Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

Hanauer K Anzeiger

Lezugsprekst

MerkelfährliH 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg-, fSt 6»* »artige Abonnenten mit dem betreff. Postausschlas- Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. eo. Waisenhauses in Kana«.

General-Anzeiger

Amtliches Grgm fit Ä- m- Lau-Kreis Kama.

Erscheint tSgttch mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die ögespalken« Petitzeil« oder deren Raum M Pf» im Nellamentell die Zell« 45 Pfg.

Verantwort!, Redakteur: (5. Schrecker in Hanau»

Nr. 123

Uernsprechanschlitß Str. 230.

Samstag den 27. Mai

Ferttsprechanschlus; Str. 230

1911

Die beMeNuMK mfaßt cher d.MnisWBlsK

18 Seiten.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Zu der in der Freitags-Nummer veröffentlichten Be­kanntmachung vom 17. Mai d. J., V 3138, betr. Bullen- und Ziegenbockkörung ist noch nachzutragen : am 30. Mai, vormittags ll1^ Uhr in Hochstadt.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 20. bis 26. Mai 1911:

2 Hausburschen, 1 Mechaniker, 5 Tagelöhner, 1 Wagner.

Hanau den 27. Mai 1911. 12777

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Dicnstnachrichlen aus dem Kreise.

Unter dem Rindvieh der Iungviehweide zu Hof Enten­fang (Gemarkung Mauswinkel, Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. V. 3306 Hanau den 26. Mai 1911.

—

Die Landwirte Philipp Seibel 3er und Andreas Schmidt 3er in Hochstadt sind zu Ortsschätzer-Stellvertreter der dortigen Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 26. Mai 1911. V. 3080 II.

Parlamentarisches.

mb. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses nahm in ihrer Sitzung am Freitag einen Antrag der Abgg. Lüders und Spinzig (ff.) auf staatliche Förderung der Ziegen­zucht einstimmig an. Die Regierung wurde ersucht, in den nächsten Etats die hierzu erforderlichen Mittel einzustellen. Gleichfalls einstimmig angenommen wurde ein Antrag Dr. v. Woyna (ff.), der zur Erforschung der industriellen Ver­wertung der preußischen Moore ein Laboratorium errichtet wissen will. Dagegen wurde ein Antrag der Abgg. Aron- sohn und Genossen (Vp.), bei den Distriktsämtern besoldete Bureauassistenten anzustellen, gegen die volksparteiliche Stimme abgelehnt.

6. WMerniig des Vogelsberger Höhen-Clubs am 25. Mai 1911.

«nd sein Besuch des Gefechtsfeldes Frohnhofen-Laufach.

Der Vogelsberger Höhen-Club hat seinen Wanderbe­strebungen auch die Pflege heimatlicher Geschichte ange­gliedert, und wendet letzterer ein ganz besonderes Interesse zu. Die geschichtlichen Ausführungen, welche in knapper, nicht ermüdender Form, aber hinreichend erschöpfend ge­geben werden, verleihen den Wanderungen des V. H. C. einen ganz besonderen Reiz, und es hat wohl jeder Mit­wanderer dabei schon die Gelegenheit gehabt, sein eigenes Wissen vermehren zu können. Unterstützt wird der V. H. C. hierin in erster Linie durch seinen derzeitigen Vorsitzenden, dessen reiches geschichtliches Wissen schon so oft die Aufmerk­samkeit seiner Zuhörer fesselte, und bewies, mit welchem Fleiße er aus Liebe zur Heimat und ihrer Geschichte den Spuren menschlicher Vergangenheit gefolgt ist.

Auch die letzte Wanderung bot des Geschichtlichen viel, und vielen meist Unbekanntes, auf welches ich im Laufe meines Wanderberichtes zurückkommen werde.

Die Wanderung begann an der Haltestelle Rückersbacher Schlucht und wurden einschl. der Teilnehmer aus Offen­bach und Lapgenselbold 72 Köpfe gezählt.

Der Wanderplan hatte Rückersbacher Schlucht—Jo­hannesberg—Frohnhofen—Laufach mit Aschaffenburg als Schlußpunkt vorgesehen, und trotz des etwas zweifelhaften Wetters gestaltete sich die Wanderung sehr genußreich. Wir befinden uns sofort nach Verlassen der Bahn auf geschicht­lichem Boden. Hier fand am 27. Juni 1743 im österreichi­schen Erbfolgekriege zwischen den Franzosen unter Mar­schall Noailles und der pragmatischen Armee unter König Georg II. von England die Schlacht bei Dettingen statt, in welcher letzterer Sieger blieb. An dem links am Waldrandx liegenden früheren Abteihof „Häuseracker Hof" tobte die

mb. Die Unterrichtskommission des Abgeordneten­hauses verhandelte am Freitag über eine Petition des Bundes privater deutscher Mädchenschulen, auf Neuregelung des Privatschulwesens. Die Petition wendet sich gegen die verworrene Rechtslage des preußischen Privalschulwesens und verlangt eine gesetzliche Regelung dieser Materie nach dieser Richtung, daß die Gründung von Privatschulen der Er­laubnis staatlicher Behörden bedarf, daß die Erlaubnis zur Errichtung und Leitung von Privatschulen gesetzlich von dem Nachweis wissenschaftlicher, technischer und sittlicher Be­fähigung abhängig gemacht werden soll, daß die Erlaubnis nur im Falle eines Bedürfnisses erteilt werden darf und daß bei Erteilung neuer Erlaubnisse und bei der Gründung öffentlicher Schulen die Interessen der bestehenden Privat­schulen gewahrt und Entschädigungen gewährt werden sollen. Auch in Bezug auf das Lchrpersonal der Privatschulen macht die Petition eingehende Vorschläge. ES wurde vor­geschlagen, an die Regierung das Ersuchen zu richten, bald­möglichst durch Gesetz oder, falls d-ie Regierung den Weg der Gesetzgebung nicht oder nicht im vollen Umfange für gang­bar erachten solle, durch Verwallungsvorschnste« ein« Neuordnung des Privatschulwesens herbeizuführen und durch diesen Antrag die Petition für erledigt zu er­klären. Die Kommission stellte sich jedoch nicht auf den Boden dieses Antrages, sondern beschloß gegen eine Stimme, die Petition der Regierung insoweit zur Berück­sichtigung zu überweisen, als sie eine gesetzliche Regelung dieser Materie verlangt, gegen die KonzesstonSentziehung das Verwaltungsstreitverfahren zulassen und die Privatschuldienst- zeit für das Besoldungs- und Penstonsdienstalter bei Ueber­nahme in den öffentlichen Schuldienst angerechnet sehen will. Auch der Teil der Petition wurde zur Berücksichtigung über­wiesen, der verlangt, daß den durch die Neuordnung des Mädchenschulwesens bedingten, höheren Schwierigkeiten der Privatschulen, insbesondere in Bezug auf die Besoldung der Lehrkräfte durch Bewilligung erhöhter Zuschüsse begegnet und dahin gewirkt werden soll, daß Zuschüsse auch von den Ge­meinden geleistet werden; schließlich daß bei der Durchführung der Neuorganisation der höheren Mädchenschulen mit tun­lichster Rücksicht und Schonung zu verfahren ist.

mb. Die Hanvelsvertragskommisfio« trat gestern vor dem Beginn der Plenarsitzung zur Beratung deS deutsch- schwedischen Handelsvertrages und der Vorlage über die Handelsbeziehungen zu Japan zusammen und wird am Abend die Beratung weiterführen. Die Verhandlung drehte sich fast ausschließlich um die Wünsche der Hartsteinindustrie. Staatssekretär Delbrück trat dem Vorwurf entgegen, daß die Fachintereffen nicht genügend gehört worden seien. Erteilte mit, daß die Ausnahmefrachttarife, die bisher nur dem unregelmäßigen Pflaster zugute kam, auch auf die soge­nannten gutbearbeiteten Reihenpflastersteine Anwendung finden sollen. Die Eisenbahnverwaltung werde nach wie vor gerne bereit sein, den Interessen der Hartsteinindustrie, soweit es irgend angehe, entgegenzukommen. Aus der Kommission wurden mehrere Anträge gestellt, über die am Abend Be­schluß gefaßt werden wird. Abg. Dr. Roesicke (kons.) bean­

Schlacht am heißesten und soll er davon seinen Namen tragen; meiner Ansicht nach eine etwas herbeigezogene Er­klärung (Heißer Acker-Hof). Eine musikalische Verherr­lichung fand diese Schlacht in Händel „Dettinger Tedeum". Die Rückersbacher Schlucht übte auch heute wieder ihre alte Anziehungskraft aus. Durch schönen Waldbestand windet sich der Weg, von drohenden Felsmassen flankiert, und dem fröhlich zu Tal stürzenden Rückersbach belebt, sanft an­steigend in die Höhe. Durch Farbenzeichen geführt, folgen wir am Ausgange der Schlucht dem blauen Rade nach dem Weiler Sternberg, und diese plötzlich steil ansteigende Strecke war auch die anstrengendste der ganzen Tour. Allen Spessartwanderern ist sie wohlbekannt und viele Schweiß­tropfen hat sie schon als ihren Tribut gefordert. Am Weiler Sternberg versäume man nicht, trotz der verführerisch win­kenden Gastwirtschaft „Zum Königstein" Umschau zu halten. Vor uns die hochgelegene Kirche des Johannesbergs, das malerisch an den Berglehnen liegende Rückersbach, den Blick in die Mainsbene über das in Frühlingsfarben sich weit hinziehende Laubgewoge, und die kahle Kuppe des 382 Meter hohen Köngssteines, von welchem man sich er­zählt, daß ihn König Georg II. zur Leitung der Dettinger Schlacht benutzt habe. Tapfer wird aber der Versuchung der Einkehr widerstanden, die Rast ist erst auf dem Johan­nesberg, so will es die Strenge der Führer. Um 10Uhr ist Johannesberg erreicht, und das altbekannte Gasthaus „Zur Sonne" öffnet den hungrigen und durstigen Wande­rern seine gastlichen Pforten. Eine kurze Rass ist hier vor­gesehen und weidlich wird sie auch ausgenutzt. Am Hagel­hof vorüber, Brunsberg liegen lassend, und somit die direkte Fahrstraße vermeidend, schlagen wir den Weg durch das Tal des Afferbaches nach Oberafferbach ein, mußten aber um wieder vor Hösbach die Fahrstraße zu erreichen, die Höhe zwischen dem Afferbach und dem Hösbach übersteigen, was, da die Feldwege durch die regnerische Witterung aufge­weicht waren, mancherlei Schwierigkeiten im Gefolge hatte.

tragt, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Eisenbahn-Äusnahmetarif« in den einzelnen Bundesstaaten weiter zu Gunsten der Hartsteinindustrie aus­gebaut und eine Uebereinstimmung unter den Bundesstaaten herbeigeführt wird. Von der Dolkspartei wird der Zusatz beantragt: „Dabei ist insbesondere auf die Tarife nach den Umschlagshäfen an den Wasserstraßen Rücksicht zu nehmen'. Die Volkspartei hat weiter eine Resolution beantragt, die auf Beseitigung oder wesentlich« Ermäßigung der Gebühren für Beerenlesescheine in den fiskalische« Forsten ausgeht. Zur Vorlage über die Handelsbeziehungen zu Japan beantragt Abg. Speck (Ztr.): „In diesem Vertrag sollen keine Er- Mäßigungen von Zollsätze« deS geltenden deutschen General- tarifs verabredet roerbett, welche noch unter die bereits in den abgeschlossenen Handelsverträgen zugebilligten Zoll« Herabsetzungen heruntergehen. Ausnahme« hiervon solle« aber nur zulässig sein, soweit es sich um solch* japanisch« Erzeugnisse handelt, die bett deutschen Er­zeugnisse« keine unmittelbare Konkurrenz machen.'

Hus Hanau Stadt und Hand.

Hanau, 27. Mai.

* Militürpersoualten. VSlsebnsch, Leutnant ist Eisenbahnregiment Nr. 3, in die Betriebsabteilung der Eisenbahnbrigade versetzt. — Zum Fähnrich befördert: der charakterif. Fähnrich Wöhler im Eisenbahn-Regt. Nr. 3. — Wegen Dienstunbrauchbarkeit ansgeschieden: der Fähn­rich H u p e r tz im Thür. lllanen-Regt. Nr. 6.

* Der Kreisobstbauoereiu hält morgen nachmittag unt 3 Ahr in der „Concordia" seine Frühjahrsversammlung ab. Wichtige Punkte stehen auch diesmal wieder auf der Tages­ordnung, so u. a. die Anlage enes Mustergartens und in Verbindung damit die Baumwärterfrage. Ein Vortrag des Herrn Kreisobstbautechnikers Walther über ^Obst­bau im Hausgarten" wird sicher großes Interesse erwecken., Der Besuch der Versammlung wird daher allen Mitgliedern aufs wärmste empfohlen.

* Vrodtsscher Männergesangverein. Wir wollen nicht verfehlen, nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß unsere Hauptprobe für ben Wettstreit in Darmstadt Don­nerstag den L Juni, abends 8 Ahr, im Saale des ,^Deutsche« Hauses" stattfindet. Gleichzeitig bemerk« wir, daß auch der Gesangverein „Liederkranz"-Klein-Steinhetm an selbi­gem Abend seine Preischöre zu Gehör bringen wird, da er bekanntlich auch an dem Wettstreit teilnimmt. Es steht so­mit allen Sangesfreunden ein genußreicher Abend bevor.

* Dampferfahrt auf dem Main. Bei günstiger Witte» rung wird ein Dampfboot des Herrn Rauhe imer mor­gen nachmittag 1.40 Ahr von der Anlegestelle Mainkette aus nach Frankfurt fahren.

Am 1 Uhr ist das Dorf Hösbach erreicht (der Bahnhof liegt ziemlich entfernt davon), und hier muß die weit ausein» andergezogene Wanderschar gesammelt werden, da vo« hier ab die jeweiligen Erklärungen über das nun kommende Eefechtsfeld Frohnhofen-Laufach gegeben werden. In­zwischen hat sich auch das Wetter bedeutend aufgehellt, so­daß uns noch ein schöner Nachmittag in Aussicht steht. — Es sind schon viele Spessartwanderer mit der Bahn hier vorbeigefahren und haben im Fluge auch das vor der Fa­sanerie stehende Denkmal der am 14. Juli 1866 gefallenen Oesterreicher gesehen. Ebenso wird man ihnen von ihrem Abteilfenster des hoch dahinfahrenden Eisenbahnzuges die Hessengräber bei Frohnhofen gezeigt haben, aber nur wenige werden es sein, welche den Besuch des Gefechtsfeldes und die Besichtigung seiner Soldatengräber zum Zwecke einer Wanderung gemacht haben. Hoffentlich gibt dieser V. H. C.-Wanderbericht manchem Veranlassung, seine Schritte auch dorthin zu lenken, und sich im Geiste in eine Zeit zu versetzen, welche das Vorspiel zu des deutschen Reiches Wiederherstellung war. Die Gräber der hessischen gefallenen Soldaten stehen unter der Obhut eines Wärters und werden auf Kosten des hessischen Staates unterhalten. Sie. Besichtigung des Schlachtfeldes nahm seinen Anfang zwischen dem Dorfe Hösbach und den Weiberhöfen, einge­leitet mit einem Trompetensolo: „Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod", geblasen von einem Mitglied des V. H. E. Offenbach, an dem hart an der Straße befindlichen Grabe des gefallenen Cheveaulegers Kreiner, und hier begann Herr Heusohn seine interessanten geschichtlichen Erläute­rungen. Ernst und düster schaut der bewaldete Vischling in das Tal der Aschaff, und des Sailaufbaches, er hatte dem Gegner der Hessen, der preußischen Brigade Wrangel Schutz gewährt, ihm gegenüber waren hessische Geschütze postiert, welche aber keinen Erfolg erringen konnten. Sich mehr und mehr dem Dorfe Frohnhofen nähernd, berühren wir den Langengraben, welchen damals die Hessen seitlich voraehead