus ergibt sich, daß alles Nutz- und Zuchtvieh, einerlei, ob es auf vor­herige Bestellung von auswärtigen Lieferanten zum Wei­tertransport hier in Empfang genommen wird, oder ob es hier an auswärtige Kaufliebhaber weiterverkauft werden soll, nur mit vorheriger Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten in Cassel aus dem Stadtkreis Hanau ausgefahren werden darf.

Gegen die Nichtbefolgung dieser Vorschriften wird für die Folge auf das Strengste eingeschritten werden.

Der Schweineaustrieb in Hanau-Kesselstadt ist für die Dauer der Zeit, in der der Stadtkreis Hanau als Beobachtungsgebiet gilt, untersagt.

Hanau den 30. Mai 1911. P. 6010

Königliche Polizeidirektion.

5. A.: Karbe.

Zwecks Vornahme von Gleisarbeiten und Pflasterung wird der llebergang am Salisweg am 1. und 2. Juni d. J. für den öffentlichen Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Hanau den 29. Mai 1911. P. 5974

Königliche Polizei-Direktion.

J. V.: Karbe.

Handelsregister.

1. Unter der Firma:

Heinrich Becker betreibt zu Hanau der in Hanau wohnhafte Kaufmann Heinrich Becker ein Handelsgeschäft als Einzelkauf­mann.

2. Firma: W. Dückhardt in Hanau.

Der Kaufmann AlbertVaramin Mannheim ist in das Handelsgeschäft als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten.

Die nunmehr aus den Kaufleuten Wolfgang Dück­hardt in Hanau und Albert Baram in Mannheim bestehende offene Handelsgesellschaft hat am 1. April 1911 begonnen und wird unter unveränderter Firma fortge­führt. Die Aktiva und Passiva des bisherigen Geschäfts sind auf die offene Handelsgesellschaft übergegangen.

3. Firma: Otto Klein & Co. in Hanau.

Durch einstweilige Verfügung der ersten Zivilkammer des Königlichen Landgerichts in Hanau vom 18. Mai 1911 ist dem Kaufmann Konrad Herbst, seither zu Hanau, jetzt in unbekannter Ferne das Recht zur Vertretung der offenen Handelsgesellschaft in Firma Otto Klein & Co. zu Hanau entzogen.

4. Firma: J. Carl Gottschalck in Hanau.

Die der Ehefrau des Etuisfabrikanten Friedrich Wilhelm, genannt Carl Gottschalck, Minna geb. Lieber erteilte Prokura ist erloschen. Der Anna VerthaEottschalckin Hanau ist Prokura erteilt.

Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau zu 1 vom 20. Mai 1911, zu 2 und 3 vom 23. Mai 1911 und zu 4 vom 26. Mai 1911. 13047

Dicnstnachnchitn ans dem Kreise.

In der Gemarkung Großkrotzenburg ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau den 30. Mai 1911. V. 3423

Unter der Schafherde in Fischborn, Kreis Gelnhausen, und unter dem Rindviehbestande in Niedereschbach ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Hanau den 30. Mai 1911. V. 3428

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Messing-Herrenuhrkette, 1 Schulauf- gabenbuch für Wilhelm Mühlhause.

Stehengeblieben bei Wilcke u. Co., Kramer- straße 12: 1 Damenschirm mit Silbergriff, Empfangnahme daselbst.

Fortgeschwemmt: 2 Waschzuber.

Verloren: 1 Knabenschnürschuh, frisch besohlt, 1 Schlüsselring mit 4 kleinen Schlüsseln.

Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit braunen Ohren.

Entlaufen: 1 graue deutsche Schäferhündin.

Hanau den 31. Mai 1911.

Politische RtmdTcbaa.

Das deutsche Kronprinzenpaar hat sich gestern von Deis nach Potsdam begeben.

Der Reichstag nahm gestern dis Reichsversicherungs­ordnung in dritter Lesung endgültig an. Bei der darauf folgenden zweiten Lesung des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung kam es infolge neuer Anträge zu einer Unterbrechung und dann zu einer Vertagung der Sitzung auf Mittwoch, da die neuen Anträge erst in der Kommission beraten werden sollen. (Den Bericht siehe in der Beilage.)

Das preußische Abgeordnetenhaus bis nach Pfingsten vertagt. Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag nach einer Reihe von Petitionen die zweite Be­ratung des Eisenbahnanleihegesetzes. Sodann ging das Haus in die Pfingstferien. Man glaubt, daß die nächste Sitzung am 16. Juni sein wird.

Die 12. Vertreterversammlung des Kyffhauser-Bundes der deutschen Landes-Kriegerverbände wird am 9. und 10. September d. J. im Kaisersaale der Denkmalswirtschaft auf dem Kyffhäuser stattfinden.

Das Programm des neuen Kriegsministers. Die „France Militaire" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Kriegs­minister Goiran, der u. a. erklärte, er sei von der Absicht be­seelt, das Oberkommando zu verjüngen und das Empfeh- lungs- und Protektionswesen unbarmherzig zu bekämpfen. Sein lebhaftester Wunsch aber sei es, unter einmütiger und gemeinsamer Mitwirkung aller das Heer kriegstüchtig zu gestalten. Einem arideren Berichterstatter erklärte der neue Kriegsminister, er werde für das Wohl der Armee arbeiten, ohne sich von der Politik beirren zu lassen. Zunächst werde er danach trachten, das von seinem Vorgänger vorbereitete Cadre-Eesetz,welches zum mindesten teilweise den bei der Beförderung vorgekommenen Uebelständen abhelfen werde, baldigst der Verwirklichung entgegenzuführen.

General Moinier in Fez. Die „Agence Havas" meldet aus Fez unter dem 24. Mai: General Moinier hatte mit dem Sultan eine Unterredung über die Bedingungen, die den Stämmen für den Fall ihrer Unterwerfung gestellt wer­den sollen. Die Bedingungen sind: Ablieferung der Hälfte ihrer Waffen, Zahlung einer Kriegsentschädigung und die gesamte Verantwortlichkeit der Stämme für Ueberfälle. Der Operationsplan gegen die Aufrührer wird Repressalien gegen die Scherarda und Beni Mter zur Grundlage haben, denen eine Frist zur Unterwerfung bis zum 30. Mai ge­währt worden ist. General Moinier besuchte die Konsuln Deutschlands, Englands, Oesterreich-Ungarns und Spaniens. Weiter wird gemeldet, daß ein deutscher Postbote ausge­plündert worden ist.

Parlamentarisches.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Be­ratung des Pflichtfortbildungsschulgesetzes hat in der gestrigen Sitzung die erste Lesung des Gesetzentwurfs beendet. Zur Beratung standen noch die §§ 16 bis 19. Zu § 16 lag ein konservativer Antrag vor, vor dem Erlaß der in diesem Gesetz vorgesehenen statuarischen Bestimmungen die Handwerks-und Handelskammern des Fortbildungsschulbezirks zu hören. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Volkspartei und Nationalliberalen und gegen den Willen des Handels­ministers angenommen. Angenommen wurde ferner ein konservativer Antrag, eine Befreiung von den Beiträgen zur Pflichtfortbildungsschule bei denjenigen Gewerbetreibenden eintreten zu lassen — und zwar durch'Ortsstatut — die ein Einkommen bis 1500 Mk. haben. § 16 wurde mit dieser Aenderung angenommen. Die §§ 17 und 18 wurden ohne Erörterung erledigt. Eine lebhafte Debatte entwickelte sich beim § 19, der dem Minister für Handel und Gewerbe den Erlaß von Bestimmungen über die Lehrpläne und über die Bildung und Zusammensetzung der Schulvorstände übertrügt.

Von konservativer Seite wurde beantragt, daß im § 19 statt „wird der Minister für Handel und Gewerbe" gesetzt wird „werden der Minister für Handel und Gewerbe und der Unterrichtsminister beauftragt". Der Handelsminister wehrte sich gegen diese Tendenz, die er als Mißtrauen gegen seine Verwaltung auffassen würde. Durch Kabinettsorder vom Jahre 1884 seien die Fortbildungsschulen dem Handels- Minister unterstellt. Ein Grund, von dieser Kabinettsorder abzuweichen, liege durchaus nicht vor. Der Minister fand Unterstützung in der Volkspartei und nationalliberalen Mit- gliedern der Kommission. Der Antrag der Konservative« wurde aber schließlich angenommen, nachdem sich die Antrag­steller vorbehalten hatten, in der zweiten Lesung ihre Ansicht vielleicht zu revidieren. Damit war die erst« Stfung des Gesetzentwurfs beendet. Die zweite soll nach den Pfingst- ferien begonnen werden.

Has Hab and fern.

Friedberg, 29. Mai. Dir letzt«« Spuren des Bomben» attenlats find am Rathaus beseitigt. Es erstrahlt in neuem Glanze. Sämtliche Fenster find wieder in altdeutscher Form, teilweise aus Kunstverglasung ausgeführt. Die seitwärts neben dem Türeingang angebrachte Votivtafel zur Erinnerung an die Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. am 11. September 1874 erglänzt wieder in vergoldeter Schrift. Das über dem Türeingang angebracht« städtisch« Wappen, bestehend aus dem schwarzen Doppel-Adler mit der goldenen Zepter nebst dem Reichsapfel, dem Zeichen der Kaisrrwürd«, würd« auf schwer vergoldetem Grunde ausgeführt.

O Bad Nauheim, 29. Mai. Die Manchester Orpheus Glee Society, ein besonders gut und stark besetzter englischer Mâunerchor, der von hervorragenden englischen Musikern wiederholt als der zurzeit tüchtigste bezeichnet worden ist, beabsichtigt zu Pfingsten an den Rhein zu fahren und auch in Frankfurt a. M. einen mehrtägigen Aufenthalt zu nehmen. Dabei wirb auch Bad Nauheim das Vergnügen haben, dies« englischen Gäste bei sich zu sehen. Am 3. Pfingstfeiertag wird diese Gesellschaft auch Bad Nauheim einen Besuch ab­statten, einesteils um das von ihren Landsleuten so sehr ge­schätzte und viel besuchte Bad lernten zu lernen, anbernteil4 aber auch, um auch hier zu zeigen, wie weit eS der englische Männergesang gebracht hat. Bei ihrer Ankunft am genann­ten Tage mittags gegen 1 Nhr wird die Orpheus Gl« Society von der Bade- und Kurverwaltung am Bahnhöfe empfangen werden. Darauf soll ein Ruudgang durch die Bade- und Kuranlagen und durch den Park folgen, an den sich ein live o’clock tea im Teich Haus-Restaurant anschließen wird. Alsdann ist geplant, die Gäste nach dem Kurhaus und der Terrasse zum Konzert der Kurkapelle zu führen. Hier wird die Gesellschaft einige Beweise ihrer hohen Sanges­kunst geben; sowohl nachmittags wie abends wird der Chor zwischen den einzelnen Konzertstücken mehrere englische Lieder vortragen. Zwischen dem Nachmittags- und Abenkonzert soll den Gästen noch ein Abendeffen angeboten werden.

Homburg v. d. H., 31. Mai. Die Umwandlung des Bades in ein Heilbad konnte sich um so sicherer vollziehen, als ein« der Hauptbedingungen für ein solches Bad in dem Vorhan­densein ausgezeichneter Quellen erfüllt war. Die Homburger Quellen zerfallen ihrer Zusammensetzung nach in zwei Gruppen, erstens kalte kohlensäurereiche Kochsalzquellen (auflösende Trinkquellen), und zweitens in Eisenquellen (tonisierende Trinkquellen). Iustus von Liebig äußerte sich über die Homburger Quellen wie folgt: „Es möchte in Deutschland wohl schwer sein, ein Mineralwaffer zu finden, welches gleichen Reichtum an wirksamen Bestandteilen mit dem Homburger Elisabethwasser darzubieten vermöchte."

If. Cassel, 30. Mai. Ein nobel auftretender Schwindler wußte sich in das Herz einer wohlhabenden bäuerlichen Schön­heit einzuschmeicheln. Er prahlte viel mit seinen Kenntnissen und seiner Stellung als Ingenieur einer hiesigen ersten Maschinenfabrik und verwirrte die Sinne des unerfahrenen Landkindes derart, daß es seinem Bräutigam, einem einfachen Dorfschullehrer, den Laufpaß gab und sich nunmehr mit dem neuen, feineren Verehrer verlobte. Da „er" nicht lange warten wollte, so wurde die Aussteuer beschafft, eine Familien­wohnung gemietet und diese in der vorigen Woche in Cassel bezogen. Pfingsten wollte man die Hochzeit feiern. Zu­fälligerweise hatte der Schwiegervater gestern in Cassel zu tun, und wollte bei der Gelegenheit seinen Schwiegersohn an der Stätte seiner Wirksamkeit besuchen. Als er nun nach dem Herrn Ingenieur X. Nachfrage hielt, erwiderte man ihm zu seiner Bestürzung, einen solchen gebe es im Betriebe nicht, wohl aber einen Arbeiter des Namens. Der gcnasführt« Schwiegervater übersah die Situation sofort und machte kurzen Prozeß: Er nahm seine Tochter nebst der gesamten Aussteuer wieder mit in sein stilles Dorf, wodurch der „Schwiegersohn" ans allen Himmeln gerissen wurde und er* kennen mußte, daß sich auf Erden alles rächt.