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Gencral-Anzeiger
Amtliches Grzm für Äsdt- und FMKreis Sinan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. Redakteur: & Schrecker ta Hmu«.
Mk. 53 ^etifhnediaiifdHHf! Nr. 230.
Frcitng den 3. März
Feruft rcchanschltts; Nr. 230 1911
Die heutige NuMer mfaht anher H.NaterhaWrShlttt
14 Seiten
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Im Auftrage des Herrn Negierungspräfidenten zu Castel wird mit Rücksicht auf die Gefahr der weiteren Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche auf Grund des § 64 Absatz 2 der Bundesrats-Instruktion vom 30. Mai 27. Juni 1895 die Abhaltung des auf den 8. ds. Mts. hier anstehenden Diehmarktes untersagt.
Hanau den 2. März 1911. P. 2560
Königliche Polizei-Direktion.
I. A.: v. Ditfurth.
Candkreis Banatu
An die Herren Bürgermeister des Kreises.
Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 19. August 1905, V. 5378 — abgedruckt in Nr. 199 des Kreisblattes für 1905 — ersuche ich die Vorstände derjenigen Viehver- ficherungsvereine, deren Geschäftsjahr am 31. Dezember 1910 abgelaufen ist, aufzufordern, innerhalb 14 Tagen den Jahresbericht für 1910 an mich in 3facher Ausfertigung einzureichen.
Hanau den 1. März 1911. v. 1136
Der Königliche Landrat.
F r h r. L a u r.
Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Feldmäuse, gegen deren Vertilgung im vergangenen Herbst in denkbarer Weise außerordentliche Maßnahmen von den Landwirten des Kreises getroffen waren, noch in erheblicher Zahl vorhanden sind.
Um ein weiteres Ueberhandnehmen dieser Mäuseplage zu verhindern, erscheint ein nochmaliges energisches gemeinsames Vorgehen vor der Frühjahrsaussaat erforderlich.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich nach Anhörung der Gemeindebehörden das Erforderliche alsbald zu veranlaßen und die Grundbesitzer zum gemeinsamen Auslegen von Mäusegift anzuhalten.'
Hanau den 27. Februar 1911. A. 740
Der König!. Landrat.
F r h r. L cru r.
SkiifhMridjteii ans dem Kreise.
Nach Mitteilung des Herrn Polizei-Präsidenten zu Frankfurt a. M. ist im dortigen Schlacht- und Viehhof die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Kunst und Heben. Dom Stadttheater.
Aus Offenbach,«. M. wird uns geschrieben: Wir lesen in der Frankfurter „Kleinen Preße" nachstehende zwei Berichte aus Offenbach a. M.: „Im Jnterimstheater-wurde gestern abend vor fast ausverkauftem Hause der lustige Schwank „Hans Huckebein" gegeben. Direktor Stesfter, dem die Abonnenten einen mächtigen Lorbeerkranz überreichen ließen, spielte den Rußen Boris Mensky mit unwiderstehlicher Komik und versetzte das Publikum in die heiterste Stimmung. Die Mitglieder des Steffterfchen Ensembles erhielten, wie in früheren Jahren, auch heuer wieder hübsche praktische Geschenke. Nach der Geschenküberreichung sagte Direktor Steffter, indem er auf die unhaltbaren, oft gerügten Zustände der hiesigen Bühne anspielte: „Dürste ich noch um ein neues Theater bitten!" Diese Bemerkung' ent- feßelte stürmischen Beifall." — „Gestern hatte Direktor Steffter im Interinmstheater entschieden einen „guten Tag". Die Nachmittagsvorstellung „Das tapfere Schneiderlein", zu der sich die Jugend massenhaft eingefunden hatte, ging flott von statten. Am Jubel der Kleinen konnte man erkennen, daß sie sich ergötzten. Am Abend wurde die „Fledermaus" gegeben. Direktor Steffter tat alles, was in seine Kräften stand, um die Aufführung so glänzend wie nur irgend möglich zu gestalten. Sogar veritablen Champagner gab es im zweiten Akt. In Mia Adam und Otto Wiesinger besitzt das Theater zwei hervorragende Kräfte, die ihre Rollen als Rokolinde und Eisenstein aesanalich wie
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Robert Sommer in Hanau, Inhabers der Firma: „Arnold Gerhardt" in Hanau ist infolge eines von dem Gemeinschuldner gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin auf
den 24. März 1911, vormittags ^»10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 5 — anberaumt.
Der Vergleichsvorschlag ist auf der Gerichtsschreiberei des Konkursgerichts zur Einsicht der Beteiligten nieder- gelegt.
Hanau den 2b. Februar 1911. 5327
Königliches Amtsgericht 5.
Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren in dem Konkurse über das Vermögen des Bauunternehmers August Bonifer in Großauheim wird nach Abhaltung des Schlußtermins und Vollziehung der Schlußverteilung aufgehoben.
Hanau den 24. Februar 1911. 5279g
Königliches Amtsgericht 5.
Gesilndtne und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 silberne Hutnadel.
Verloren: 1 goldene Brille.
Zugelaufen: 1 junger schwarz und weißer langhaariger Hund.
Entlaufen: 1 großer dunkelgrauer deutscher Schäferhund mit dicker buschiger Rute m. Eeschl.; 1 weißer Bullterrier m. Geschl.
Hanau den 3. März 1911.
Parlamentarisches.
mb. Der Postetat in der Budgetkommission. Auf Wunsch des Staatssekretärs des Innern wird die Budgetkommission heute die Beratung des Postetats unterbrechen und zunächst den Etat des Reichsamts des Innern in Angriff nehmen. Am Donnerstag wurde die am Tage vorher abgebrochene Verhandlung über die Ober-Post- und Telegraphen-Assistenten sowie die Vorsteher der Postämter dritter Klaße fortgesetzt. Im vorigen Jahre hatte das Bestreben mehrerer Parteien des Reichstages, das nach der Vereinigung der Klaßen der Post- und der Ober-Postassistenten allgemein auf 3300 Mk. festgesetzte Höchstgehalt auf 3600 Mk. zu bringen, eine Haupttolle gespielt. Der vorgestern verhandelte Antrag Beck (natl.) und Eickhoff (Vp.) will jetzt wenigstens für die Oberpostaßistenten usw., soweit sie vor dem 1. Januar 1900 in den Dienst der Post getreten sind, in Form von persönlichen pensionsfähigen Zulagen von je darstellerisch vorzüglich spielten. Wiesinger erhielt von seinen Verehrern sogar einen vergoldeten Lorbeerkranz.
Ein Hosenrock-Skandal in der Budapester Oper. Aus Budapest wird den „L. N. N." geschriben: Der Hosenrock, den die Damen mit aller Gewalt einführen wollen, erweckt da, wo er sich zeigt, den lebhaftesten Protest. In Budapest versuchte zwei Damen der Gesellschaft, denen man bisher in allen anderen Kostümftagen unbedingt Verständnis und Geschmack zutraute, den Hosenrock einzuführen, sie mußten aber einsehen, daß sie damit kläglich Fiasko machten. Es war in der Oper. Die Ouvertüre war zu Ende gespielt, und der Saal wurde noch einmal hell, um die Zuspätgs- kommenen auf ihre Plätze gehen zu laßen. Die Türe zu dem ersten Parkett öffnete sich und es traten zwei junge Damen in eleganten Hüten und außerordentlich modernen Kleidern herein. Sie wollten sich auf ihren Platz begeben, als plötzlich laut und durchdringend der Ruf ertönte: „Das sind ja Hosen!" Sofort schallte das Theater wieder von Ausrufen: „Wo sind die Hosen? Fort mit den Hosenröcken, wir wollen nicht, daß unsere Frauen die Hosen anhaben."
Ein schallendes Gelächter antwortete auf diese Ausrufe und die berden Damen versuchten ängstlich, durch die herabfallenden Seitenteile, die zu den Hosenröcken gehören, ihre Kostüme zu verbergen, bis der Vorhang aufging. Der Vorhang hob sich auch. Aber die Sänger und Sängerinnen konnten mit Spiel und Gesang nicht beginnen; denn das Gejohle und Gelächter dauerte ununterbrochen fort. Eine Mitschwester wurde sogar handgreiflich, sie nahm die iünaere der beiden Damen, trotz ihres heftiaen Sträubens.
100 Mk. nach dem 15., 18. und 21. Dienstjahr die Grenze von 3600 Mk. wenigstens für diese Beamten erzielen. Dieser Antrag wird besonders vom Zentrum bekämpft und es kommt infolgedessen zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem nationalliberalen Referenten und dem Hauptwortführer des Zentrums, den ersterer an seine vorjährigen Erklärungen erinnert, wo es von Seiten des Zentrums bezüglich der 3600 Mk.-Erenze geheißen habe: Biegen oder brechen. Und jetzt sei das Zentrum gebrochen. Von konservativer Seite wird ein Vermittelungsanttag gestellt, der den Oberpostassistenten usw. eine persönliche Zulage von 300 Mk. drei Jahre nach dem Genuß ihres Höchstgehaltes gewähren will. Die Sozialdemokraten lehnen diese Anträge ab, weil sie überhaupt eine allgemeine Revision der Besoldungsordnung verlangen. Schatzsekrtär Wermuth bekämpft die Anträge mit Entschiedenheit und wendet sich namentlich gegen die Auffaßung, daß man für die Beamten einer Verwaltung aus dem Grunde besser sorgen könne, weil diese Verwaltung Ueberschüße bringe. Die ganze Ee- Haltsreform würde dadurch wieder aufgerollt werden. Seit der Reform von 1909 habe sich in den Verhältnißen der Beamten nichts verändert. Bei der Militärvorlage fei di« Hauptsorge gewesen, ob man die Kosten werde aufbringen können. Er habe erklärt, daß bei äußerster Sparsamkeit die Finanzierung des Etats gelingen werde. Aber dazu brauche man eben auch die Ueberschüße der Postverwaltung. In der Abstimmung wird die Resolution Beck-Eickhoff mit 19 gegen 8 Stimmen abgelehnt; die Minderheit setzt sich zusammen aus Sen Freisinnigen, den Nationalliberalen und dem Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung. Die Resolution der Konservativen (Dr. Dröscher) wird mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen. Beim Titel Post- und Telegraphengehilfinnen sind 354 Stellen mehr angefordert. Auf verschiedene Anfragen und Klagen über die Verringerung der Diäten und des Wohnungsgeldzuschußes, die Verlangsamung des Avancements, die die Folge davon sei, daß im vorigen Jahre keine neuen Stellen geschaffen sind, die Ersetzung von Gehilfinnen durch mittlere Beamte, die nichtentsprechende Regelung des Urlaubs usw. erklärt der Ministerialdirektor: Die Diäten seien nicht geringer, nur die Berechnungsart des Alters eine andere geworden; dadurch kämen die Gehilfinnen freilich etwas später in die höheren Klaßen, der Ausgleich sei aber durch frühere Anstellung gegeben. Richtig sei es, daß der Wohnungsgeldzuschuß geringer geworden sei, man habe die Gehilfinnen den Leutnants gleichgestellt. Die entbehrlich gewordenen Gehilfinnen würden in den Telephondienst übergeführt, das müßten sie sich wie die Männer gefallen laßen. Der Urlaub müße, in Berlin wenigstens, nach dem Lebensalter bemeßen werben. Der Regierungsoerttetr sagt Erwägung des Wunsches nach Anstellung einer Aerzttn bei den Postkrankenkaßen zu. Die Erfahrungen mit dem weiblichen Personal seien aber noch nicht ausreichend, daß man allgemein zu lebenslänglicher Anstellung übergehen könne. Der Ministerialdirektor be«
bei der Hand und zerrte sie in den Gang, damit man sich von dem häßlichen Anblick, den eine Dame in Hofen gewähre, überzeugen solle. Alles stand von den Plätzen auf, und die Operngläser richteten sich scharf und eindringlich auf die beiden Trägerinnen der neuesten Mode. Selbst von der Galerie stürmten die Leute herunter, um die Modeköniginnen, die in diesem Augenblicke mit Königinnen allerdings sehr wenig Aehnlichkeit hatten, zu „bewundern". Die Theaterdiener waren nicht in der Lage, das johlende und lachende Publikum zu zerstreuen und zu beruhigen. Endlich, nachdem der Skandal bereits eine halbe Stunde gedauert hatte, trat der Direktor des Theaters vor den Vorhang und ersuchte die beiden Damen höflichst, aber bestimmt, das Theater zu verlaßen. Er erklärte von der Bühne herab, daß er ihnen sowohl die Auslagen für die Billets, als auch für die Garderobe und die Fahrt an der Kaße angewiesen habe. Es blieb den beiden Hosenträge» rinnen nichts anderes übrig, als dieser Aufforderung nachzukommen. Das Gerücht von dem Theaterftandal, der durchs den Hosenrock entstanden war, hatte sich aber schon bis auf die Straße fortgepflanzt, und eine große Menschenmenge erwartete die beiden Damen, ttotzdem man doch wegen der Mäntel nichts von dem eigentlichen Hosenrocke erspähen konnte. Schließlich mußte sogar die Polizei eingreifen, und zwei Schutzleute brachten die beiden Damen zu dem Wagen, der sie, die ganz erschöpft und verängstigt waren, nach Hause fuhr. Jedenfalls scheint Budapest nicht der Ort zu sein, an dem man mit einer Pariser Neuheit, sofern sie ein Hofenrock ist. durchdringen wird.