EryeS Blatt.
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verantwort!. Nedakteur: S. Schreck«« 1» Hamad
Nr. 83 ^-rnfpr-chanschlitsr Nr. 230.
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14 Seiten.
Amtliches.
Paketverkehr mit China (chinesische Post) über Sibirien.
Don jetzt ab können Pakete im Gewichte bis 5 Klg. ohne Wertangabe und mit Wertangabe bis 800 Mk. nach allen an einer Eisenbahn- und Dampfschiffslinie liegenden Orten in China und Pakete ohne Wertangabe bis 3 Klg. nach allen übrigen Orten in China mit Ausschluß von Chinesisch- Turkestan, Tibet und der Mongolei außer auf dem Seewege auch über Sibirien versandt werden. Paket und Begleit- adreffe müssen den Leitvermerk „über Rußland und Tientsin (russisches und deutsches Postamt)" tragen. Die Pakete werden vom deutschen Postamt in Tientsin der chinesischen Post übergeben.
Ueber die Beförderungsbedingungen erteilen die Postanstalten Auskunft.
Berlin W. 66, den 28. März 1911.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
I. A.: Kobelt.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Die in der Gemarkung Großauheim gelegenen, der Stadt Hanau gehörenden Grundstücke e
C. 78 = 307
C. 198 = 708 qm,
C. 199 = 708 qm
sollen Montag den 10. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, im Zimmer Nr. 4, Neustädter Nathaus, verpachtet werden.
Pachtliebhaber werden eingeladen.
Hanau den 4. April 1911. 8631
Stadthauptkasse.
Aufgebot.
Der Schreinermeister Christoph Schäfer III. in Mittelbuchen hat das Aufgebot des Grundschuldbriefes über die nachgenannte auf feinem Grundvermögen in Band VI Artikel Nr. 318 von Mittelbuchen auf 112/121 Wertsteilen von Abteilung I Nr. 12, 13 in Abteilung III Nr. 1 eingetragenen Post beantragt:
500 Mark Erundfchuld für die Vorschuß- und Kredit- ( kasse zu Hungen, eingetragene Genossenschaft, jährlich verzinslich mit 5 Prozent vom 1. Oktober 1883 an, rückzahlbar in fünf gleichen Zielen zu Martini der Jahre 1884 bis 1888 auf Grund der Bewilligung vom 29. April 1884, eingetragen am 30. April 1884.
Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens kn dem auf den
5. Oktober 1911, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebotstermine feine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird.
Hanau den 29. März 1911. 8689
Königliches Amtsgericht 5.
PoHtiTcbe Rundschau.
Kolonialwirtschaftliches. Das soeben erschienene Aprilheft des „Tropenpflanzer", Organ des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees, Unter den Linden 43 in Berlin, bringt an erster Stelle eine Aufsatz von Professor Dr. Dingler- Aschaffenburg: „Europäische Obstbäume im Gebirgsklima von Ceylon". Der Verfasser macht hier einige interessante Angaben über das Verhalten europäischer Bäume in den Tropen, ein Gebiet, auf welchem unsere Kenntnisse noch sehr lückenhaft sind. Die „Studien über den Hanfbau in Italien" von Dr. W. F. Bruck-Gießen werden fortgeführt. Dr. Bruck behandelt in diesem Teil die Ernte und das Rösten des Hanfes, das Reinigen der Fasern, den Verkauf am Produktionsort u. a. m. Dr. A. H. Berkhout-Wagen- ingen macht in der Fortsetzung seines Reiseberichts „Nach den Kautschuklanden" interessante Mitteilungen über die Plantagen- und Forstwirtschaft auf Java, u. a. über die Euttaperchakultur bei Tjipetir, die Cinchonapflanzungen bei Bandung, die Teakmälder Mitteljavas und über allgemeine forstwirtschaftliche Fragen. Ferner enthält die Nummer eine Reihe kleinerer Abhandlungen, z. B. über das Cbicleaummi und dessen Gewisinuna .über Eambo-Hani
Freitag den 7. April
oder Javajute, sowie eine Menge kleinerer Mitteilungen über tropische Kulturpflanzen, u. a. über Baumwolle und Kautschuk.
Offizierkorps und Turnvereine. Das Generalkommando des 6. Armeekorps hat, indem es die auf die Erhaltung des gefunden militärischen Sinnes und auf Förderung der Wehrkraft hinzielenden Bestrebungen der vaterländischen Turnvereine ausdrücklich anerkennt, die Bezirkskommandos angewiesen, den unterstellten Offizieren den Beitritt zu diesen Vereinen zu empfehlen.
Der Bundesrat nahm den Antrag Württembergs wegen Prägung weiterer Denkmünzen anläßlich der silbernen Hochzeit des Königspaares an und stimmte den Etats für das Reich und die Schutzgebiete, sowie dem Reichsbesteuerungsgesetz zu.
Erhöhung der Steuern in Hamburg. Der Hamburger Bürgerschaft ist ein Bericht der Senats- und Bürgerschaftskommission über eine Vermehrung der Staatseinnahmen zugegangen. Der Bericht sieht folgende Vermehrungen vor: Zuschläge zur Reichserbschaftssteuer, Besteuerung der Konsumvereine, Erhöhung der Stempel für Eesellschaftsverträge zur Errichtung von Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht, Erhöhung der Eerichtskosten, der Baupolizeigebühren, des Waffergeldes, der Kaigebühren und Tonnengelder, Einführung einer Lustbarkeitssteuer, lleberweisung der Zinsen des Reservefonds und der Feuerkaffe an die Staatskasse. Der Eesamtmehrertrag her Staatseinnahmen wird auf 7 Millionen geschätzt.
Eine Prügelei im englischen Parlament. Angesichts der Verrohung des Tones in unseren Parlamenten hat man öfters neidvoll auf England geblickt, das angebliche Muster- land parlamentarischer Kultur. Wenn bei uns Worte wie „frech erlogen, Unverschämtheit, Gemeinheit" usw. falben, wenn einer mit dem Pultdeckel klopft, mit der Faust auf den Tisch schlägt, so kommen uns solche Dinge vor, als könnten sie nur durch österreichisch-ungarische Verhältnisse übertroffen werden. Ein Telegramm des „Berl. Tgbl." aus London belehrt uns vom Gegenteil. Dem liberalen Abgeordneten Clough, der eine Verleumdungsklage gegen seinen konservativen Wahlgegner "angestrengt, diese aber verloren hatte, wurde bei einer Abstimmung über ein ganz gleichgültiges Amendement von der konservativen Partei am Ausgange des Ja-Ganges aufgelauert. Er wurde gestoßen, beleidigt und ihm jede persönliche Beschimpfung seitens der feudalen Parteiangehörigen angetan. U. a. schlug man ihm den Zylinder vom Kopf und spielte Fußball damit. Später erhob sich Churchill in der Sitzung und meldete dem Sprecher den Vorgang, der die Konservativen in sehr ernster Weise zur Rede stellte. Man denkt jetzt daran, die Parteien durch Anlegung getrennter Türen bei den Abstimmungen auseinander zu halten.
Der portugiesische Justizminister unterbreitete dem Ministerrat ein Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche, das noch in dieser Woche veröffentlicht werden soll. Durch ein Wahlgesetz wurde sämtlichen Militärpersonen das Wahlrecht verliehen.
Das Kronprinzenpaar in Rom.
Rom, 6. April. Der König von Italien und der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin begaben sich heute nachmittag in Begleitung des Eeneraladjutanten Vrusati und des Obersten v. Chelius, sowie der Generale Trompt und Fruponi nach dem Forum Romanum. Von hier begaben sich die Fürstlichkeiten nach der Westgrenze des Forum vor die Curia. Der Kronprinz erinnerte daran, daß er das Forum bereits mit seinem Vater einmal besucht habe und beglückwünschte Professor Boni zu den wunderbaren Ergebnissen der Ausgrabungen. Der Besuch des Forums war von schönem Wetter begünstigt. Hierauf begaben sich die Kaiserlichen Hoheiten in die internationale Kunstausstellung, wo sie gegen 4 Uhr eintrafen. Nach der Ankunft auf dem Gelände der internationalen Kunstausstellung begaben sich der Kronprinz und die Kronprinzessin unverzüglich zur Deutschen Abteilung, wo sie von dem Vorsitzenden des Ausstellungskomitees, Grafen San Martino und dem deutschen Ausstellungskommissar, Professor Kampf, empfangen wurden. Der Kronprinz erkundigte sich wiederholt nach den Namen der Aussteller und ließ von den Herren des Gefolges Notizen machen. Vor der Rückfahrt beglückwünschte der Kronprinz und die Kronprinzessin den Grafen San Martino lebhaft zu dem glänzenden Erfolge der Ausstellung. Der Präsident überreichte der Kronprinzessin ein Vouquett roter und weißer Rosen mit Schleifen in den deutschen und italienischen Farben. Das Publikum brachte den hohen Gästen enthusiastische Ovationen dar.
^ernfprechanschlitsr Nr. 230 1911
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Der Trinkspruch des Königs.
Rom, 6. April. Bei der Galatafel hielt der König folgen, den Trinkspruch in italienischer Sprache: „Mit lebhafter Befriedigung entbiete ich Ew. Kaiserlichen und Könglichen Hoheit und Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Frau Kronprinzessin meinen und Jtâliens Gruß in der Hauptstadt des Königreiches. Ich spreche Sr. Majestät dem Kaiser und König, Ihrem erhabenen Vater und meinem treuen Freunde und Verbündeten, meinen tiefempfundenen Dank aus, der Ew. Kaiserliche und Königliche Hoheit beauftragt hat, der italienischen Nation und mir seine herzlichen Glückwünsche zu der glorreichen Jubelfeier zu überbringen, die Italien in diesem Jahre begeht und uns einen neuen Beweis seiner Gefühle und derjenigen des deutschen Volkes gibt, die das italienische Volk und ich von ganzem Herzen erwidern. Der sehr angenehme Besuch Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Kronprinzessin ist eine Kundgebung und Unterpfand der intimen Beziehungen Italiens und Deutschlands, die durch so viele Erinnerungen und durch die hohe Mission der Zivilisation und Kultur verbunden sind, die sie im Laufe der Zeiten erfüllt haben und die zu erfüllen sie in der Zukunft nienytls unterlassen werden. Nach den großen, unter sich eng verknüpften Ereignissen, aus denen die Einheit Italiens und diejneige Deutschlands hervorge- gangen sind, hat sich eine internationale Lage ergeben^ welche durch die wirksame Mitarbeit des Dreibundes Eu- ropa eine lange Periode des Friedens gesichert hat und noch sichert. Im Vertrauen hierauf und mit diesem Gefühl trinke ich auf Seine Majestät den Kaiser und König und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, auf Ew. Kaiserliche und Königliche Hoheit und Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Kronprinzessin und die ganze Kaiserliche Familie und auf das Gedeihen Deutschlands." — Nach dem Trinkspruch des Königs spielte die Musik die deutsche Hymne.
Die Antwort des Kronprinzen.
Rom, 6. April. Auf den Trinkspruch des Königs erwiderte der Kronprinz Wilhelm in deutscher Sprache mit folgendem Trinkspruch: „Eurer Majestät spreche ich meinen und der Kronprinzessin aufrichtigen Dank für die liebenswürdigen Worte aus, die Eure Majestät an uns gerichtet haben, sowie für den herzlichen und ehrenvollen Empfang, der uns breitet worden ist. Nach der Begegnung in Mailand im Jahre 1875 sandte mein Urgroßvater Wilhelm dem unvergeßlichen König Viktor Emanuel folgendes Telegramm: Unsere Begegnung war ein Ereignis von historischer Bedeutung, denn wir beide sind von Gott an die Spitze zweier Nationen gestellt, die nach langen Kämpfen ihre Einigung errungen haben. Wir und untere Söhne müssen immer Freunde bleiben. Das prophetische Kaiserwort hat sich verwirklicht, die Freundschaft zwischen den Herrscherhäusern und Völkern hat sich die Generationen hindurch erhalten und im Verein mit Oesterreich-Ungarn die Gestalt eines Bündnisses angenommen, das seit länger als dreißig Jahren zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens beigetragen hat. Und es ist ein neuer Beweis dieser Freundschaft, daß meine Frau und ich heute hier sind und Euren Majestäten die Grüße und Wünsche des Kaisers und der Kaiserin zur Feier des 50jährigen Bestehens des Kaiserreichs überbringen können. Diese Wünsche unserer hohen Eltern sind auch der Ausdruck der herzlichen Gefühle des ganzen deutschen Volkes. Seit 10 Jahrhunderten verbunden durch die Zivilisation und die Geschichte haben Deutschland und Italien fast zu derselben Zeit zur politischen und nationalen Einheit, nach der sie lange Zeit geschmachtet haben, gelangen können. DaS deutsche Volk und sein Kaiser nehmen an den Geschicken des verbündeten Italien aufrichtigsten Anteil und "wünschen ihm auch in Zukunft eine lang« Zeit des Gedeihens und Glückes unter dem glorreichen Szepter des Hauses Savoyen. Ich trinke auf bas Wohl bei Königs, der Königin und der ganzen Königlichen Familie, auf das Wohl des schönen Lande? Italien." Nach dem Trinkspruch spielte die Musik die italienische Nationalhymne.
Rom, 6. April. Die Erwägungen auswärtiger Siebter, ob der Papst das deutsche Kronprinzenpaar empfangen oder seinen Besuch; fußend auf alter Tradition, nicht annehmev werde, sind vollständig gegenstandslos, da ein Besuch bei deutschen Kronprinzenpaares beim Papst von vornherein nichi in Aussicht genommen war und auch nicht stattfinden wird
Das Programm des Ministeriums Giolitti.
Rom, 6. April. Giolitti erklärte im Verlaufe seiner Ausführungen in der Kammer: Ich werde mit kurzen klaren Worten mein Programm auseinandersetzen. Die grundlegende Frage, die dem Parlament vorgelegt wurde, ist die Reform des Wahlgesetzes. Dieses Problem ist so schwierig, daß man an dasselbe nur in großen Zwischenräumen beran-