Einzelbild herunterladen
 

«die 8

Verwaltungswege zu heben. Ich muß aber der Befürchtung widersprechen, daß das sechsstufige Schulsystem eingesührt wird, um den Hauptlebrern eine Amtszulage zu gewähren. Daß sich bei der Bemessung der Mietsentschädigungen Diffe­renzen ergaben, ist selbstverständlich, da durch das Gesetz selbst eine einheitliche Regelung nickt beabsichtigt war. Jedenfalls bedeutet das Geletz einen kolosialen Fortschritt des Mittellchulwesens und ist zu begrüßen. Freilich ist der Religionsunterricht zu kurz gekommen; deshalb ist cs wün- fdrrsrrrt auf der Mittelstufe eine dritte Religionsstunde in den ? brple > anf-unch neu. — Abg. Hintzmanu s ^t'J • rat 1906 liegt bei dem Provinzialschulkollegium - Koblenz ein Antrag auf Genehmigung des Volksschul­lesebuches für die Rheinprovinz vor. Es ist bedauerlich, daß dieser Antrag immer noch unerledigt ist. Die Gehaltsver- Hältnisse der Mittelschullehrer sind unzureichend. Der Reso­lution der Budgetkommission, nach der die Hilfsschulen für schwachbegabte Kinder konfessionalisiert werden sollen, können wir nicht zustimmen. Um die Jugend auf die Ge­fahren der Fremdenlegion aufmerksam zu machen, halten wir es für angezeigt, daß den Schulbibliotheken Bücher einverleibt werden, die die Jugend darüber aufklären. — Abg. Schmidt (Ztr.): Für den gemeinschaftlichen Unter­richt der Knaben und Mädchen in den Mittelschulen treten wir nicht ein. — Abg. Witzmann (natl.): Die Reise- und Umzugskosten für die Lehrer sind unzureichend. Es schmerzt die Lehrer, daß sie in dieser Beziehung den unteren Beamten gleichgestellt werden. — Abg. Thurm (Fortschr. Vp.): Für die Mittelschulen ist eine einheitliche Schulauf­sicht erforderlich. Die geistliche Schulinspektion im Neben­amt rann hier nicht in Frage kommen. — Abg. Ernst (Fortschr. Dp.): Durch die vermehrte Berücksichtigung der Mittelschulen darf die Volksschule, das Fundament der Volksbildung, nicht vernachlässigt werden. — Abg. Tramp- cynski (Pole): Das Volksschulunterhaltungsgesetz muß auch auf die Provinz Posen ausgedehnt werden. Eine polt* tische Gefahr erwächst der Regierung hieraus nicht. — Abg. Hoff (Fortschr. Vv.): Die Besoldung der Mittelschullehrer kann nickt als genügend angesehen werden. Wir lehnen den Antrag betr. die Konfessionalisierung der Hilfsschulen ab. — Codarm werden die Ausgaben für die Lehrerbesoldung bewilligt. — Der Antrag der Budgetkommission, wonach bei der Vermehrung der Hilfsschulen für schwach begabte Kin­der der Volksschule der konfessionelle Charakter dieser Schu­len gewahrt werden soll, wird gegen die Stimmen der Nationalliberalen und Fortschrittler angenommen. — Zu dem Titel „Persönliche Zulagen an Lehrer und Lehre­rinnen in Posen und Westpreußen" liegt ein Antrag Maurer (natl.) und Genossen vor, in der die Neuberechnung der Ostmarkenzulagen für alleinstehende Lehrer und Schul­leiter auf Grund der neuen Gehaltsregelung gefordert wird. — Abg. Ernst (Fortschr. Vp.): Wir halten es für zweck­mäßig. die Ostmarkenzulagen unwiderruflich festzulegen. — Abg. Viereck (Freik.) beantragt Zurückverweisung an die Budgetkommission. —* Geh. Rat Klotzsch: Die Amtszu­lagen und Ortszulagen sind bewegliche Gehaltsteile und können bei der Bemessung der Ostmarkenzulagen nicht in Betracht kommen. Die Berechnung hat nach dem Grundge­halt zu erfolgen. — Dbg. Maurer (natl.): Gegen die Rückverweisung des Antrages an die Budgetkommission habe ich nichts einzuwenden. — Mit dem Titel „Ostmarken- zulagen" wird verbunden der Titel betr. die Unterstützungs- fonds der Lehrer und Lehrerinnen. — Abg. Heine (natl): Die gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Altvensionäre darf nicht dauernd zurückgestellt werden. — Abg. Hoff (Fortschr. Dp.) schließt sich dem an, ebenso die Abgg. Goe­bel (Ztr.), Frhr. v. Zedlitz (Freik.) und Clairon d'Haussonville (kons.) — Der Antrag Maurer wird an die Budgetkommission zurückverwiesen. Der Abschnitt „Elementarschulwesen" ist damit erledigt. — Bei den Aus­gaben für das Taubstummen- und Blindenwesen beschwert sich Abg. Styczynski (Pole) darüber, daß polnische Kinder in den Taubstummenanstalten nicht in der polni­schen Sprache unterrichtet würden. -<- Geh. Rat Keuschen: Selbst die Volksschulen für normale Kinder können nicht die Ausbildung der Kinder in 2 Sprachen ermöglichen; viel weniger find die Taubstummenschulen dazu im Stande. — Bei den Ausgaben für Wohltätigkeitsanstalten und Volks­bibliotheken tritt Abg. Engelbrecht (freik.) für die Ausgestaltung der Dolksbibliotheken ein. — Abg. Kauf­mann (Ztr.) bittet um Unterstützung der katholischen Ver­eine, dir für die Volksbildung hervorragendes leisten. — Für Förderung der Jugendpflege werden im Etat 1 Million Mark gefordert. — Abg. Heckenroth (kons.): Die christ­lichen Organisationen wirkten bisher segensreich, indem sie als Hauptziel verfolgten, die jungen Leute zu christlich-sitt­lichen Charakteren heranzubilden. Es ist zu begrüßen, daß nach den Auslastungen des Ministers diese Organisationen gestärkt werden sollen. — Abg. Kesternich (Ztr.): Die Hauptaufgabe der Jugendpflege ist die, in dem kritischen Alter von Beendigung der Schulzeit bis zur Militärzeit beratend und helfend zur Seite zu stehen. Die Einstellung des 1 Millionenfonds ist keineswegs dazu bestimmt, die be­stehenden Organisationen vor dem Zusammenbruch zu retten. Wir wollen die Jugend nicht knebeln, sondern be­freien aus der Knechtschaft derjenigen Partei, die keine wahre Freiheit, sondern nur ein Phantom der Freiheit kennt. Der Katholikentag bezeichnete als Hauptziel der Jugendpflege die sittliche Befestigung und die Bekämpfung des Unglaubens und der Unmäßigkeit. Die Gemeinden müssen mehr als bisher die christlichen Jugendorganisatio­nen unterstützen. — Darauf wird die Weiterberatung auf abenbs 7% Uhr vertagt. — Schluß gegen 5 Uhr.

Gericktslaal.

Schöffengericht Hanau.

Sitzung vom 14. März 1911.

Wegen Bettelns wurde der Arbeiter Karl Reichhold aus Eichen mit 14 Tagen Haft bestraft. — Der Schneider geselle Nikolaus H. stahl am 4. März seinem Freunde, dem Schrei-

net Johann H. von fiter, einen scharf geladenen Revolver. f zu diesem Beschlusse noch gemeldet: Mitbestimmend für diese« Mit diesem zog er am folgenden Tage in Begleitung seines Verhalten war u. a. die einstimmige Ueberzeugung der Teil­weiteren Freundes $t. in den Bruchköbeler Wald, woselbst nehmer der Versammlung, ba6 die Kandidatur Wohlfarck dieser mit einem zerlegt mitgenommenen Gewehr wilderte und von einem Forstbeamten angeschossen wurde. Hg. will an dieser Jagd nicht teil genommen und den Revolver fort-

geworfen baden. Sieute hatte er sich nur wegen des Revolver» diebstahls und unbefugten Waffentragens zu verantworten.

Er war geständig und wurde — wegen Diebstahls ist er

bereits vorbestraft — zu 1' Tagen Gefängnis und 6 Mark oder 2 Tage Haft verurteilt. — Der schon wiederholt vor­bestrafte Taglöhner Adam I. von hier lärmte am 9. Januar abends in den Straßen hiesiger Stadt. Den einschreitenden Schutzmann beleidigte er mit allerlei ungezogenen Redens­arten. Sinnlos betrunken wollte er gewesen sein. Diese wohl­feile Verteidigung verdiente und fand auch keine Beachtung. Er wurde mit 8 Wochen Gefängnis und 6 Mark oder 2 Tagen Haft bestraft. Dem beleidigten Schutzmann wurde das Recht zugesprochen, das Urteil auf Kosten des Ange­klagten bekannt zu machen. — Weil er am 4. Februar in Hanau gebettelt, hatte der Arbeiter Gregor H. aus Klein- Auheim einen richterlichen Strafbefehl über 3 Tage Haft erhalten Er erhob Einspruch und bat, Not und Krankheit vorschützend. um eine mildere Strafe. Das Gericht ließ sich bewegen und setzte die Strafe auf 1 Tag herab. — Durch polizeiliche Revisionen bei der Althändlerfirma M. u. W. hierselbst stellte sich heraus, daß die Taglöhner Johann Sch. und Andreas M., sowie der Dachdecker Heinrich R. von hier ziemlich umfangreiche Diebstähle an Altmetall begangen hatten. Sch. hatte, wie er zugeben mußte, im vorigen Jahre nach und nach seiner Arbeitgeberin, der Brauerei Koch, Metalle im Werte von 51 Mk., M. und R. im Januar Zink Und Blei im Werte von 26 Mark von den Arbeiten am hie­sigen Landkrankenhause entwendet. Alles war zu der vor­genannten Firma, dem Althändler Bernhard M. und dem Dachdecker Eugen W. gewandert. Da diese bei dem Ankauf der Sachen einen auffallenden Mangel an Wißbegier ge­zeigt hatten, war gegen sie Anklage wegen Hehlerei erhoben worden. Gegen M., der plötzlich erkrankt ist, mußte die Ver­handlung vertagt werden, die übrigen vier Angeklagten wurden sämtlich verurteilt. Es erhielten wegen Diebstahls Sch. 1 Woche. M. und N. je 14 Tage und W. wegen Hehlerei 1 Woche Gefängnis. — Durch richterlichen Strafbefehl hatte der Taglöhner Wilhelm Sch. von hier 5 kTage Haft zu- diktiert erhalten, weil er für sein uneheliches Kind nicht sorgt. Er erhob Widerspruch, behielt aber die Strafe. Offen­bar will er nicht zahlen und daher arbeitet er, wie in der Verhandlung zur Sprache kam, immer nur soviel, um nur einen bestimmten Verdienstsatz zu erzielen, der ihn dann berechtigt, zu erklären, daß er von diesem niedrigen Lohne nichts zahlen könne. — Freigesprochen wurde der Eoldar- beiter Friedrich S. von hier, der wegen unbefugten Fischens mit 15 Mark oder 5 Tagen Hast gleichfalls durch richterlichen Strafbefehl bestraft worden war und nun Widerspruch er­hoben hatte. Der Referendar Adolf Emg« und der Lehrer Eduard Lenz, die Fischpächter der Kinzig im Stadtgebiet, machten schon lange die Wahrnehmung, daß sie einen stillen, aber desto eifrigeren Teilhaber besaßen. Ihr Verdacht wurde auf Sch. gelenkt, der geheimnisvolle Fahrten in einem Nachen auf der Kinzig machte und an einem Novembertage von dem Fischer Hainz aus Dietes­heim auch in verdächtiger Situation die Hände im Wasser an einer Stelle getroffen wurde, woselbst die Pächter Hecht- schnüre gelegt hatten. S. bestritt, gefischt zu haben, er habe nur einen der Köderfische, der offenbar Qualen ausaestan-. den, befreien wollen. Wegen nicht ausreichenden Beweis- materials erkannte das Gericht wie angegeben. — Mit einem Verweise wurde der 13jährige Schüler Christian V. von hier bestraft, weil er am 10. Dezember einen Spiel­kameraden mit einem Mester gestochen hatte. — Gelegentlich von Umzügen die sie ausiührten, entwendete der Taglöhner Ernst D. am 26. Januar dem Spezereihändler Karl S. einen Besen und ein Brett, sowie am 1. Februar V. und der Tag­löhner Friedrich E. zusammen dem Pfandgehilfen F. eine Kiste mit leeren Flaschen. V. erhielt 2 Tage, E. 1 Tag Ge­fängnis. — Ein Einspruch gegen eine polizeiliche Strafver­fügung war zurückgezogen worden.

Hus Ranau Stadt und Eand.

Mannit, 15 März.

* Jahrbuch für Bosnien und die Herzegowina- Von zwei Angestellien ber privilegierten Landesbank für Bosnien und die Herzegowina, Heinrich Pillepiè und Fritz Teichert in Sarajewo, ist kürzlich ein finanzielles Jahrbuch „Bosnien-Hergegowina Kompaß 1910'11” heraus- gegeben worden, das insbesondere folgende Abschnitte be­handelt: Bergbau, Forststalistik, Stempelungstarife für Wechsel usw., Auszüge aus den Gesetzen, Geldinstitute, Handels-, Industrie- und sonstige Aktlenunternehmungen, protokollierte Firmen sowie hervorragende Firmen im Sand­schak Nov'-Bazar. Die'eS Buch liegt während der nächsten drei Wochen im Bureau der „Nachrichten für Handel und Industrie", Berlin W. 8, Wilhelmstraße 74 III, im Zimmer 154 zur Einsichtnahme aus und kann nach Ablauf dieser Frist inländischen Interessenten auf Antrag für kurze Zeit übersandt werden. Die Anträge sind an das genannte Bureau zu rchOn.

• Zur Rètchstagswahlbewegung. Neber den Ver­laus der am Sonntag dabier abgebalienm Delegierlen-Ney- iammlung der Fortschrittlichen Volkspartei des Reichslags- wahlkrei'es Hanau-Günhausen-Orb wird der „Frkf. Z." be­richtet, daß über die Unterstützung der ualionalliberalen Kan­didatur. beschlossen worden ist, dem Vorstände der national- liberalen Partei folgendes zu autivorien: „Bezüglich der Unterstützung der von den Nabonalliberalen ausgestellten Kandidatur Wohlfarth verhalten wir unS ablehnend. Dagegen sind wir bereit, mit den Nalionalliberalen über die Ausstellung einer gemeinsamen Kandidatur zu verhandeln, und geben Ihnen anheim, baldmöglichst dieserhalb mit uns in Verbindung zu treten". Erläuternd wird der „Frks. Z."

nicht geeignet sei, eine Abbröcklung nach linkS zu verhindern, daß diese Verhinderung aber daS wesentlichste Erfordernis für die Herbeiführung elfter Stichwahl fei. E« ist zu bemerken, daß die Fortschrittliche Volkspartei s. Zt. auf einem Partei­tag in Bad Orb beschlossen hatte, gemeinsam mit den Ratio-- nadibernlen einen Kandidaten aufzustellen. Dir National- liberalen halten aber den Kandidatin Wohlfarth ohne Mit­wirkung der Volkspartei aufgestellt. In der Versammlung wurde eine Deputation von drei Herren gewählt, die münd­lich die weiteren Verhandlungen mit den Nationallibrraltn führen soll.

* Stadttheater. Am heutigen Mittwoch ist die erste Wiederholung des reizenden Lustspiels „Krieg im Frieden" mit Herrn Direktor Steffter als „Leutnant von Reif- Reiflingen". Anläßlich der am Freitag stattsindenden 100. Wiederkehr des Geburtstages Carl Guykows wird als Ge­dächtnisfeier für den hier besonders beliebt gewesenen Dichter sein Drama „Uriel Acosta" aufgeführt, verbunden mit dem Gastspiel des HofschanspielerS Herrn Fritz Alberti vom Kgl. Theater in Cassel. Die Feier wird durch einen Prolog eingeleilet, welcher von Herrn Carl Kohlhepp verfaßt ist und von Frl. Marta Arens gesprochen wird. Die Johann Strauß-Operette „Die Fledermaus" geht am Samstag bei ermäßigten Preisen in Szene und am Sonntag nachmittag ebenfalls bei ermäßigten Preisen die herrliche Operette „Der Vogelhändler", während am Sonntag abend (Abonne­ment B) neu ein studiert „Der fidele Bauer" zur Wiedergabe kommt.

* 83er. In gewohnter Weise versammelten sich auf Ein­ladung die Kameraden, Veteranen und jüngeren Mann­schaften des Jnf.-Regts» v. Wittich Nr. 83 am Sonntag nachmittag von 3 Uhr ab im Eartensaale des Gasthauses zum Elefanten zu einem fröhlichen Wiedersehen. Daß solche Versammlungen ehemaliger Regimentskameraden faßt zu einem Bedürfnis geworden sind, zeigte auch diesmal der gute Besuch wieder, nicht nur aus Hanau und seiner näheren Umgebung, sondern auch aus der Umgebung von Frankfurt und darüber hinaus. Nachdem die Anwesenheitsliste aus­gestellt, begrüßte der Leiter des Ganzen die Erschienenen mit herzlichen Worten und hob besonders die gute Kamerad­schaft hervor, die alljährlich immer wieder sich durch den guten Besuch zeigte, wünschend und hoffend, daß dieselbe sich für alle Zeiten erhalten möge. Das hieran anschließend aus­gebrachte Kaiserhoch fand den kräftigsten Wiederhall. In dèr Zeit von voriger bis zu dieser Versammlung wurden drei Sterbefälle von Veteranen bekannt, welche in üblicher Weife mit Kranzspenden bedacht wurden. Ihr Andenken wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der Rechenschafts­bericht ergab einen kleinen Restbestand aus voriger Samm­lung, welcher Betrag sich durch freiwillige Tellersammlung wieder annähernd ergänzt. Freie Aussprachen der verschie­densten Art, unter denen besonders unseres deutschenè^ landes von feiten eines Kameraden mit kernigen Worten gedacht wurde, und mit einem kräftigen Hoch endeten, sowie ein anderer des gerade heute seinen 90. Geburtstag feiern­den Prinzregenten Luitpold von Bayern ge­dachte, hierbei hervorhebend, wie gerade die Bayern im Jahre 1870/71 die treuen Leidensgefährten mit unserem Regiment in der Südarmee alle Leiden und Freuden zu teilen hatten. Das dem Eeburtstagsfürst ausgebrachte Hoch mit den besten Wünschen auf noch recht gesegnete Lebens­jahre wurde begeistert ausgeâcht und eine Eratulations« depesch» an denselben in diesem Sinne sofort nach München abgeschickt. Auch berichtete der Vorsitzende über das gut auf­genommene Telegramm vom vorigen Jahre an unseren der- zeitigen Regiments-Kommandeur und den als Antwort von ihm erhaltenen Briefen mit Worten der Freude über unsere hier gepflegte Kameradschaft. Auch ihm soll Mitteilung über unsere heutige Tagung wieder gemacht werden. So ver­schwanden unter Absingen von alten Regimentsliedern und gegenseitigem Erzählen von Erlebnisien früherer Jahren die Stunden nur zu rasch'und die Trennung wurde mit den Hoffnungen auf frohes Wiedersehen im nächsten Jahre be­siegelt.

* Evangelischer Männerabend. Einen interessanten und lehrreichen Abend bot uns der Vortrag, den gestern Herr Oberlehrer Dr. Sendler, Frankfurt a. M., in der Con­cordia vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, die auch ein reicher Damenflor zierte, über die Frage: „Muß ein Natur­forscher Gottesleugner sein?" hielt. Der Herr Vortragende, der zu den wisienschaftlichen Kapazitäten gehört, die gegen­wärtig den Ertrag der Sunda-Tieffee-Forschung verarbei- ten, ist durch die Schule der Philosophie zur Biologie (der Lehre vom physischen Leben in seinen vielgestaltigen Er­scheinungen auf Erden) hindurchgegangen. Diese Schule merkte man seinen streng sachlichen Ausführungen an, die sich auf das beschränkten, was ein ernster, gewissenhaftes Forscher von seinem Arbeitsgebiet aus über jene Frage sagen kann. Es kamen keine Erenzüberschreitungen vor, keine Uebergriffe ins Feld anderer Wisienschaften. Wohl aber wurde ebenso eindringlich wie bescheiden die Grenze betont, die der Naturforschung bei ihren Feststellungen ein für allemal gesteckt sind. Wir empfingen den Eindruck, daß es für manchen Arbeiter auf naturwissenschaftlichem Ge­biete geraten wäre, wenn er auch durch solche Schule hin­durchginge. Es käme dann nicht vor, daß auf lautem Markt die Reklametrompete für die Welt und Himmel stürzende Ergebnisse der „Wissenschaft" geblasen würde. Sondern still-bescheiden würde man mit einem der größten, wirklich bedeutenden, im wahren Sinne des Worts gebildeten Ge­lehrten unserer Zeit sagen: Wir wissen nichts und können nie was wissen. Der Gedankengang des Vortrags war etwa der: Es ist zu zeigen, wie die Naturwissenschaft arbeitet, welche Mittel ihr zu Gebote stehen und wie groß die Trag­weite dieser Mittel ist. Als Resultat ergab sich, daß sie nur ein Weltbild, niemals aber eine Welt an sch au. u n g liefern kann. Die Arbeitsmethode der Naturwissen­schaft wurde an einem bestimmten Ausschnitt btt Bieleai#