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Die Sgefvaktene Detitzeil« oder der« Rama 80 P^

Gtneral-Aozeigtl

Fotattonsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Kwil'chts ®r$M fit ÄM> nni fanbkms ganan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im ReklamentrU 6te Zeile 45 Pfg.

verantwort!. Redakteur: S. Schrecker tu Hana»

Nr. 29

-Ver»»sprechaitschltts; Nr. 230.

Freitag den 3. Februar

fternh’rcdiaiiidHuB Nr. 230

1911

Amtliches.

Stadtkreis Han au.

Mit Rücksicht auf die Gefahr der weiteren Ausbreitung der Maul- und Klauensenche wird hiermit auf Grund des § 64 Abs. 2 der Vundesrats-Jnstrâion vom 30. Mai/27. Jimi 1895 die Abhaltung des auf den 15. ds. Mts. hier an­stehenden Biehmarltes untersagt.

Hanau den 2. Februar 1911. P. 1348

Königliche Polizeidirektion.

Frhr. Laur.

Stehen geblieben im Stadttheater am 28. Januar 1911: 1 Sauciere; abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 3. Februar 1911.

Gefundene und verlorene Geaenstände rc.

Gefunden: 1 Herren-Regenschirm mit schwarzem, ge­bogenem Griff, 1 grauer mit Silber durchwirkter Damen- gürtel, 1 graues Damentäschchen mit 2 Schlüsseln.

Verloren: 1 schwarzseidener Pompadour mit Brille, Hausschlüssel, Rockhalter und weißem Taschentuch, gezeichnet 8. B.

Liegengebl ieben im Laden Hammerstraße 13 (bei Joost-Heilmann): 1 Damenportemonnaie mit 6 Mk. und 1 gelber Spitzenkragen; Empfangnahme daselbst.

Entlaufen: 1 schwarzer Rehpinscher mit vernickeltem Halsband.

Hanau den 3. Februar 1911.

Politische Rundschau.

Dem Reichsverband der Deutschen Presse ist folgendes Schreiben des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg zu­gegangen : Berlin den 29. Januar 1911. Von der mir durch das gefällige Schreiben vom 9. Dezember 1910 mitgeteilten Gründung des Reichsverbandes der Deutschen Presse habe ich mit Interesse Kenntnis genommen. Da der Verband aus dem Zusammenwirken der beiden größten bisher schon bestehenden Organisationen, des Verbandes Deutscher Journalisten- und Schriftsteller-Vereine und des Bundes Deutscher Redakteure hervorgegangen ist, scheint mir eine wesentliche Unterlage dafür zu sein, daß sich der Reichsverband zu einer die Gesamtheit der deutschen Preffe umfassende Organisation auswächst. Bei der außerordentlichen Entwicklung des deutschen Zeitungs­wesens ist es von hohem Wert, daß die deutsche Preffe für sich selbst eine Organisation schafft, die für ihre An­gehörigen sowohl auf dem Gebiete der Standesvertretung,

Stadlldcatn in Hanan.

»Hedda Gabler-

Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen.

Es erscheint wohl nicht zu viel gesagt, wenn man be­hauptet, daß heute Henrik Ibsen, deffen Ruf als Dramatiker weit über die Grenzen seines Vaterlandes Norwegen hin­ausreicht, ebenso als der moderne Klassiker der gegenwärti­gen Literatur, wie auch als der Vater des neuen deutschen Dramas wegen seiner unerreicht meisterhaften intimen Seelenschilderungen betrachtet wird. So zeugt das Schau­spiel „Hedda Gabler" von einem tiefen Eindringen Ibsens in den Entwickelungsgang psychisch grundverschiedener Menschentypen, wie überhaupt die gewaltige Handlung in solch spannender, erschütternder Art ihre tragische Höhe er­reicht, die ohne jede unnatürliche Theatralik unmittelbar aus den Konflikten des vom Dichter gestellten Problems so ganz selbstverständlich herauswächst, daß man stets seine Technik bewundern muß, mit der der Meister durch einfache Mittel gewaltige Katastrophen herbeizuführen versteht. Das spezifisch Nordische in Ibsen, das uns Fremde in ihm, sein heimatlicher Hintergrund, ist seine Art Mystik. Man er­blickt in ihm gewissermaßen einen Ouell der Freude, der Forschung, der Unruhe für alle Zeiten, einen Dichter, in dem alle Völker und Epochen immer noch etwas Neues und ge­rade ihnen gemäßes suchen und finden werden. So verlangt auch Ibsen, wie kein anderer moderner Dramatiker, daß der Schauspieler von der Fläche der Erscheinungen auf den Grund, von der zufälligen Wirklichkeit in die immanente Wahrheit, in das verborgene Wesen der Dinge dringe. Wenden wir uns der gestrigen Darstellung zu. „Hedda Gab­ler", jene unglückliche, verwöhnte Weltdame, die aus ange­borener Feigheit und Angst fortwährend das gefährliche Spiel der Selbstverleugnung wagt, lag in den Händen . unserer bewährten, vielseitigen Darstellerin Frl. Ballin. ; Die Künstlerin wurde ihrer schwierigen Aufgabe voll und ganz gerecht, verstand den mannigfach wechselnden Stim-

wie der wirtschaftlichen Fürsorge eine angemessene Wahr­nehmung ihrer Jntereffen gewährleistet. Diesen Be­strebungen des Verbandes begegne ich mit lebhafter Sympathie und bin gern bereit, sie — soweit sich mir hierzu Gelegenheit bietet — auch meinerseits zu fördern, v. Bethmann Hollweg.

Weitere »Politische Rundschau­in der Beilage.

Hus Hanau Stadt und fand.

Hana«, 3. Februar.

Wnllije Sitzung her Stahtverortzneten-Versnlnlnlnng

vom 2. Februar 1911.

Anwesend die Herren: Vorsteher Justizrat Uth, Bernges, Beyer, Birkner, Brüning, Daßbach, Döring, Fischer, Förster, Franz, Hoch, Dr. Hoffmann, Hansen, Kämmerer, Kehl, Koburger, Dr. Küch, Lotzberger, Müller, Ohl, Sommer, Schwabe, Spatz, Stübing, Schroeter, Voltz, Dr. Wagner, Wolff, Wild und Baurat Wohlfarth.

Vom Magistrat: Oberbürgermeister Dr. Cebeschus und Bürgermeister Hild.

Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vor­sitzende mit, daß Stadtv. Salomon, der mehrere Jahre mit anerkennenswertem Eifer und großer Pflichttreue an den Arbeiten des Stadtverordnetenkollegiums mitgewirkt habe, mit dem 1. Februar feinen dauernden Wohnsitz nach Frankfurt verlegt hat.

Hierauf wird die Weiterberatung des Haushalts­planes „Ordentlich« bei dem Titel „Feuerlöschwesen« fortgesetzt. — Bei Position 10 des Titels VII, ärztliche Ueberwachung der Schulkinder betr., wünscht Stadtv. Dr. Wagner, daß den Eltern derjenigen Kinder, die vom Schularzt bei der ärztlichen Untersuchung als krank befunden werden, in geeigneter Weise schriftlich hiervon Mitteilung gemacht wird, da die erkrankten Kinder das Ergebnis der erfolgten Untersuchung vielfach ihren Eltern vorenthielten. — Bürgermeister Hild erwidert, daß vor der ärztlichen Untersuchung die Eltern benachrichtigt würden dieser beizuwohnen. Meistens komme auch die Mutter oder ein sonstiges Glied der Familie dieser Aufforderung nach, in den Fällen, wo dieses nicht geschehe, werde das Re­sultat der Untersuchung den Eltern der erkrankten Kinder entweder durch die Kinder selbst oder die Schule über­mittelt. Er werde in Zukunft aber den Vorschlag Dr. Wagners, die Eltern schriftlich zu benachrichtigen, emp­fehlen. — Weiter beantragt Dr. Wagner bei Position 11 desselben Titels „Fürsorge für die schulentlaffene Jugend«, den hierfür eingestellten Betrag von 1200 Mk. zu streichen. Er bemerkt, daß es sich hierbei um eine mungen einen einheitlichen Untergrund zu geben, sozusagen als Rückgrat des Ganzen eine starke, anteilwerte, wiewohl zeitweilig gebundene Persönlichkeit vortrefflich zu zeichnen. Mit abgewägtem künstlerischem Gefühl fand sie den zwischen zwei gegensätzlichen Empfindungen zum Mit­gehen zwingenden Ucbergang wahr und überzeugend. Für den planlosen, zerstörten „Lörburg" zeigte Herr Freytag eine recht gute Auffassung, auch gelang dem Darsteller, seinem ganzen Wesen und Auftreten einen für die Partie zum Vorteil gereichenden echt charakteristischen Zug zu ver­leihen. Abgesehen von einer gewiffen Unruhe, mit der Herr Reichardt sichtlich behaftet war, berührte uns die natür­liche Wiedergabe, die der junge Künstler der Partie des gutmütigen sorgsamen „Tesman" angedeihen ließ, sehr sym­pathisch. „Frau Elvstedt", die durch die sie umgebende ange­kränkelte gesellschaftliche Atmosphäre auf einen eigenen un­glücklichen Lebenspfad gelangte, stellte Frl. Rubens auf die Bühne und können wir ihre Darstellungskunst, die von gutem Verständnis und Besonnenheit zeugte, besonders an­erkennenswert einschätzen. Mit der Wiedergabe des fana­tischen Strebers „Cerichtsrat Brack" durch Herrn Carl Albert Wagner konnten wir uns weniger befreunden. Nicht nur, daß wir für diesen Salonmenschen ein angemesseneres, bestimmteres Auftreten gewünscht hätten, verlor sich Herr Wagner in eine gezoiffe monotone Redeweise, die der ge­schaffenen Figur jegliche Farbe und Kraft nahm. Frl. Hammer wußte für die hingebende Weichheit der „Juli­ane Tesman" die rechten Töne zu finden, wie auch die alte, ehrliche „Berta" durch Frl. Ahrens eine entsprechende lebenswahre Verkörperung empfing. Ein ganz besonderes Lob gebührt schließlich noch Herrn Regisseur Freytag, der für eine äußerst verständnisvolle Inszenierung dieses bedeutenden Werkes Sorge trug. L. 8.

»Die Fledermaus-

Operette in 3 Akten von Johann Strauß.

Das ausoerkaufte Theater am Mittwoch abend gab spre- s chenden Beweis für die m. erlahmende Zugkraft der neuein­studiert zur Aufführung gekommenenen Operette »Die 6

Maßnahme von rein politischem Charakter handle, die nur darauf gerichtet sei, die Arbeiterjugend-Bewegung soviel wie möglich zu unterdrücken. Von dem Betrag würden 600 Mk. an die Turngemeinde (hierfür bietet der Verein der schulentlassenen Jugend Gelegen, heit zur Betätigung des Turnsports), abgegeben, da sich aber nur noch 4 junge Leute an dem Turnen be­teiligten, bedeute die Ilcberweisung eines solch hohen Be­trages weiter nichts als eine Unterstützung der Turnge- meinde. Der Antragsteller hält es auch nicht für angebracht, daß die Lehrer an der Fortbildungsschule für die Jugend­fürsorge agitieren. Die Schüler machten von dieser Auf­forderung ihren Eltern Mitteilung, welche, da die Einrich­tung nur darauf abziele, die Schüler der Arbeiterjugend- bewegung zu entziehen, somit den Jntereffen der Arbeiter­schaft widerspreche, ihre Kinder aufforderten, dem an sie ge­stellten Ansinnen nicht stattzugeben. Auf solche Weise entständen dann die Klagen über das Betragen der Schüler. — Bürgermeister Hild erwidert, daß bei einer solch ge­ringen Beteiligung von Turnschülern nicht der ganze Be­trag an die Turngemeinde gezahlt würde, ein dahingehender Beschluß solle gefaßt werden. — Stadtv. Fischer erwidert dem Stadtv. Dr. Wagner, daß die Gründe der Klagen über das Betragen der Fortbildungsschule: nicht in der Agitation der Lehrer für die Jugendfürsorge, sondern auf ganz andern Gebieten zu suchen seien, man muffe hier nicht nur~ die Schüler, sondern auch die Lehrer hören. Im übrigen könne er die Einstellung eines Betrages für derartige Zwecke nur begrüßen. — Die Abstimmung über den Antrag Wagner ergab Ablehnung desselben. — Beim Titel „Stadt­theater" bringt Stadtv. Dr. W a g n e r die Entlastung eines früheren Bediensteten, der 38 Jahre an dem Theater als Diener beschäftigt war, zur Sprache. Für diesen Mann, der nach Verbrauch seiner Kräfte jetzt seinen Angehörigen zur Last falle, müsse irgend etwas getan werden. Von der Stellung eines Antrages wolle er für heute absehen, da der Fall zu spät zu seiner Kenntnis gelangt sei. Der Haus­haltsplan „Ordentlich" wird hierauf genehmigt.

Bei dem folgenden Punkt der Tagesordnung Haushalts­plan „Außerordentlich" wurde von sozialdemokratischer Seite angefragt, ob es wahr sei, daß die Besitzer von Häusern der alten Straßen in Kestelstadt zu den Kanalanschlußge­bühren herangezogen würden. Dies wurde vom Oberbürger­meister verneint. Der Haushaltsplan, der in Einnahme und Ausgabe mit 2 843 350 Mk. abschlietzt, wurde hieraus ge­nehmigt.

Ausbau der verlängerten Körner st raße.

Der Bauunternehmer Hack hat an der verlängerten Kornerstraße, d. h. an dem zwischen der Fallbachstratze und dem Fallbach belegenen Straßenstück Baugelände liegen, das

Fledermaus", die bekanntlich eine Fülle lieblicher Melodien bietet, während der Librettist, der sich an das Benedixsch« Lustspiel „Das Gefängnis" gehalten hat, ebenfalls eine recht schmackhafte Speise zubereitet hat. Herr Direktor Stesf- t e r hatte die Operette selbst in Szene gesetzt und für eine feenhafte Ausstattung im 2. Akte Sorge getragen. Weiter hatte er noch dem früheren Mitglieds unseres Stadttheaters, Herrn Hans Süssenguth, vom Stadttheater in Bonn, Gelegenheit geboten, sich in der dankbaren Partie des „Eisenstein" hier noch einmal vor dem Antritt seines Neuengagements in Breslau dem Publikum zu zeigen und sich sozusagen zu verabschieden. Daß es der East verstanden hat, während seines hiesigen Engagements die Gunst des Theatcrpublikums zu erobern, zeigte am besten der ihm be­reitete enthusiastische Empfang bei seinem Erscheinen auf der Bühne, wie auch die Darreichung kostbarer Blumen­spenden. lleberhaupt waren die Besucher der Vorstellung recht beifallsfreudig gestimmt, und wohl auch mit Recht, denn es wurde eine Aufführung vermittelt, die selbst weit­gehende Ansprüche zu befriedigen vermochte. Herr SÄs­se n gu t h führte seine Partie gesanglich und darstellerisch recht gut durch, ebenso Herr Wiesinger als „Gesang­lehrer Alfred", dem eine Kranzspende riesigen Umfanges überreicht wurde. Der Gerichtsdiener „Frosch" gab Herrn Schneider Gelegenheit, seinem Gestaltungsvermögen für komische Partien die Zügel schießen zu lassen. Als „Dr. Franck" war auch Herr Hell gut am Platze, während Herr Mothes als Gefängnisdirektor Franck stark zu kämpfen hatte, um über mancherlei Schwierigkeiten hinwegzukom­men. Die hervortretenden Damenrollen waren in bekannt vorzüglicher Weise besetzt. Die „Adele" sang und spielte Frl. Harves vorzüglich, ebenso Frl. Mia Adam die „Rosa, linde". Auch hier zeigten sich hübsche Blumenspenden für anerkennenswerte Leistungen. Weiter waren noch beschäf­tigt in hervortretender Weise Frau Lieschen Schneider- Sieg, Frl. Ballin usw.