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Hanauer K Anzeiger

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Lierkekfährkich 1.80 Sit, monatlich 80 Pfg., fSf atw» »artige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchlas» Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Aulli'chts Organ für Stolt- nnh Fan-Kreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrAckungsgebTHN

Die Lgespaltene Petitzeile oder der«, Raum 29 PH im Neklamenteil di« Zell« 45 Pfg.

verantwort!. Redakteur: (5. 64te<et ta Hana»

Nr. 57 Werttsprechanschlttst Nr. 230.

Mittwoch den 8. März

fternsprechanschl«»; Nr. 230 1911

Die WWummer nmW avßer kWUBwMÖ 14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.

Durch Bekanntmachung vom 27. Oktober und 18. No­vember v. I. haben wir alle, die noch Rechte an vorhandene Grabstätten der Abteilung F und G des Friedhofes haben oder zu haben glauben, sowie diejenigen, welche ohne vor­handene Rechte noch Gräber weiter erhalten wollen, aufge­fordert, sich auf Zimmer Nr. 9 des Rathauses zu melden.

Die Verlegung der weiter erworbenen Gräber zwecks Durchführung des neuen Planes sind bereits im Gange. Es steht jedoch noch eine Reihe vorhandener Gräber aus, für welche Anträge noch nicht gestellt sind. Indem wir unsere Aufforderung vom 27. Oktober und 18. November wieder­holen, ersuchen wir auch diejenigen, die auf Erhaltung der Gräber auf diesen beiden Abteilungen verzichten, vorsprechen zu wollen.

Wir machen noch darauf aufmerksam, daß der Erwerb dieser vorhandenen Gräber auch zur Neubelegung ohne weitere Gebühr berechtigt.

Hanau den 7. März 1911.

Die Friedhofskommission. 5813

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Bekanntmachung.

Gesuche um Gewährung von Schulgeldbeihilfen zu dem Schulgeld der Oberrealschule, der höheren Mädchenschulè, der Mittelschulen und der kaufmännischen Fortbildungsschule sind bis zum 25. März 1911 auf Zimmer 14 des Rathauses anzubringen.

Später eingehende Gesuche finden keine Berücksichtigung mehr.

Beihilfen werden nur gewährt, wenn der Schüler gute Leistungen in der Schule aufzuweisen hat und die Familien- und Bermögensverhältnisie der Gesuchsteller die Gewährung einer Beihilfe rechtfertigen.

Gesuche, bei denen diese Voraussetzungen nicht vorliegen, werden abgelehnt.

Hanau den 2. März 1911. 5811

Der Magistrat.

Hild.

Kunst und Leben.

Eine moderne Künstlerin. Die Berliner Frauen-Ztg. schreibt: Daß eine Frau auch mit der Nadel „dichten" kann, beweist eine eigenartige Neugestalterin, Frau Edda Wiese, deren Ausstellung allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung erregt hat. Die Künstlerin hat einen Blick, der impressionistisch aufs feinste geschult ist und sie die selt­same Poesie neuer Eroßstadtszenen in ihrer ganzen geheim­nisvollen Schönheit erfaßen läßt. Japanische Landschafts­zauber, wie sie aus ihrer Wanddekoration mit dem flim­mernden Waffer zwischen schwarzem Tannicht, dem milch­weißen Gewölk, den gespenstischen Fledermäusen, dem kalk- blasien Mond hervorlugen, — will Frau Wiese auf unser modernes Leben übertragen. Hier darf sie als neuschöpserisch angesprochen werden. In aufgesetzten und gestickten Tuch- stückchen, in fein abgetönten Chiffonlagen, in goldgelben Seidenstreifen hat sie in einer ihrer Schöpfungen die langen Häuserreihen der Kantstraße zur Dämmerzeit, den abendlich verglühenden Himmel, die Illusion erleuchteter Fenster her- vorgebracht. Die Häuser liegen ganz einsam, etwas von Un­endlichkeit spricht aus der Linie dieser Straße, der Blick sucht in ihrem Zusammengleiten, in dem grünen Schleierhauch, der das Endgebüsch überspielt, in dem Fortlaufen der silber- grauen Schienenstränge der elektrischen Bahnen, nach den Menschen, die hier kommen und gehen, woher, wohin? Er sucht nach den Geschicken in diesen Häusern, hinter diesen Fenstern. Die rätselhafte Dämmerstunde, das dutcheinander- jließende Licht der eben entzündeten Straßenlaternen, des verglimmenden Himmels, — das alles redet aus diesen fein gewählten Stoffen und seidigem Schimmern. Es ist wirk­lich, als sei cs hier gelungen, dem Gebilde aus Menschen­hand eine Seele einzuhauchen, Farbenübergänge, Nuancen zu finden, die Gefühlen, Ahnungen, Stimmungen ent« sprechen. Eine verwandte Empfindung für den Reiz, den

Bekanntmachung.

Gesuche um Gewährung von Schulgeldbeihilfen zu dem Schulgeld der Oberrealschule, der höheren Mädchenschule und der Mittelschulen aus der Pedro Jung'schen Stiftung sind bis zum 25. März er. auf Rathaus, Zimmer 14, anzu­bringen.

Später eingehende Gesuche finden keine Berücksichtigung mehr.

Diese Schulgeldbeihilfen, welche als Prämien anzusehen sind, werden nur solchen Schülern zuteil, die durchweg gute Leistungen in ihrer Schule aufzuweisen haben.

Hanau den 2. März 1911. 5809

Das Kuratorium der Pedro Jung'schen Stiftung.

Hild.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Nach Mitteilung des Herrn Polizei-Präsidenten zu Frankfurt ist die in Nr. 53 des „Hanauer Anzeigers" vom 3. März bekannt gegebene Maul- und Klauenseuche im Vieh­hof dortselbst erloschen.

Hanau den 6. März 1911. V. 1275

Der Landwirt Johannes Wilhelm Heuser aus Ravolz­hausen ist zum Ortsschätzer dieser Gemeinde bestellt und ver­pflichtet worden.

Hanau den 7. März 1911.

Gefundene und verlorene Gesienstäude re.

Gefunden: 1 Herrenportemonnaie mit 9.63 Mk. und einer. Photographie, 1 Päckchen mit rotem Sammetband.

Verloren: 1 schwarzseidener Damenschirm mit rotem Kugelgriff, auf der Kugel eine goldene Krone, 1 schwarzes Portemonnaie mit einigen Pfandhauszetteln von Grimm, 1 schwarze Aktenmappe.

Hanau den 8. März 1911.

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Politische Rundschau.

Der Kaiser traf an Bord des Linienschiffes „Deutsch­land" gestern um 9 Uhr morgens vor Helgoland ein und landete mit Gefolge um 10 Uhr im neuen Marine­hafen neben dem Badehause. Die Kompanien der Matrosen-Artillerie sowie Vereine hatten zur Begrüßung Aufstellung genommen. Der Kaiser besichtigte unter Führung des Oberbaurats Eckardt die Westmole und die im Bau begriffene Uferschutzmauer, über die Regierungs­baumeister Verlohr einen Vortrag hielt. Um 11*/, Uhr erfolgte die Abfahrt nach Bremerhaven.

die Verbindung von Natur und Technik hervorbringen kann, ist in dem finster daherrasenden Automobil mit seinen glühenden Geifteraugen, während die stummen Pappeln mit mondversilberten Rändern, der weiße Meilenstein im Licht des nächtlichen Himmels, mit der zarten Mondsichel, wie angstvolles Staunen und Atemanhalten wirken. Besonders schön ist die täppische Gespreiztheit und steife Schreitbe­wegung der Kamele in einem zum Schmuck einer Türe be­stimmten Streifen, in Applikation und Nadelmalerei, her­ausgekommen. In den Silhouetten der Tiere, in Haltung und Gang der Treiber, in dem glühenden Hintergrund, dem Schwarz der Leiber ist eine künstlerische Persönlichkeit von ganz ungewöhnlicher Kraft lebendig geworden. Entzückenden Haus-, Tafel-, Decken- und Kiffenschmuck hat Frau Edda Wiese in Nadelarbeiten nach alten, langvergeffenen Tech­niken der Kunsthandstickerei vollendet. Es sind darunter Stücke, die jedem Museum zur Zierde gereichen würden. Ein großer Phantasiereichtum offenbart sich in den Zeichnungen Chaiselonguedecken und Kiffen. Daß Frau Wiese auch er­quickenden Humor besitzt, beweist sie mit dem Wandbehang, der in Nadelmalerei das „Familienbad in Heringsdorf" wiedergibt. Hier sind die Stellungen und Gruppierungen der witzig gesehenen Gestalten sehr gut gelungen, auch sehr malerische Farbenwirkungen. Vornehmen Geschmack, feines Stilgefühl prägt sich in den von ihr geschaffenen Toiletten aus silbergrauer Seide, mit Wachsperlen, den kunstvoll ge­stickten Blusen, reizend geformten Pompadours, einer Wie­derbelebung der anmutigen Vaschlikmode, der sie neue, hübsche Einzelheiten gegeben hat, z. B. die holländischen Seitenzierraten ferner ganz aparten Haarabänder, bei denen schillernde Spitzen, Perlen, Halbedelsteine, verwertet sind, manches von bestrickendem Farbenreiz. Ihre reiche und vielseitige Begabung bekundet sich in dent Instinkt, mit dem sie ihre Ideen in Material und Umriß ausformt. So ist besonders stilecht ein Ofenschirm im Biedermeierstil, der schlichte Holzrahmen ausgefüllt mit perlgrauer Seide, aus

Prinz Adalbert von Preußen ist in Kiel an einer leichten Blinddarmentzündung erkrankt.

Im Abgeordnetenhause erörterte der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg in ausführlicher Rede die Beziehungen Preußens zum Vatikan.

Vom Brandenburgischen Provinziallandtag würd« gestern an Stelle des zurücktretenden Freiherrn von Man­teuffel Oberpräsidialrat von Winterfeldt zum Landes­direktor der Provinz Brandenburg gewählt.

In der belgischen Kammer kam es gestern zu lärmen­den Zwischenfällen. Es wurde die Interpellation des Sozialisten Vandervelde verhandelt, der die Regierung über die Verfolgung befragte, der eine ehemalige Schul­schwester in dem Dorfe Muyffe von den Klerikalen aus­gesetzt wäre, weil sie aus ihrem Orden ausgetreten sei und als selbständige Lehrerin der Gemeindeschule die Schule weiter leite. In scharfen Worten hatte der Sozialistenführer dieses System der Bedrückung und Ver­folgung gegeißelt. Der Ministerpräsident Schollaert ver­suchte, die bedauerlichen Vorkommnisse mit der Erregung zu entschuldigen, in der sich die Bevölkerung befunden habe, weil die Schwester aus ihrem Orden ausgetreten sei. Der Abgeordnete Wauoermans erging sich hierauf in heftigen Angriffen gegen die Schulschwester und sagte u. a., daß es häufig vorkomme, daß Nonnen ihre^Orden verließen, weil sie das Keuschheitsgelübde so schwer fänden. Diese Worte entfesselten auf der Linken einen Sturm der Entrüstung. Der als Schreier bekannte sozialistische Abgeordnete Hubin erhob sich von seinem Sitz, schritt auf Wauvermans zu und spie ihm ins Gesicht. Wauvermans hielt dieser Beleidigung ruhig stand. In der Kammer erhob sich ein großer Tumult. Hubin versuchte zum zweiten Male gegen Wauvermans vorzugehen, wurde aber daran von den Saaldienern verhindert. Der Abg. Woeste beantragte gegen Hubin die zeitweise Ausschließung. Der Präsident Nerinx, der der Situation nicht gewachsen war, schritt nicht ein, als er sah, daß die Rechte des Hauses in der Minderheit war, weil viele Abgeordnete fehlten, und so blieb der unerhörte Vorfall ungerügt. Die Verhandlung nahm hierauf ihren Fortgang. Woeste entschuldigte ebenfalls die Vorkommniffe in Muyffe und zog sich dadurch eine scharfe Erwiderung des liberalen Führers Hymans zu. Von der Linken wurde hierauf ein Tadelsantrag eingebracht wegen der Vorkommniffe in Muyffe, und dieser Antrag ging mit 70 gegen 12 Stimmen durch, so daß die Regierung zum ersten Male in der Minderheit blieb. Die Abstimmung ist allerdings nicht von großer Bedeutung, da das Ergebnis nur darauf zurückzuführen ist, daß die Mehrzahl der klerikalen Ab­geordneten, als sie sahen, daß sie in der Minderheit

der sich täuschend naturwahr ein Palmen- und Kätzchen- strauß, in Chenille erhaben gearbeitet, hervorhebt. Es ist wie erster Frühling, als könnte man die bescheidenen Sonnenboten eben abpflücken. Die Künstlerin könnte dem Zimmerschmuck, der Frauenmode neue Anregungen uni Richtlinien geben, und es ist zu hoffen, daß unsere großen Kaufhäuser in ihren künstlerischen Abteilungen, unsere mo­dernen Schöpferinnen einer individuellen Frauenkleidung, unsere Ausstellungen bei Keller u. Reiner, im Hohenzollern- kaufhaus, Bazare wie die von Buffe, Wertheim usw. in Berlin sich diese verheißungsvolle Kraft nicht entgehen lasten. Ihre Winke, ihre technisch und zeichnerisch durchge­bildete und selbständige Kunst könnte auf ganz neue Pfade leiten. Die Gründlichkeit, Gediegenheit, Sauberkeit der Ausführung weisen auf das große Lehrgeschick von Edda Wiese schon hin. Man merkt ihren sorgfältigen Arbeiten an, welche strenge Schulung sie, als Tochter des Bildhauers Prof. M. Wiese, Schöpfers des Neuruppiner Fontane-Denkmals und ehemaligen Direk­tors der Königlichen Zeichenakademie in Hanau, dort genoffen hat. Möchte es ihr beschieden fein, ihre Entwürfe, die von so erlesenem Kunstgeschmack zeugen, durch zahlreiche Schülerinnen in immer weitere Kreise ein­dringen zu lasten und in der Ausschmückung der Woh­nungen, der Ausgestaltung von Gewändern und kleinen Zierstücken der Toilette bildend zu wirken. Sowohl durch ihre Vielseitigkeit, wie durch den wahrhaft künstlerischen Geist, der aus ihren reizvollen Werken spricht, verdient sie, daß wachsende Anerkennung ihr die Möglichkeit immer größerer Kunstbetätigung verschaffe.

Albumblatter.

Am Besten machst du gleich

Dein Ding im Anfang recht:

Nachbesserung macht oft tzalbgulcS völlig schlecht. Rückert.