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General-Anzeiger

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Die einzeln« Kummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hansa«

AMiher Organ fit Stabs- nab Faadkreir Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im ReklamenteU die Zelle « Pfg.

Derantwortl. Redakteur: <5. Schreit«, in Hanau.

Nr. 98 Fernspr-chanschlich Nr. 230»

Donnerstall den 27. April

Fer»sprechattschlich Nr. 230 1911

Amtliches.

Stadtkreis Ran au.

Mit Rücksicht auf die Gefahr der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird auf Grund des § 64 Abs. 2 der Bundesrats-Instruktion vom 30. Mai/27. Juni 1895 die Abhaltung des auf

Mittwoch den 3. Mai d. I. hier anstehenden Viehmarktes untersagt.

Hanau den 26. April 1911. P. 4695

Königliche Polizeidirektion.

J. A.: Karbe.

Landkreis Ran au.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, mir bis zum 5. Mai d. J. ein Verzeichnis der in ihren Ge­meinden bezw. Eutsbezirken befindlichen taubstummen Kin­der einzureichen, welche in der Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 30. September 1911 einschließlich das 6. Lebensjahr er­reicht haben oder erreichen werden. Auch die der Taub­stummheit verdächtigen Kinder dieses Alters sind in das Verzeichnis aufzunehmen.

Fehlanzeige ist nicht erforderlich.

Hanau den 22. April 1911.

Der Königl. Landrat. Frhr. Laur.

Stadtkreis Ran au. Bâtmtnmchutrg.

Die Ausführung von Pflasterarbeiten in der Wilhelm­straße, der Nutzallee, der Fischer- und Lothringerstratze und der Philippsruher Allee soll unter Zugrundelegung der Be­dingungen für die Ausführung von Arbeiten und die Liefe­rung von Materialien für die Stadt Hanau öffentlich ver­dungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zim­mer 22, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.

Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind bis zum Eröffnungstermin am Samstag den 8. Mai, vormittags 11% Uhr, einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Hanau den 27. April 1911. 10377

Der Magistrat.

Hild.

Cin schwarzes Seemannsvolk.

Kein Volksstamm in Westafrika hat seit der Entdeckung eine so wichtige Rolle gespielt, wie der Volksstamm der Kru- leute, die in dem Gebiete der Negerrepublik Liberia, die eins der sowohl fruchtbarsten als auch landschaftlich schönsten Länder an der Westseite Afrikas ist, lebt; die Kruleute be­wohnen daselbst einen Landstrich, der am Atlantischen Ozean liegt und unter dem Namen „Kruküste" bekannt ist. Sie sind das wichtigste Eingeborenen element in Liberia, und wer einmal an der Liberiaküste oder an der sogenannten „Kruküste" entlang gefahren ist, hatte Gelegenheit, sich von der Tüchtigkeit dieser Leute zu überzeugen. Besonders für die westafrikanische Schiffahrt sind sie ein hoher Faktor durch ihre Gewandtheit beim Löschen und Laden der Dam­pfer, namentlich aber durch ihre Sicherheit beim Passieren der oft nicht ungefährlichen Brandungen längs der ganzen Westküste. Fast sämtliche Schiffe aller Nationalitäten, die dort berkehren und Fracht führen, sind gezwungen, einen der liberianischen Plätze anzulaufen, um die „Kruboys", wie sie auch genannt werden, gleichviel, ob sie sechs oder sechzig Jahre alt sind, aufzunehmen, die die Heiz-, Lösch- und Lade­arbeiten zu versehen haben. Auf den Schiffen werden an Kruleuten so viele in den Dienst genommen, daß die weißen Matrosen eigentlich nur die wichtigsten Dienste an Bord selber verrichten, während sie im übrigen dieses schwarze Arbeitspersonal in seinen Arbeiten überwachen. Unter guter Anleitung sind sie auch sonst zu allen möglichen Ar­beiten in Haus und Hof und Stall und Garten, als Hänge­matte- und Lastträger usw. recht gut verwendbar. Auf der ganzen Strecke von Sierra Leone bis Swakopmund findet sich nicht ein Handelsplatz, an dem nicht von, den Faktoristen Kruleute in den Dienst genommen werden.

Die Kruleute begeben sich etwa vom 12. Lebensjahre ab in den Dienst, dem sie so lange treu bleiben, als es ihre

Bekanntmachung.

Die Lieferung von 400 Kbm. Steinschlag (Anamesit), 2700 Qmtr. Kleinpflastersteinen (Hartbasalt), 100 Kbm. Schablonensteinen und 200 Kbm. Mosaiksteinen soll unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und die Lieferung von Materialien für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zim­mer 22, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.

" Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind bis zum Eröffnungstermin am Samstag den 6. Mai, vormittags 11 Uhr, einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Hanau den 27. April 1911. 10375

Der Magistrat.

Hild.

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

In der Gemarkung Niederissigheim ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau den 27. April 1911. V. 2580

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 gelbes Damenportemonnaie mit 1.54 Mark, 1 4-räderiger Handwagen.

Vertauscht: 1 Fahrrad.

Verloren: 1 Brillant aus einem Ohrring.

Zugelaufen: 1 junge gelbe Dogge m. Geschl., 1 jun­ger schwarzer Hund m. Eeschl., 1 etwa 3 Monate alte Kriegs­hündin, 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen.

Entlaufen: 1 junger gelber Boxer mit weißer Brust, m. Eeschl.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Hanau den 27. April 1911.

Politische Rundfthatt.

Für den Kriegsfall werden im deutschen Heere bei der Infanterie und auch bei den berittenen Truppen große und kleine Drahtscheren zur Beseitigung von Drahthindernissen eingeführt.

Die Beisetzung des Kardinals Ledochowski. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie wir hören, hat der Posener Dom­herr Meszcynski als Testamentsvollstrecker des 1902 ver­storbenen Kardinals und früheren Erzbischofs von Posen, Grafen Ledochowski, dem Posener Oberpräsidium ein an

Körperkräfte erlauben. Länger als ein Jahr dürfen die Kruleute nicht außer Landes bleiben; ist der Kontrakt abge- laufen, so kehren sämtliche Arbeiter für einige Monate in ihre Heimat zurück, um dann von neuem an derselben oder einer anderen Stelle wieder in Dienst zu treten. Für jeden Arbeiter, der außer Landes geht, erhebt die liberianische Re­gierung eine Kopfsteuer von 15 Schilling. Jeder „Set" oder „Gang", meist aus 20 bis 30 Leuten bestehend, hat seinen Führer oder auch „Headman" genannt, der für alle Leute verantwortlich ist und alle Anweisungen in Empfang nimmt und die Ausführung derselben leitet. Der Verdienst, den die Arbeiter nach Hause bringen, ist zuweilen ganz bedeutend, oft auch recht gering. Meist besteht er in Waren, und dem, der es verdient hat, bleibt zuweilen recht wenig davon. Nach der Heimkehr muß der „Boy" 4 Schilling an den „Vorman" abgeben; den übrigen Verdienst liefert er an das Oberhaupt der Familie, „den großen Vater", ab, dem übrigens hohe Achtung bezeugt wird. Letzterer hat das Recht, über die er­haltenen Gelder nach Gutdünken zu verfügen. Einen Teil behält er für sich, ein zweiter wird dem „Jungen" gegeben und der Rest unter bedürftige Verwandte verteilt.

Unter dem Volksstamm der Kruleute herrscht eine Tra­dition, nach der derselbe von einem einst mächtigen Volke abstammt, das mehrere hundert Meilen an der Küste wohnte, aber durch häufige Kriege aufgerieben wurde. Eine höchst auffällige Erscheinung ist es, daß dieses Volk nie an der Sklaverei beteiligt gewesen ist. Weder haben die Kru­leute je aktiv sich am Menschenhandel beteiligt, noch aber sind von Fremden unter ihnen Menschenraub und -Fang betrieben worden. Mit Stolz weisen die Kruneger darauf hin, daß sie niemals in Sklaverei gezwungen worden sind und daß kein Weitzer ihren Volksgenossen jemals Ketten angelegt habe. Zur Erklärung dieser Tatsache lassen sich zwei sehr triftige Gründe anführen. Einmal waren die Arbeits­leistungen der Kruneger so wertvoll, daß nach einem still­schweigenden Uebereinkommen die Weißen sich verpflichtet

Seine Majestät den König gerichtetes Gesuch um die Er­laubnis zur Beerdigung des Kardinals im Dome zu Posen eingereicht. Der im Jahre 1902 zu Rom verschiedene Kar­dinal Ledochowski hatte testamentarisch den Wunsch ausge­sprochen, daß sein Körper im Dom zu Posen bestattet, sein Herz im Dome zu Enesen aufbewahrt werden solle. Nach einer Kabinettsorder vom 21. Juli 1834 steht den katho­lischen Bischöfen das Recht zu, sich in der Domkirche ihrer Diözese bestatten zu lassen. Da Graf Ledochowski durch den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten als Erzbischof von Enesen-Posen abgesetzt worden war, ist sein Anspruch auf dieses Ehrenrecht erloschen. Infolgedessen darf seine Be­stattung im Posener Dom des Erlasses einer allerhöchsten Kabinettsorder. Eine solche ist von dem Testamentsvoll­strecker des Kardinals im Jahre 1902 für die Beisetzung des Herzens im Enesener Dom nachgesucht und von Sr. Maje­stät dem König, ebenso wie in dem Fall des gleichfalls staatlicherseits abgesetzten Kardinals von Köln, Melchers, erteilt worden. Im Jahre 1905 haben die Freunde des Kardinals Schritte unternommen, um auch für die Be­stattung des Körpers im Posener Dom, die in aller Stille erfolgen sollte, die Genehmigung der königlichen Staats­regierung nachzusuchen. Bei den zuständigen Stellen be­stand prinzipielle Geneigtheit, das Gesuch zu befürworten. Gleichwohl hat der Testamentsvollstrecker die Einreichung eines formellen Gesuchs damals unterlassen. Dieses ist jetzt dem Oberpräsidenten in Posen eingereicht worden. Dis Entscheidung darüber steht noch aus.

Christliche Jugendbewegung und Sozialdemokratie. Eins erfreuliche Regsamkeit gegen das schmähliche Treiben der Sozialdemokratie macht sich neuerdings unter der christlichen Jugend bemerkbar. So hat den Kampf gegen die sozialdemo­kratischen „freien Jugendorganisationen" der Berliner Kreisverband evangelischer Jünglingsvereine auf der gan­zen Linie ausgenommen. In den Frühstunden des letztver­gangenen Sonntags wurde von Mitgliedern von 50 Jüng­lingsvereinen ein Flugblatt in 150 000 Exemplaren an die jungen Männer Groß-Berlins verteilt, das sich energisch gegen die Vorwürfe wendet, welche die sog. freie Jugend­organisation der christlichen Jugendbewegung macht. Es heißt darin u. a.: „Man behauptet, die christliche Jugend­bewegung wolle die Jugend verdummen. Aber wie ists wirk­lich ? Jene wollen den Geist in die falschen Dogmen der geist­losesten Weltanschauung, des sog. historischen Materialis­mus, zwängen; wir aber wollen, den erleuchtesten Führern der Menschheit, den edelsten Wahrheitszeugen folgend, in freiem Austausch der Gedanken den tiefsten Fragen tapfer ins Auge schauen, höchsten Idealen wollen wir miteinander nachstreben . . . Man verleumdet uns als Verräter der Jugend. Die christliche Bewegung, so behautpet man, Habs nichts getan zur sozialen Hebung der Arbeiterjugend. Wah­

fühlten, sie nicht zu belästigen; dann aber vermochten sie auch wegen ihres Mutes und ihrer physischen Kraft verhält-^ nismäßig leicht die Angriffe von Sklavenhändlern abzu­weisen. Ihr Charakter ist die beste Erklärung für die Be­wahrung ihrer vielgerühmten Freiheit. Die Kruneger sind wohl mit die kräftigsten und ausdauerndsten Arbeiter unter den afrikanischen Stämmen. Ihre Körperkräfte befähigen sie, Gewichte zu heben, an die sich sonst so leicht niemanb heranwagt. Ihr kräftiger Körperbau und ihre Vorliebe für die See, in der sie in ihrer von einer gefährlichen Vran- dungszone umgebenen Heimat großen Mut betätigen, machen sie deshalb auch auf den Dampfern und in den Faktoreien an der ganzen westafrikanischen Küste, wie ein­gangs erwähnt, als Arbeiter sehr willkommen.

Im Laufe der Zeit hat sich unter dem Volke ein eigen­tümliches Idiom der englischen Sprache eingebürgert. Drei Viertel dieses Volkes spricht neben der Muttersprache das sogenannte „Kruenglisch". Der Dialekt ist ungemein komisch und schwer in J)er deutschen Sprache wiederzugeben. Diese eigentümliche Sprache ist aber für den Europäer ein beson­ders günstiger Umstand. Er kann schon nach wenigen Tagen, wenn er sich das nur wenige Worte enthaltende Lexikon der Kruleute gemerkt hat, direkt so gut mit ihnen verkehren, wie mit keinem andern Volk an der ganzen Küste.

Im allgemeinen stehen die Kruneger immerhin noch auf einer niedrigen Kulturstufe; sie vermischen sich sehr selten mit anderen Rassen und sind bei den übrigen Schwarzen in keiner Weise beliebt, weil sie dne Unterschied von Mein und Dein vor allen andern am wenigsten zu erkennen ver-, mögen. Ein Leibboy wird zwar seinen eigenen Herrn in den seltensten Fällen bestehlen, dagegen nimmt er von jedem andern, was er erwischen kann. Die Mehrzahl der Kruleutq sind von einer kindlichen Naivität, und alle Leidenschaffen der menschlichen ^celc kommen bei ihnen in unverholener Weise zum Ausdruck. Zuweilen wollen sie wie die Kinder behandelt sein, wo es Rot tut, mit Strenge, und wo sie sich