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verantwort!. Redakteur: & Schrecker i» Hana»,
$L 88 ?yer»»sprechattschlttsr Nr. 230.
Donnerstag den 13. April
A-rnsprechanschl«tz Nr. 230
1911
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14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Mit muâsicht auf die Gefahr der Weiterverbreitung der
Maul- und Klauenseuche wird im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten zu Gaffel auch der am 26. d. M. hier anstehende Viehmarkt untersagt.
Hanau den 10. April 1911. P. 3748
Königliche Polizei-Direktion.
3. A.: Karbe.
Oesfentliche Sitzung der Stadt- Verordneten-Bersammlung
am Donnerstag den 20. April 1911, nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung.
1. Versetzung des Schnepp'schen Denkmals und der dahinter stehenden Leichensteine.
2. Fluchtlinienplan für die Altstadt.
3. Ersatz der Straßenbaukosten für das Grundstück des neuen Eerichtsgebäudes.
4. Belegung von Kiesbürgersteigen mit Mosaikpflaster.
5. Ausbau der Hessenstratze.
6. Vaumpflanzung Französische Allee und Paradeplatz.
7. Aufstellung öffentlicher Telephonzellen.
8. Anbringung einer Feuermeldeanlage in der Lamboystraße.
9. Feststellung der Bier- und Obstweinsteuer für 1910.
10. Gesuch der historischen Kommission für Großherzogtum Hessen rc. um Leistung eines Beitrages für die Herausgabe einer historischen Karte 1800—1866.
11. Unterstützungsgesuch der Loge „Zur Höhe".
12. Veränderung der Feuerlöscheinrichtung in der Eberhardschule.
13. Haushaltsplan der Sammelwasenmeisterei für 1911.
Im Dome.
In majestät'scher Golhik strebt empor zum Himmel Dèr stolze Dom, hoch über Smub und Wcltgeiümmel!— Führt mich nach Tageslärm mein Weg an seine Pforte, Zieht's mich mit Macht nach seiner Hallen stillem Orte. Ich trat auch heute ein, ließ im Gestühl mich nieder — O, weihevolle Ruhe, du umfängst mich wieder! — 3« edler Linien Glied'rung dehnt sich vor den Blicken Der weile, mächi'ge Raum, dem Auge ein Entzücken I — ®5 steigt ein Säulenwald, in mystsche Dämmerung ragend, In stolzer Kühnheit auf, die hohe Wölbung tragend. Durch hoher Bogenfenster Glasgemälde ziehen Im Abendsonnenstrahle Farbensymphonien.
Die allen Meisterwerke, hocherhab'ne, reine, Erglühen leuchtend auf in vollem Glorienscheine. Und eine gold'ne Lichlslut, eine wunderbare, Verklärt des Welterlösers Bild am Hochaltare I — Das Abendläuten tönt vom hohen Turme nieder, Vom Chor schwebt Orgeltlang, verhallet leise wieder. — Nur wen'ge Beterinnen knien im Gestühle, In frommer, stiller Andacht gläubigem Gefühle.-- Auch mich hat ganz erfaßt ein unnennbar Empfinden, Als wolle alle Erdenschwere mir entschwinden. — Der Künstler denke ich, die einst den Dom erbauten; Mit trunk'nem Blick das ew'ge Reich der Kunst erschauten. Das Reich der Schönheit, das so ganz erfüllet Des Wellenmeisters Geist, der ihnen sich enthüllet.
So daß zu seinem Ruhm sie diesen Tempel schufen; Von ihm eifaßt, durchglüht, begnadet und berufen. — Kann Schöpferkraft des Menschen solch ein Werk vollbringen, Wird über Nacht und Tod sein Geist zum Lichte dringen! Zum Urquell e w' g e n Seins, dem einst auch e r entsprungen;
Durch Fleischestod befreit, doch von ihm un bezwungen! Die Hoffnung, Ihn zu schauen, ruht im Seelengrunde Der unmündigsten Völker auf dem Erdenrunde. — Nicht als ein Trugbild nur, für kurze Erdcnfrist, Gab Er die Sehnsucht uns nach Ihm, der Licht und Wahrheit;
Der die Liebe ist! — — Bor Ostern 1911. Fried. Jac. Geißelt.
14. Verwertung der im hiesigen Schlachthof anfallenden Schweineborsten.
15. Antrag auf Belastung der bisherigen Gemeindewertzu- wachssteuerordnung.
16. Antrag Schwabe betr. Verteilung der Stiftungsgelder.
17. Wahl eines Mitgliedes in die Pferdeaushebungskommission.
18. Wahl eines Mitgliedes zur Körungskommission.
19. Rechnung der de Bannos und Beaux'schen Stiftung. Hieran anschließend geheime Sitzung.
Hanau den 12. April 1911. 9255
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
J. V.: Schroeter.
Drenstnachrichten aus dem Kreise.
In Niederursel bei Frankfurt a. M. ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Hanau den 13. April 1911.
Zwangsversteigerung.
Nm 12. Juni 1911, vormittags 9 Uhr, sollen die dem Sanatorium Stolzenberg E. m. b. H. zu Frankfurt a. M. gehörigen in der Gemarkung Soden belegenen Grundstücke (Sanatorium mit Hofraum, Waschhaus mit Wohnräumen, Elektrizitätswerk mit Wohnung, Stall mit Wagenhalle, Ziegenstall, Hühnerhaus, Gewächshaus, Kegelbahn, Herrenlufthütte, Damenlufthütte, Garten und Aecker) mit einer Gesamtfläche von 6 Hektar 27 Ar 21 Quadratmeter, an Ee- richtsstelle versteigert werden.
Salmünster, 25. März 1911. 9269
Königliches Amtsgericht.
Zwangsversteigerung.
Die Zwangsversteigerung Breidenbach ist aufgehoben.
Der auf den 2. Juni 1911 nach Großkrotzenburg bestimmte Termin findet nicht statt. 9233
Hanau den 8. April 1911.
Königliches Amtsgericht 2.
Durch den Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 4. April 1911 ist der Beschluß vom 8. November 1888, durch
Der Osterhase.
Eine humoristische Ostergeschichte von Adolf Thiele.
Der Himmel war mit einfarbigem, düsterem Grau bedeckt, ein feuchter Wind strich von Westen daher und brachte einen feinen, durchdringenden Regen mit sich.
Das war kein Osterwetter!
Der Reiter, der die Landstraße entlang ritt, zog den Mantel dicht um sich und machte kein fröhliches Gesicht. So ritt er nun durch die Felder dahin, deren offene Furchen auf die Sommersaat warteten. Endlich erreichte er sein Ziel, ein stattliches Dorf, wo ihn die Bewohner höflich grüßten, und ritt in den Hof des größten Gutes ein. Gewandt sprang der kräftige, schlanke Mann vom Pferde, übergab es einem herbeieilenden Knecht und fragte freundlich: „Wo ist denn der Onkel?"
„Herr Kunze ist im Hause," sagte der Knecht im herzlichen Tone, und auch die übrigen Leute, denen der junge Mann im Hause begegnete, erwiderten ebenso zutunlich seinen Gruß.
Im Hausflur des stattlichen Gutsgebäudes kamen Herr und Frau Kunze dem Neffen entgegen und empfingen ihn mit liebevollen Blicken und warmem Händedruck. Nun führten sie ihn in die „gute Stube", wie sie das größte, mit altväterischen, gediegenen Möbeln ausgestattete Zimmer nannten, und hier wurde Vetter Franz von den andern Ostergästen begrüßt, einigen Stadtbewohnern, unter ihnen einem Rittmeister a. D. und dem verheirateten Sohne des Onkels Kunze mit seiner Frau.
Das offene, männliche Gesicht des Neffen drückte einige Verlegenheit aus, als er so plötzlich der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wurde.
„Kannst gleich mit Kaffee trinken!" rief Onkel Kunze jovial, und nun begann ein Gespräch über allerlei Familiäres und Landwirtschaftliches.
Plötzlich tat sich die Tür auf und Frau Gutsbesitzer Kleemann, eine stattliche Dame, trat herein, begleitet von ihrer Tochter, einem hübschen, munteren Mädchen, ebenfalls Fest- gäste des Onkels. Mit gesellschaftlicher Gewandtheit erwiderten sie die Begrüßung der Anwesenden.
Vetter Franz, der gerade ein Stück Kuchen abgebiffen hatte, sprang empor und stieß dabei in der Hast seine Taffe
welchen die jetzige Ehefrau des Fabrikarbeiters Jako- Schäfer 2er, Anna Sabine, geb. Hafner, geschiedene Ehe- frau des Johannes Betz 4et, in Langendiebach wegen Ver< schwendung entmündigt worden ist, aufgehoben worden.
Langenselbold, 4. April 1911. 9267
Königliches Amtsgericht.
Stehengeblieben auf dem Marktplatz am 11. April
1 kleiner Leiterwagen. Abzuholen auf der Armenverwaltung. 9253
Hanau den 12. April 1911.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden:! goldenes Kollier, 1 mesfing. Türdrücker.
Verloren: 1 schwarzes Kindertäschchen, 1 rotbraunes Herrenportemonnaie mit 2.80 ML, 1 goldenes Armband, 1 Hutschachtel mit schwarzem eleganten Damenhut mit schöner schwarzer Straußfeder (auf der Straße Aschaffenburg—Frankfurt) auf einer Automobilfahrt.
Entlaufen: 1 schwarzer Dobermann, hört auf de» Namen „Tilli".
Hanau den 13. April 191L
Hus Hanau Stadt und Eand. z Hinan, 13. April.
• Redaktionell. IW- Des Karfreitags wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Samstag bett 15. April zur gewohnte« Stunde.
Hk. In den Zollinhaltserklärungen für das Ausland — auf weißem oder gelblichem Papier — wird bei Paketen nach einzelnen Ländern, insbesondere Frankreich, die Angabe des Ursprungslandes der versandten Waren verlangt. Diese Angabe ist stets inderSpalte „Bemerkungen" der Zollinhaltserklärungen niederzuschreiben. Bei dem Vordruck „Absendungsland (Pays d'origine)" im Kopfe der Zollinhaltserklärungen muß stets „Deutschland (Allemagne)" angegeben werden, weil daraus lediglich das Absendungsland des Pakets ersichtlich sein soll. Zur Vermeidung von Zweifeln wird der Vordruck „Pays d'origine" künftig durch „Pays de depart" ersetzt werden. um. Zu seinem Malheur bemerkte er, daß das junge Mädchen den Mund zu einem Lächeln verzog, und baburdj wuchs feine Verlegenheit. Er errötete, und als er in den Blicken der Anwesenden eine nur mühsam verhohlene Heiterkeit bemertte, wurde er völlig verwirrt. Onkel Kunze machte ein ganz bedenkliches Gesicht, die Damen halfen jedoch dem Detter fteundlich über diese Verlegenheit hinweg, so daß alles wieder ins Gleise kam.
Man trat gemeinsam den Kirchgang an und gab sich später dem gemütlichen Verkehr hin, wie er sich an Festtagen unter gastlichen Wirten und fröhlichen Gästen abspinnt.
„Na, nun mache Dich aber bald heran!" ermahnte Onkel Kunze seinen Neffen, und dieser erwiderte: »Sa, Onkel, aber ich muß erst sehen, ob es sich trifft!“
Nun, die Anwesenden wußten es so einzurichten, daß eS sich traf: Franz und seine Cousine im dritten Grade, die liebliche Selma, sahen sich gegen Abend plötzlich allein, nachdem die anderen Gäste allmählich wie auf Kommando verschwunden waren. Da saßen sie nun, die beiden, die eigene Neigung und der Wunsch der Verwandten füreinander bestimmt hatte, und wußten nicht, was sie sagen sollten. Auch Selma war durch das Verschwinden der andern überrascht worden und fand zu ihrer eigenen Verwunderung keine Worte: der aber, der diese Worte finden sollte, saß wenig Schritte davon in tödlicher Verlegenheit. Alles zog noch einmal an seinem Geiste vorüber: wie er Selma, deren Heimatsgut mehrere Meilen von dem seines Vaters entfernt war, auf den von den Gutsbesitzern der Gegend veranstalteten Bällen kennen gelernt hatte, wie er in das ungezwungen plaudernde hübsche Mädchen gleich am ersten Tage verliebt war, wie er in seiner Schüchternheit ihr kaum wieder zu nahen gewagt hatte und doch, durch ihr fteundliches Wesen unterstützt, immer wieder zu ihr hingezogen wurde und wie er schon recht hübsch mit ihr geplaudert hatte. — Aber nun war dies alles verschwunden, er hätte nun und nimmer gen wagt, ein entscheidendes Wort mit ihr zu sprechen.
Ihr beiderseitiges Schweigen machte die beiden jungen Leute noch verlegener. Endlich begann er in höchster Not: „Das ist wirklich kein Osterwetter, der Regen will gar nicht aufhören."
Da fiel ihm ein, daß eigentlich das Wetter in dieser; Situation der unpassendste Gesprächsstoff sei, und dieser Ge, danke ließ ihn verstummen.