Erstes Matt.
Wimm K Anzeiger
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General-Anzeiger
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Die Sgefpaltene PetttzeiU oder beten Rama 20 PA
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Notationsdruck und Verlag bet Buchdruckerri bei «rein. ev. Waisenhauses In Hanau.
Amtlicher Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
da Rekkameateil dk Zell« 45 PA
Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker U Hanau.
A^k. 62 ^-r»sprechanschs«st Nr. 230.
Dienstag den 14. März
Ferttsprechanschlits; Nr. 230 1911
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14 Seiten.
Amtliches.
Handelsregister.
Eingetragen ist am 10. März 1911 die Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Firma:
„Central-Automat-Eesellschaft mit beschränkter Haftung" mit dem Sitze in Hanau.
Der Eesellschaftsvertrag ist am 22. Februar 1911 abgeschlossen.
Gegenstand des Unternehmens ist die Errichtung und der Betrieb eines automatischen Restaurants in Hanau in dem Hause Herrnstraße Nr. 5 unter Uebernahme des mit dem Eigentümer des Hauses, Heinrich Kling, abgeschlossenen Mietvertrages vom 12. September 1910.
Die Gesellschaft ist befugt, gleichartige oder ähnli he Unternehmungen zu errichten oder zu erwerben, sich an ähnlichen Unternehmungen zu beteiligen oder deren Vertretung zu übernehmen.
Das Stammkapital beträgt 24 000 Mark.
Geschäftsführer ist der Kaufmann Leopold Mergenthal zu Frankfurt am Main. Falls mehrere Geschäftsführer bestellt werden, wird die Gesellschaft durch mindestens zwei Geschäftsführer vertreten, die jedoch nur gemeinschaftlich handeln und zeichnen können. Die Zeichnung geschieht in der Weise, daß die Zeichnenden zu der geschriebenen oder auf mechanischem Wege hergestellten Firma der Gesellschaft ihrè Namensunterschriften beifügen.
Oeffentliche Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen nur im Deutschen Reichsanzeiger.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau
vom 10. März 1911. 6269
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen 1. das in der Gemarkung Langenselbold belegene, im Grundbuchs von Langenselbold Artikel 1821 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Zimmermannes Johannes Spindler, Antons Sohn, in Langenselbold, eingetragene Grundstück
Ktbl. 33 Nr. 38, Auf dem Mühlberg, Acker, 24,16 Ar 2,08 Tlr. Reinertrag,
2. das in derselben Gemarkung belegene im Grundbuchs oon Langenselbold Artikel 1821 auf den Namen des Vorgenannten und seiner Ehefrau Margareta, geb. Betz, eingetragene Grundstück
Ktbl. 67 zu Nr. 129/88 rc. (aus 88, Wasserstraße Nr. 20) a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, 2.57 Ar, 240 Mk. Nutzungswert, b) Schweinestall, c) Schweinestall, d) Scheune mit Stall, am 2. Mai 1911, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenfelbol), 9. März 1911. 6275
Königliches Amtsgericht.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 schwarzer Damenhalbschuh Nr. 38, 1 Kinderphotographie.
Verloren: 1 gelber Kinderschnürstiefel.
Ent laufen: 1 junge, braun- und weißgesprenkelte Iagdhündin.
Hanau den 14. März 1911.
Politische Rundschau.
Gietzen-Nidda. Die Stichwahl ist für den 21. d. M. angesetzt. Die Stichwahlparole der Gießener Nationalliberalen wird in der Presse lebhaft besprochen. Sicherlich ist der Beschluß des nationalliberalen Wahlausschusses nicht nur ein Eingeständnis bedauerlicher Unentschlossenheit, sondern er schließt indirekt auch eine Empfehlung in sich, für den Sozialdemokraten einzutreten. Zum mindesten kann er als die stillschweigende Billigung einer solcher Handlung auf- gefaßt werden. Der nationalliberale Wahlausschuß hätte unbedingt die Pflicht gehabt, für den bürgerlichen Kandidaten einzutreten, ohne jede Rücksicht auf parteipolitische Bedenken. Daß er anders gehandelt hat, muß in nationalen Kreisen einen peinlichen Eindruck erwecken, und man kann es nur billigen, daß drei Herren des Wahlausschusses gegen den von der Mehrheit gefaßten bedauerlichen Beschluß protestiert haben. Ob die Parole praktisch irgendwelche bedenklichen Folgen für die Stichwahl haben wird, scheidet hier vollständig aus. Wenn auch die 2500 nationalliberalen Wähler eine festere Haltung bekunden als ihr Wahlausschuß, und alle für den bürgerlichen Kandidaten eintreten, so kann doch die vom nationalen Standpunkte aus ganz unzuverlässige Parole für künftige Fälle verhängnisvoll werden.
Italienische Kammer. In der gestrigen Sitzung der Kammer beantwortete der Unterstaatssekretär des Aeußern, Princips di Scalea, die Anfrage des Deputierten Euicciar- dini bezüglich der Meldung eines Berliner Blattes über die Porträtausstellung in Florenz, nach der die Ausstellung ledigleich eine Mache der florentinischen Geschäftsleute sei. Dieses Urteil, führte der Unterstaatssekretär aus, wider- I spreche durchaus der Wahrheit, denn die Ausstellung sei in rein künstlerischem und patriotischem Geiste von einem Ko
mitee organisiert, das großes Ansehen und hohe Verdienste genieße und an dessen Spitze der Bürgermeister von Florenz stehe. Der Minister des Aeußern habe den italienischen Botschafter in Berlin telegraphisch ersucht, die falsche Meldung ganz entschieden zu dementieren. Der Unterstaatssekretär begrüßte freudig die Gelegenheit, der Dankbarkeit des italienischen Volkes Ausdruck geben zu können gegenüber den auswärtigen Regierungen und Völkern, welche dazu beigetragen hätten, die bewundernswerte Ausstellung zu einer glänzenden und vollständigen zu machen. (Leb* Hafter Beifall.)
Rußland und China. Die „Birschewija Wjcdomosti" erfährt vom Ministerium des Aeußern, die letzte chinesische Note habe hier einen ungünstigen Eindruck hervorgerufen. Die Chinesen machten erneut Schwierigkeiten bezüglich der Fragen der Einrichtung russischer Konsulate und des Tee- Handels außerhalb der chinesischen Mauern. Sehr ernste bereits vorbereitete Ereignisse ständen in der nächsten Zeit bevor.
Die Kämpfe in Marokko. Der Schauplatz, auf dem sich die Gefechte zwischen den von ftanzösischen Offizieren geführten Truppen und dem Stamme der Echerarda abspielen, liegt kaum 50 Klm. nordwestlich von Fes und unmittelbar an der belebtesten Karawanenroute, die Tanger und La» rasch über Ksar el Kebir mit der scherifischen Hauptstadt in Verbindung setzt. Der Reisende, der ihr zustrebend am Hadschra el llakfa, den „steil ansteigenden Felsen", den Sebu durchquert hat, sieht bald zu seiner Rechten ein kahles, wüstes Gebirge ansteigen, dessen schroffe Formen ihn wohl an die zackigen Linien einer mittelalterlichen Festung erinnern mögen. Es ist dies der Dschebel Tselfat, der nördliche Ausläufer des heiligen Zcrhun-Eebirges. Und in diesem Gebirge Hehen sich die beiden Gegner zur Zeit gegenüber und machen erklärlicherweise dem friedlichen Reifenden eine Benutzung jener Karawanenstraße vollständig unmöglich, um so mehr, als diese gerade hier durch den hart am Fuße jenes Berglandes hinfliètzenden Sebu, der mangels aller Brücken immer durchritten oder durch, schwömmen werden muss, defileeartig eingeengt ist. Diese fast vollständige Unterbindung jedweden Verkehrs zwischen Fes und den beiden Hafenplatzen, in denen gerade deutsche Interessen besonders vertreten sind, ist zu bedauern. Und zwar um so mehr, als die anderen Verbindungen aus verschiedenen Gründen nicht dem deutschen Verkehr dienen. Von diesen beiden Straßen führt eine über das durchaus unter französischem Einfluß stehende „marokkanische Rom", über die Stadt Wessan und die andere ist in der Gegend von Tetuan zu sehr durch nicht aufständische Rifstämme bedroht. Hoffentlich gelingt es dem ftanzösischen Führer der Machsen. truppen nunmehr bald die Scherardas zu unterwerfen. Nach den bisherigen Erfolgen ist allerdings ein Ende noch nicht abzusehen.
zu Hause an, um dann eine Woche lang seiner engeren und weiteren Umgebung seine Triumphe vorzuhinken. Vielleicht hätte ich es doch fertig gebracht, mich. hier „einzuarbeiten". Aber meine neue Stellung ließ mich Sonntags nicht fort. So war ich gezwungen, an Wochentagen, und zwar meistens allein zu wandern. Daß ich dabei etwas ent- i behrte, kann ich nicht sagen. Ich glaube sogar, viel gewonnen zu haben, wobei mir allerdings andere Gebiete vorschweben. Für den, der Selbstzucht treibt, ist ein ungestörtes Alleinsein, wenigstens dann und wann, eine Notwendigkeit. Und wer z. B. das empfinden will, was Uhland in sein „Schäfers Sonntagslied" gelegt hat — und welcher Naturfreund vermöchte das nicht — der mutz gleichfalls einmal allein sein.
Vor einiger Zeit nach Hanau verschlagen und auch hier wieder allein schon Taunus, Spessart und Vogelsberg be- , sucht, empfand ich doch das Bedürfnis, die Solopartien auf- ; zu geben und wieder Anschluss an Menschen zu suchen. Und so durfte ich am vergangenen Sonntage die Wanderung des Vogelsberger Höhen-Clubs nach Lindenfels als Gast mitmachen. Meine Erfahrungen ließen mich mit Mißtrauen an die Tour herangehen, aber dies schwand bald und zwar restlos. Die Tour war schön, ein Genuss.
Ich stelle fest, daß man auch in der Beziehung inzwischen i weit vorgeschritten ist, hinzugelernt hat. Und wem ist dies ‘ zu danken? So mutz ich hier vorwegfragen? Unbedingt I haben sich Alkoholgegner, Vildungs- und Sportwesen um dieses Gebiet verdient gemacht, aber das Hauptverdienst gebührt doch wohl der ältesten Erzieherin des Mannes — der Frau. Durch den Eintritt der Frauen in die gesamten Lebensgebiete hat der öffentliche Verkehrs- und Umgangston eine bedeutende Wandlung und zwar zum Besseren erfahren. Aber auch die Sitten sind von ihr vorteilhaft beeinflusst worden. Man denke an meine eingangs erwähnten j Schilderungen. Eine Frau damals auf unseren Touren war I eine UnmoaliLleit. Da die Frau nun aber auch auf sport
Die letzte Wanderung des B. H. C.
Zweigverein Hanau.
Betrachtungen. — Stimmungsbilder.
(Nachdruck verboten.)
Ich liebe die Natur! — Habe mich auf zahlreichen Wanderungen, namentlich in Deutschland an ihren Schönheiten erfreut.
Indes ist es lange her, daß ich in Gesellschaft auszog. Das Wandern in Masse bereitete mir Schwierigkeiten. Man verstand sich wohl damals auch noch nicht darauf. Nicht als ob die Touren ungenügend vorbereitet gewesen wären. O nein. Man ging durchaus planmäßig vor. Es war zuvor genau bestimmt, wer Kognak und wer Nordhäuser mitzu- bringen, wer für Rotwein zu sorgen und wer die Schinkenbrötchen zu liefern hatte. Das Mittagessen war vorsorglich , telegraphisch bestellt. Auch im übrigen ging man zielbe- ; wußt vor. Kirchen und Museen wurden von außen, die Berge von unten und die Wirtshäuser von innen und zwar diese recht gründlich betrachtet. Die Hauptsorge, die alle beseelte, galt der Ermittelung desjenigen braven Mannes, der das beste Bier verzapfte, und den Hauptunterhaltungs- , gegenständ bildete am Vormittage das zu erwartende und ’ am Nachmittage das gehabte Mittagessen. ... •
Eine Zeitlang hielt mein Magen diese „Wanderungen" aus. Dann aber floh ich — floh zu einer anderen Gruppe. ! Aber auch hier hatte ich es schwer. Im Banne des Wirtshauses standen l iefe Leute nicht. Aber extrem waren sie auch. Die reine Rennteufel und Kilometerfresser. Nur um am Stammtisch oder im Bekanntenkreise mit den „gemachten" Kilometern zu „glänzen", rannten wir wie eine Herde durchgebrannter Bankkassierer durch Felder und Wälder. Pausen gab es eigentlich nur, um durch Absendung von Ansichtskarten sich von der Post bescheinigen zu lassen, daß man | «*Ü oeklunkert und „daaewelen" war. Halbtot kam man 1
lichem Gebiete Futz fasste, sich an den Ausflügen des Mannes beteiligte, zwang sie ihn zur Rücksichtnahme auf sie und zu vernünftigeren Sitten.
Ewig aus der Wahrheit Schranken
Schweift des Mannes wilde Kraft,
llnstät treiben die Gedanken
Auf dem Meer der Leidenschaft.
Aber mit zauberisch fesselndem Blicke
Winken die Frauen den Jüngling zurücke,
Warnend zurück in der Gegenwart Spur.
(Schiller.)
Dies Wandern mit dem V. H.-C. war schön — in der Tat. Bei sicherem, sonnigen Wetter ein herrlicher Früh» lingstag. Feierliche Stille, nur unterbrochen von fernem Elockenklange und dem Rauschen des unserem Wege folgenden Baches. Meistens gute Straßen unter den Füßen, fteundliche Wandergenossen, sodann endlich auch einmal wieder Berge — Berge füt den aus dem „Niederlande" kommenden Hanauer ein Ereignis und damit auch prächtige Höhenluft. Glanzpunkte für das nach Schönem suchende Auge die Ruinen von Rodenstein, das Eberbachtal, der Blick von der Bismarckhöhe nach den Tälern von Eumpen und Reichelsheim und vor allem Lindenfels, unser Ziel, von den es überragenden grandiosen Ruinen des gleichnamigen Schlosses gesehen. Die „Perle des Odenwaldes" hörte ich es nennen.
Neu und interessant war mir die Führung. Herr Heu - s o h n, der Vorsitzende, und Herr Franz, führten. Beide Führer hatten, wie das auch bei allen anderen Touren der Fall ist, einige Tage zuvor den Weg schon einmal gemacht, um Kenner der Route zu sein. Aber nicht nur das: Entfernungen, Abfahrts- und Ankunftszeiten der Züge, Fahr» preise werden dabei ermittelt, Erfrischungen und Mahlzeiten bestellt, Preise festgesetzt usw. Diese Fürsorge, die auch ausserordentlich günstig auf die Reisekosten wirkt, empfand ich als eine arotze Wohltat. Kühlte mich mit aedoraen»