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Erstes Blatt.

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verantwortl. Redakteur: S. Schrecker te Hana».

ÄL 84 Aernsprechanschlich Nr. 230.

Samstag den 8. April

Fer«sprecha»»fchlttsr Nr. 230 1911

Die LelltigeNimmr «mfiifit llllsitt LWhlWIWI

_________18 Seiten.________

Politische Rundschau.

Die Reichstagswahlen. Die Meldung eines Blattes über den Termin der Reichstagswahlen wird von politischen Kreisen als unzutreffend bekriNlUtt-

Silberne Hochzeit des württembergischen Königs­paares. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Das württembergische Königspaar feiert am 8. April seine silberne Hochzeit. Mit freudigen Empfindungen begeht das schwäbische Land das frohe Fest im Herrscherhause, das zu­gleich in den anderen Gauen des Vaterlandes warmen An­teil erweckt. Neben König Wilhelm, der sich als hingebender Förderer der gedeihlichen Entwicklung Württembergs auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der Kunst und Wissenschaft bewährte, ist Königin Charlotte bestrebt, die Er­ziehung und Ausbildung des weiblichen Geschlechts in die Bahnen wahren Nutzens für das Ganze zu leiten und der Kranken- und Armenpstege mit leuchtendem Vorbilde voran­zugehen. Dem hohem Paare, das nahezu seit zwanzig Jahren den Thron ziert und das die Liebe seines ange­stammten Volkes genießt, gelten heute auch unsere ehr­erbietigsten Glückwünsche: Möge auf ihm in langer beglückter Regierung stets der reiche Segen ruhen, der treuer Pflicht­erfüllung beschieden ist.

Marokko. Während der gestrigen Sitzung der spanischen Kammer hatten der Ministerpräsident Canalejas und die Minister des Auswärtigen und des Krieges eine Besprechung über die marokkanische Frage. Wie in den. Wandelgängen behauptet wird, hat die Regierung günstige Nachrichten über die Lage in Marokko erhalten.

Sprechsaal.

Es ist nicht zu verstehen, daß die Gießfässer, die noch in der vorigen Woche ihre Ausgabe in wirklich ausgiebiger Weise erfüllten, nun schon seit vier Tanen ihre Tätigkeit vollständig eingestellt haben. Die Staubplage hat bei der herrschenden Trockenheit und heftigen Wmdströmungen einen Höhepunkt erreicht, daß Abhilfe dringend geboten ist. DieS gilt ganz besonders von den verkehrsreichen Straßen vor der Stadt, wo durch die Straßenbahn und eine sehr leb­hafte Bautätigkeit die Staubart bis ins Innere der Häuser hinein in höchst lästiger Weise empfunden wird. Nicht minder leiden auch alle Passanten unter diesem Zustand. Ganz be­sonders aber dürfte nicht übersehen werden, welche Werte an Gesundheit und Eigentum durch den Einfluß solcher Staub- massen in ernstester Weise gefährdet werden.

3 . MilnenmMnzttt des Srattineiwmiirë.

Seit Jahrhunderten ist es Brauch, den in die Passions­zeit fallenden geistlichen Konzerten einen der Kirchenzeit entsprechenden Charakter zu geben. Daher werden in der Pasfionszeit Messen oder Passionen zum Vortrag gebracht. Aus dieser Gepflogenheit heraus erklärt sich auch das Pro­gramm des Oratorienvereins, das im 1. Teile die Arie „I ch weiß, daß mein Erlöser lebet" aus dem „Mes- s i a s" von Händel und Szenen aus Sudermanns „I o= Hannes" für Bariton-, Batz- und Tenorsolo von Limbert, im 2. Teile „Ein deutsches Requiem" von Brahms namhaft macht. Der logische Zusammenhang zwischen oen einzelnen Nummern ist leicht zu erkennen. Als Solisten wirkten mit Frl. Carola Hubert (Sopran) aus Köln und Die Herren Adolf Müller (Bariton), Edgar G e r st (Baß) und August Gesser (Tenor) aus Frankfurt.

Die Arie „Ich weiß, daß mein Erlöser lebet" wurde von Frl. Carola Hubert dargeboten. Die Sängerin verfügt über einen wohlklingenden, gut geschulten hohen Sopran, der es ihr ermöglichte, dem reichen textlichen und melodi­schen Inhalt zu vollendeter und überzeugender Wiedergabe zu verhelfen. Kein Wunder, daß auch die Zuhörer mit ihren Beifallskundgebungen nicht zurückhielten. Nicht weni­ger Erfolg erzielte sie mit der Solopartie zum 5. Chore des „Deutschen Requiems" von Brahms „Ihr habt nun Trau­rigkeit".

Als zweiter Solist des Abends ist Herr Adolf Müller zu nennen. Der hier längst bekannte und in hohem Ansehen stehende gottbegnadete Sänger zeigte aufs neue feine Vor­tragskunst in schönstem Lichte. Mit edlem Tone und vor­nehmer formvollendeter Darbietung verhalf er dem Io­hannes in den Szenen aus Sudermanns „Johannes" von Dr. Frank Limbert zu lebenswahrer Gestaltung, obschon die Partie an einzelnen Stellen für einen Bariton etwas hoch lag, Sein Vortraa war eine hohe Kunstleistung. Auch die

Hus Ran au Stadt und Cand.

Hana«, 8. April.

* Kgl. Zeichenakademie. Gestern vormittag 11 Uhr fand in der Kgl. Zeichenakademie die Abschiedsfeier für das vergangene Studienjahr statt, bei der durch Herrn Landrat Frhr. Laur Medaillen und Diplome an aus­gezeichnete Schüler verteilt - wurden. Der Direktor der Akademie, Herr Prof. Leven, hielt zugleich eine Be­deutende Rede, die die Ergebnisse der letzten 2 Jahre und neuen Ziele der Anstalt zufammenfatzte. Im An­schluß an diese Feier wurde die höchst interessante Aus­stellung von Schülerarbeiten eröffnet. Auf die Aus­führungen des Herrn Prof. Leven werden wir noch aus­führlicher zurückkommen und dabei auch die Namen der preisgekrönten Schüler veröffentlichen.

* Stadttheater. „Der fidele Bauer" wird am heu­tigen Samstag für lange Zeit von uns Abschied nehmen, da derselbe in nächster Spielzeit sicherlich nicht auf dem Spielplan erscheint; um jedem Theaterbesucher den Besuch der Vorstellung zu ermöglichen, ist die Vorstellung, zu welcher noch gute Plätze erhältlich sind, bei kleinen Preisen. Anfang 8 Uhr. Am morgigen Sonntag, dem letzten Spieltag der Saison, geht nachmittags als letzte Schauspielvorstellung das herrliche Drama „Glaube und Heimat" von Carl Schön­herr in Szene, welcher sich mit dieser Schöpfung in die Reihe der ersten deutschen Dichter gestellt und sich einen gewaltigen Namen gemacht hat. Die letzte Vorstellung der Saison bringt nach dem ernsten Stück des Nachmittags wieder eine heitere Stimmung mit Aufführung der urkomischen Gesangs- posse „Die Reise durch Berlin in 80 Stunden", welche am Donnerstag bei der Premiere vor ausverkauftem Hause stür- mischen Beifall fand; am Schluß des Abends wird Herr Direktor Steffter einen Epilog sprechen.

* Der Verfasser der Artikel „Zur Entwässerungsordnung" vom 1. April und 22. März lehnt es ab, sich mit dem Ein­sender der vorgestrigen Ausführungen zur gleichen Sache in eine Auseinandersetzung einzulassen. (Eingesandt.)

Tonbild-Theater. Vom 8. bis einschließlich 15. April ist ein erstklassiges, interessant-belehrendes Programm zur Vorführung vorgesehen, das sicherlich den Beifall des großen treuen Besucherkreises, welchen sich das Unternehmen durch seine gediegenen Darbietungen gesichert hat, finden wird. Neben einem vorzüglichen Einlageprogramm wird die erste Serie der Weltreise unseres Kronprinzen im Vordergründe des dieswöchentlichen Programms stehen. Die weiteren Num­mern sind im heutigen Inseratenteil enthalten.

* Sozialer Ausschuß der Privat-Angestellten Hanaus. Die unter diesem Namen anfangs dieses Jahres gegründete, fast alle hier ansässigen Privat-Angestellten-Orga- nisationen umfassende Vereinigung hat es sich zur Aufgabe Solopartie zum 3. Chore im „Deutschen Requiem" von Brahms „Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben mutz", brachte der Vortragende zu vollendeter und überzeugender Wiedergabe. Solche Kunstleistungen wurden denn auch mit entsprechenden Beifallskundgebungen ausge­zeichnet.

Den Herren August E e s s e r und Edgar E e r st fielen nur kurze Soli zu. Ersterer sang den Amarja in den Szenen aus „Johannes". Herr Gesser verfügt über einen hohen Tenor, der bei fortgesetztem Studium zu schönen Hoffnungen berechtigt. Wohlgelungen ist ihm besonders die Antwort an Johannes: „Wie ist der Sonne Antlitz, und wie ist des Lichtes Geberde?" — Herr Gerst fang mit einigem Geschick den Manasse.

Erst im 2. Teile des Konzertes trat der Chor in Tätig­keit. Im „Deutschen Requiem" von Brahms legte er Zeug­nis von eifrigem Studium und inniger Hingabe an die ihm gestellte, nicht leichte Aufgabe ab. Die Chöre kamen denn auch zu trefflicher Wiedergabe. Die oft recht schwierigen Einsätze gelangen tadellos. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, auf Einzelheiten einzugehen, doch sei erwähnt, daß das Decrescendo am Schluß des 1. Chores („Denn sie sollen getröstet werden") zu schönstem Ausdruck kam, und daß auch die schwierige Synkopenstelle bei „Freude, Freude rc." im 2. Chore ausgezeichnet gelang. Durch wohltuende Ab­wägung von Licht und Schatten gestaltete der Chor die Ge­sänge zu schönen, abgerundeten Bildern. Ihm sei darum auch unumwunden die Anerkennung gezollt, die er mit Recht beanspruchen kann.

Aber was ist ein Chor ohne seinen Dirigenten! Sein Stab ist das Szepter, mit dem er den ganzen musikalischen Apparat leitet. Seine Aufgabe ist es, den Chor zu erziehen, daß er allen seinen Winken und Zeichen aufmerksam folgt. Daß ihm dies beim Oratorienverein gelungen ist, bewies die gestrige Veranstaltung. Mit bewundernswerter Ruhe führte Herr Dr. Limbert feine Sänger und das dieselben be­gleitende Orchester von einem Gelingen zum andern, und

gestellt, das sozialpolitische sowie wirtschaftliche Interesse sämt­licher Privat-Angestelllen zu vertreten. Zu Anfang seines Bestehens hat derselbe sofort durch eine öffentliche Versamm­lung sein Interesse an der Pensionsversicherung für Privat- Angestellte bekundet und dadurch die Interessen der Privat- Angestellten in dieser Hinsicht gewahrt. Durch weitere Ein­gaben an Regierung, Bundesrat und Reichstag hat der Aus­schuß die Interessen an dem weiteren Verlauf dieser Gesetzes­vorlage verfolgt. Ferner hat derfelbe die Gesuche betr. Ge­währung von Sommerurlaub an sämtliche Priat-Angestellt« in Angriff gconmmen. Aus obigen Zeilen ist zu ersehen, daß der Ausschuß nicht müßig war, in der kurzen Spanne Zeit seines Bestehens etwas für die hiesigen Privat-Ange­stellten zu unternehmen. Möchten daher alle hier ansässigen, noch fernstehende Vereinigungen einfehen, daß durch Einigkeit etwas zu erreichen ist, und sich aus diesem Grunde dem Aus­schüsse anschließen.

* An das hiesige Fernsprechnetz wurde heute der tau­sendste Teilnehmer (Sanitätskolonne) angeschlossen.

* Gardeverein. Montag den 10. April, abends 9 Uhr, findet im Vereinslokal „Zum Elefanten" Monatsversamm. lung statt, zu der die Mitglieder um zahlreiches Erscheinen gebeten werden.

* Centraltheater am Paradeplatz. Die Vorführungen im Centraltheater erfreuen sich fortgesetzt guten Besuches und lebhaften Beifalles. Dir Bilder, welche scharf und tadellos beleuchtet zur Anschauung gelangen, bieten nicht nur eine gute Unterhaltung, sondern auch reiche Anregung und Be­lehrung. Aus dem dieswöchentlichen Programm sind be­sonders zu erwähnen ein prächtig koloriertes historisches Drama, kolorierte Naturaufnahmen, die aktuellsten Ereigniss« und mehrere humoristische Nummern. (Siehe Inserat.)

* Silberne Hochzeit. Morgen, Sonntag den 9. April, feiert Herr Leonhard Trabant und Frau, geb. Appel, Metzgergasse Nr. 3 hier, das Fest der silbernen Hochzeit.

* Ballspielklub Hanau 19081 spielt morgen, Sonntag, gegen die I. Mannschaft des Aschaffenburger Fußballklubs Teutonia auf ihrem Platze Annastraße. Ballspielklub tritt morgen mit ganz neuer Mannschaft ins Feld und ist ei» schönes Spiel zu erwarten.

* Der Hassonia-'Ausflug findet in diesem Jahre am Sonntag den 7. Mai statt und zwar wie bisher immer, so auch diesesmal wieder nach Klein-Steinheim in dem Saal« des Herrn M. Herty. Auf das eigentliche Programm werden wir nach Möglichkeit später noch näher «ingehen.

* Im Frankfurter Bau gastiert heut« und morgen das Gesangs-, Spiel- und Possenenjembl« Geschwister Mätzler, die Schlierseer Oberländler.

darum gebührt ihm eine volle Anerkennung. Herr Dr.Limbert trat aber auch als Komponist der Szenen aus Sudermann» „Johannes" vor seine Zuhörer. Es ist natürlich nicht mög­lich, nach einmaligem Hören eine Komposition recht zu würdigen. Dazu gehört volles Vertrautsein mit derselben, das aber erst erreicht wird, wenn das zugehörige Noten­material vorliegt. Das aber soll unumwunden anerkannt werden, daß die Gestalten lebenswahr gezeichnet sind. Dies trifft namentlich für den „Johannes" zu. Dieser, ein Eiferer für das in Formalismus verfallene Judentum, sieht wohl das nahende Heil von ferne. Aber er kann sich vom alten Glauben nicht lösen. In der gewissen Erwartung seines nahenden Todes will er über diese Frage klare Antwort haben. Darum sendet er seine Jünger zu Jesu. Wie schön ist dies alles in Tönen wiedergegeben I Den Glanzpunkt des Ganzen bildet das Bekenntnis des Johannes und die Er­kennung des Heils. Wie ergreifend wirkt z. B. die Stelle: „Ich höre rings ein großes Rauschen, und das selige Licht umhüllet mich fast". Die Orchesterbegleitung ist überaus lieblich gestaltet. Man glaubt die Zweifel des Johannes, sein Fragen und die Antworten seiner Jünger herauszuhören. Ergreifend sind einzelne Stellen gemalt. Den Streichinstru­menten, besonders der Solovioline, ist eine sehr dankbare Aufgabe gestellt. Hoffentlich haben wir Gelegenheit, diese schöne Komposition noch mehrmals zu hören. Dieselbe fand den ungeteilten Beifall der Zuhörer, und der Lorbeerkranz, den der Oratorienverein seinem Dirigenten überreichte, war wohlverdient.

Zum Schlüsse sei noch des Orchesters gedacht, das die Kapelle des 168. Infanterie-Regiments stellte. Rühmend sei hervorgehoben, daß dasselbe den Winken des Dirigenten unbedingt folgte, bei Begleitung der Gesänge stets maßvolle Zurückhaltung bewahrte und so zum Gelingen des Ganzen nicht wenig beitrug.

Der Oratorienverein aber kann mit Befriedigung auf sein drittes Abonnementskonzert zurückblicken und sich seines großen Erfolges mit Recht freuen.