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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AEes Orz« fit Statt- und Fundkreig Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebührt

Die Sgespalkene Petitzeile oder deren « 20 M im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.

Berantwortl. Redakteur: <5. Schrecker ta Kanan»

Nr. 114 ?yer«fpr-chMrschlits; Nr. 230. Dienstag dtN 16. Mai

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^-rnsprechattschlusr Nr. 230 1911

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Ich mache darauf aufmerksam, daß durch die landes­polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 8. d. Mts. betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (vergl. Beilage zu Nr. 109 des „Hanauer An­zeigers") auch die Gemeinde Oberdorfelden (neben den Ge­meinden Bergen-Enkheim, Niederdorfelden und dem Eutsbe- zirk Dottenfelderhof) in das Beobachtungsgebiet einbezogen worden ist.

Hanau den 13. Mai 1911. V. 2891

Der Königl. Landrat.

J. B.: Karbe.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Der unter den Pferden des Landwirts und Fuhrmanns Joseph Hild in Hausen (Kreis Gelnhausen) aufgetretene Rotz ist erloschen.

Hanau den 13. Mai 1911. V. 2958

Nach landespolizeilicher Anordnung des Herrn Regie­rungs-Präsidenten in Cassel ist die Gemeinde Hellstein (Kreis Gelnhausen) aus dem Sperrbezirk ausgeschieden und als Beobachtungsgebiet erklärt worden. e

Hanau den 15. Mai 1911. V. 3056

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Niederissigheim belegenen, im Grundbuchs von Niederissigheim, Band I Artikel 19 Abteilung I Nr. 1, 25, 26, 27 und 28 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Ackermanns Konrad Gruner, Philipps Sohn, zu Niederissigheim ein­getragenen Grundstücke:

1. Krtbl. 4 Nr. 85/22 Hauptstraße Nr. 45, 4 ar 93 qm,

a) Wohnhaus mit Hofraum,

b) Scheuer mit Stallung (A),

c) Stall,

d) Schweinestall,

Nutzungswert 60 Mark,

2. Krtbl. 2 Nr. 42 am Butterstädterweg, Acker 22 ar 94 qm, Reinertrag 5,52 Tlr.,

3. Krtbl. 1 Nr. 59 an der untersten Kreuzweide, Acker 1 ha 66 ar 45 qm, Reinertrag 24,46 Tlr.,

4. Krtbl. 5 Nr. 86 an der Brücke, Acker 3 ar 98 qm, Reinertrag 1,05 Tlr.,

5. Krtbl. 5 Nr. 152 auf der dürren Seite, Wiese 1 ar 93 qm, Reinertrag 0,49 Tlr.,

— eingetragen in der Grundsteuermutterrolle unter Artikel 63 —

am 7. Juli 1911, nachmittags 2^ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — in der Viehmann'schen Gastwirtschaft zu Niederissigheim versteigert werden.

Hanau den 8. Mai 1911. 11941

Königliches Amtsgericht, Abt. II.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.

Verloren am 7. ds. Mts. auf dem Wege Wilhelms­baderbahnhof— Wachenbuchen : 1 goldene Damenuhr mit kleiner Kette.

Hanau den 16. Mai 1911.

Politische Rundschau.

Zu dem studentischen Zwischenfall bei der Denkmals- enthüllung in Straßburg wird der „Deutsch. Tagesztg." noch von dort gemeldet: In der Audienz, die fünf Ver­treter des Studentenausschußes beim Statthalter hatten, um ihm für seine Vermittelung beim Kaiser zu danken, erklärte Graf Wedel, daß es allen Teilen schmerzlich ge­wesen sei, die Studenten bei der Enthüllung des Denk­mals für den Gründer ihrer Universität zu vermissen. Wenn er früher auf dem Festplatze anwesend gewesen wäre, so hätte er den peinlichen Ausgang dieses Zwischen­salles zu verhindern gewußt. Auch er halte durch den Empfang der ganzen Studentenschaft durch den Kaiser, die Angelegenheit für abgeschlossen. Er fügte hinzu, daß der Kaiser von dem Verlaufe dieses Empfanges sehr be­friedigt war.

Eine eigene Fraktion der tschechischen Sozialdemokratie. Wie Prager Blätter melden, wurde auf einem Kongreß tschechischer Sozialdemokraten in Brünn, welcher von den

zentralistischen Arbeitern einberufen worden war, be­schlossen, eine eigene, tschechisch-sozialdemokratische Sektion der internationalen Sozialdemokratie zu gründen. Da­mit ist der Ritz zwischen den deutschen und den tschechischen Sozialdemokraten offiziell zugegeben und die Wahlaus­sichten der Sozialdemokraten haben sich verschlechtert.

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Hus Ranau Stadt und EancL

Hana«, 16. Mai.

2. Jahresfest des Kurhessischen Verbandes evangel. Jung- frauenvererne.

Hanau, 15. Mai. Gestern und heute hielt der Verband der kurhessischen evang. Jungfrauenvereine dahier sein Jahresfest ab. Die Feier nahm gestern mit dem Fest - g o t t s d i e nst in der schön geschmückten Marienkirche ihren Anfang. Hunderte von hiesigen und auswärtigen Jung­frauen füllten das Gotteshaus. Die Lieder, von den Po­saunen des hiesigen Jünglingsvereins begleitet, gaben dem Sonntag Cantate alle Ehre. Nach der von Herrn Super­intendent Frits ch- Hanau gehaltenen Liturgie folgte die eindrucksvolle Festpredigt dès Herrn Pastors Lahde aus Berlin, der gegenwärtig seine ganze Kraft in den Dienst der Jungfrauenvereine gestellt hat. Daß die Freude an demHerrnunsereStärkeist, legte er den Zuhörern nachdrücklichst ans Herz. Nach der Predigt brachte der hie­sige Jungfrauenverein die Motette „Herr.deineEüte reicht so weit" zum Vortrag. Nach dem Gottesdienst fand die Nachfeier im Evang. Dereinshause statt. Ueber 400 Festteilnehmer fanden Bewirtung., mit Kaffee und Kuchen. Lieder, Begrüßungen, Ansprachen, Deklamationen folgten in reichem Wechsel und fanden ihren Höhepunkt in einem wohlgelungenen Singspiel, das von dem Hanauer Verein aufgeführt wurde. Die schöne Feier machte auf alle Teilnehmer den besten Eindruck und wird gewiß dazu mit­helfen, die Arbeit der Jungfrauenvereine auch in unserer Stadt zu fördern.

Am zweiten Tage, Montag den 15. d. M., vormittags von 10 Uhr ab, wurde die Jahresversammlung der Vorstände der kurhessischen Jungfrauenvereine im „Ev. Schwesternhause" abgehalten. Von dem Vorsitzenden, Herrn D. Sardemann-Cassel, eröffnet, wobei auf die sichtlich gesegnete Arbeit und die schnelle Entwicklung der Sache der evang. Jungfrauenvereine hingewiesen wurde, erstattete dann der Verbandsschriftführer, Herr Pfarrer Scheele- Cassel den mit großer Liebe zur Sache ausgearbeiteten Jahresbericht über die Arbeit des kurhessischen Ver­bandes evang. Jungfrauenvereine. Wir lassen diesen Jay- resbericht, der wohl allgemeines Interesse beanspruchen darf, hier folgen. Er lautet:

Wenn ich mich streng an meine Aufgabe halten wollte, über die Arbeit unseres kurhessischen Verbandes evang. Jungfrauenvereine innerhalb des letzten Jahres zu berich­ten, so wäre das in wenigen kurzen Worten geschehen. Dann würde ich nur zu sagen brauchen: Ein reich geseg­netes Arbeitsjahr liegt hinter uns. Im Mittelpunkt steht der großartig verlaufene „Jnstruktionskursus für Leiter (Leiterinnen) bezw. künftige Leiter (Leiterinnen) evang. Jungftauenvereine in Kurhessen", den der Verband mit Hilfe der Gesamtsynode unserer Kirche und des Landesvereins für Innere Mission vom 29. Januar bis 2. Februar d. J. in Cassel abhielt, und der den Verbandsvorstand nicht nur zu einer langen Reihe von Sitzungen veranlaßte, sondern ihm auch viele heiße Arbeit brachte und lange in atemloser Spannung erhielt. Nicht einmal über den Verlauf des schönen Kursus brauchte ich zu berichten, da der Vorstand des Verbandes ein „Erinnerungsblatt an den Kursus" her­ausgegeben hat, das eben die Presse verlassen hat und so­zusagen ganz neu der heutigen Jahrestagung des Verbandes vorgelegt werden kann. Die unserem Verband angeschlosse­nen Vereine sowie die Kursisten sollen je 1 Freiexemplar erhalten. Im übrigen kann jeder das Büchlein für 10 Pfg. haben.

So wäre ich wörtlich genommen fertig mit dem Jahresbericht.

Doch werden Sie, liebe Verbandsschwestern und -brüder mir gewiß beistimmen, wenn ich sage: Dieser paar Mittei­lungen wegen hätte ich wohl kaum nach Hanau zu kommen brauchen, namentlich da ich doch gestern Ihr schönes Fest nicht mitfeiern konnte, da der Sonntagsdienst mich in Cassel fest­hielt und ich erst abends hier eintreffen konnte. So ge­statten Sie mir, etwas einzugehen auf die Erfahrungen, die wir mit unserem Verbände gemacht haben. Daraus er­geben sich schon einige große Gesichtspunkte, die die Not­wendigkeit unseres Verbandes zu beleuchten im Stande sind.

Es wird uns nachher das Thema beschäftigen: Warum fordert unsere Zeit die Gründung evang. Jungfrauen­vereine? In diesem Thema liegt die Anerkennung, daß die f ü h e r e Zeit die Gründung gerade der Jungfrauen­vereine nicht in dem Maße erforderte als heute.

Darin liegt eine Erklärung über die spätere Entwick­lung der Jungfrauenvereine gegenüber den Jünglingsver­einen, deren Gründung die Not der Zeit viel früher er­forderte.

Aber doch nur eine Erklärung. Es war doch auch ein tieferliegendes Bedenken, das die christlichen Kreise veran­laßte, auch noch in der Zeit, wo die Not schon erkannt war, ein langsameres Tempo bei Gründung der Jungfrauen­vereine einzuhalten. Und dies war das biblische Eäwt, das der Frau mehr als dem Mann einen Platz in der Stille an­weist, damit zum Segen des christlichen Hauses und der Familie und der Gemeinde sich in ihr erbaue der verborgene Mensch des Herzens, unverrückt mit sanftem und stillem Geist — das ist köstlich vor Gott.

Und als man nun, durch die Not der Zeit gedrängt, sich endlich zur Gründung von einzelnen Jungfrauenvereinen entschloß, da hütete man sie wieder lange in der Stille — und verwarf die Bildung von Verbänden, weil man darin besonders ein Heraustreten der Jungfrauen ins öffent­liche Leben fürchtete, die mit der Richtlinie nicht ver­einbar fei, welche das Christentum der Frau gegeben habe.

Ob erkannt oder nicht, ob bewußt oder unbewußt, war dies doch lange Zeit das Hindernis, das sich der Bildung von Jungfrauenvereinsverbänden entgegenstellte.

Als ich im Jahre 1890 meinen ersten Jungftauenverein gründete, gab es auf dem Gebiete der Jünglingsvereine schon längst große Bunde und Kreisverbände, an die ich damals meinen gleichzeitig gegründeten Jünglingsoerein sofort anzuschlietzen für durchaus notwendig hielt.

Bezüglich meines Jungftauenvereins kam mir der Ge­danke nicht nur nicht, nein, es sträubte sich mein inneres Gefühl geradezu dagegen. „Der Mann gehört in das öffent­liche Leben, die Frau in die Stille." Daraus leitete ich die Notwendigkeit ab, den Jungfrauenverein in der Stille zu hüten. Darum beruhigte ich mich völlig dabei, daß mein Jungftauenverein nirgends angeschlossen war. Da wars meine Teilnahme an dem Jnstruktionskursus für Innere Mission in Berlin, die mich in meiner Ansicht erschütterte. Ich schloß meinen Verein an die große Vereinigung in Ber­lin an und hielt die Fürsorge damals „Vorständeverband" genannt. Dies war schon eine Konzession an den Verbandsge­danken. Aber auch damals fand ich Kreis- und Landesver­bände für unnötig. Wenn nur die Vorstände, wie der Titel des Verbandsblattes es programmatisch aussprach, in geisti­ger Gemeinschaft blieben und so immer neue Anregungen empfingen, dann konnte jeder Jungftauenverein an seinem Orte wie ein verborgenes Blümlein gepflegt werden und in der Stille gedeihen zum Wohle des Ganzen. Große Versammlungen, wie z. B. der Kurhess. Verband der Jünglingsvereine in meinem Ort eine damals abhielt, schienen mir immer noch dem Ideal stillen verborgenen Blühens zu widerstreben. Unbemerkt aber schwanden solche Bedenken. Und das kam so. Am Sonntag Cantate, 4. Mai 1890, war mein Verein gegrün­det. So war am Sonntag Cantate stets sein Stiftungsfest. Nach dem Sonntag nachmittag halb 2 Uhr im kleinsten Kreise stattgefundenen Festgottesdienst wurde alljährlich ein Ausflug nach dem Bergschlötzchen bei Nieder­hone unternommen. Was lag näher, als daß wir die beiden Schwestervereine in Eschwege dazu einluden. Dies wider­sprach doch wenigstens nicht dem ängstlich festgehaltenen Prinzip der Stille. Aus diesen Cantatefesten aber ent­wickelte sich der spätere Kreisverband Werra-Fulda, dem 1906 schon 14 Vereine angehörten.

Wir alle fühlten, wie gerade die Cantatefeste das Lebeck in den einzelnen Vereinen hoben und wie sie die Arbeit in der Stille nicht beeinträchtigten, sondern sie vielmehr för­derten, da das Gefühl unserer lieben Jungftauen, daß sie nicht allein ständen, sondern an vielen Orten solche Kreise lieber Schwestern wären, die von gleichem Sinne beseelt seien, ihnen die stillen Stunden des Vereins noch lieber machten.

Dies also

1. der erste Segen des Verbandsgedan» k e n s. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Jungftauen unter einander, haben wir sie nicht auch gestern wieder emp­funden, wo sogar ein Depeschenwechsel zwischen dem kurhess. Verbandstag und dem Cantätefest des Werra-Kreisverban­des stattfand? Wie gern hätten wir auch gestern alle Mitglieder der ca. 60 angeschlossenen, ja auch der 35 nicht angeschlossenen Ev. Jungfrauenvereine Kurüessens mit