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Notationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
AuMcs GrgM für Stabt nab AMreis Sanaa
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn* und Feiertags, mit belletristischer Beilage, verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker te Hana»,
Ms. 33 itmifvredirtttfdHitfs Nr. 230
Mittwoch neu 8. Fclirnar
^•ernh’redinnfdiluf; Nr. 230 1911
Amtliches.
Ungültigkeitserklärung.
Der auf den Namen des Musikers Karl Gebhardt zu Wörsbach, Rheinpfalz, unterm 26. Nov. v. J. für das Kalenderjahr 1911 für einzelne Monate zum Musizieren ausgestellte Wandergewerbeschein Nr. 4094 ist angeblich verloren. Er wird hierdurch mit dem Bemerken für ungültig erklärt, daß Gebhardt einen Ersatz-Wandergewerbeschein erhalten hat. 3301
Cassel den 1. Februar 1911.
Königliche Negierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten A. CG 590 J. A.: v. Kotze.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung
Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre bestehenden Mitteldeutschen' Arbeitsnachweisverbandes, der das Großh. Hessen, die Provinz Hessen-Nassau, das Fürstentum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Maße von den Interessentenkreisen, besonders der Landwirtschaft und des Handwerks» in Anspruch rmommen und erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Land- wirt^chaftskammern, immermehr des Vertrauens der Interessenten. Insonderheit ist es, wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise beweise gelungen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organisieren und den besonderen Bedürfnissen des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Während im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wurden, wuchs die Zahl im Jahre 1909/10 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Der- bandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zuriickzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Großstädten auf die Kleinstädte übergeht.
Um den verschiedenartigsten Bedürfnissen in den verschiedenen Teilen des Verbandsgebietes besser gerecht werden zu können, wurden fast in allen Kreisen Arbeitsnachweise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benützung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der heimischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei
StatMeater in Hanau.
„Romeo und Julia."
Traneripiel in 5 Akten von Will. Shakespeare.
Dolle drei Jahrhunderte sind vergangen, seit Shakespeare's LiebeSlragödie „Romeo und Iulia" die Herzen der Menschen erhoben und ergriffen hat. Doch mit unvermindertem Jugend- glanz leuchten Handlung und Gestalten dieser poetischen Verklärung junger Liebesleidenschast in unsere Welt herein und wirken, als ob sie gestern gedichtet wären. Durch Shakespeare's Drama ist die rührende italienische Geschichte Eigentum der ganzen Welt und der poetische Spiegel eines Schicksals geworden, in dem alle Wonnen und alles Weh der Liebe verbunden sind. Der Dichter lernte die Geschichte der Liebenden von Verona, die dem Haß ihrer Familien zum Trotz sich in leidenschaftlicher aber reiner Glnt insgeheim vermählen und danach dem Verhängnis zum Opfer sallen, das ihnen auS der eigenen ungestümen Ausschließlichkeit ihrer Liebe und der bedrängten Lage zwischen der uralten und im Beginn der Tragödie wieder aufgeloderten Feindschaft der edlen Häuser Montagne und Capulei erwächst, aus einer iialienischen Novelle kennen. Ohne etwas Wesentliches an der ursprünglichen Ueberlieferung zu verändern, gelang eS einem dramatischen Genie, alle dramatischen in der Erzählung rmhaltenen Keune hervor und zu einer Blüte zu treiben, deren Dust fort unb fort den Hörer deS Trauerspiels gleichmäßig entzückt. Jede Szene des DrainaS führt in eine Welt hinein, in der die Menschen rasch leben und mit vermessenem Trotz ihren Neigungen und Abneigungen folgen. Aber io meisterhaft sie im einzelnen gezeichnet sind, so deutllich wir den prunklustigen Haustyrannen, den alten Capulet, den wilden Tybalt, die leidenschaftliche Mutter vor unS sehen, sie gehen gleichsam unter in der Teilnahme, die die Gestalten wie das Geschick der beiden Liebenden erwecken. Als eine ganz vorzüglich einheitlich durchgeiührle Leistung können wir die „Julia" deS Frl. A r e n s bezeichnen. Die
dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städtischen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.
Bei der großen Bedeutung einer geordneten Arbeitsvermittlung für die'Stetigkeit der gesamten Produktionsver- Hältnisse, ist es notwendig, daß alle Interessenten am Arbeitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Organes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.
Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeitskräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermittelungsstelle — Langstraße 41 — bedienen zu wollen.
Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz- und Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinnen, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Eastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern entgegennimmt.
Die Vermittelung erfolgt kostenfrei.
Hanau den 14. Oktober 1910. 1657
Der Magistrat.
______Hild. _____
Ersatzwahl zur Handelskammer.
Gemäß § 17 des Gesetzes betr. die Errichtung von Handelskammern vom 24. Februar 1870/19. August 1897 soll, laut Plenarbeschluß der Handelskammer vom 1. Februar d. Js., für das am 4. November v. Js. verstorbene Mitglied Herrn Heinrich Heraeus noch im Laufe des Februar eine Ersatzwahl zur Handelskammer stattsinden, unter Zugrundelegung der bei der letzten Ergänzungswahl jestgestellten Liste der Wahlberechtigten.
Zur Vornahme dieser Wahl lade ich die wahlberech- tigten Firmen und Firmenvertreter auf
Mittwoch den 15. Februar ct„ 10 Uhr vormittags, in den unteren Rathaussaal (parterre, links).
Die Wahlstimme abgebenden Prokuristen haben sich durch schriftliche Vertretungsvollmacht ihrer Firma zu legitimieren.
Die Wahlhandlung wird 2 Stunden dauern.
Hanau den 8. Februar 1911.
Der Wahlkommissar.
Canthal, Kommerzienrat.
DicMiichrichleil ans dem Kreise.
Nach Mitteilung des Herrn Polizeipräsidenten in Frankfurt a. M. ist in dem Schlacht- und Viehhof dortselbst die Maul- und Klauenseuche fcstgestellt worden.
Hanau den 7. Februar 1911. V 693
j junge Darstellerin übte durch die Großzügigkeit ihres Spiels, die Wärme und Echtheit ihrer Empfindung unb die Intelligenz ihrer Auffassung auf das Gemüt des HârerS eine im Sinne der Dichtung geradezu überwältigende Wirkung aus. Sie blieb durchweg in wohlberechneter und recht gelungener Weise darauf bedacht, durch mögliche Einfachheit des Tones und der Geste ihre gegebene Figur bis in die kleinsten Details mit trefflicher Natürlichkeit auf die Bühne zu stellen. Das kindlich unbewußte Gebahren in der Balkon-Szene und die maßvolle Abtönung der mannigfachen Gcsübls» empfindungen in diesem Austritt zeugten von tiefem, eindringlichem Studium der talentierten Schauspielerin, die zweifellos bei weiterem ernsthaften Streben noch recht hübsch« Erfolge in ihrer schönen Kunst ernten dürfte. Für ein dargereichtes hübsches Blumenarrangement konnte sich Frl. Arens dankend verneigen. Herr Hell als „Romeo" vermied mit reiflicher Ueberlegung jegliche gekünstelte Effekihaicherei, die die unbedingte Natürlichkeit seiner Figur beeinflussen konnte. Er sprach den heißglühenden Liebeswerber eindrucksvoll und packend. Den „Merculio" zcichneie Herr Freytag nach Gebühr sicher und kraftvoll, den „Capulet" entwarf Herr Kliewer in gelungener Charakieristik. Gut gefiel uns die „Amme" des Frl. N a t h n s i u 8. Sie verschmähte verständnisvoll bei ihrer oft heiklen Partie starke Farben auf* zutragen und befleißigte sich einer sehr wohltuenden Schlichtheit. Gesungenes und humorvolles Spiel wußte Herr Schneider feinem schläfrigen „Peter" zu verleihen, sympathische glaubhafte Wiedergabe Herr Mothes seinem biederen, jovialen „Lorenzo". Wirksam erstand in Herrn G rund in aNN der energische, gebieterische „Prinz von Verona" ; roobigelungen in Herrn Carl Albert Wagner der racbebrütenbe, grollende „Tybalt". Erwähnenswert erscheinen uns noch Herr W a l l b r ü ck (Benolio) und Frl. Hammer (Gräfin Capulet), die beide hübsche schauspielerische Leistungen boten. Die verständnisvolle Regie deS Herrn M o t h c S kam dem herrlichen Meisterwerke
I Shakespeares bestens zu statten. L. 8.
Verdingung.
Die Herstellung der Zentralheizungsanlage für die 6-klassige Volksschule zu Rückingen soll in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
Zeichnung und Programm können, so lange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten von 1 Dü, durch den Unterzeichneten bezogen werden.
Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Hanau den 6. Februar 1911. 33U5
Stübing, Kreisbaumeister.
politische Runâschaa.
Der jüngste Kaisersohn, Prinz Joachim, wird, wie die „Doss. Ztg." meldet, am Donnerstag als Leutnant in das 1. Garderegiment zu Fuß zum aktiven Dienst einge* stellt werden.
Der deutsche Kronprinz in Indien. Wie aus Kalkutta gemeldet wird, hat der deutsche Kronprinz den Ausflug nach Darjeeling aufgegeben, da das Wetter dort als trügerisch angesehen wird.
Wahlrechtsdebatten im Braunschweiger Landtag. Die Braunschweigische Landesversammlung begann am Dienstag die Beratung der Kommissionsvorschläge, betreffend eine Abänderung des Wahlrechts zum braunschweigischen Landtage. Die Debatte war zeitweise sehr erregt. Die ländlichen Abgeordneten waren im allgemeinen gegen jede Wahlrechtsreform, besonders gegen die geheime Wahl. Der braunschweigische Staatsminister sprach sich im Namen des Ministeriums dahin aus, daß er eine Wahlreform auf der Grundlage der Kommissionsvor- schläge für durchaus notwendig und wünschenswert erachte.
Die Zweite holländisch« Kammer im Haag überwies den Küstenverteidigungsentwurf ohne Debatte den Kommissionen, deren Sitzungen am Mittwoch beginnen.
Die Pest in China. Die Lage in dem von der Pest ergriffenen Teil der Mandschurei zeigt wenig Veränderung. Im ganzen find bis jetzt 7000 Personen an der Pest gestorben, insbesondere in der Chinesenstadt von Charbin. Der Mangel an Geld zur Bekämpfung der Pest macht sich empfindlich bemerkbar. Unterstützungen von außen könnten die Not mildern. Es sind bis jetzt 3800 Leichen verbrannt worden. Weitere Tausend harren noch der Verbrennung. Es fehlt jedoch an Brennmaterial.
Sprachest des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
Zwelgverein Hanau.
Bobsleigh oder Bobsleigh?
Unzähligem»! findet man in deutschen Blättern bh Schreibung Bobsleigh, wenn von dem bekannten Säumet* oder Lenkschlitten die Rede ist. Selbst eine Königliche Regierung hat eine Polizeiverordnnng erlassen, in bet das Wort, das mehrmals vorkommt, stetS s o — falsch — geschrieben ist. Falsch, denn es muß Bobsleigh heißen. Und warum? weil daS Wort nicht auS bobs und leigh zusammengesetzt ist, sondern aus bob und sleigh; dieses englische Wort sleigh bedeutet Schlitten und hob hin und her bewegen. Wie die „Dresdener Nachrichten" einmal mit* teilten, erklärt sich diese Bezeichnung auS der Bauart dieser Schlitten, Ursprünglich bedeutet nämlich daS Wort einen kanadischen Holzschlitten der gleichen Art, wie sie bei unS für Langholz Verwendung findet. Zwei kleinere Schlitten sind so aneinander gekoppelt, daß der vordere Drehungen aus'ühren kann wie daS Dordergestell eines WagenS. Dadurch wird eine gute Lenkbarkeit erreicht. Diese altbewährte Bauart wurde nun auf eiaeu Sportidilitten übertragen. Auch er besteht ans zwei kleineren Schluten, von denen der vorder« durch eine Steuerung hin und her bewegt werden kann. Nichts wäre also natürlicher, als wenn wir diese Fahrzeuge Baumelschlitlcn oder Pendrlschlitten oder Stellschlitten oder Lenkschlitten nennten. Auch gegen BobschliNen oder die Abkürzung Bob wäre kaum etwa« kinznwknden. Das englische sleigh aber, das der niederländischen Form siede entspricht, haben wir im Deutschen wahrhaftig nicht nötig. Wer's aber um deS Himmels willen nicht entbehren zu können meint, der sollte wenigstens zeigen, daß er auch fein Englisch versteht und nicht Bobsleigh schreiben, sondern Bobsleigh.