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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruck««! de» verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Anllllcher Organ für SlaM- und Landkreis Zanan.

Erscheint täglich mit Ausnahmeder Bonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantwort!. Redakteur: 8. Geredet bi Hana»,

$L 63 tVernh’recbnMfdihifj Nr. 230.

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Amtliches.

Landkreis F)anau.

Die Forderungsnachricht der Mitglieder der Ein- kommensteuer-Voreinschätzungskommissionen sind zur Zah­lung auf die hiesige Königl. Kreiskasie angewiesen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Mitglieder hiervon in Kenntnis zu setzen.

Hanau den 11. März 1911. St. 662

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

Z. V.: Karbe.

Mit Bezug auf die Bestimmung im Art. 881 der Ausf.-Anwsg. vom 25. Juli 1906 zum Eink.-Ces. ver­anlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die für das 2. Halbjahr 1910 fälligen Eiitkommen- und Ergänzungssteuer-Zu- und Abgangslisten mit den zur Begründung der Zu- und Abgänge gehörigen Belägen spätestens bis zum 22. d. Mts. einzureichen. Im übrigen verweise ich wegen der Aufstellung pp. der Listen auf die Bestimmungen in Artikel 83—88 der genannten ministeriellen Anweisung und meine Verfügung vom 7. September 1908, St. 2838 — abgedruckt in Nr. 210 des „Han. Anz.« von 1908.

Hanau den 14. März 1911. St. 798

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

I. V.: K a r b e.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachn»».

Nach Ausbau des Auheimerweges sind die Kosten für 1,00 laufenden Meter Baugrundstücksfront auf Grund der Abrechnung festgesetzt worden für:

erste Einrichtung 41.74 Mark.

Die Kosten der Entwäsierung betragen ortsstatutarisch 25.00 Mark für 1,00 Meter^Baugrundstücksfront.

Hanau den 10. März 1911. 6385

Der Magistrat. Hild.

Gtsltndtne nub verlorene Gfrsteuftoube rc.

Gefunden: 1 schwarzer Damengürtel, 1 schwarzes Schülertäschchen mit Federhalter, Bleistift und Radier­gummi.

RunTt und lieben.

Prof. Dr. Karl Wippermann, der bekannte Schriftsteller ; und Publizist, vollendete gestern in Verlkn-Eroß-Lichtcrfelde sein achtzigstes Lebensjahr. Aus dem hessischen Rinteln ge­bürtig, hat er wie sein Vater, der kurhessische Abgeordnete und Minister, in den Verfassungskämpfen seiner Heimat eine Rolle gespielt, bis der Krieg von 1866 den Anschluß an Preußen brachte. Dann wirkte Wippermann als Redakteur von Brockhaus Konversationslexikon und in verschiedenen Redaktionen, trat endlich 1877 als Mitglied in das kgl. f Literarische Bureau zu Berlin ein, wo er viele Jahre hin­durch den täglichen Zeitungsbericht an den Kaiser redigierte und bis 1905 tätig war. Auch an der Allgemeinen Deutschen Biographie hat er mitgearbeitet, indem er größere Artikel über deutsche Staatsmänner beisteuerte. Neben Schriften, • die seine hessische Heimat und ihre Geschichte behandeln, ist , Prof. Wipvermann literarisch besonders mit Arbeiten über Bismarck hervorgetreten. So hat er den fünften Band der von Geh. Nat Hahn begonnenen Urkundenbände über Bis­marck hergestellt und über den Kanzler im Ruhestände und seinen 80. Geburtstag geschrieben. Ein besonders verdienst- liches Unternehmen war seine von 1892—1899 in acht Bän« i den erschienene politische Geschichte der Gegenwart.

Elia Eschelsson f. In Upsala starb die Dozentin für Zivilrecht in der dortigen Universität, Frl. Elsa Eichclsson, die im Jahre 1897 als erste und bis jetzt als einzige in Schweden diese akademische Stellung erreichte. Unter ihren zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten sind zu nennen: „Ueber den Begriff Geschenk nach schwedischem Recht", „Bei­trag zur Lehre über Besitz nach schwedischem Recht", „Der Begritf des Besitzes" u. a. m. In diesen Arbeiten erwies |uf) Tr Eschelsson ais scharfsinnige Juristin.

Das Denkmal für Paul Gerhardt. Unter zahlreicher Be­teiligung von Nah und Fern fand in Gräfenhainichen die Entbülluna des Denkmal« für den Liederdichter Paul Ger­

Mittwoch bcii 15. März

Verloren: 1 goldene Brosche (Form eines Klee­blattes) mit blauen Steinen.

Zugelaufen: 1 grauer Bastard m. Eeschl., 1 weißer Foxterrier mit roten Abzeichen, 1 schwarzer Spitz.

Hanau den 15. März 1911.

Politische Rundschau.

Zu der Stichwahl in Eietzen-Nidda erfährt die „Tägl. Nundsch.", daß der vom Wahlausschuß in Gießen mit 13 gegen 5 Stimmen gefaßte Beschluß, für die Stichwahl zwischen Antisemiten und Sozialdemokraten am 21. März den nationalliberalen die Stellungnahme freizugeben, in leitenden nationalliberalen Kreisen die schärfste Mißbilli­gung erfährt. Man plant die Einberufung einer Volksver­sammlung in Gießen, um diesen Beschluß zu korrigieren. Erklärbar wird die Haltung des nationalliberalen Partei- ausschusses in Gießen-Nidda nur durch die ungeheure Er­bitterung, mit der der Wahlkampf geführt wurde. So soll der Kandidat der Reformpartei, Werner, die National­liberalen eine Partei der Schurken genannt haben. Wäre das wirklich der Fall, so wäre es selbstverständlich, daß der genannte Kandidat zunächst seine Beleidigung öffent­lich zurückzunehmen hätte.

Zur Eietzener Stichwahlparole. Aus Berlin wird ge­meldet: Die Meldung der „Frankf. Ztg." Über die Stich­wahlparole in Gießen-Nidda (Freigabe der Abstimmung für die Nationalliberalen) erweist sich als unzutreffend. Die entscheidende Versammlung, in der über die Stichwahl­parole Beschluß gefaßt werden soll, soll erst am Mittwoch stattfinden. Voraussichtlich wird die Stichwahlparole dahin lauten, daß es bei chem früheren Abkommen zu bleiben hat, wonach in der Stichwahl unter allen Umständen der bürger­liche Kandidat zu unterstützen ist. Der Entschluß wird aller­dings sehr beschwert durch die Tatsache, daß der Kandidat der Neformpartei den Wahlkampf in überaus gehässiger Weise geführt hat (er soll u. a. die Nationalliberalen eine Partei der Schurken genannt haben); unter solchen Um­ständen ist es begreiflich, wenn die Parole nur laue Auf­nahme findet.

Ordensverleihungen an bayerische Journalisten. Der Prinzregent von Bayern verlieh folgenden Persönlichkeiten der bayerischen Presie die Prinzregenten-Medaille in Sil­ber: Redakteur Frick-München, Dr. Jessen-München, Leiter des Süddeutschen Korrespondenz-Bureaus, Chefredakteur Held-Regensburg, ferner den Chefredakteuren Freiherrn Meüsi vom Klarbach, Dr. Mohr, Dr. Kausen, Osterhuber und Redakteur Ritter, sämtlich in München, Chefredakteur Scharre-München, Seiwert und Stolz-Augsburg.

hardt statt. Der Platz vor dem Denkmal und vor dem Paul Gerhardt-Haus war prächtig dekoriert und die ganze Stadt festlich beflaggt. Nach dem Festgattesdienst in der Kirche, in der die Festpredigt von Eeneralsuperintendcnt Stolte-Mag­deburg gehalten wurde, bewegte sich der Festzug nach dem Denkmalsplatz, wo mehrere Chöre gesungen und verschiedene Ansprachen gehalten wurden. Das von Bildhauer Pfann- kirch ausgeführte Denkmal stellt Paul Gerhardt dar, in der linken Hand die Bibel, die rechte ausbreitend auf einen Achrenbündel und auf ein verschossenes Kanonenrohr als Symbole des Friedens nach langer Kriegszeit.

Kein Hosenrock-Derbot. Dresden, 13. März. Wie die hie­sige Polizcidirektion dem Sächsischen Landesdienst mitteilt, ist die in sächsischen und außersächsischen Blättern verbreitete Nachricht, der Polizeipräsident von Dresden habf einer hie­sigen Cabaretkiinstlerin das Auftreten im Hosenrock verbo­ten, völlig unzutreffend, da behördlicherseits weder ein der­artiges Verbot erlaßen worden ist, noch überhaupt die Ab­sicht besteht, durch polizeiliche Maßnahmen die Mode der Damenwelt zu bekämpfen. In dem fraglichen Falle, der zu der Zeitungsnotiz Anlaß gegeben hat, handelt es sich ledig­lich darum, daß einer Künstlerin nicht gestattet worden war, in Männerkleidung aufzutreten, weil das Auftreten in Ko­stümen in Lokalen, deren Inhaber sich nicht im Besitz der Konzession auf Grund der Reichsgewerbeordnung befinden, grundsätzlich nicht zugelasten werden kann.

Albumblätter.

Ich kebre mich mchi dran, Ich laß die Stute klügeln, Wer kann denn jeb-’t mann Da« lose Maul verrieoeln? Ich kann nicht bester leben, Ais daß ich dazu lack', So haben sie vergebens Sick viele Müb' oemackt.

Fern sprech« uschlns; Nr. 230 1911

Eine neue russische Drohung gegen China. Der russische Gesandte erhielt den Auftrag, dem Waiwupu eine Note zu überreichen, in der erklärt wird, die russische Regierung erblicke in der Antwort der chinesischen Regierung über die Beschränkung des russischen Handels durch die Monopole und über die Errichtung von russischen Konsulaten im Be­zirke Kobdo Beweise unfreundlicher Beziehungen seitens Chinas. Dieses entstelle den genauen Sinn der Vertrags­bestimmungen durch sein Bestreben, den den russischen Unter­tanen und dem russischen Handel gewährten Vertragsrech­ten jede Bedeutung zu nehmen. Die russische Regierung fordert die chinesische Regierung auf, die Folgen einer der­artigen Handlungsweise zu erwägen, die unvermeidlich zu einer Störung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Rußland und China führen wurden.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Am Ministertisch: Kultusminister Trott zu Solz. — Vizepräsident Porsch eröffnet um 10 Uhr 15 Min. die Sitzung. — Die zweite Beratung des Koltusetats wird beim Kapitel Elementarunterrichtswesen, Abschnitt Ele­mentarschulwesen, fortgesetzt. — Abg. Göbel (Ztr.): Die Mietsentschädigungen der Lehrer sind vielfach unzureichend und stehen nicht im Einklang mit den Grundsätzen, die zum Lehrerbesoldungsgesetz aufgestellt worden sind. Auch über die ungleichmäßige Bemessung der Ortszulagen führen die Lehrer in verschiedenen Landesteilen berechtigte Klagen. Insbesondere ist die einheitliche Regelung der Ortszulagen des Oberschlesischen Industriegebiets erforderlich. Die Liefe­rung der Schulbücher darf nicht einigen wenigen Verlegern übertragen werden. — Abg. H^ tz (Ztr.): In den Schulen, in denen Schüler beider Konfessionen vorhanden sind, muß darauf Bedacht genommen werden, daß die katholischen Kinder ausreichenden Religionsunterricht erhalten. Ins­besondere sollten die evangelischen Lehrer vermeiden, bei dem Religionsunterricht die religiösen Gefühle der Katho­liken zu verletzen. Die Stadt Bütow ist ein typisches Bei­spiel, wie man den billigen Ansprüchen der Katholiken in Schulfragen nicht gerecht wird. Während hier eine Simul­tanschule besteht, sind an zahlreichen Orten, in denen di« evangelische Bevölkerung sich in der Minderheit befindet, Konfessionsschulen vorhanden. — Abg. Brust (Ztr.) be­klagt sich über die ungleichmäßige Bemessung der Amts- zulagen für die evangelischen und katholischen Schulleiter zu ungunsten der letzteren im Regierungsbezirk Münster. — Geheimrat Klotzsch erwidert: Es ist richtig, daß sich bei der Bemessung der Amtszulagen Schwieriakeiten er» gaben, und wir sind bemüht, die Schwierigkeiten auf dem

Sprachtlle bc3 Mgemciuen Teutschen Sprachvereins,

Zwelaoerein £ a n a u.

Geratewohl, nicht Eeradewohll

Gelbst bei Gebildeten kommt die Schreibweise „aufs Ge­radewohl" so oft vor, daß cs wohl verlohnt, nachzuwciscn, daß und warum sie falsch ist. Die Wendung muß geschrieben werden: aufs Geratewohl, denn es gibt weder ein gerade« noch ein krummes Wohl, sondern hier liegt eine jener Heische- (Imperativ-) Bildungen vor, die uns namentlich in der älteren Sprache häufig begegnen. „Gerate wohl!" so rief man bei Beginn eines Werkes aus, besten Erfolg nicht sicher war, wenn z. B. der Kriegsmann den Speer warf oder der Spieler die Würfel im Becher schüttelte. Das „Ge­ratewohl!" war sozusagen ein Segensspruch, den man ge­fährlichen Unternehmungen mit auf den Weg gab. Die älteste Form ist „gerat wol". So schreibt Luther: „auf ein blindes gerat wol." Meistenteils heißt es d a s Eeratwohl, doch findet sich auch die männliche, vereinzelt sogar die weib­liche Form; ja Paracelsus, jener merkwürdige Arzt des 16. Jahrhunderts, gebraucht den Ausdruck als Eigenschafts­wort: „Sonst bist nur ein experimentator, das ist. ein ge- rathewohler und ein verzweifelter Hoffer." Gegenwärtig verwenden wir das Wort nur in Verbindung mit auf und aufs. — Derartige Hauptwörter, die auf wirkliche oder scheinbare Heischeformen zurückgehen, finden wir in unserer Sprache nicht selten. Man denke nur an das Vergißmein­nicht, an Stelldichein, Campes glückliche Verdeutschung für rendez-vous, an den Blumennamen Gedenkemein, an Lebe­wohl, Tunichtgut, Wagehals, Schlag(e) tot usw. Besonders häufig begegnen wir diesen Bildungen in Eigennamen wie Fürchtegott, Leidenfrost, Bleibtreu, Hastenpflug (-= haste den Pflug). Zuckschwert (— zücke das Schwert), Schmeckebier, Thudichum, Schlagintweit (plattdeutsch — schlag in« Weite), Hauschild und in vielen anderen.