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wurf in seinen wesentliche Bestimmungen den Beschlüssen des Hauptausschusscs entspricht. Soweit der Entwurf die Erfüllung einzelner Wünsche der übergroßen Mehrheit der Privatangestellten nicht gebracht hat, wird die Siebener- Kommission beim Hauptausschusse beantragen, bei den gesetzgebenden Körperschaften nachdrücklich für die Erfüllung folgender Leitsätze einzutreten: 1. Im § 1 Ziffer 4 des Gesetzentwurfes ist die Bestimmung zu streichen, wonach die Bcrsicherungspflicht an ein Jahresarbeitsverdienst von 5000 Mark gebunden werden soll, vielmehr soll statt dessen bestimmt werden, daß ein Erenzgehalt von 5000 Mark für die Bemessung von Leistungen und Beiträgen festgesetzt wird. 2. Eine Befreiung von der Versicherungspflicht soll für Beamte des Reichs, der Bundesstaaten, Gemeinden u. s. f. nicht eintreten, sofern diese Beamten auf Privatdienstvertrag angestellt sind, ohne eine Pensionsberechtigung nach den Sätzen dieses Gesetzes gewährleistet zu erhalten. (§ 10). 3. Nach dem Tode der versicherten Ehefrau eines erwerbsunfähigen Ehemannes, die den Lebensunterhalt ihrer Familie ganz oder überwiegend aus ihrem Arbeitsverdienste bestritten hat, steht den ehelichen Kindern unter 18 Jahren Waisenrente und dem Manne Witwenrente zu, so lange er bedürftig ist (8 29). 4. Als Beitragsmonate im Sinne des § 50 sollen auch die Kalendermonate angerechnet werden, in denen der Bersicherte nachweislich stellungslos gewesen ist. 5. Eine Rückvergütung von Beiträgen soll unter keinen Umständen stattfinden (§ 64). 6. Weiblichen Versicherten, die aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheiden, soll auf ihren Antrag nach Wahl eine sofort beginnende oder eine aufgeschobene Leibrente gewährt werden (§ 65). 7. Die Einberufung des Verwaltungsrates muß auf Verlangen des Verwaltungsausschusses erfolgen (§ 111). 8. Zu der Anlage des Vermögens der Reichsversicherungsanstalt nach § 226 des Entwurfes soll die Zustimmung des Verwaltungs-Ausschusses erforderlich fein (§ 226). 9. Auch in die Rentenaus- fchüsse sollen weibliche Versicherte gewählt werden können (§ 137). 10. Es soll den bestehenden Pensionskassen der Ve- rufsv«.rbände ermöglicht werden, auf ihren Wunsch eine Uebernahme dieser Kassen durch die Reichsversicherungsanstalt mit Zustimmung des Bundesrats herbeizuführen (§ 363). 11. Der Leitsatz des Hauptausschusses über die Höhe der Beiträge hat im Entwurf offenbar nicht die richtige Auslegung gefunden. Der Hauptausschuß hat den einmütigen Wunsch gehabt, daß die dort aufgeführten Sätze von 10 Prozent und 8 Prozent sich auf das durchschnittliche Einkommen, nicht auf das Mindesteinkommen beziehen sollten. Die Beiträge sind deshalb entsprechend zu erhöhen, wodurch zugleich auch die Leistungen erhöht werden. Die Beiträge sollen möglichst so abgestuft werden, daß sie betragen in der Klasse A 2 Mark monatlich, Klaffe B 4 Mark monatlich, Klaffe C 8 Mark, Klasse D 8 Mark. Klasse E 11 Mark, Klasse F 15 Mark, Klaffe G 18 Mark, Klaffe H 23 Mark, Klaffe I 30 Mark monatlich. 12. Der Bundesrat soll ersucht werden, die Versicherungspflicht alsbald nach dem Inkrafttreten des Gesetzes auf Trichinen- unb Fleischbeschauer auS- zudehnen, die diese Tätigkeit auf eigene Rechnung ausüben (8 4). Die Siebener-Kommission erhofft die Erfüllung dieser Forderungen umsomehr, als die Prioatangestellten bei ihrem Bestreben seither die einmütige Zustimmung des Reichstages gefunden haben. Die baldige Verabschiedung des Gesetzentwurfes soll mit allen Mitteln gefördert werden. Die Einberufung eines allgemeinen Privatangestelltentages nach Berlin steht unmittelbar bevor.
Das Unterseeboot „U 3“ ist, nach einem Telegramm aus Kiel, aus der Kaiserlichen Werst nach Wik bugsiert und dort auf der Akkumulatoren-Prüfungsstation vertäut worden. Die Akkumulatoren sollen probiert werden, inwieweit sie durch das eingedrungene Hafenwasser gelitten haben. Von der geretteten Mannschaft befindet sich nur noch der Oèerbeizer Ruda im Lazarett Wik, doch ist auch er auf dem Wege der Genesung.
römische Kunstleben brachten, da gab es freilich Spaltungen und Gegensätze. Denn Overbeck und die Seinen forderten vom Künstler eine strenge ideale Lebensführung, aber schon Cornelius mochte den schäumenden Lebensgenuß nicht missen, und gar die Gegner der Nazarener machten sich über sie lustig und feierten in den von den deutschen Künstlern erkorenen Osterien Trutzgelage und veranstalteten originelle Feste, von denen der treffliche Chronist des deutschen Lebens in Rom, Dr. Friedrich Noack, den grotesken antiken Triumphzug zu Ehren der Entdeckung der Aeginetengruppen am 2. Mai 1817 als das erste nennt
Uneinigkeit ist das alte deutsche Erbübel: auch in die deutsch-römische Künstlerschaft trugen künstlerische, persönliche und religiöse Gegensätze manche Spaltung, und Schopenhauer wäre bei einer Diskussion über den Wert der heidnischen und der christlichen Motive in der Kunst im Winter 1818/19 beinahe aus dem Café Greco hinausgeworfen wor- ' den. Aber dann führten doch die Besuchs Ludwigs I. als Kronprinz und König in Rom die Deutschen wieder zu- , jammen, stärkten ihr Selbstgefühl und den nationalen Korpsgeist. Damals konnte Schnorr voller Stolz sagen: „Das eigentliche wahre Rom gehört uns!“ und ein angeregtes Leben und Treiben bildete sich um den Bayernfürsten, der allem, was Künstler hieß, gleicherweise seine warme Teil- ' «ahme schenkte, der (wie es Catel auf einem Bilde geschil- • dert hat) mit den deutschen Künstlerleuten lustig in ihren • Osterien zechte und die mancherlei barocken Originale unter : ihnen mit gutem Humor ertrug. Gelegenheiten zu feiern ; gab es immer: da galt es dem königlichen Protektor einen . Fackelzug zu bringen, da wurde Reinharts fünfzigstes Rom- Jubiläum 1839 prunkvoll begangen, und da gab es vor ; allem die bald weltberühmten Ponte Molle-Feste.
Ja, die Ponte Molle-Feste, dieser Höhe- und Glanzpunkt ! deutsch-römischen Künstlerlebens! Sie entstanden aus der EewohnMt, die neuen Ankömmlinge bei ihrem Eintritte in die Ewige Stadt an der Milvischen Brücke zu begrüßen, |
Englische Unzufriedenheit.
(Nachdruck verboten.)
Seit Wochen, ja seit Monaten ist die englische öffentliche Meinung in viel höherem Grade als früher mit inneren Fragen beschäftigt; und in dem allgemeinen Interesse, das die innere Politik beansprucht, sind auswärtige Fragen in den Hintergrund getreten. Die Spalten der Zeitungen haben weniger Naum für sie übrig als früher. Wenn die inneren Verhältnisse im Laufe der nächsten Zeit einigermaßen stabil werden und zur Ruhe kommen, wird die öffentliche Meinung sich wieder mehr der auswärtigen Politik zumendep. Dabei wird vermutlich ein Umstand offenbar werden, der zwar jetzt schon sichtbar, aber nicht überall richtig gewürdigt ist. Die öffentliche Meinung ist mit der auswärtigen Lage Englands nicht mehr ebenso zufrieden wie früher. Schon jetzt schreibt hie und da eine englische Zeitung, Sir Edward Grey habe keine glückliche Hand. Es ist nicht leicht, sich die Ursachen dieser heute noch latenten Unzufriedenheit zu vergegenwärtigen. Die englische Macht hat nirgends wirkliche Einbuße erlitten.Sie steht unerschüttert und ungefährdet da, wenn man nicht etwa in der Entwickelung der Kolonie Kanada und ihren Beziehungen zu Amerika den Anfang einer Loslösung Kanadas aus der englischen Bevormundung erblicken kann. Aber auch wer das tut, wird die Ursachen der englischen Unzufriedenheit nicht in Kanada suchen. Vom Standpunkt einer friedlichen englischen Politik aus, welche das Errungene bewahren will, aber nicht weitergehende Macht- und Expansionsgelllste hegt, wird man diese Unzufriedenheit überhaupt nicht verstehen können. Man wird ihrer Erklärung die Tatsache zu Grunde legen müssen, daß die öffentliche Meinung Englands oder wenigstens ein sehr großer Teil derselben sehr große Ansprüche an eine Hegemonie Englands auch in solchen Fragen und auf solchen Interessengebieten stellt, die England nicht direkt berühren. Stellt man solche Ansprüche, so wird man allerdings zugeben müssen, daß die Entwicklung der letzten Jahre diesen Ansprüchen nicht günstig ist. Die Zeit, da England nicht nur in Paris, sondern auch in Petersburg und Rom einen sehr großen Einfluß ausübte, und durch diesen viel verzweigten Einfluß die deutsche Politik beherrschen zu können glaubte und gestützt auf diesen Einfluß in der Orientfrage und anderen Fragen weit ausschauende Pläne beginnen konnte und sozusagen überall am längsten Hebelarme saß, — diese Zeit ist allerdings vorbei. Der englische Einfluß in Paris ist gebrochen. Wie sehr Paris noch Filiale von London ist, hat ja erst die Plissinger Frage, wo Frankreich für doch offenbar in erster Linie englische Interessen ins Feuer ging, deutlich gezeigt. Aber wenn auch dieser Einfluß ungebrochen, so hat sich doch an manchen Vorkommnissen der letzten Zeit deutlich gezeigt, daß das internationale Gewicht von Paris selbst langsam aber stetig sinkt. In Rom hat sich manches geändert. Der deutsch-österreichisch-ungarische Erfolg in der Valkankrise hat auch den zu den Westmächten neigenden italienischen Politikern deutlich gezeigt, wo die tatsächliche Macht sitzt, und eine Wiederannäherung Italiens an den Dreibund veranlaßt. Die Potsdamer Entrevue hat gezeigt, daß in Rußland England durch den Weggang Iswolskys eine Schachfigur verloren hat, daß jedenfalls unter seinem Nachfolger eine Orientierung der russischen Politik nach englischen Interessen nicht möglich ist. Damit ist aber jener diplomatische Ring gebrochen, auf den das England der letzten Regierungsjahre König Eduards seinen Einfluß und den Plan gebaut hat, die deutsche Politik allerorten diplomatisch lahm zu legen.
Das alles ist nicht zu bestreiten. Möglich, daß die englische Unzufriedenheit die jetzigen Leiter der englischen Politik für dies Sinken des englischen Uebergewichts verantwortlich machen und die Aenderung der internationalen Machtverteilung mit dem Tode Eduards VH. begründen wird. Das ist falsch. Den entscheidenden Stoß hat das ganze englische System schon zu den Zeiten Eduards VII., und
und bildeten sich nach und nach zu einer ganz einzigen Organisation echten Künstlergeistes und Künstlerhumors aus. Die Ponts Molle-Gesellschaft rechnete nach eigenen Olympiaden, deren erste auf 1813/14 angesetzt war; sie verlieh ihren eigenen Bajocco-Orden; sie erkannte durch ihre Senatsbeschlüsse Triumphzüge zu, sie zog zu sibyllinischen Orakeln, olympischen Spielen und gewaltigen Kneipgelagen im Frühjahr nach Cervaro aus — aber heim konnten viele von den Teilnehmern nur auf Esels Rücken gebracht werden. Ludwig Richter hat das Cervaro-Fest von 1824 beschrieben, und die ganze glänzende Reihe deutscher Künstler, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Rom weilten, hat diese selbst von den Reisehandbüchern gepriesenen Feste mitgemacht. Ihr erster Generalissimus war der Hamburger Maler Flor, „semper in floribus“, der einmal seine halbnackten Gäste durch Gipsanstrich und Bettlaken in eine antike Statuengalerie verwandelte. Sein Nachfolger war der unerschöpfliche Nerly aus Erfurt, der die Sache in Form und Ordnung brachte, den Bajocco-Orden begründete, die Aufnahme der Novizen in ein höchst drolliges Zeremoniell kleidete, zwerchfellerschütternde Reden in einer jedermann unverständlichen Sprache hielt und mit den Künstlern nächtliche Singekonzerte in „Nerlys Vogelbauer", dem Kolosseum, veranstaltete. Ihm folgte der nach sechsjähriger Abwesenheit wieder zur geliebten Roma heimgekehrte Flor, der die deutsche Künstlermaskerade im Karneval 1835 ausdachte. Sie stellte den Olymp dar; Flar war Diana und schoß Blumenpfeile nach den Damen „auf hohem Balköne", Ole Bull-Apollo spielte die Geige, der Maler Pollack figurierte als Zeus mit einem — Truthahn. Die Cervaro-Feste nahmen allmählich gewaltige Dimensionen an; die Zahl der Teilnehmer betrug 1838 rund 150, 1846 aber über 300, und ein glänzender bunter Maskenzug war es, den der Präsident des Morgens um 8 am Tore degli Schiavi musterte. Wundersame Preise gab es bei den olympischen Spielen, als z. B. den Strumpf der Psyche und die Zahnbürste der Minerva, und die Lanze wurde nach einer Sckell>e aeworken. die von der überlebens-
zwar im Jahre 1908 erhalten. Das System selber war unhaltbar. Eine rein diplomatische Lahmlegung eines militärisch starken und aktionssähigen Staates ist nicht durch, führbar, wenn dieser Staat sich auf seine Stärke besinnt.
Hus aller Kielt
Die Wirtzsche 900 Millionen - Erbschaft. In der Ang-äegenheit der bekannten Wirtzscben 900 Millionen-Erbschaft hat in Köln wiederum eine überaus zahlreich besuchte Versammlung staitgefnnden, in der mitgeteilt wurde, daß nunmehr 4OÖ Mitglieder aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands und ’ des Auslandes dem Vereine beigetreten sind, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, zur Erlangung des Nachlasses des in Amsterdam verstorbenen Feldmarschalls Paul Wirtz alle Schritte einzuschlagen, die zur Erreichung des Zieles führen können. Es soll nunmehr das noch fehlende Akienmaierial vom Wiener Reichs- und Hofarchiv beschafft und von einer Kommission von Juristen gesichtet werden. Auch hervorragende Juristen aus Düsseldorf, Luxemburg, Brüssel und Paris wohnten der Versammlung bei.
Wie geschickt Bauernfänger zu arbeiten verstehen, geht aus dem Reinfall eines Berliner Wirtes hervor. Der Wirt bekam den Gastbeiuch eines reichen Baumeisters aus der Provinz, und Bauernfänger, die bei dem Wirt verkehrten, hatten alsbald heraus, daß der Baumeister ver- schiedene tausend Mark bei sich führte.. Freudig setzte sich der Wirt, der einer Nebeneinnahme dieser Art nicht abgeneigt war, mit zum Spielchen hin, aber im Umsehen war er 3000 Mark loSgeworden. Er versuchte, nachher mit „Blüten" zu zahlen, da kam er jedoch an den Rechten. Der Herr Baumeister erhob sich und wollte sofort zur Polizei gehen. Er ging aber nicht dahin, sondern verschwand. Die Polizei stellte in ihm einen alten Bauernfänger fest, der so geschickt gearbeitet hatte, daß er sogar einen Kollegen hineinlegte.
Ein Bettlerkönig mit 20 Frauen. In Homel in Rußland wurde der sogenannte Bettlertönig David Kotschmel verhaftet. Er hatte in vielen Provinzstädten Bettlerkchulen und Organisationen eingerichtet ünd besaß in verschiedenen Städten zwanzig an getraute Frauen, die er unter Benutzung falscher Dokumente geheiratet hat. — Der Berliner Graf de la Ramec, der unter dem Verdacht der Hochstapelei verhaftet worden war, wurhe aus der Hast entlassen. Der Graf soll eigentlich ein galizischer Handlungsgehilfe sein. Die Untersuchung gegen ihn wird jedoch weitergeführt.
Auf der Arbeitsuche erfroren. Nach einer übermit- feiten Meldung der Zeitung Aftenposten aus Vardö sind von sieben arbeitsuchenden Russen zwischen Falkefjord und Pet- schenga zwei Mann erfroren. Ein dritter gelangte unter großen Mühsalen nach Petschenga. Die übrigen vier kehrten völlig erschöpft nach Folkefjord zurück.
Schwere Anschuldigungen gegen einen Richter. In der Vogesenstadt von Saint Die erregt zurzeit ein Juktiz- skandal großes Aufsehen. Der Richter Amault ist ange- schuldigt, durch Verletzung des Amtsgeheimnisses sich rechtswidrige Vorteile verschafft und von den Recht Suchenden übermäßige Gebühren gefordert sowie in einem Prozeß der Stadt Die gegen einen Industriellen ein wissentlich falsches Urteil ginn Nachteil der Gemeinde gefällt zu haben. Der Richter, der selbst nachdrücklich jede Verfehlung in Abrede stellt, ist zur Rechtfertigung vor den Ehrenrat der Justizbehörde zitiert worden; er bezeichnet sich selbst als Opfer politisch einflußreicher Widersacher.
Selbstmord einer Amerikanerin auf hoher See. Auf der Ueberfahrt von Schanghai nach Nagasaki hat, einem Preßtelegramm auS Tokio zufolge, die junge Amerikanerin Miß Alice Darijee an Bord des Postdampfers „Manchuria" Selbstmord begangen, indem sie auf hoher See über Bord sprang. Alle Rettungsversuche der Mannschaft waren vergebens. Miß Alice Tarje dürfte den Selbstmord in einem Anfall von Geistesgestörtheit infolge geistiger Ueberarbeit begangen haben.
großen Figur eines Rezensenten gebildet wurde — aber an des Herzens Stelle zeigte sie einen Magen.
Die Stürme der Jahre 1848 und 1849 machten diesen deutsch-römischen Künstlerfrühling ein Ende, und Wiederbelebungsversuche machten nur deutlich, daß das Vergangene vergangen war. Aber stattlich und bedeutend blieb die deutsche KLnstlerkolonie in Rom auch weiterhin; Männer wie Johannes Schilling und Reinhold Begas, Dreber und Lenbach, Oswald Achenbach, Böcklin, Feuerbach und Marxes haben zu ihr gezählt, und von Modernsten brauchen wir nur Taillon und den ständig in Rom ansässigen Otto Greiner zu nennen. Den Mittelpunkt des deutschen Kunstlebens bildete in dieser Zeit und bildet noch der Künstlerverein, der freilich im ganzen mehr praktische Zwecke verfolgt und es nicht zu einer so klassischen Stellung gebracht hat, wie die Ponte Molle-Gesellschaft. Aber die Künstler haben sich zu entschädigen gewußt, und immer wieder haben sich Kreise und Gruppen gebildet, die zu Trunk und Kurzweil unb gutem Worte zusammen kamen, wie die Colonna-Gesellschaft, deren Mittelpunkt Hermann Allmers war und zu der unter anderen die Maler Knille und Magnussen zählten, oder die Genossen von der Sapienza an der Piazza Barberini, denen der Bildhauer Gerhardt, ferner Dreber, Böcklin und Marses zugehörten. In den Vlütetagcn der modernen Richtung schien die Neigung der deutschen Künstler zur Romfahrt zurückzugehen, ja sie wurden vor dem römischen Boden geradezu gewarnt. Allein wenn wir bedenken, was Künstler wie Ludwig Richter, Feuerbach, Böcklin, um nur einige wenige zu nennen, Rom verdanken, so will es uns doch scheinen, daß die Ewige Stadt der deutschen Kunst Köstliches gespendet hat So wird wohl noch so manches Künstlergeschlecht an den Tiberstrand wallfahrten und dort heitere Tage reinen Strebens und froher Jugendlust genießen, und noch manche schöne Seite wird sich hoffentlich in der merkwürdigen und bunten Chronik deutschen Künstlerlebens in Rom füllen.