Erstes Blatt.
lMlnier G Anzeiger
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Dkerkeljährllch 1.80 ML, monatlich 60 Pfg-, Pt »«« wattige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei de« «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtlicher Grm für Stabt« und Landkreis Hanan.
Erscheint tLgKch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die esespalkene Petttzeil« oder deren RrMl» K» im Reklamente« Me Selle Ä Pf»
Derantwortl. Redakteur: S. ScheeSee in Kan«,
Nr. 125 Fernsprechanschstts; Nr. 230. DltNstag dtN 30. Mlll
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F-rnsprechanschlttsr Nr. 230 1911
Die itafttftmtt msait * -.MnikltWttlsk
14 Seiten.
Amtliches.
Landkreis Hanau*
Nachdem in Bischofsheim Scharlach-Erkrankungen in letzter Zeit nicht mehr vorgekommen find, werden folgende anderweite Impftermine anberaumt:
1. am 2. Juni 1911, nachmittags 3 Uhr, Erstimpfung,
2. am 2. Juni 1911, nachmittags 4 Uhr, Wiederimpfung,
3. am 9. Juni 1911, nachmittags 3 Uhr, Nachschau der Erstimpfung,
4. am 9. Juni 1911, nachmittags 4 Uhr, Nachschau der Wiederimpfung, sämtlich im Rathaus zu Bischofsheim.
Hanau den 29. Mai 1911. A. 1890
Der Königliche Landrat.
F r h r. L a n r.
In Eichen ist in den nachstehenden Gehöften ebenfalls die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden:
a) bei Landwirt Georg Hildebrand,
b) bei Landwirt Heinrich Jakob Schäfer,
c) bei Landwirt Wilhelm Konrad Stock,
d) bei Gastwirt Wilhelm Stein,
e) bei Johann Wilhelm Laubach Witwe und
f) bei Kilhelm Peter Baumann.
Hanau den 29. Mai 1911. V. 3403
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Conrad Hestermann in Hanau, Inhabers der Firma Koch & Hestermann in Hanau, wird Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen auf den 23. Juni 1911, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 5 — anberaumt.
Hanau den 26. Mai 1911. 12939
Königliches Amtsgericht 5.
Gesundem und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 schwarzer Eriffelköcher mit Federhalter, Vleifeder, Radiergummi und 72 Pfg., 1 Patentfeuerzeug mit silberner Kette.
Liegen geblieben in der Sprechstunde bei Dr. Sandlos: 1 Damen-Diamantring.
Hanau den 30. Mai 1911.
politische Rundschau.
Der Kaiser in Döberitz. Der Kaiser traf Montag auf dem Truppenübungsplatz in Döberitz ein und begann um 6,30 Uhr, wie alljährlich am 29. Mai, mit dem Exerzieren der zweiten Gardeinfanteriebrigade. Das Exerzieren dauerte bis nach 8 Uhr; daran schloß sich eine größere Gefechtsübung unter Hinzuziehung von Truppenteilen aller Waffengattungen an, welche bis 12*/. Uhr dauerte. Nach der Kritik nahm der Kaiser einen Vorbeimarsch der Regimenter ab und führte mit dem kommandierenden General v. Löwenfeld das zweite Garderegiment zum Lager. Hier fand um l1/» Uhr Frühstück statt. Das Wetter war schön, nur ein lebhafter Wind verursachte eine ungeheure Staubentwickelung. Der Uebung wohnten die Kaiserin und zahlreiche hohe Militärs bei.
Der Reichstag setzte gestern die dritte Lesung der Reichsversicherungsordnung fort. Ein Kompromißantrag der Mehrheit, bei der Krankenversicherung das versicherungspflichtige Einkommen von 2000 auf 2500 Mark heraufzusetzen, wurde angenommen. Heute hofft man die dritte Lesung beenden und den Reichstag bis zum Herbst vertagen zu können. Den Bericht siehe in der Beilage.
Ein Rücktritt des Herrn von Schorlemer? Wie aus Berlin gemeldet wird, besteht . in parlamentarischen Kreisen das Gerücht, daß der Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer sich mit Rücktrittsgedanken trage. An amtlicher Stelle wird, wie die „Tägliche Rundschau" meldet, eine solche Absicht allerdings bestritten. Allerdings meint auch dieses Blatt, die Gerüchte dürften Nahrung erhalten haben durch den Verlauf des deutschen
Tages in Posen und durch den Telegrammwechsel zwischen dem Reichskanzler und dem Ostmarkenverein.
Nat 'o nalliberale und Zentrum. Der nationalliberale Abgeordnete Bassermann trat in einer Rede, die er auf dem nationalliberalen Parteitag der Rheinprovinz zu Saarbrücken am Sonntag hielt, nachdrücklich dem Gerücht entgegen, daß die nationalliberale Partei hier oder dort im ersten Wahlgang oder in der Stichwahl irgendwie mit dem Zentrum ein Bündnis abschließen werde. Dies sei durchaus unwahr. Mit dem Zentrum könne die nationalliberale Partei unter keinen Umständen paktieren. Aus taktischen Gründen sei ein gemeinsames Vorgehen mit den Freisinnigen dagegen wohl notwendig. Das sei durch die gegenwärtige politische Lage bedingt.
Eine konservative Prefiekonferenz. Auf Einladung des Hauptvereins der Deutsch-Konservativen fand am Freitag in Berlin eine Konferenz konservativer Vertrauensmänner aus den Kreisen der deutsch-konservativen Preffe und Parteiorganisationen statt. Die Versammlung wurde, wie die Kreuzzeitung berichtet, von dem Regierungsrat a. D. Stackmann (Grunewald), dem geschäftsführenden Mitglieder des konservativen Hauptvorstandes, geleitet. Auch eine Anzahl konservativer Abgeordneter, insonderheit der Parteiführer Dr. v. Heydebrand u. der Lase und der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Abgeordneter v. Normann, wohnten der Besprechung bei. Die Herren folgten abends einer Einladung der konservativen Fraktion des Haufes der Abgeordneten. Dabei brachte Dr. v. Heydebrand einen Toast auf die konservative Preffe aus. Ihm erwiderte der Chefredakteur der Kreuzzeitung, Ministerialdirektor Hermes, mit einem Hoch auf die drei konservativen Fraktiorren des Lairdtages und Reichstages.
Auf der Wanderversammlung bayerischer Landwirte in Landau in der Rheinprovinz, an der auch der Thronfolger Prinz Ludwig von Bayern teilnahm, erklärte der Minister des Innern v. Brettreich in einer kurzen Rede, die Landwirtschaft sei die sicherste und festeste Grundlage unseres Staatswesens in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Beziehung. Auf diesem Standpunkte hätte die bayerische Staatsregierung immer gestanden, und die Förderung der landwirtschaftlichen Interessen habe stets ihre Hauptaufgabe gebildet. Der Minister sagte den notleidenden Winzern Unterstützung zu.
Eine päpstliche Enzyklika beklagt das kirchenfeindliche Vorgehen der portugiesischen Regierung.
Der portugiesische Wahltag. Die Stadt Liffabon zeigte am Wahlsonntag ein von früheren Wahltagen gänzlich verschiedenes Bild. Alles war völlig ruhig. Der Wahlakt verlief ungestört unter mäßiger Beteiligung. Es fiel auf, daß der Mittelstand und die besseren Stände den Urnen fernblieben. Auch aus der Provinz wird völlige Ruhe gemeldet, trotzdem Gerüchte eine Gegenrevolution bestimmt voraussagten. — Die portugiesische Regierung hat in Liffabon und in den Provinzen zahlreiche Verhaftungen vornehmen lasten, die fast ausschließlich auf Grund von Anzeigen erfolgten. Der Herzog von Albuquerque, der sich in Tuy an der spanischportugiesischen Grenze aufhält, hat von dort aus eine monarchistische Verschwörung eingeleitet, in welche auch sechs Offiziere verwickelt sind, die sofort aus der Armee ausge- stoßen wurden. Rätselhaft ist das plötzliche Hinscheiden eines Kapitäns im 15. Infanterie-Regiment in Vianna, der auf dem Wege von der Kaserne nach seiner Wohnung plötzlich tot umfiel; er war dringend monarchistischer Verbindungen verdächtig. Ebenso ist ein Leutnant desselben Regiments eines plötzlichen Todes gestorben.
Mit Rücksicht auf die Verschärfung der Lage an der bulgarischen Grenze ist der türkische Gesandte für Sofia angewiesen worden, sich sofort auf seinen Posten zu begeben.
Die türkische Kammer erteilte dem Kabinett Hakki ein Vertrauensvotum.
Parlamentarisches.
md. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Beratung des V i e h s e u ch e n g e s e tz e s hat in ihrer Sitzung am Montag die §§ 23 bis 30 angenommen. Damit ist die erste Lesung beendet. Zu § 23, nach welchem die Verbände beschließen können, daß auch in anderen Fällen als denen des § 66 des Viehseuchengesetzes und des § 5 Abs. 1 des gegenwärtigen Gesetzes Entschädigung für Verluste gewährt wird, die aus Anlaß von übertragbaren Seuchen der Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel und des Rindviehs oder aus Anlaß des Milzbrandes bei Schafen erwachsen, wurde ein nationalliberaler Antrag angenommen, nach dem diese Entschädigungen aus Anlaß der übertragbaren Seuchen auch für Schweine, Schafe und Ziegen gewährt werden können. Zur Annahme gelangte ferner ein konservativer Antrag, nach dem denjenigen Viehbesitzern, welchen infolge Durchführung der Schutzmaßregeln schwere wirtschaftliche Schädigungen
erwachsen, Beihilfen gewährt werden könne«, die den Verbänden zur Hälfte aus allgemeinen Staatsmitteln zurückerstattet werden sollen. Die Vertteter der Staatsregierung hatten gegen diesen Anttag Widerspruch erhoben, weil eine weitere Beteiligung des Staates an den Kosten nicht annehmbar sei, die Staatskaste sich auch nicht gesetzlich verpflichten könne, zu Beiträgen für die den Viehbefitzern zu zahlenden Entschädigungen an die Provinzialoerbände, ohne auf die Festsetzung der Entschädigung Einfluß zu haben. Die volksparteiliche Resolution, welche die Regierung ersucht, in den Etat Mittel bereit zu stellen zum Zwecke der Gewährung von Beihilfen an solche Verbände, welche durch veterinärpolizeiliche Sperrmaßregeln, namentlich in den Erenzbezirken erheblich geschädigt werden, wurde mit Rücksicht auf Annahme des konservativen Antrages für die erste Lesung zurückgezogen. Die zweite Lesung soll am Mittwoch beginnen.
Hus aller Mett.
Ein Haus durch ehren Bergsturz verschüttet. In Eich« stetten am Kaiserstuhl hat ein Bergsturz ein größeres Haus verschüttet. Eine Frau rettete sich durch den Dachstuhl, ihr Sohn wurde verletzt. Der Wagner Hörsch, der Besitzer des eingestürzten Hauses, und ein Kind wurden tot aus bat Trümmern gezogen. Es ist möglich, daß noch andere Personen unter den Trümmern liegen, da das Haus auf die Sttaße gedrückt wurde.
Ein deutscher Tourist von griechische« Räubern entführt.
Eine Auflehen erregende Meldung verbrettet der DraA aus Saloniki: Im Norden Griechenlands ist ein Deutscher, der auf einer Studienreise begriffen war, von einer Râuber- banbe überfallen und entführt worden. Wtt verzeichnen nachstehende Telegramme:
Saloniki, 29. Mai. Der deutsche Professor Eduard Richter, der sich gegenwärtig auf einer Studienreise im Olympgebttge befindet, wurde in der Gegend von Koki- noplo, obwohl ihn zwei Gendarmen begleiteten, von griechischen Räubern überfallen und nach kurzer Gegenwehr entführt. Alle Nachforschungen der Behörden waren bisher ergebnislos.
Saloniki, 29. Mai. Von Elastona in die Umgebung ausgeschickte Pattouillen habe« trotz größter Anstrengungen die Spur des am Samstag nachmittag in den Wald von Kokinoplos im Olympgebirge von griechischen Briganten entführten Deuffchen Eduard Richter aus Jena nicht entdecken können. Die Nachforschungen ergaben, daß die Räuber zahlreich waren; sie dürsten den Richter beglettenden Korporal und einen Gendarmen niedergemacht haben. Richter hat vor zwei Jahren den Olymp glücklich überschritten; die jetzige Tour hat er am 24. Mai von Saloniki aus angetreten.
Wie dem ^erL Lokalanz." auf telephonische Anstage in Jena mitgeteilt wird, handelt es sich offenbar um den dorttgen Ingenieur Eduard Richter von der bekannten optischen Firma Karl Zeitz.
Hus Hanau Stadt und Eand.
£ it statt, 30. Mai.
* Schwurgericht. Für die am 19. Juni unter dem Vorsitz des Landrichters Herrn Grau beginnende zweite diesjährige Schwurgerichtsperiode wurden folgende Herren als Geschworene ausgelost: Wiesner, Adalbert, Bauer in Züntersbach; Reußwig, Heinr. Wilh, Bürgermeister in Niedermittlau; Otto, Wilhelm, Bijouteriefabrikant in Hanau; Rumpf, Friedrich, Privatier in Hanau; Hack, Wunibald, Privatmann in Opperz; Nüdling, Wilhelm, Leinenfabrikant in Poppenhausen; Ewald, Friedrich Jakob, Gastwirt in Fechenheim; Collmann, Fritz, Lehrer in Hanau; Freund, Johannes, Wagner in Büchelbach-Gassen; Halle, Moses, Bankier in Gelnhausen; Senzel, Heinrich, Buchbinder und Landwirt in Bieber; Erdt, Johannes, Landwirt in Hüttengesäß; Wagner, Anton, Landwirtschaftsschuldirektor in Gelnhausen; Scheel, Johannes, Landwirt in Hutten; Gutermuth, Friedrich, Kaufmann in Schlüchtern; Zorn, Bernhard, Privatier in Steinau; Kiefer, Julius, Kettenfabrikant in Hanau; Fuß, Konrad, Holz- händler in Hanau; Lorsch, Josef, Kaufmann in Gelnhausen; Gärtner, Johannes Peter, Landwirt in Marköbel; Pluns, Adolf, Fabrikant in Steinau; Walther, Karl, Gutsbesitzer in Elisabethenhof bei Ulmbach; Herchenröther, Heinrich, Förster in Virstein; Brüning, Heinrich, Kommerzienrat in Hanau; Schultheis, Franz, Metzgermeister in Fulda; Nicolay, Jean, Rentner in Hanau; Hoyer, Franz, Tabakagent in Hanau; Glock, Konrad, Bauer in Heubach; Wagner, Josef, Kaufmann in Kastel; Grau. Ludwig, Est garrenfabrikant in Bad Orh