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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. RSaktèur: S. Schreck«« i» $<WUt
Nr. 66 ^ernsvrechattschlttsr Nr. 230. Samstag heu 18. März
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^ernsprechanschltts; Nr. 230 1911
W KeMeMmer mW außer LnotaWtwW 18 Seiten.
Amtliche?.
Stadtkreis Han au.
Oeffentliche Sitzung dev Stadt- Vevordneten-Bersammlung am Donnerstag den 23. März 1911, nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung.
1. Schlußabnahme der Straßenbahn.
2. Errichtung eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals.
3. Ablösung der Huteberechtigung seitens der Gemeinde Dörnigheim und Zusammenlegung dieser Gemarkung.
4. Ausbau der Landgrafenstraße.
5. Umgemeindung von Grundstücken aus dem Gutsbezirk Oberförsterei Neuhof in den Gemeindebezirk Hanau.
6. Bericht über die Baukontrolle im Jahre 1910.
7. Anlegung einer Wohnstraße zwischen Fischerhüttenweg und Vorstadt.
8. Verkauf des Grundstücks Y 166/34 an die Militärverwaltung.
9. Verlegung eines weiteren Eisenbahn-Regiments nach Hanau.
iO. Einführung elektrischer Beleuchtung in städtische Mietswohnungen.
U. Abgabe von Kohlen und Koks an städtische Beamte und Arbeiter.
12. Erhebung der Ableitungsgebühr der neuen Kanalordnung.
13. Antrag Schwabe betr. Verteilung der Sttftungsgolder.
14. Urteil des Reichsgerichts in der Prozeßsache Wittich.
15. Prozeßsache der Firma Jean Göbel gegen die Stadt.
16. Errichtung eines Nahrungsmitteluntersuchungsamtes.
17. Bericht des Stadtarztes über die Todesfälle an Tuberkulose und Krebsleiden im Jahre 1910.
18. Ortsstatut betr. Ausdehnung der Zuständigkeit des Ee- werbegerichtes Hanau auf den Gemeindebezirk Großauheim.
19. Stundenplan der gewerblichen Fortbildungsschule.
20. Wahl von Mitgliedern des Steuerausschusses.
21. Wahl eines Mitgliedes in die Pferdeaushebungskommission.
22. Wahl der Mitglieder des Kuratoriums der Ober- realschule.
Hieran anschließend geheime Sitzung.
Hanau den 17. März 1911. 6801
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
J. V.: Schroeter.
Stadttlreater in Hanau, „Uriel Acosta".
Trauerspiel in 5 Auszügen von Karl Gutzkow.
Gestern wurde zur Erinnerung an den 100jährigen Geburtstag Karl Gutzkows sein Trauerspiel „Uriel Acosta" gegeben.
Der Vorstellung ging ein von Herrn Karl Kohlhepp verfaßter Prolog voraus. Dieser schilderte zunächst in sachlicher Weise das Verhältnis Gutzkows zu der Zeit, in der er stand, mit der er zu kämpfen hatte, sein scheinbares Unterliegen, aber auch den Prometheusglauben an sich selbst und den unaustilgbaren Drang, durch sein Denken und Dichten seelenerobernd in die Nähe und Ferne zu wirken, aller äußeren und inneren Not und dem Philisterruf: „Meister, schaff' Dir Brot!" zum Trotz. Damit war der Uebergang zur Betrachtung seines unsterblichen Werkes „Uriel Acosta" gegeben. Mit einem Baum verglich der Dichter den Dichter, den „ein heißer Schöpferwollens- drang durchgärt", der immer Früchte schenkt, von denen viele ungereift zur Erde fallen und vermodern müßen — eine aber, vom Strahl der Ewigkeit getroffen, bleibt — und wird noch lange Augen und Herz der Menichen erfreuen: Uriel Acosta, die Tragödie des freien Menschengeistes, der sich nicht durch Tempel und Satzung ummauern läßt. Und wenn der Dichter, der so oft verzagten Herzens den vorgeschriebenen Weg feinere Lebenspilgerschaft ging, heute aus den Gefilden hoher Ahnen niederschaut, so wird sein Blick doch dankbar alles Leides gedenken, das er auf Erden genoßen; denn gerade das Leid schenkte ihm und uns sein reifstes Werk: den Uriel Acosta, und hieß ihn eingchen durchs Säulentor der Unsterblichkeit. Wir aber sehen diese reinmenschlich geschaute Gestalt des Dichters zum Lorbeerhaine treten und dem Andenken ihres Schöviers einen frischen, unverwelkbaren Kranz fleckten. . .
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 11. bis 17. März 1911:
4 Hausburschen, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 5 Tag- löhner.
Gesucht wird für einen jungen Mann eine Stelle als Goldarbeiterlehrling.
Hanau den 18. März 1911. 6799
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Die Vrustseuche unter dem Pferdebestand des Leutnants Picht ist erloschen. Die Sperre über das Gehöft Lamboy- straße 59 ist aufgehoben.
Hanau den 17. März 1911. P. 2920
Königliche Polizei-Direktion.
I. V.: Karbe.
LtümrWfWr Steiferm Sw.
Nächste Versammlung Samstag den 25. d. M., nachmittags 343 Uhr, im Gasthaus zum goldnen Löwen hier.
Tagesordnung.
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Dortrag des Herrn Oberveterinärs Schmidt von hier über „Erlebnisse in Südwest-Afrika und die gesammelten Erfahrungen in der Viehzucht und Landwirtschaft".
3. Berichterstattung der Delegierten über die Generalversammlung des Vereinsausschußes der Landwirtschaftskammer in Caßel am 15. d. M.
4. Sonstiges.
Die Herren Bürgermeister wollen vorstehende Bekanntmachung in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen laßen.
Hanau den 18. Marz 1911.
Der Vorsitzende.
Frhr. Laur, König!. Landrat.
Mus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 18. März.
* Verlegung eines weiteren Eifenbahnregiments nach Hanau. Die am nächsten Donnerstag angesetzte Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird sich u. a. auch mit einer Vorlage, die die beabsichtigte Verlegung eines weiteren Eisenbahnregiments nach Hanau betrifft, zu befaßen haben. Seit längerer Zeit schweben bekanntlich Verhandlungen zwischen dem Kriegsministerium und dem Magistrat der Stadt Hanau über die Erbauung einer weiteren Kaserne, da es in der Absicht der Militärverwaltung liegt, am 1. Oktober 1914 auch das 2. Eisenbahnregiment von Berlin nach Hanau zu verlegen. Die Verhandlungen haben nun
Den Prolog sprach Frl. Arens, und mit feinem Gefühl für die darin verborgenen Schönheiten und für den symbolischen Zusammenhang zwischen dem Leben und Streben Gutzkows und seinem Werk brachte sie ihn zu beschwingtem, herzergreifendem Ausdruck. E.
Es gibt wohl kaum einen zweiten Dichter, bei dem das Sieb der Zeit so erbarmungslos gewaltet hat. Von einer fast unübersehbaren Produktion, die allerdings auch zum großen Teile dem Tage galt und mit dem Tag wieder vergehen mußte, ist so bitter wenig lebendig geblieben. Der vielumstrittene Uriel Aco st a allein hat den Namen seines Dichters so stark in die Welt getragen, daß noch heute bei seiner Nennung das Volk aufhorcht auch ohne daß ihm bei der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages eine lebhaftere Erörterung einen vorübergehend stärkeren Klang zu verleihen brauchte. Diese gewaltige Tragödie hat inneres Leben genug, um trotz aller uns heute bedenklich erscheinenden Mittel ihrer Kunstform noch immer ein lebhaftes Mitschwingen unserer Sympathieregungen hervorzurufen und einzelne Szenen sind von so packender, erschütternder Wirkung, daß wir den Uriel getrost als unvergänglichen Besitz unserer dramatischen Literatur ansprechen dürfen. Mag die Tragödie auch etwas reichlich mit Sentimentalität durchsetzt sein, manche Szeneneffekte sich auf Mittel stützen, die mit den Gesetzen unserer Zeit bedenklich kollidieren, die herben, wuchtigen Linien der meisten Gestalten, die gewaltige, unerbittliche Konsequenz des tragischen Aufbaues, die edle, volltönige Sprache zwingen uns nicht allein Bewunderung ab, sondern rücken uns auch den Schöpfer dieses Kunstwerks innerlich so nahe, daß wir ihm warmbewegt danken müßen. Das Stück ist 1847 entstanden, nach einer Jugendnovelle „Der Sadducäer von Amsterdam" bearbeitet; die Parallelen zum Don Carlos sind unverkennbar. Gutzkow hat viel aus dem eigenen Leben dazu-
in der letzten Zeit bei der Anwesenheit eines Vertreters de» Kriegsministeriums in Hanau ein greifbares Resultat ergeben, dessen Einzelheiten in einem Vertrag« festgelegt werde« müßen, der der Genehmigung der gesetzgeberischen Körperschaften bedarf. Die Stadt Hanau ist nach diesen getroffene« Vereinbarungen bereit, unter den gleichen Bedingungen wie für das 3. Eisenbahnregiment auch für das 2. Eisenbahnregiment eine Kaserne mit Depotgebâuden zu errichten und der Militärverwaltung zu überlassen. Die Baukosten find auf 2 200 000 Mark veranschlagt. Der für die Kasern« und die Depotgebäude notwendige reichSeigen« Bauplatz zwischen dem Kasernement des Eisenbahnregiments Nr. 8 und den Schießständen soll im Wege des Austausche- gegen anderes von der Stadt für den ReichSmilitärfiskuS zu erwerbendes Gelände Zug um Zug übereignet werden. Für ihre Leistungen ist der Stadt Hanau zugrsagt worden, ein Jnfanteriebataillon auf längere Zeit (15—20 Jahr«) in bei jetzigen Jnfanteriekaserne am Paradeplatze zu behaltm. Mit dem Bau der neuen Kaserne für da» 2. Eisenbahnregimeut an der Lamboystraße soll am 1. April 1912 begonnen werden, sodaß als Bauzeit 2x/i Jahre verbleiben. — Unter der Spitzmarke „Opfer für den Militarismus* -eifert dasozialdemokratische Organ in starken Tönm gegen da» von der Stadt Hanau zu bringende finanzielle Opfer, da- sich auf die Stellung des Bauplatzes bezieht. In bet Bürgerschaft wird man jedoch anderer Meinung sein und bei Garnisonvermehrung recht gerne entgegensehen.
• Krankenwagen. Wir hatten bitfer Tage Gelegenheit, einen neuen in seiner äußeren Erscheinung ganz anders ol< die hierorts seither bekannten Krankenwagen zu sehen. Aeutzrr» lich sieht er aus wie ein Landauer, innen aber ist er ebenso praktisch und bequem ausgestattet, wie alle modernen Krankenwagen neuester Konstruktion. Es ist der neue Kranke«- wagen der hiesigen evangelischen Diakonissesstation, in erster Linie dazu bestimmt, auS Stadt und Land die Kranken zu befördern, die im hiesigen Diakonisses- Heim Aufnahme und Pflege suchen. Er wird aber, wie wir hören, auch jederzeit zum Transport anderer Kranken gege« entsprechende Vergütung zur Verfügung gestellt. Bestellung« sind an das Diakonissenheim — Diakonissenstraße 6 — und vom 1. April ab an das „Evangelische Schwesternhaus* — Frankfurterstraße 22 —, woselbst der Wagen eingestellt ist, zu richten. (Telephon Nr. 244).
* Aerztliche Mission. Das Interesse an der Arbeit für Ärztliche Mission hat sich in den letzten Jahren in erfreulichster Weise auch in Deutschland gemehrt, sodaß die bedeutende Anstalt zur Ausbildung der Missionsärzte in Tübingen begründet werden konnte. Der Leiter dieses Instituts, Herr Dr. med. O l p p, wird am Dienstag den 28. er. einen Vortrag mit Lichtbildern über die Bedeutung der ärztlichen Mission für unsere Schutzgebiete im hiesige« evangelischen Vereinshause halten.
^»»M^MMAU'TWni 11 Mi | aJM#mt!ffiaa#;~JBMWiiii^lMBMBBBMMMBBBMM— Wt gegeben, ihm mutzte ja auch eine Tragödie der Ueberzeugung am unmittelbarsten aus der Seele quellen. Was de» Dichter so oft vorgeworfen wurde: die Wankelmütigkeit des Helden, dessen Widerruf und Zurücknahme des Widerrufs, ist freilich vom Gesichtspunkt strengster tragischer Forderungen aus nicht bedingungslos gutzuheitzen, die tiefe ergreifende Vermenschlichung des Problems aber führt über alle Bedenken hinweg zu einem heißen, starken Mitempfinden der Seelenqualen des Helden. Der Uriel wird dadurch zu einer darstellerischen Aufgabe von hoher Bedeutung, und wo eine tiefe, rechte Auffassung die strengen Linien dieser Figur nachzuziehen versteht, wird er immer gewaltig zu den Herzen der Zuhörer zu sprechen verstehen.
Es war ein glücklicher Gedanke der Direktion, uns den Uriel durch Herrn Fritz Alberti, der als Sohn Hanaus in doppelter Beziehung zu dem Festabend stand, zu vermitteln. Der Künstler bringt schon äußerlich alles mit, was wir von einem vorbildlichen Acosta zu fordern berechtigt sind. Dazu kam der Stil der Hofbühne in mancher Hinsicht unverkennbar zum Ausdruck und das innerliche Miterleben des tragischen Schicksals prägte sich in Spiel und Rede sichtbar aus. Herrn Alberti ward von unserem festlich gestimmten und so kunstverständigen Publikum eine warme Aufnahme und lauter Beifall zu Teil. Eine durchaus ebenbürtige Leistung gab Frau Rubens als Judith, vornehm in der ^Erscheinung, edel und würdig im Spiel und in den lyrischer gefärbten Stellen von einer schönen, überzeugenden Innigkeit. Der Ben Akiba des Herrn Schneider war ausgezeichnet in der Maske und der Gehalt dieser so ausgesprochen Gutzkowschen Figur wurde sehr wirkungsvoll vermittelt. Herr Grundmann gab den Manaße Vanderstraten mit Ernst und Würde, Herr M o t h es als Dr. Silva führte seine Partie in allen Teilen gut durch, Herr K l i e» w e r spielte den herblinigen Priester mit guter Charakteristik. Der Rolle des Ben Jochai ist Herr Reichardt wohl noch nicht recht gewachsen. Frau Hammer lvielte bie