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Erstes Blatt

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Anzeiger

Bezugspreis, ViStkeMhrliH 180 ML. monatlich M Pfg., fSr iw«, «artige Abonnenten mit dem betreff. .Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

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Rotationsdruck und Verlag bet Buchdruckerel des verein, e». Waisenhauses in Hanau.

Amtliches GW« für Stabt« Mb Landkreis Sam«.

im Rekkuneuteü Ne Zelle« Ptz.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Derantmorll, Redakteur: G. Schrecker ta Hanau.

^L 112 ^-rnsprechanschlttsr Nr. 230. Samstag den 13. Mai Fernsprechanschlutz Nr. 230 1911

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Die belltigèRllNmer Ma-t *t -.AMMm-M 18 Seiten.

A,r»tliches.

Stadtkreis Ranau.

Nach Mitteilung des Großherzoglichen Kreisamts zu Offenbach ist in einem Gehöft zu Klein-Steinheim die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Zur Verhütung der Wsiterverbreitung der Seuche wer­den hiermit folgende Schutzmaßregeln angeordnet.

Der Stadtkreis Hanau (einschließlich Kesselstadt) bildet ein Beobachtungsgebiet, für das folgende Bestimmungen gelten:

1. Der Auftrieb von Klauenvieh aus dem Beobachtungs- tungsgebiet auf Märkte ist verboten.

2. Der Durchtrieb von Klauenvieh durch das Beobach­tungsgebiet ist verboten.

3. Das Treiben von Klauenvieh auf öffentlichen Straßen ist verboten. 'Das Fahren von Rindviehgespannen nach den Grundstücken zur Feldbestellung sowie das Führen einzelner Tiere an der Leine (z. V. zum Bullen) ist dagegen gestattet.

4. Zur Ausfuhr von Schlachtvieh aus dem Beobachtungs­gebiet ist eine tierärztliche Bescheinigung erforderlich. Dagegen ist für die Ausfuhr von Nutz- und Zuchtvieh die amtstieräztliche Untersuchung vorgeschrieben. Die Ausfuhr von Nutz- und Zuchtvieh ist nur mit Geneh­migung des Herrn Regierungspräsidenten zulässig.

5. Die Sammelmolkereien dürfen Magermilch, Butter­milch und Bkolken nur nach Abkochen abgeben. Der Abkochung ist eine Erhitzung durch unmittelbar oder mittelbar einwirkenden strömenden Wasierdampf auf 85 Grad Celsius oder eine Erhitzung im Wasserbade auf 85 Grad Celsius für die Dauer einer Minute gleichzuachten. Das Verfüttern von Milch und Molke­reirückständen an das Vieh der Sammelmolkereiin­haber ist nur unter gleicher Bedingung gestattet.

Hanau den 12. Mai 1911. p. 5428

, Königliche Polizei-Direktion.

J. V.: Karbe.

Candkreis Banau.

Die mit der Berichterstattung noch rückständigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden hiermit an die

Das Seltoldcr WcinbcrMnschell als Aussichtswarte des V. H. C.

Im sechsten Buche von „Dichtung und Wahrheit" schreibt Goethe bei der Schilderung seiner Reise nach Leipzig, wo er die Universität bezog — es war Ende September 1765: »Wir waren zur Allerheiligenpforte hinausgefahren und hatten bald Hanau hinter uns, da ich denn zu Gegenden ge­langte, die durch ihre Neuheit meine Aufmerksamkeit er­regten, wenn sie auch in der jetzigen Jahreszeit wenig Er­freuliches darboten. Ein anhaltender Regen hatte die Wege äußerst verdorben, welche überhaupt noch nicht in den guten Stand gesetzt waren, in welchen wir sie nachmals fanden; und unsere Reise war daher weder angenehm noch glücklich. Doch verdanke ich dieser feuchten Witterung den Anblick eines Naturphänomens, das wohl höchst selten sein mag, denn ich habe nicht ähnliches jemals wieder gesehen, noch auch von anderen, daß sie es gewahrt hätten, vernommen. Wir fuhren nämlich zwischen Hanau und Gelnhausen bei Nachtzeit eine Anhöhe hinauf und wollten, ob es gleich finster war, doch lieber zu Fuß gehen, als uns der Gefahr und Beschwerlichkeit dieser Wegstrecke aussetzen. Auf einmal sah ich auf der rechten Seite des Weges in einer Tiefe eine Art von wundersam erleuchtetem Amphitheater. Es blinkten nämlich in einem trichterförmigen Raume unzählige Licht­chen stufenweise übereinander und leuchteten so lebhaft, daß das Auge davon geblendet wurde. Was aber den Blick noch mehr verwirrte, war, daß sie nicht etwa still saßen, sondern hin und wider hüpften, sowohl von oben nach unten, als umgekehrt und nach allen Seiten. Die meisten jedoch blieben ruhig und flimmerten fort. Nur höchst ungern ließ ich mich von diesem Schauspiel abrufen, das ich genauer zu beobachten gewünscht hätte. Auf Befragen wollte der Postillon zwar von einer solchen Erscheinung nichts wissen, sagte aber, daß in der Nähe sich ein alter Steinbruch befinde, dessen mittlere Vertiefung mit Wasser angefüllt sei. Ob dieses nun ein Pandämonium von Irrlichtern oder eine Gesellschaft von leuchtenden Geschöpfen gewesen, will ich nicht entscheiden."

Die Anhöhe, auf deren Rücken Goethe dieses Erlebnis hatte, es ist der Weinberg, der unmittelbar am Orts-

Erledigung meiner Rundverfügung vom 30. März 1899 — V. 3243 — betreffend Aufräumung der Flut-, Entwäsie- rungs- und Abzugsgräben mit einer Frist von 8 Tagen erinnert.

Hanau den 12. Mai 1911. V. 2672

Der Königl. Landrat.

J. V.: Karbe.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zett vom 6. bis 12. Mai 1911:

2 Vauschlosier, 1 Hausbursche, 1 Kellner, 1 Kutscher,

1 Spengler und Installateur, 6 Taglöhner.

Hanau den 13. Mai 1911. • 11735

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Gefunden am 10. d. M. im Schlotzgarten: 1 Arm­band und 1 kleiner Spazierstock. Abzuholen auf dem Ge­schäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 12. Mai 1911 11801

Bekanntmachung.

Am Freitag den 19 .Mai d. Z., von nachmittags 4 Uhr ab, soll in der Gastwirtschaft »Zum Forsthaus" bei Hanau die Lieferung der für den Ausbau der Holzabfuhr- und Landwege erforderlichen Kalk- und Basaltsteine von ca. 300 Kubikmeter für die hiesige Oberförsterei öffentlich an den Mindestfordernden vergeben werden. 11753

Königliche Oberförsterei Wolfgang.

Im Name« des Königs!

In der Sttafsache gegen den Landwirt Wilhelm Ruth III. in Langenselbold, geboren daselbst am 4. Sep­tember 1862, evangelisch, verheiratet, wegen Milchfäl­schung, hat das Königliche Schöffengericht in Langenselbold in der Sitzung vom 26. April 1911 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz vom 14. Mai 1879 in einheitlichem Zusammentreffen mit einer Uebertretung der §§ 2 und 26 der Kreispolizeiverordnung vom 10. August 1905 zu einer Geldstrafe von 25 Mark — fünfundzwanzig Mark — an deren Stelle im Falle der Uneinziehbarkeit für je 5 Mark ein Tag Gefängnis tritt, und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

Auch wird angeordnet, daß die Verurteilung des An­geklagten auf desien Kosten durch einmalige Einrückung der Urteilsformel in dem „Hanauer Anzeiger" binnen

teile „Oberdorf"' von Langenselbold ansteigt und sich nach NO. bis Rothenbergen, Niedergründau und Lieblos als ein letzter Ausläufer des Vogelsberges hinzieht. Der nordöst­liche Teil des Rückens, von da ab, wo heute der Turm der Frankfurter Wasserleitung aufragt, ist mit Wald bestanden, der den Namen „die Abtshecke" führt, weil er früher dem Kloster Selbold gehörte. Seit Aufhebung des Klosters — 1545 — ist er im Besitze der Grafen und späteren Fürsten von Isenburg und gehört der Linie zu Birstein. Der Volks­mund berichtet unheimliche Sagen von einsamen Wande­rern, die in der Abtshecke von Räubern ermordet wurden. Der südliche Abhang war seit Jahrhunderten mit frucht- baren Weinreben bepflanzt, denen der Berg seinen Namen verdankt. Gar köstlich schmeckte in guten Weinjahren der Selbolder, der namentlich in den Hanauer Wirtschaften viel ausgeschenkt wurde. Noch heute erzählen in Selbold die Alten schmunzelnd von den letzten guten Weinjahren 1834 unb 1843. Da der Weinbau von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer weniger die darauf verwendete Arbeit verlohnte, so wurde er in Langenselbold wie in anderen Orten des Kin- zigtales — Rothenbergen, Lieblos und Roth — völlig auf­gegeben und nur in Gelnhausen ist noch ein kleiner Teil der Weinberge im Bau. So ändern sich die Zeiten!

Wie schon aus den oben angeführten Jugenderinne­rungen Goethes hervorgeht, ging in früheren Zeiten die Poststraße nach Leipzig über diesen Bergrücken. Diese „Leip­ziger Straße" zog von Frankfurt über Bischofsheim (wo noch 1802 der Dichter Seume auf der Rückkehr von seinem berühmten „Spaziergang nach Syrakus" zu Mittag speiste) und Hochstadt, dann die Stadt Hanau umgehend, über­schritt sie die Fallbach an der sog. „Meisterei", ging über den jetzigen Exerzierplatz nach Rückingen, von hier beim „Obererlen" von der jetzigen Straße links abbiegend links am Metzeloh vorüber (wo noch heute der Flurname „An der alten Straße" daran erinnert) zum „Hinserdorf" (d. i. das Dorf jenseits der Gründau) von Selbold. Hier überschritt sie, früher als einfache Furt, später auf der noch verhande- nen steinernen Brücke die Gründau. Hier auf dem alten befestigten Kirchhof stand die uralte Peterskirche, 1858 ab­gebrochen und hier fand der weltberühmte „Vachtanz" statt, über den Akten von 1621 bis 1769 im fürstlichen Archiv zu

4 Wochen nach der Rechtskraft des Urteils bekannt ge­macht wird.

gez.r Hesse.

Ausgefertrgtt

Langenselbold den 4. Mai 1911, 11785

Schaaf, Aktuar.

Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.

Hus Ban au Stadt und Cand«

Sattott# 18. Mai.

* Korublumeutag. Vereinnahmt wurden bis jetzt Mk. 14 771. ES stehen aber noch einige Beträge aus, sodaß wohl mit Sicherheit auf Mk. 15 000 gerechnet werden kann. Hier­von gehen die Kosten ab, bit schätzungsweift Mk. 1200 be­tragen. Das Ergebnis der Veranstaltung ist ein sehr er­freuliches, wenn wir uns vergegenwärtigen, baß die Einnah­men in Offenbach (doppelte Einwohnerzahl gegenüber Hanau) 21 000 Mk., in Mainz 12 000 Mk. und in Gießen 6500 Mk. betrugen. Das Geld ist bei der Mitteldeutschen Ereditbank hier hinterlegt. Nächste Aufgabe des geschäftsführenden Bur­sch usies ist, die bereits vorhandene Liste in unserer Stadt wohnender bedürftiger Veteranen sowie Angehöriger verstorbe­ner Kriegsteilnehmer zu vervollständigen, damit eine gerechte Verteilung der Gelder erfolgen kann.

* Wallonische Kirche. Morgen vormittag 11 Uhr findet die Wahl der Nettesten und Diakonen für die Wallo­nische Gemeinde statt. Die geehrte« Herren Mitglieder wer­den freundlichst daran erinnert, sich möglichst zahlreich an der Wahl zu beteiligen. — Von morgen ab finden die gemein­schaftlichen Gottesdienste in der großen Kirche statt.

* Wetterauische Gesellschaft. Die Erotzherzogliche Kur- direktion in Bad Nauheim hat sich in sehr zuvorkommender Weise Bereit erklärt, bei dem morgen stattfindenden Ausflug der Gesellschaft die Quellen und Vadeeinrichtungen ein­gehend zu zeigen und für wissenschaftliche Erklärung des Ursprungs der Heilquelle zu sorgen. Da hierzu mehr Zeit als anfangs vorgesehen erforderlich sein wird, und da die Direktion auch freien Zutritt zur Terrasse des Kurhauses in Aussicht gestellt hat, so wird der Ausflug nicht in Fried­berg, sondern in Nauheim selbst endigen.

* Geschichtsoerein. Sonntag den 14. d. M. werden im Museum eine Anzahl interessanter außerdrutscher Müuze» ausgestellt sein.

* Hanauer Kriegeroerei«. Die Schießübungen aus dem Militärschießstand beginnen morgen um 7 Uhr vor­mittags.

Virstein vorhanden sind. Hier steht noch am Marktplatz das alte Gasthaus „Zum goldenen Engel", schon 1601 unter diesem Namen unkundlich erwähnt. In seiner jetzigen Ge­stalt vom Fürsten von Isenburg 1704 erbaut unb seitdem fast zwei Jahrhunderte hindurch ein Erblehn der Familie Köhler, gibt es, ein stattlicher Fachwerkbau, mit noch fast völlig ursprünglicher Einrichtung und seinem geräumigen Hoftaum noch heute ein Bild des ehedem hier herrschenden Umspannverkehrs, der namentlich zu Meßzeiten sehr be­deutend war. Vom EründauLbergang ging die Striche durch das Oberdorf, dann die Anhöhe hinauf am Weinberghäos- chen vorüber durch die verschrieene Abtschecke, daun am Galgen des Gründauer Gerichts vorbei nach der „Berg- kirche" und von hier durch Lieblos und Roch nach Geln­hausen. In allerftühester Zeit zog sie wohl immer auf der Höhe bleibend durch den Büdinger Wald weiter. Eine Urkunde von 1339 sagt: „Dies uff gegeben und redde ge­schlagen zu Selboldt vor der Nydecken uff des risches straszen."

Diese Leipziger Straße wurde in den Jahren 1769 bis 1786 teilweise verlegt, was zu Entschädigungsansprüchen der dadurch benachteiligten Wirte führte. Auf Meerholzer Gebiet wurde die neue Strafte erst 1808 auf Befehl des fran= zösischen Marschalls Kellermann ausgebaut und danttt war endlich die jetzige Strecke vollendet.

Zur Unterkunft für die Wächter zur Zett des Herbstes dienten früher drei Häuschen an verschiedenen Stellen, von denen aber nur noch eins geblieben ist, dem diese Zeilen gelten. Es liegt, weithin sichtbar, gerade auf dem Scheitel­punkt, wo sich der Bergrücken herabsenkt, nur wenige Schritte von dem trigonometrischen Stein und der ehemaligen Land­straße entfernt. Es ist ein achteckiger Pavillon mit Pyra­midendach und kann in seinem Innern bei 3,6 Meter Tiefe und 3 Meter lichter Höhe rings an den Wänden für etwa 20 Personen Sitzgelegenheit bieten. Es mag schon ein Jahr­hundert lang von seiner Höhe herabsehen, denn die „ältesten Leute" können nur sagen, daß es in ihrer Kindheit schon dort gestanden. Vermutlich hat es der Fürst Karl, der letzte „souveräne" Regent von Isenburg erbauen lassen. da da­mals der fürstliche Hof öfters während des Sommers einige Zeit hier residierte. Hebelius Potter, Prediger an bet Nie-