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General-Anzeiger

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! de» verein, ev. Waffenhauses in Hanau.

Amiliches Grgün für Stadt- und Landkreis Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im ReNameuteU die Seite 45 Pfg.

verantwort!. Redakteur: L Schreiter in Hamm

Nr. 110

Wer,»sprecht»,»fchlitst Nr. 230.

Donnerstag den 11. Mai

Fer»»sprechai»schlutz Nr. 230

1911

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanau.

In der letzten Zeit sind aus dem Publikum häufig be­gründete Klagen über das Verhalten der Radfahrer geführt worden. Abgesehen von dem zu schnellen Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit, sowie unrichtigem Ausweichen und lleberholen wird am meisten das Verbot des Befahrens der Bankette nicht beachtet, ins­besondere weicht auch ein großer Teil der Radfahrer den auf den Banketten gehenden Fußgängern nicht aus.

Ich nehme hieraus Veranlassung, die Radfahrer erneut auf genaues Innehalten der für den Radfahrverkehr be­stehenden Vorschriften hinzuweisen. Die Polizeiorgane sind angewiesen, auf die strikte Innehaltung dieser Vorschriften ihr besonderes Augenmerk zu richten.

Die Herren Bürgermeister des Landkreises ersuche ich, Verstöße gegen die Polizeiverordnung über den Radfahr­verkehr vom 2. Juni 1908 nachdrücklich zu bestrafen.

Hanau den 9. Mai 1911. P. 5303

Der KLnigl. Landrat und Polizeidirektor.

I. V.: Karbe.

Candkreis Hanau.

Kveisjunflviehweide.

Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Maul- «nd Klauenseuche wird der Auftrieb von Rindern ge­legentlich der Eröffnung der Kreisjungviehweide am 16. Mai d. Js. aus den Sperrbezirken Butterstadt und Gronau mit Eronauerhof sowie aus den Beobachtungs- gebieten Bergen — Niederdorfelden — Dottenfelderhof und Oberissigheim — Ostheim — Roßdorf — Nieder­issigheim — Hirzbacherhöfe (Gemeinde Marköbel) ver­boten. Der Transport von Weiderindern aus anderen Gemeinden durch die Beobachtungsgebiete ist nur auf Grund amtstierärztlicher Bescheinigung und der be­kannten Vorsichtsmaßregeln zulässig.

Ueber den späteren Auftrieb der Weiderinder aus den Sperr- und Beobachtungsgebieten wird nach dem Erlöschen der Seuche weitere Nachricht an die Viehbesitzer ergehen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Viehbesitzer, welche Rinder zum Weidegang angemeldet haben, hier­von in Kenntnis zu setzen.

Hanau den 10. Mai 1911. A 1682

Der König!. Landrat.

F r h r. Lau r.

Napoleons Memoiren.

Von Kurt Löser.

Am 20. April 1814 stand Napoleon im Schloßhof von Fontainebleau und nahm Abschied von seiner Garde. Stockend kamen seine Worte, lautes Schluchzen der alten Soldaten, seiner „Erognards", füllte die Pausen. Und er sprach: „Beklaget nicht mein Geschick; wenn ich mit ent­schlossen habe, weiter zu leben, so geschah es, weil ich noch ferner zu eurem Ruhm beitragen wollte, denn ich will diè großen Taten beschreiben, die wir zusammen vollbracht. Lebt wohl, meine Kinder!"

Was er auf Elba versäumte, weil erst bei Waterloo sich „seine Geschicke erfüllen" sollten, jetzt auf St. Helena voll­brachte ers. In der Einsamkeit der Felseninsel entstand nach seinem Diktat dieses Wunderwerk der Memoirenliteratur, das seines gleichen nirgends hat, noch haben wird. Heinrich Conrad gibt es jetzt zum erstenmal geordnet und in muster­gültiger llebersetzung, in zehn Bänden, im Verlag von Ro­bert Lutz in Stuttgart heraus; die ersten drei Bände liegen bereits in einer geschmackvollen Ausstattung (von Professor Lang) vor. Außerdem ist noch jedem Band ein wertvoller kartographischer Anhang beigegeben.

Der Lutzsche Verlag hat vor zwei Jahren eine dreibän­dige Auswahl aus Napoleons Briefen veröffentlicht, die Aufsehen machten. Man staunte, man war überrascht, man mutzte seine Auffassung Napoleons korrigieren; zum min­desten in vielen Punkten erweitern. Aus diesen Briesen ersah man zum erstenmal wieder seit langen Zeiten die wahre Natur des großen Korsen, man blickte tief in die Seele dieses Mannes, man sah in ihre dunkelsten Abgründe, über denen sirnhell, hoch und erhalten ein edles Menschen­tum erstrahlte. Aber selbst diese Briefe verlieren von ihrer Bedeutung neben Napoleons Memoiren. Wer der Bewun­derung eines Genies überhaupt fähig ist. wird die Diktate

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Im 1. Obergeschoß des Hauses Langstraße Nr. 45 ist eine Wohnung von 4 Zimmern, Bad, Küche und Zu­behör zum 1. Juli d. Js., evtl, früher zu vermieten. Auskunft wird erteilt auf Zimmer Nr. 11 des Rathauses.

Hanau den 9. Mai 1911. 11537

Der Magistrat.

Hild.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Cigarrentasche mit 4 Cigarren, auf der Tasche Monogramm A. S., 1 silberne vergoldete Gürtel­nadel mit Emailleeinlage, 1 Schlüsselring mit 3 Schlüsseln, 1 Portemonnaie mit 20 Pfg. und einer Radfahrkarte für Wilhelm Giesel, Schüler aus Wachenbuchen.

Verloren: 1 goldenes Halskettchen mit großem läng­lichen Medaillon, 1 Portemonnaie mit etwa 8 Mark (im Schloßgarten), 1 Double-Kollier mit Anhänger.

Hanau den 11. Mai 1911.

Politische Rundschau.

Der Erotzherzog von Baden und die Veteranen. Der Erotzherzog hat aus Anlaß des vor 40 Jahren in Frank­furt a. M. erfolgten Friedensschlusses allen am Feldzug beteiligten Reserveoffizieren und im Offiziersrang stehen­den Hitärbeamten eine Plakette mit dem Bildnis des verstorbenen Großherzogs Friedrich I. zugehen lassen, die auf der einen Seite das lebenswahre Bildnis des Groß- Herzogs, auf der anderen Seite die Worte Homers trägt: „Immer bleibe dir Lob' und Ehr', und ewig Nachruhm." In dem Begleitschreiben wird hervorgehoben, daß der Erotzherzog den heutigen Tag nicht vorbeigehen lassen wollte, ohne auch derer zu gedenken, die in verant­wortungsvollen Stellen den Feldzug 1870/71 in der badischen Feldzugsdivision mitgemacht haben.

Millionenunterfchleife in der chinesischen Staatsbank. Aus Peking wird gemeldet, daß bei der chinesischen Staats­bank zu Peking Fehlbeträge von zusammen 2% Millionen Mark entdeckt wurden. Infolge dieser Unregelmäßigkeiten, die auf mangelnde Beaufsichtigung zurückgeführt werden, wurde die gesamte Bankadministration abgesetzt.

Marokko.

Madrid, 10. Mai. Eine Depesche des „Heraldo" aus Tanger vom 9. Mai nachmittags besagt: Nach einem Funken­telegramm aus Rabat stürzten sich vormittags Tausende Ein­geborene in geschlossenem Zuge auf das bei Belarosi, etwa drei Kilometer von Salch errichtete Lager, wo sich General |

Napoleons über sein Leben und seine Taten mit unvergleich­lichem Genuß lesen; er wird Napoleon besser und sicherer keimen lernen, als wenn er hundert Bücher über ihn stu­diert, und ihn kennen zu lernen ist in jeder Hinsicht eine ge­wisse Bereicherung.

Napoleon zeigt sich in seinen Memoiren als einen her­vorragenden Schriftsteller, nur mit Cäsar zu vergleichen. Knapp und klar stehen seine Sätze da, seine Darstellung ist von einer so packenden Wirkung, so dramatisch aufgebaut und mitreißend, daß man selbst Abschnitte, die uns inhalt­lich minder interessieren, nicht ungelesen läßt. Mit wenigen Worten entwirft er ein anschauliches, plastisches Bild von Personen, Zuständen, Begebenheiten; so wenn er seine Ge­nerale charakterisiert, eine politische Situation beschreibt^ oder eine strategische Lage uns verständlich macht. Man stößt auf Stellen, da sind die Worte von einer konzentrier­ten Wucht, als stünden sie an römischen Triumphbögen für die Ewigkeit eingemeißelt; andere wieder sind mit feiner Ironie getränkt oder zeigen das Lächeln des Schalkes. Denn auch Humor hatte er, dem alle Register, alle Töne zur Ver­fügung standen. Noch heute schlägt er jeden, der ihm in seinen Memoiren oder seinen Briefen nähertritt, in den zwingenden Vann seiner Persönlichkeit, wie damals vor hundert Jahren, wo nicht nur feine Franzosen und seine Soldaten in ihm einen Halbgott sahen.

Der erste Band zeigt den jungen 27jährigen General mit der stürmischen hinreißenden Feuerseele, der aus einer de­moralisierten Armee in wenigen Tagen eine Heldenschar macht und einen an Zahl und Hilfsmitteln weit überlege­nen Feind im Sturm zu Boden wirst. So, wie ihn das be­kannte Bild auf der Brücke von Areale darstellt: mit lang­wallendem Haar und ohne Hut, mit der Trikolore in der Hand seine Schar zum Angriff führend, im Auge ein Ge- funkel — der „Sieger von Italien", der ganz Europa in Staunen versetzte.

Der zweite Band läßt uns miterleben, wie Navoleon als

Moinier befindet. Dieser übernahm den Obrrbefehl über die Truppen; der Feind wurde durch Gewehr- und Artillerie­feuer zurückgeworfen, wiederholte dreimal dm Angriff und zog sich bann nach dem Heiligtum Sidi Labe in der Näh« von Salch zurück. Eine französisch« Truppenabtrllung ver­ließ sofort Salch und eröffnete das Feuer auf dm Feind, der nach heftigem Widerstand« mit einem Verlust von 8C Toten und, zahlreichen Verwundet« den Rückzug antrat Weiter heißt es in diesem Telegramm: Eine Pionierabteilung wurde nach dem Lager von Belarosi entsandt, um ein ähn­liches Vorkommnis zu verhüten. Schließlich besagt daS Telegramm, daß nach Meldungen aus El-Kutra vereinzelt« Angriffe auf die französisch«» Posten und Truppen, welch« die Verproviantierungszüge begleiten, fortdauern.

Paris, 10. Mai. Der „Agence Havas" wird auä Alkassar unter dem 6. d. M. gemeldet: Hauptmann Moreau ist am 7. Mai mit zwei Geschützen nach Sub-el-Arba abge­gangen, um dort eine Kamelreiterabteilung zu bilden. BÄ Suar vereinigten sich zwei Stämme und sandten Sendbote» an andere Stämme, mit der Aufforderung, sich mit ihnen zu einem Aufstand zu verbinden. Der Stamm der Rmaila, der sich gegen Raisuli erhob, wurde auf dessen Befehl in der Nacht vom 8. Mai von dem Kaid Bendahan überfall«; 500 Rinder und 1800 Hämmel wurden nach Alkassar ent­führt. Die Rmaila erhoben bei den Behörden von Rabat Einspruch. Am 7. Mai überschritt Oberst Gouraud mit 1600 Mann Kolonialtruppen den Bu Regreg, um sich nach El-Kuira zu begeben.

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Parlamentarisches.

mb. Die Kommission des Abgeordnetenhauses für den Gesetzentwurf über die Pflichtsortbildungsschulen beriet gestern den § 5 der Vorlage, der von den Befreiungen von der Verpflichtung zum Besuch der Fortbildungsschulen han­delt. Beschlossen wurde, die Einjahrig-Freiwilligen nicht generell vom Schulbesuch zu befreien, sondern eine Bestimmung auftunehmen, daß das nur durch Statut geschehen kann. Angenommen wurde weiter ein Antrag, daß die bestandene Gesellenprüfung nach dreijähriger Lehrzeit vom Schulbesuch Befreien soll, und daß ebenso derjenige befreit wird, der nach dreijähriger Lehrzeit zum Handlungsgehilfen ausgebildet ist. Im übrigen blieb es bei den Bestimmungen der Vorlage.

mb. Die verstärkte Justizkommission des Abgeord­netenhauses hat gestern den Gesetzentwurf betreffend bis Bildung von Lesegesellschaften beraten. Zunächst wurde eine Generaldiskusston durchgeführt. Die Frage, ob überhaupt ein Bedürfnis für den Erlaß der Bestimmungen vorhanden ist, wurde im allgemeinen zugegeben mit Rücksicht auf Ma Ueberschwemmung des Publikums, besonders der Einwohner der kleinen Städte und des Landes mit schwindelhaften Offerten. Jedoch wurde darauf hingewiesen, daß viel beste, als der Gesetzentwurf eine umfassende Aufklärung des Pub likums in öffentlichen Blättern zum Ziele führen könn«'

geschickter und kühner Diplomat mit unendlicher Weisheit die Macht Oesterreichs und des Papstes in Italien zerbricht, wie er bald durch Drohung und bald durch ErcHmut feine Feinde zu feinen Freunden macht, wie er immer maßvoll, stets versöhnlich und immer kühn wagend aus allen bedrrch- lichen Lagen sich herauswindet, überall und immer der Ueberlegene, Siegreiche. Nichts ist schöner, als so die Helden­jahre des jungen Napoleon zu verfolgen.

Im dritetn Bande, der soeben erschienen ist, tritt uns auf dem Boden Afrikas eigentlich ein ganz neuer Mensch in Napoleon entgegen. Aus dem von den Grundsätzen der Re­volution beherrschten General ist in Kairo der Sultan el Kebir geworden, „her große Sultan", der als Dreißigjäh­riger in seinem Hirn die gigantische, traumhafte Vorstellung birgt: nach Aegypten Syrien erobern, dann wie Alexander nach Indien marschieren und ein großes orientalisches Reich begründen . . . Beherrscher des Morgenlandes. . . Kaiser des Orients.

Hier treten die militärischen und diplomatischen Ereig­nisse in den Hintergrund, und einen um so breiteren Raum nehmen die Darstellungen ein, wie Napoleon, samt seinem Heer anfänglich als Ungläubiger verhaßt, sich mit erstaun­licher Anpassung an die Ideenwelt des Orients, an seine Gebräuche und Einrichtungen, sich die Zuneigung der Araber erwirbt. Wie er mit den Scheiks, Klemas und Muftis bei Kaffee und Sorbet tägliche Morgengespräche führt, über Gott und Mohammed, seinen Propheten, über die ruhm­reiche Vergangeheit der arabischen Weltherrschaft, deren Wiederaufrichtung er verheißt; wie er die so fremden See­len der Orientalen lenkt und gefangen nimmt, und die Aegypter in Napoleon den Abgesandten des Propheten zu erkennen anfangen, dem sie fast göttliche Ehrung erweisen. Und Napoleon spricht davon, wie er u::b sein Heer, vielleicht, wären zum Islam übergetreten, daß er bereits die Pläne zu einer ungeheuren Moschee hätte machen lassen, die groß genug gewesen wäre, sein Heer beim Uebertritt tu lassen.