Erstes Blatt.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
im Neklamentell Me Zell, 45 P'g.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, sv. Waisenhauses in Hana»,
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantwort!. Redakteur: E. Schrecker tu Hana»
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fternsprecha«schl«K Nr. 230 1911
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14 Seiten.
Amtliches.
Stadt- und Eandkreis Banau,
Neuerdings sind in Italien sich aufhaltenden Reichsangehörigen mehrfach daraus Unzuträglichkeiten erwachsen, daß ihnen das dort bestehende Verbot des Waffentragens nicht hinreichend bekannt war, und sie sich über ihre Person nicht genügend ausweisen konnten.
Das in Italien erlassene Waffenverbot zu übertreten, liegt deshalb besondere Gefahr vor, weil dort neben wirklichen Waffen, wie Schusswaffen und Degen, Dolchen, Sti- ' lette und Messern mit feststellbarer Klinge, auch gewöhnliche Messer mit einer mehr als 10 Zentimeter langen Klinge, Rasiermesser und Scheren von mehr als 10 Zentimeter Länge nur nach zuvoriger Lösung eines Waffenscheines getragen werden dürfen. Verletzungen dieser Vorschrift müssen mit Gefängnisstrafen geahndet werden, und ist es * wiederholt vorgekommen, dass Zuwiderhandelnde Reisende festgenommen worden oder sonst in die grösste Angelegenheit geraten sind. Es muß daher davor gewarnt werden, in Italien Waffen ohne zuvorige Beschaffung eines Waffenscheines mitzuführen.
Hanau den 4. April 1911. p. 3822
Der Kgl. Landrat und Polizeidirektor.
I. V.: Karbe.
Dienstnachrichten ans dem Kreise.
In der Gemarkung Mittelbuchen ist die Schmeineseuche festgestellt worden.
Hanau den 4. April 1911. V. 2004
Oberrealschule zu Hanau.
Die im Schuljahr 1910/11 angefertigten' Schülerzeichnungen sind von Mittwoch den 5. bis Freitag den 7. April, vormittags von 9—12 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr, im Zeichensaal ausgestellt.
Der Direktor.
Dr. Schmidt. 8497
Gefundene ob verlorene GenensMide re.
Gefunden: 1 brauner großer Schildplatt-Haarpfeil, 1 Messing-Patent-Wagenkapsel, 1.50 Mark bar.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 31 Mark.
Entlaufen: 1 brauner stichelhaariger Jagdhund mit weißer Brust (offene Wunde an der linken Brustseite).
Hanau den 5. April 1911.
Politische RundTd/>att.
Der Reichstagspräsident Graf Schwerin-Löwitz wurde von der Deutsch-Britischen Vereinigung zum Ehrenmitglied ernannt. Die Gesellschaft verfolgt bekanntlich den Zweck einer deutsch-englischen Verständigung.
Zur Reichstagswahl. Wie wir' aus sicherer Quelle erfahren, hat der Vorstand der christlich- und deutsch-sozialen Partei beschlossen, bei der nächsten Reichstagswahl im Reichstagswahlkreise Darmstadt-Eroßgerau keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern für den nationalliberalen Kandidaten einzutreten. Bei der > Erwägung dieses Beschlusses ist man von dem Standpunkt ausgegangen, daß es ratsamer erscheine, für den Nationalliberalen zu stimmen, als später bei einer etwaigen Stichwahl zwischen den Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei oder den Sozialdemokraten für den einen oder anderen Kandidaten sich entscheiden zu müssen, da man befürchtet, daß Dr. Osann im ersten Wahlgang unterliegen könnte.
Die Kandidatur Paasches. Eine sehr stark besuchte Versammlung von Vertrauensmännern der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Kreuznach-Simmern beschloß, an der Kandidatur des Aba. Dr. Paasche unter allen Umstünden iestzuhalten.
Die hessische Ständekammer nahm das neue Wahlgesetz an, das für Hessen das direkte Wahlrecht mit einem Pluralwahlrecht für Wähler über fünfzig Jahre bringt.
Der württembergischen Zweiten Kammer ist ein zweiter Nachtragsetat zugegangen, worin zu Notstandsarbeiten für die notleidenden Weingärtner 200 000 Mark gefordert werden.
Um den deutschen Mittelstand in einer einheitlichen Organisation zusammenzufassen, soll eine reichsdeutsche Mittelstands-Vereinigung gegründet werden. Nach monatelangen Vorbereitungen ist es gelungen, die bereits bestehenden und maßgebenden deutschen Mittelstandsverbände zu einigen. Die Gründung soll in Dresden auf dem ersten reichsdeutschen Mittelstandstage am 24. bis 26. Juni 1911 erfolgen.
Der Geheime Regierungsrat Dr. Groos im Kultusministerium ist zum Konsistorialpräsidenten in Koblenz an Stelle des nach Danzig versetzten Konsistorialpräsidenten Peter ernannt worden.
Im Befinden des Zentrumsabgeordneten Frhrn. von Hertling hält die Besserung an, so daß auf völlige Wiedergenesung bestimmt zu hoffen ist.
Aus dem elsässischen Landesausschuß. Bei der dritten Lesung des Etats wurde auch die Verfassungsfrage angeschnitten. Abg. Georg Wolf erklärte: Wenn an Stelle des
I brauchbaren Regierungsentwurfes die von dem Zentrum ; geforderte Wahlkreiseinteilung bewilligt werde, würden die Liberalen alles aufbieten, die Reform zu Fall zu bringen.
— Abg. Ricklin erklärte im Namen des Zentrums, wenn das Land die volle Autonomie nicht erhielte, so liege das daran, daß seine demokratischen Freunde eine republikanische Staatsverfassung gefordert hätten. Er erkläre aber, daß die Mehrheit der Bevölkerung nicht für eine Republik zu haben sei. Man könne es der Bevölkerung gegenüber nicht verantworten, die Verfassung ganz abzulehnen. Sie bedeute einen großen Schritt vorwärts, namentlich hinsichtlich der drei Bundesratsstimmen. Er halte für seine Person auch die Erste Kammer für notwendig, freilich müsse die Zahl der vom Kaiser zu ernennenden Mitglieder beschränkt werden. Ebenso könne man sich einverstanden erklären mit dem Wahlrecht zur Zweiten Kammer, wenn ihr das Budgetrecht bewilligt werde. Dagegen lehnte er die von der Regierung vorgelegte Wahlkreiseinteilung ab, da diese das Zentrum in die Minderheit bringe und den Sozialdemokraten und Liberalen die Majorität gesichert werden solle. Man könne keiner Partei Selbstmord zumuten. Die Regierung habe schon früher versucht, einen Soziademokraten in den Bezirkstag und dann in den Landesausschuß zu bringen. Ferner sei geäußert worden, der Unterstaatssekretär habe die Wahlkreiseinteilung nach eingehender Konferenz mit dem Sozialdemokraten Peirotes vorgenommen. — Staatssekretär Frhr. Zorn v. Bulach erwiderte, es sei der Regierung gar nicht eingefallen, die Wahlkreiseinteilung einer Partei zuliebe zu gestalten. Die Wahlkreiseinteilung sei vertraulich der Kommission mitgeteilt worden und es sei nicht anständig gewesen, diese zu veröffentlichen, Unrichtig sei es, daß die Regierung sich bemüht habe, einen Sozialdemokraten in den Bezirkstag und Landesausschuß zu bringen. Er selbst nehme keinen Anlaß daran, zu erklären, daß allen Parteien, auch den Sozialdemokraten, eine Vertretung im Landesausschuß gebühre. Wenn der Abg. Rickling, auf seine Aufforderung, mit Beweisen zu kommen, wo die Regierung sich bemüht habe, einen Sozialdemokraten in den Bezirkstag oder in den Landesausschuß zu bringen, antworte, das könne er nicht, der verstorbene Staatsrat Eunzert hätte es aber gekonnt, so antworte er, der Staatssekretär, man möge ihn nie zwingen, sich zu äußern, da sonst das Ansehen des verstorbenen Dr. Eunzert sehr herabgesetzt würde. — Unterstaatssekretär Mandel: Er habe auf der Trambahn den Sozialdemokraten Peirotes gefragt, was er von der Verfassung halte und dieser habe erklärt, das Pluralwahlrecht würde seiner Partei sehr schaden. Die Wahlkreiseinteilung scheine ihm jedoch gerecht zu sein. Darauf scheinen die Mitteilungen der „Oberschlesischen Landeszeitung" zu beruhen, daß er eingehende Konferenzen mit Peirotes gepflogen habe. — Nächste Sitzung Mittwoch vormittag.
Frankreich und Indo-China. Nachrichten aus Saigon berichten von einer indochinesischen Verschwörung gegen die französische Herrschaft in Indochina. Der französischen Behörde ist es gelungen, Papier zu beschlagnahmen, aus denen ein vollständiger Verschwörungsplan offenbar wurde. Es wurde eine Karte aufgefunden, auf der Indochina in eine Reihe von Provinzen geteilt ist, an deren Spitze je ein Verschwöreroberst steht. Die Namen der Aufständischen sind teilweise genannt. Die Regierung hat den Haupträdelsführer, einen Anamiten, verhaftet, es gelang ihm jedoch, Gift zu nehmen und er starb nach wenigen Stunden.
Dr. Karl Peters in Tanga und Daressalam. Dr. Karl Peters, der sich gegenwärtig wieder in Südafrika befindet, hat auf der Reise dorthin unseren beiden größten ostafrikanischen Hafenstädten einen Besuch abgestattet, und ist in beiden Städten von der Bevölkerung sehr gefeiert worden. In Tan?.a fand ein Frühstück im Kasino statt, bei welchem
die Schülerkapelle konzertterte und Herr Rechtsanwalt von Nostiz die Festrede hielt. Bedauert wird in der „Usambara Post", daß nicht allen Europäern Tangas Gelegenheit geboten wurde, an einer Feier für Dr. Peters teilzunehmen. Während in Tanga der Vezirksamtmann z. B. der Feier fern blieb, nahmen in Daressalam sehr viele Gouverne- mentsbeamte, unter ihnen auch der Vertteter des auf einer Reise nach Ruanda befindlichen Gouverneurs, Herr Regierungsrat Methner, an den Festlichkeiten teil. Dr. Peters war zwei Tage in Daressalam, am ersten Tage fand im Klub ein gemeinsames Abendessen statt, im Anschluß daran ein Bierabend der Klubmitglieder, zu dem sich etwa 90 Personen eingefunden hatten. Am zweiten Abend hatte der Gesangverein „Liedertafel" im Garten der Brauerei Schultz einen Unterhaltungsabend veranstaltet, zu dem die „Liedertafel" und die „Wirtschaftliche Vereinigung" besonders aufgefordert hatten. Gegen halb 12 Uhr verabschiedete sich Dr. Peters, um noch an einem Herernabend an Bord des Kreuzers „Sperber" teilzunehmen. Der „Sperber" bedeutet insofern für Dr. Peters historischen Boden, als er hier vor 21 Jahren bei seiner Rückkehr von der Emin Pascha-Expedition die Tatsache erfuhr, daß der Vertrag, der die Peters- schen Erwerbungen an die Engländer auslieferte, am 1. Juli 1890 in Kraft treten solle. Er saß damals als East des „Sperber" auf demselben Platze wie dieses Mal.
Die Exttasesfion des amerikanischen Kongresses.
Washington, 4. April. Die außerordentliche Session des Kongresses hat begonnen. Man erwartet nicht, daß die Demokraten die Mobilmachung der Truppen während dieser Session erörtern, nachdem Präsident Tast den Parteiführern Geheimberichte über die mexikanische Lage, welche die Mobilmachung begründen, zur Einsicht übersandt hat. — Die in der vorigen Session des Kongresses nicht zur Erledigung gelangte Vorlage betreffend ein Eeaenseitiakeitsi bkommen mit Kanada wurde von dem Republikaner Mac Call sofort ' wieder eingebracht.
1 Washington, 4. April. Zum Sprecher des Repräsentantenhauses wurde der Demokrat Champ Clarke gewählt.
Washington, 4. April. In seiner Programmrede bei der Uebernahme des Sprecheramtes verhieß Camp Clarke eine ehrliche und gerechte Durchsicht des Tarifes zur Verringerung der Kosten der Lebenshaltung und Ausmerzung der besonders großen Härten des jetzigen Zolltarifes.
Parlamentarisches.
mb. Die Budgettommission des Abgeordnetenhauses beriet in ihrer gestrigen Sitzung über Petitionen von Justiz- beamten. Es wurde über eine Petttton der Justizkanzlei- gehilfen um etatmäßige Anstellung mit Rücksicht darauf, daß der Anttag der Petenten schon wiederholt im Plenum besprochen worden ist, zur Tagesordnung übergegangen. Die Petition der Eerichtsassistenten um Erhöhung des Anfangsgehalts auf 1800 Mark wurde der Regierung als Material überwiesen. Eine weitere Petitton der am 1. April 1908 zu Oberlandgerichtssekretären beförderten Amtsgerichts- und Landgerichtssekretäre wegen Herabsetzung ihres Besoldungs- dienstalters durch das Inkrafttreten der Besoldungsordnung mit dem 1. April 1908 wurde der Regierung zur Erwägung überwiesen. Ueber die übrigen Petttionen ist die Kommission zur Tagesordnung übergegangen.
Hus Ban au Stadt und Eand.
Hana«, 4. April.
* Kirchliches. Der PasflonsgotieSdienst wird heute abend 8 Ubr in der Johauneskirche gehalten.
* Rechtsanwaltschaft. Herr GerichtSafsessor Dr. Krück beim Obcrlandesgerichl in Cassel »urbe unter Entlassung auS dem Justizdienste in die Liste der Rechtsanwälte eingetragen und zur Ausübung der Rechtsanwaltschaft beim Königs. Amtsgericht zu Wächtersbach (Kreis Gelnhausen ' zugclassen.
* Oratorienverein. Wir machen auch an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam, daß die Hauptprobe heute abend präzis 7 Uhr und das Konzert morgen abend präzis T'/a Uhr beginnen.
" Der soeben erschienene Jahresbericht der Oberrealschule über das Schuljahr 1910/1911 enthält eine allgemeine Lehroerfassung, Verfügungen des Königl. Provinzial-Schul- kollegiums und einen Abschnitt „Zur Geschichte der Anstalt", aus dem die Aufhebung der Vorschule erwähnenswert ist. Bekanntlich haben die städtischen Behörden (die Stadtverordneten am 26. Januar, der Magistrat am 8. März 1910) die Aufhebung der Vorschule beschlossen. Aus diesem Grund«