Einzelbild herunterladen
 

Zweites Blatt.

Bezn-sprets;

VkerteljährKch 1.80 M„ monatlich M Pfg.. für au«.

Bärtige Abonnenten mit dem betreff. Postausjchla-,

General-Anzeiger

tkinrSLun-egtLSHn

Die ^gespaltene Petitzell« oder der« RatM 80 Pkt

Die einzeln« Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag bet Buchdruckerei bw «rein. e». Waisenhauses in Hanau.

ANtliihk» Organ fit Stubb nab Fanâreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Reklamentell bie Zelle 45 Pi^

Verantwort!. Redakteur: 6. Schreck«» in Kanu».

$1. 40 ^ernsprechatèlnst Nr. 230.

»———————————« ■■■■ !l I

Donnerstag den 16. Februar

Ferttsptechanschlitst Nr. 230 1911

ParlamentaMeS.

mb. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses sttzte am Montag die Beratung des Eisentmhnetats bei Titel 1—3 des OrdinariumS (Beamte und Arbeiter) fort. Der Minister kam nochmals auf den Ersatz von höheren Beamten durch mittlere zurück; die mittleren Techniker sollen einen Anreiz zum Aufsteigen in Stellen für höhere Techniker er­halten. Er nahm zugleich die von Sachverständigen ausge­stellte neue Prüfungsordnung in Schutz gegenüber den tech­nischen Hochschulen, welche dieselbe beanstandet haben. Be­treffs der Arbeiter erklärte er, daß sie bei einem Verkehrs- rückqang nicht entlasten würden und auch sonst ihre Stellung als gesichert betrachten dürfen, sobald nicht etwa ein Dis­ziplinarvergehen oder Leistungsunfähigkeit vorliegt. Der nationalliberale Redner schloß sich den Ausführungen seines fortschrittlichen Kollegen aus der vorigen Sitzung insofern an, als auch er ein etwas reichlicheres Material über die gezahlten Löhne, eine Sicherung der Mitglieder von Arbeiter- ausschüssen und eine Entlassung solcher Arbeiter, die über 10 Jahre beschäftigt sind, nur durch die Direktionen zuzu­lasten wünschte. Ein konservativer Redner wies auf den Zudrang zu den Arbeiterstellen hin, der sich auch aus den mit der Beschäftigung verknüpften Nebenvorteile erkläre und behauptete, an der Fürsorge der Verwaltung für die Arbeiter sei nicht im geringsten zu mäkeln. Der Minister hat um- füssende Feststellungen über die gezahlten Löhne und Ver­gleiche mit den Verhältnissen der Privatindustrie vorge­nommen. Er gibt zu, daß die Lohnfrage in Fluß bleibe; Mitglieder von Ärbeiterausschüsten mürben jetzt nur noch durch Direktionsverfügung entlasten. Ob die Direktion auch über die Entlassung von Arbeitern nach 10jähriger Beschäf­tigung allein entscheiden soll, unterliegt weiterer Erwägung. Was das Zugpersonal anbelangt, so sei vom 1. Oktober 1910 ab sür die Berechnung der Nebenbezüge eine andere Grundlage gewonnen. Man rechne, um die jetzt vorkommen- d«n großen Differenzen zu vermeiden, nicht mehr nach Kilo­meter-Leistungen, sondern nach Stundenleistungen. Um einen allmählichen Ausgleich herbeizuführen, seien Uebergangs- bestimmungen getroffen. Zu den Titeln 7—9, welche die Unterhaltung und Ergänzung der Geräte, der baulichen An­lagen, der Fahrzeuge und der maschinellen Anlagen betreffen, wird von nationalliberaler Seite die Frage gestellt, ob das Achtenölkarlell noch bestehe und wie sich die Verwaltung zu ihm verhalte. Der Minister gibt zu, daß 2 Interessen­gruppen bestehen, die deutsche und die russische, und daß die sich im Jahre 1907 durch eine Abfindungssumme mitein­ander verständigt hätten. Jetzt aber sei das Abkommen in di« Brücke gegangen und babe sich die Konkurrenz erneuert.

Der Schutz der deutschen Sprache.

Von Dr. Franz Lichtenberg.

(Nachdruck verboten.)

„Kaum ein anderes höheres Recht mag es ; geben, als das, kraft welches wir Deutsche sind, | als die uns angeerbte Sprache. Jakob Grimm. ’

Kurze Zeit ist es erst her, da konnte man an vielen Stellen lesen, die Premiere der „Rosenkavalier" habe statt- । gefunden — gleich als ob Rosenkavalier ein undeklinier- j bares Wort wäre und nicht im zweiten Falle des Rosen- i lavaliers lautete. Oder sollten es vielleicht die bewußten, 1 anscheinend unvermeidlichen Gänsefüßchen sein, denen diese sprachliche Verstümmelung zur Last zu legen wäre? Denn ; dieses Redezeichen scheint freilich für viele eine drachen­blutartige Kraft zu besitzen, insofern es die von ihm be­rührten Hauptworte mit der Hornhaut der Undeklinierbar­keit ausrüstet. Also müssen wir denn auch im Schutze besagter Gänsefüßchen von den Luftfahrten des „Norddeutschen Lloyd", der Direktion des „Residenz-Theater" und der Re­daktion des „Wursthausener Tageblatt" hören; allein selbst wenn sie durch ihre Abwesenheit erfreuen, wird über die Witterung des verflossenen Januar berichtet. Diese ohne Fug und Recht verstümmelten Genitive sind wahrhaft Sprachquälereien zu nennen, und sie erinnern uns an die Pferde, denen man einer üblen Mode zulieb die Schwänze stutzt. Was aber dem Genitiv recht ist, das ist dem Dativ billig, und wie jenem sein s, so wird diesem das e geraubt, das bei der starken Deklination sein Erkennungszeichen bildet; dem Haus, dem Mann, dem Glas werden schon jetzt vielfach geradezu als die normalen Formen empfunden und angesehen, so daß ein bekannter, auch auf der Bühne er- . folgreicher deutscher Schriftsteller jüngst kurzweg von dein I überflüssigen Dativ-e als Sprech- und Schreibfehler reden i durfte. Aber, verehrter Schriftsteller, dies e ist nicht über- '

Die Bemerkungen, die er weiterhin über sein vermutliches Verhalten den beiden Gruppen gegenüber machte, sollen dem Protokoll nicht angefügt werden. Die nächste Sitzung findet Mittwoch abend statt und soll der Beratung des Extraordi- nariums gewidmet sein.

Kurzer Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschafts- rats vom 7. Februar bis 13. Februar 1911.

Die überwiegend matte Haltung Amerikas hat weder die argentinischen noch die russischen Ablader nachgiebiger zu stimmen vermocht. Die Abladungen vom La Plata ent­sprachen auch diesmal nicht den Erwartungen, und in Ruß­land leidet die Exporttätigkeit augenblicklich unter starkem Frost, der die Zufuhr behindert und auch in den bisher eis­frei gewesenen nord- und südrussischen Häfen Verkehrsschwie­rigkeiten verursacht. Trotzdem blieb es aber nicht unbeachtet, daß Amerika sich allmählich mit seinen Redwinter-Offerten der Konkurrenz des Weltmarktes anzupassen und damit Deutschland den Absatz nach Frankreich zu erschweren be­ginnt. Jedenfalls stockt das Geschäft nach dieser Richtung, und auch die Mühlen zeigen sich im Hinblick auf den unbe­friedigenden Mehlabsatz ziemlich zurückhaltend im Einkauf. Wenn die Preise trotzdem ihren Stand zu behaupten, stellen­weise sogar noch etwas zu bessern vermochten, so liegt das eben an dem mäßigen Umfang des inländischen Angebots und der Festigkeit der in- und ausländischen Forderungen. Infolgedessen hielten auch im Lieferungsgeschäft Abgeber zurück, so daß die Preislage bei stillem Verkehr keine be­merkenswerte Veränderung erfuhr. Dem gegenüber hat Roggen seinen Preisstand weiter gebessert, da kleinem An­gebot gute Nachfrage seitens des Inlandes als auch seitens, der Küste gegenüber stand und Rußland höhere Forderungen stellte. Im Lieferungsgeschäft lagen täglich Kauf- und Deckungsaufträge vor, vereinzelt erfolgten im Austausch gegen Erwerbungen von russischer Ware Abgaben; die Preise stellten sich zum Schluß um 1% Mark höher als vor acht Tagen. Hafer hatte gleichfalls feste Tendenz bei erhöhten Forderungen der Provinz und besserer Kauflust des Kon­sums; namentlich bessere Qualitäten waren begehrt und er­zielten höhere Preise, aber auch für geringere Ware mußten erhöhte Forderungen bewilligt werden. Im Lieferungsge­schäft wirkte außerdem die Festigkeit Rußlands preisstützend. Für russische Futtergerste macht sich weiter lebhafte Deckungs­nachfrage geltend, so daß man für nahe Ware beträchtliches Aufgeld gegenüber späteren Sichten bewilligt. In Mais bleibt Amerika zu wenig veränderten Preisen Abgeber, während Odessa höhere Forderungen stellte. Das Geschäft darin behielt weiter nur mäßigen Umfang.

flüssig, sondern es dient der Unterscheidbarkeit der Formen und erhöht so die Durchsichtigkeit der Sprache. Freilich wessen sprachliches Ideal nichts als Einfachheit und Kürze der Sprache ist, der muß sich schon ans Englische halten, wo alle Flexion traurig verkümmert ist, und wer weiß! wenn wirs mit unserer Muttersprache so weiter treiben, so sind wir vielleicht auch bald so weit, daß wir das Glas, des Elas, dem Elas und in der Mehrzahl die Elas, der Elas, den Elas deklinieren — worauftdann die anglomane Ham­burgerin aus Fontanes Frau Jenny Treidel voller Befrie­digung ihre Schwester versichern könnte: „Quite English, Helen!"

Wir haben eine Heimatschutzbewegung, und sie ist ver­dienstlich; aber ganz ebenso not tut uns eine Sprachschutz­bewegung. Ja, ich meine fast, daß beide zueinander ge­hören, daß sie einander ergänzen und stützen müßten: bilden doch die Heimatserde und die Muttersprache das höchste physische und das höchste geistige Besitztum, das wir von unseren Vorfahren ererbt haben! Allein viele, die ein Auge dafür haben, wie traurig unser schönes Vaterland durch Unverstand und Leichtfertigkeit entstellt ist, sehen oder wür­digen die Gefahr nicht, die unserer edlen Sprache dadurch droht, daß ein immer weiter sich verbreitender Aussatz von Mißbräuchen und Häßlichkeiten ihre Gesundheit zu gefähr­den, ihre Schönheit zu zerstören droht. Wohl haben wackere Freunde und Kenner der deutschen Sprache, wie Wustmann, Keller, Weise, wohl hat der Deutsche Sprachverein so man­ches getan, dem Unwesen zu steuern und die Gewissen zu wecken, aber noch immer ist es doch eine bescheidene Minder­zahl, die voll begreift, daß der Reichtum, die Beweglichkeit und die Feinheit des Geisteslebens eines Volkes in un­mittelbarer Abhängigkeit von Reichtum, von der Beweg­lichkeit und Feinheit seiner Sprache stehen. Liegt doch die Zeit erst etwa zwei Jahrhunderte hinter uns, da ein Leibniz noch die deutsche Sprache für unfähig zum Ausdrucke seiner Gedanken erklären und sich fremder Zungen dazu bedienen

Es stellten sich die Setreibepreife am letzten Markttag in Mark pro 1000 Klg. je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist, wie folgt:

Weizen

Roggen

Hafer

Königsberg

203 (-4-3 ) 1461>(4-21/s)160 (4-4 )

Danzig

204 (— )

148 (—

) 155 (- )

(Stettin

195 (- )

147 (4-1

) 150 (- )

Posen

194 (- )

143 (4-1

) 152 (- )

Breslau

193 (- )

144 (—

) 152 (4-9 )

Berlin

198 (- )

151 (-

) 175 (+2 )

Magdebu.z

198 (—1 st

148 (—

)172 (+1 )

Halle

198 (4-1 j

152 (4-2

) 170 (- )

Leipzig

197 (4-1 )

152 (4-1

) 168 (- )

Dresden

198 (— )

150 (—

) 165 (4-1 )

Braunschweig

195 (—1 )

151 (—

) 173 (- )

Rostock

191 (-1 )

143 (—2

) 154 (- )

Kiel

198 (- )

149 (41

170 (4*5 )

Hamburg

201 (- )

155 (—

)175 (- )

Hannover

198 (+1 )

154 (+1

) 172 (- )

Düsseldorf

197 (— )

154 (4-2

) 153 (4-2 )

Frankfurt a. M. 201*/,(— 21/»)

162I/»(+l1

/») 165 (— )

Mannheim

212V»(—21/s)

162‘/»( —

) 1661/s(4-l*/i)

Straßburg

207=M - )

le?1^—

) 170 (— )

Stuttgart

217 Vif— )

1671 /if—

) 170 (4-21/»)

München

224 (—1 )

174 (-2

) 178 (4-6 )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 204.50 (—0.25), Budapest April 196.25 (4-1.55), Paris Februar 219.65 (—2.45), Liverpool März 158.70 (—0.45), Chicago Mai 143.50 (—4.70); Roggen: Serien Mai 159.75 (4*1.75); Hafer: Berlin Mai 156.75 (4*0.75) Mark.

Muster-Register.

(Eintragungen bei Königl. Amtsgericht, Abt. 5, in Hanau.)

Nr. 1615. Firma Peter Oberländer in Hanau, 6 Modelle, verschlossen, für plastische Erzeugniffe, Fabrik- nummern 599, 600, 647, 648, 649, 650, Schutzfrist 3 Jahre, angemeldet am 19. Januar 1911, vormittags 10 Uhr 15 Minuten.

Nr. 1616. Firma Ludwig NeresheimerL Co. in Hanau, 5 Modelle, verschlossen, für plastffche Erzeugniffe, Fabriknummern 10907, 10908, 10911, 10912, 10913, Schutzfrist 3 Jahre, angemeldet am 25. Januar 1911, vor­mittags 11 Uhr.

Nr. 1617. Firma Gebrüder Glaser in Hanau, 10 Modelle, verschlossen, für plastische Erzeugnisse, Fabriknum- mern 4026, 4027, 4028, 4029, 4030, 4031, 4032, 4039, 4040, 4041, Schutzfrist 3 Jahre, angemeldet am 26. Januar 1911, vormittags 9 Uhr 50 Minuten.

mußte! Wenn seitdem die deutsche Sprache dem dazumal herrschenden Französisch ebenbürtig geworden ist, ja in mancher Hinsicht es überflügelt hat, so stehen wir jetzt im Begriffe, eines der mächtigsten Werkzeuge der deutschen Weltkultur aus der Hand zu geben, wenn wir unsere Sprache schlapp und rostig werden lassen. Wenn man uns auf den Wettbewerb mit dem Englischen hinweist, so antworten wir, daß wir in diesem Wettbewerbe nicht durch Annäherung an die sprachliche Dürftigkeit des Englischen, sondern allein durch den überlegenen Reichtum des Deutschen uns behaup­ten können; auch die Weltsprache des Altertums, das Grie­chische, war eine reiche und eine schwere Sprache — reicher und schwerer noch, als Deutsch.

Wie weit selbst Wohlmeinende noch Dom retten Ver­ständnisse der Aufgaben der Sprachschutzbewegung entfernt sind, dafür diene uns eine Auslassung in der jüngsten Nummer einer unserer angesehensten naturwissenschaftlichen Zeitschriften als Beispiel. Dort ergreift ein Freund der deutschen Sprache das Wort, um feinen naturwissenschaft­lichen Fachgenossen Wustmanns bekanntes Buch zu empfeh­len. Aber sehr charakteristisch macht er die Einschränkung, eine naturwissenschaftliche Begründung für das Gute und Richtige dürfe man bei Wustmann nicht suchen. Nein, sicher nicht; was würde auch unser naturwissenschaftlicher Sprach­freund dazu sagen, wenn man von ihm fordern wollte, er solle eine chemische Verbindung grammatisch erklären? Sprachliche Dinge kann man eben nur dann wirklich er­fassen, wenn man sich ganz bewußt ist, daß es ein eigenes sprachliches Denken gibt, so gut wie ein naturwissenschafr- liches, ein philosophisches oder ein künstlerisches. Weiter wird Wustmann auch darum getadelt, daß er die Form „am Donnerstag den 23. Februar", statt „am Donnerstag dem 23. Februar" mit Heftigkeit verwirft, und es wird vor­geschlagen, jene „jetzt übliche und darum nicht mehr an­stößige" Redeweise einfach in eine neue Regel zu fassen. Aber bas ist eine arge und bezeichnende sprachliche Entglei-